interaktives Fernsehen – na bitte geht doch

Das ist einer der Gründe, warum ich dieses Land so liebe. Seit dem 19.09. ist das Schweizer Fernsehen auf dem Berner Bundesplatz und sendet von dort. Eine Aktion im Wahljahr, wo das TV Team nicht nur vor Ort für die Leute erlebbar ist, sondern vorallem direkt am Politik-Puls vorm Bundeshaus. Und dabei verbindet SRF recht ordentlich (wie ich finde) verschiedene Medien. Ich kenne kein vergleichbares Beispiel aus dem sogenannten klassischen Medienbereich und fühle mich erhört. Ich komme mir nicht mehr komisch vor, mit dem Handy oder Laptop vorm TV zu sitzen.  Denn ohne fehlt mir  die Kommentarmöglichkeit und ich entscheide mich meist doch fürs Web statt Fernsehen.

Was ist nun die Innovation, die mich zum Reflektieren inspiriert?

Gestern Abend verband der SRF mit einer Live Sendung (zum Thema Armee freiwillig oder nicht) Offline mit Fernsehen. Soweit nicht neu,  das tun Livesendungen schon lange. Nun eröffnet sich aber eine weitere Dimension. Live Online. Zuschauer, die nicht vor Ort sind, können sich an der Diskussion beteiligen auf verschiedenen Wegen.

– TV Zuschauer, die gleichzeitig Online sind (senden Kommentare via Twitter und Facebook)
– Nicht TV Zuschauer, die nur Online sind erfahren, was Zuschauer via Web kommentieren und was Talk-Gäste von sich geben
– Die Moderation bringt einige der Kommentare in die Sendung ein
– einige Tweets und Facebook Kommentare schaffen es sogar auf den TV-Bildschirm.

Dazu erstmal herzlichen Glückwunsch, das ist ein mutiger und zeitgemässer Schritt für das Schweizer Fernsehen und ich wünsche dem Team viel Erfolg beim Experimentieren und Weiterentwickeln. Vermutlich wird sich künftig die Art des Sendens und auch der Inhalt ändern und Medienschaffende lernen dazu (vielleicht auch mal öffentlich, was ok und sympathisch wäre) Nun möchte ich aber noch ein paar Kleinigkeiten wünschen (ja ich hab auch kurz über Ideen-Verkaufen nachgedacht, es dann aber dem Blog zu liebe sein lassen 😉 die das interaktive Fernsehen perfektionieren könnten.

Fernsehen noch interaktiver

Im Internet sind Inhalte zeit- und ortsunabhängig. Ortsunabhängigkeit hat SRF mit dieser Social Media Integration gut gelöst. Die Zeit-Unabhängig könnte man noch besser für den Austausch nutzen. In Twitter beispielsweise, könnte das Team auch ausserhalb der Sendung kommunizieren und vorher auf die Sendung hinweisen und mit Links und Hintergründen etc. einladen. (z.B. die  Facebookseite, wo parallel diskutiert werden kann). Fair und wertvoll fände ich auch eine alternative Plattform für Menschen, die keinen Facebook oder Twitter Account haben. Auf einem Blog oder im Video Portal (dort konnte ich übrigens nichts zur Sendung finden) zum Beispiel könnte die Diskussion (Sendung + Social Media Beiträge) dauerhaft abgebildet werden. In Facebook und Twitter verschwinden diese Inhalte relativ schnell und geben wenig Möglichkeit für eine nachträgliche Recherche für Leute, die die Sendung nicht sehen konnten. Vorallem nicht gebündelt, später wird auch niemand mehr via Hashtag (#bupla) in Twitter suchen.

Eine Beteiligung via SMS, die 20 Rappen pro SMS kostet scheint mir übrigens unangemessen, gegenüber Social Media Beiträgen, die gratis sind. Der TV-Bildschirm zeigte gefühlte 40% der Online Hinweise  Eigenwerbung für die Social Media Plattformen zum Projekt. „Ihre Meinung per Twitter. Tweets an @bundeshaus“ etc.

Eine Moderation (mit sichtbarer Person) in Twitter und Facebook wäre das Sahnehäubchen eines runden multimedialen Fernseh-Erlebnisses und würde wahrscheinlich auch mehr Beteiligung generieren. Wenn das so weitergeht, denk ich wieder über einen neuen Fernseher nach. Das bisherige Hauptargument, dass der alte hässlich ist, reichte nicht für eine Investition 😉

PS: Herzlichen Glückwunsch auch zum neuen Leiter Multimediaredaktion Radio Alexander Sautter, mit ihm kommt sicher auch beim Radio mehr Online-Leben rein.

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2 Kommentare zu “interaktives Fernsehen – na bitte geht doch

  1. Vielen Dank für die Blumen, Dein Artikel hat mich wirklich sehr gefreut, die Inputs nehmen wir gerne auf.
    Eine kleine Präzisierung: An den 20 Rappen pro SMS verdient SRF nichts. Das ist der normale Tarif der Mobile-Anbieter und geht auch in deren Taschen.