Bei Bloggern ins Schwarze treffen

Blogger haben in der Unternehmenskommunikation heute einen ähnlichen Stellenwert wie Journalisten. Das ist bei den PR-Verantwortlichen bekannt. Vor 2.5 Jahren hab ich festgestellt, das Blogger anders sind, und gab ein paar Tipps von mir.

Während ich gemütlich in den Offline Ferien weilte, gab es letzte Woche bei Leumund eine Diskussion. Der Schweizer Oberblogger veröffentlichte seine Liste mit Twitterer-Empfehlungen. Für mich ein ganz normaler Mechanismus von Social Media allgemein. Eine persönliche Empfehlung eben.

Die Diskussion dazu: Teils wollten Leute sich selbst auf der Liste sehen, manche bestätigten, kritisieren und unterstützten die Aktion. Super, dafür ist ein Blog bestens geeignet. Zum Wunsch, empfohlen zu werden, möchte ich aber nochmals auf die Social Media Mechanismen eingehen. Dort fängt Kommunikation bereits viel früher an, als wir es von der klassischen (alten) Kommunikation kennen. Es geht darum, wie trete ich (vor der eigentlichen Kommunikation/Veröffentlichung) auf, wie pflege ich mein Netzwerk und eben auch den Kontakt zu Bloggern und Multiplikatoren. In meinen Augen bringt es nichts, um Empfehlungen zu bitten, denn dann folgen wir einem bezahlten Marketing-Mechanismus, der leider auch oft klassiche Medien finanziell über Wasser hält. Was wir an Social Media aber (hoffentlich) schätzen sind ja die aufrichtigen Empfehlungen und den ehrlichen Austausch. Schlimm genug, wenn Follower und Fans inzwischen käuflich sind.

Die Diskussion bringt mich über Umwege zum Umgang mit Bloggern aus PR Sicht:

– Regel Nummer 1 Biete Mehrwert
– Regel Nummer 2 Biete Mehrwert und lass Marketing bla-bla sein.
– Werde Teil der Community
– Suche den Zugang zu den gewünschten Bloggern über deren Blogs
– Abonniere und lese den Blog, zeige echtes Interesse
– pflege Blogger Kontakte auch offline
– fokussiere Dich auf wenige

UND: Blogger wollen keine Medienkonferenz, sondern Hintergründe und Zeitvorteil bei einer Information. Diese Einladung hat meiner Meinung nach wenig Chance auf Erfolg. (Hier war ich vorab persönlich eingeladen worden, und hätte deshalb schlussendlich doch teilgenommen. Das Beispiel ist kein Einzelfall, drum hab ich es stellvertretend genommen)
Einladung Blogger zur Medienkonferenz

Ich habe hier ein paar Ideen, wie man als PR-Verantwortliche/r bei Bloggern ins Schwarze treffen kann. Ich behaupte nicht dass es einfach ist, gell.

Wo halten sich Blogger auf?
In Twitter, Google und meinen RSS-Feeds oder denen meiner Kontakte 😉

Wie lerne ich Blogger kennen?
Über persönliche Empfehlung (sich vorstellen lassen)
 und kommentieren auf deren Blogs. Echtes Interesse.
Von selbst, denn Blogger sind auch Blogleser. Also starte einen ernstzunehmenden Corporate Blog (dazu in ein paar Tagen mehr hier)

Wie informiere ich Blogger über Firmen-News?
Ich biete nur Inhalte an, die Mehrwert und Zeitvorteil gegenüber klassischen Medien bieten. Blogger wollen keine Medienkonferenzen (behaupte ich jetzt mal).

Wie pflege ich den Kontakt?
Siehe oben und indem ich mich adäquat bedanke, wenn jemand über mein Unternehmen geschrieben hat?
Egal ob positiv oder negativ, ich nehme Kontakt auf. Bedanke mich in Form von Empfehlungen, Backlinks, später auch Blogroll, Einladungen zu Events oder auch ein persönliches Geschenk. Sonnenbrille, ein persönliches Geschenk PodiumsteilnehmerVorsicht, hier geht es nicht um Give aways, sondern darum, ins Schwarze zu treffen. So kann ein persönlicher Kontakt entstehen. Bitte seid kreativ, wie kürzlich die Veranstalter derPokert mit dem Sonnen-Brillen Geschenk, das bei mir ins Schwarze trifft, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wertvolle Ideen zum Danke-Sagen hat kürzlich auch Ralf Bohnert verbloggt. 11+2 Wege.. Was denkt Ihr, wie reagiert Ihr auf klassische Medienmitteilungen oder Konferenz-Einladungen? Wie geht Ihr als PR-Leute mit Bloggern um? Bitte gebt mir noch einige Ideen, die ich auch meinen Studenten am Freitag weitergeben kann.

Nachtrag: 21.08.2011 lesenswerte 7 goldene Regeln für PR 2.0 von Dörte Giebel

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11 Kommentare zu “Bei Bloggern ins Schwarze treffen

  1. Dankeschön liebe Marie-Christine und schön, dass Du das ansprichst. Das ist für mich auch immer ein Tabu wenn es an Bestechung erinnert. Ich hab bei Namics beispielsweise Bloggern ein personalisiertes T-Shirt mit Ihrer eigenen Wortmarke gemacht, das kam sehr gut an. Auch eine Kaffee-Einladung, mal ein kleines Schoggi-Päckchen zwischendurch, per Post bis nach Hamburg geschickt an einem Regentag, damit sie nicht schmilzt, hat Freude gemacht. Mir und auch den Empfängern. Leider geht das Zwischenmenschliche oft vergessen, und Du hast vollkommen recht. Wertschätzung ist auch ein Geschenk, das wohl das Wertvollste 😉 und das zahlt ganz nebenbei auf die Marke des Bloggers/Blogs zurück. Also bitte auch an die Verlinkung denken.

    Die Kapazität in den Firmen erlebe ich als das grösste Problem, Social Media ansich hat noch nicht den Stellenwert, den es verdient und wird manchmal organisatorisch schnell irgendwo hin geschoben, damit es jemand macht. Ich denke, das wird sich aber ändern.

  2. Gratuliere zu diesem Beitrag. Ich sehe die Knacknuss für die Unternehmenskommunikation: Blogger brauchen Vorlauf, Unternehmen die Gewissheit, dass ihre News nicht vorzeitig verbreitet werden, das setzt ein Vertrauensverhältnis voraus. Blogger brauchen andere Präsentationsermine, das leuchtet ein. Dies fordert aber auch von der Kapazität der Verantwortlichen etwas ab, sie müssen sich für den Blogger zusätzlich Zeit nehmen. Dieser will sich nicht verpflichtet fühlen, auch wirklich schreiben zu müssen, was absolut legitim ist. Allerdings beginnen Unternehmen dann auch abzuwägen. Wie berätst du hier deine Kunden zum Vorgehen?
    Gefährlich finde ich den Tipp des Geschenkes, ein Muster zu Testzwecken mag ja gehen, aber einfch ein Geschenk könnte auch nach Bestechung riechen ubd dem Blogger das Gefühl der Unabhängigkeit nehmen. Für das treffendste Geschenk halte ich die Wertschätzung, oder wie siehst du das?

  3. Ich würde gerne einmal eine Liste von privaten, guten Schweizer Blogs finden. Apple-, Geek- und Socialmedia Marketing-frei. Bisher wurde ich fast nur in DE fündig.Aber ich suche weiter. Denn deshalb startete ich vor 5 Jahren überhaupt. Weil ich so gerne in das geschriebene Leben der anderen miteintauchte.