Mehr echtes Social Media bitte

Eigentlich wollte ich mir eine Blogging-Pause gönnen, aber das muss ich loswerden. Gestern hat Nici über das Bilanz Ranking geschrieben. Hier wurden die stärksten Marken in Social Media gewichtet. Ich scheine ein Award-Ranking-Anti-Gen zu haben. Dafür kann ich nichts. Mir drängt sich immer die Frage auf: Wer entscheidet warum wie? Bei der Awardverleihung am Dienstag hab ich im Publikum den Satz gehört „Hat die Schweiz nicht mehr Social Media zu bieten?“ und das frag ich mich jetzt auch.

Platz 2. auf besagtem Ranking ist Tag Heuer. Tag wer? Ach ja, die Uhren (hat also nichts mit ver-taggen zu tun 😉 Ist das das Unternehmen, das wahrscheinlich ein Wahnsinns Werbebudget hat und drum irgendwen beauftragt, den Twitter Account aufzusetzen. Evtl. weil man Social Media machen will und es sich positiv auf SEO auswirkt, oder weil es „ein neuer Marketing Kanal ist?“Tag Heuer in Twitter Diese Überlegung drängt sich mir beim schnellen Blick auf jenen Account auf. Hier findet keinerlei Dialog statt. Es werden Firmennachrichten im Medienmitteilungsstil (heisst in Deutschland PI) wahrscheinlich automatisiert verschickt. Man folgt kaum ein paar Leuten im Vergleich zur Followerzahl, zuhören is nicht. Noch müder sieht es bei Tag Heuer Watches Switzerland (!) aus, um die Schweiz gings im Ranking) in Twitter aus.
Es gibt einen Youtube Channel, der gebrandet ist der und 849 Abonennten hat. Für so eine grosse internationale Marke dürften dies in meinen Augen wesentlich mehr sein. Der Film zum 150jährigen ist optisch wirklich der Hammer. (also für Männer, denn die Botschaft hab ich nicht wirklich verstanden). Auch hier, kaum Blicke hinter die Kulissen, es werden Werbebotschaften chic aufbereitet für Youtube aber kaum kommuniziert. 25’474 Aufrufe. In Facebook findet kein Dialog statt, auf Kommentare wird nicht reagiert. Ich habe keine einzige Antwort auf Fan-Kommentare gefunden. Verpasste Kommunikationsgelegenheiten mit 204 150 Menschen.

Die Nummer 1 laut Bilanz ist Swisscom. Das Unternehmen hat einen recht guten Kundendienst in Twitter. Das hab ich selbst schon erleben dürfen. Dankeschön dafür. Obwohl ich finde, man darf ruhig auch Leuten folgen, sonst hängt man im Sendenmodus fest, zum Dialog gehört für mich auch, zuhören, was die Leute bewegt und nicht nur via Monitoring oder Suche auf alles reagieren, was das eigene Unternehmen betrifft. In Facebook sieht das fein aus.

Swisscom in Facebook

Swisscom in Facebook

Aber ein Blick auf die Homepage zeigt gähnende Leere in Sachen Social Media. Keine Hinweise auf Social Media Aktivitäten, geschweige denn, dass man dorthin eingeladen wird. Das gleiche bei tagheuer.com obwohl die Website schon sehr chic ist, zugegeben.

Insgesamt inspiriert mich das Bilanz Ranking dazu, mir mehr originelle Social Meida Beispiele zu wünschen. Unternehmen, die alle Medien in ihrem Dialog integrieren, „in mir einen Wow-Effekt auslösen, dort willich Fan sein, da erfahr ich mehr“. Es gibt Leute, die nicht extra in Facebook nach „ihrer Lieblingsmarke“ (sofern es sowas gibt) suchen, sondern auch mal auf einer Verpackung, Newsletter, Website oder beim Kauf direkt zum Dialog eingeladen werden wollen. Und wenn dann noch die HR Leute mitmachen, dann würde ich selbst gern mal ein Krönchen vergeben.

Im Text bei der Bilanz steht noch, dass es eigentlich überrascht, dass die ersten 3 weniger Likers haben als Nespresso, die Anzahl der Fans aber schlussendlich nicht entscheidet. Bewertet wurden Dialogbereitschaft, Aktualität und Youtube. Ja die Anzahl macht es nicht aus, aber Engagement, Leidenschaft, Ideenreichtum und Kommunikation, Ihr wisst schon, miteinander reden…

Nachtrag 18.05. Manuel Nappo hat bei bloggingtom einen Gast-Betrag zur Methode des Rankings gemacht, er kommt auf das Fazit „fragwürdig“.

Kommentar zu Richard Joerges schreiben

Hier klicken, um das Antworten abzubrechen.

Du kannst folgendes HTML verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

11 Kommentare zu “Mehr echtes Social Media bitte

  1. Hallo Su
    Beim Thema Swisscom und Kundendienst muss ich doch gleich einhaken. Ich habe zwar kein Twitter-Account, kann deshalb auch nicht über den Kundendienst auf dieser Plattform mitreden. Doch der Kundendienst, so wie ich ihn in den letzten Jahren erlebt habe, lässt wirklich einiges zu wünschen übrig. Vielleicht punkten sie wie andere Firmen auch im Bereich Social Media. Doch eine gute Firma macht meiner Meinung nach aus, dass sie in der „echten“ Welt dem Kunden helfen!

    • Hallo G.
      Hab deinen Vornamen leider nicht gefunden. Danke für deinen Kommentar. Ich finde natürlich auch dass online und offline nicht unterschieden werden sollte. Habe persönlich sehr gute Erfahrung gemacht mit dem Swisscom Support, vorallem telefonisch. Aber es liegt wie so oft an einzelnen Personen, mit denen man zu tun hat
      Das ist online genau gleich wie offline.

  2. Hallo Su
    Wie Du siehst, hat mich meine Neugier doch noch einen Deinen Blogs finden lassen. Ich fragte ja in meiner Bestätigungsantwort im Xing danach; gähn. Sorry, jetzt bin ich wieder wach, da ich Deinen Blog über die Awards und auch über Schweiz Tourismus las. Vor allem die Awards Schelte bringt das allgemeine Problem auf den Punkt. Das ist doch schlicht Betrug. Du triffst es auf den Kopf. Transparenz über die Kriterien sind da der Ausweg sowie demokratischere Auswahl der Firmen und der Gewinner.
    Also, ich freue mich schon über den nächsten Blog sowie das Gespräch mit Dir :).
    Herzliche Grüsse,
    Fredi

  3. Es tut mir als PR- und Social-Media-Dienstleister in der Seele weh, wenn ich mit Social-Media-Angeboten wie dem von TAG Heuer konfrontiert werde. Einerseits, weil ich als Liebhaber mechanischer Uhren ein Faible für die Marke und deren Produkte habe, andererseits, weil die Firma alles, aber auch wirklich alles hat, was anderen Firmen für einen erfolgreichen Social-Media-Auftritt fehlt:

    1. Erklärungs- und zeigebedürftige Produkte.
    2. Eine echte Community, zumindest in der echten Welt.
    3. Eine starke Marke.
    4. Am wichtigsten: Content (hochwertige Fotos, Videos und Texte) ohne Ende.

    Will heissen: Wenn man nur wollen würde, könnte man ruckzuck einen mustergültigen und erfolgreichen Social-Media-Auftritt für TAG Heuer realisieren…

  4. Su – vielen Dank für deine Einschätzung! Das ist wieder Mal ein super Beitrag von dir. Welches sind deine Favoriten im Bereich Social Media? Ohne Ranking 😉

  5. Immer wieder gerne!

    Ich bin ganz deiner Meingung bezüglich der Bemühung um Dialog. Starke Marken haben es oft einfacher, da die Fans selbst Inhalte generieren oder sogar eigene Communities aufbauen um die Faszination Brand.

    Schauen wir mal, wie es in eienm Jahr aussieht mit Social Media bei Schweizer Firmen.

  6. Danke, Aldo für Deine Ergänzung. Ich sehe nicht, dass die User der benannten introvertiert wären. Und ein wenig muss man sich um den Dialog schon auch bemühen seitens der Unternehmen einer Marke. Schliesslich ist eine Marke das was sie ist, weil Menschen sie nutzen, mögen und dies auch kundtun (jaa und auch, weil gutes Marketing gemacht wird 😉

  7. Hallo Su

    Dieses Ranking hatte mich schon letzte Woche irgendewie negativ überrascht. Ich konnte die Rangliste auch nicht ganz nachvollziehen. Für mich sollte beispielsweise die Migros auf den ersten Plätzen sein, da sie verstanden hat, was Social Media ist.

    Sie hört ihren Fans/Kunden zu, führt Dialoge mit ihnen und setzt Inputs, die aus Social Media kommen auch gleich um. Beispiele gibt es ja bereits einige: Ice Tea PET-Flasche, Cherry Coke, Crowdsourced-Konfitüren – you name it.

    Obwohl Social Media heute bereits bei immer mehr Unternehmungen eingesetzt wird, habe ich den Eindruck, dass viele Firmenvertreter, die sich in Social Media tümmeln, noch immer nicht verstanden haben, worum es bei Social Media eigentlich geht. Ich stolpere immer wieder über Facebook-Seiten und Twitter-Konten, die ausschliesslich für die 1:n-Kommunikation, also die klassische Push-Kommunikation, verwendet werden. Eigentlich schade, denn viele Brands hätten das Potential echte Dialoge mit ihren Fans zu führen und damit Nähe zu ihren Kunden zu schaffen.

    Oder sind die Social-Media-User in der Schweiz einfach zu distanziert oder gar introvertiert?