Das liest doch keiner, dieses und mehr Missverständnisse

Vor ein paar Tagen habe ich gemeinsam mit Michael Wuschech von Argus (das Handout ist leider nicht verfügbar) einen Starterkurs Social Media kompakt für btools an der ETH geben dürfen. Michael sprach über Plattformen, Tools und Monitoring und ich über praktische Anwendung. Deshalb ist mein Handout nicht abschliessend (was es ja sowieso nie sein kann) Die Teilnehmer waren KMU und Start-ups. Für mich ist das Ziel erreicht, wenn am Ende die Leute leidenschaftlich sofort anfangen oder optimieren wollen oder manche auch aufrecht entscheiden (können), „das ist nichts für mich“.

Ich mag Kurse, in denen auch Social Media Skeptiker sind. Hier kann ich und wahrscheinlich alle besonders dazu lernen, kritische Überlegungen prüfen und darüber diskutieren. Einige Missverständnisse haben wir direkt im Kurs besprochen.

Der Lehrling / der Neue macht‘s
Ich denke, der Lehrling kann der richtige sein, wenn zusätzlich jemand im Unternehmen als Corporate Communicator Inhalte setzt und selbst beteiligt ist. Es ist glaubwürdig, wenn neben ihm und anderen Kollegen auch der Lehrling kommuniziert und aus seiner Sicht berichtet. Als alleiniger Botschafter finde ich es je nach Unternehmen heikel, denn der Pressesprecher in grossen Unternehmen ist meist eine lebenserfahrene Person, die die Fettnäpfe der Öffentlichkeitsarbeit kennt und die Firma auch in Krisen-Situationen vertreten kann.

Unsere Kunden nutzen kein … und das liest doch keiner
Ich denke, Google liest „das“ und somit auch Menschen, die Social Media nicht direkt nutzen. Es entscheidet nicht der Absender einer Information sondern der Leser, wie relevant sie ist. Hier sei noch die Bemerkung erlaubt, dass es mit Facebook allein nicht getan ist, da dies ein „geschlossenes System“ ist und bestens innerhalb der Plattform selbst funktioniert. Beiträge dort oft nicht via google auffindbar sind.

Eine Abbildung der Diskussion auf einer externen Plattform ist zwar clever und für thomashutter.com zum Beispiel richtig cool und passend. Aber in einem KMU ist es genau zu prüfen, da Nutzer auch erschrecken können, wenn sie auf einer Website (ausserhalb von Facebook) ihre Facebook kommentare finden. Das lässt sich nicht pauschal beantworten.

Das dritte Missverständnis war. „Es macht Sinn Facebook Nutzung im Unternehmen zu verbieten, weil so viel Zeit verloren geht“.
Dazu hab ich mir schon einmal Gedanken gemacht
und ich glaube, es hat sich auf Grund von Smartphones fast schon erledigt. Firmen sollten im Fall der Zeitverschwendung die Ursache prüfen und nicht die Wirkung. Mehr solcher Missverständnisse hat Hansjörg Leichsenring im Bankblog vor einiger Zeit zusammen getragen.

Ich versuche mich auf kritische Fragen immer so gut es geht vorzubereiten. Wenn Ihr noch welche habt, freu ich mich über Kommentare und natürlich auch auf anderen Wegen über Ideen.

Kommentar schreiben

Du kannst folgendes HTML verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

5 Kommentare zu “Das liest doch keiner, dieses und mehr Missverständnisse

  1. Schönes „Best Of“ von der Skeptiker-Front! Bei dem Punkt „Der Lehrling / der Neue macht‘s“ bin ich jedoch etwas stutzig geworden. Du schreibst, dass die Glaubwürdigkeit der kommunizierten Inhalte steigt, wenn neben dem Pressesprecher auch normale Mitarbeiter die neuen Medien nutzen. Klar, das ist eine der fundamentalsten Veränderungen die SoMe in der Unternehmenskommunikation ausgelöst hat. Eine große Chance, aber für viele auch noch ein großes Risiko. Auch für dich? Denn diese neu gewonnen „Freiheit des Lehrlings“ schränkst du schnell wieder ein. Wenn es kommunikativ heikel wird, dann soll der Profi doch wieder ran. Er kennt die Regeln der Meinungsbildung, er kann das Unternehmen in „Krisen-Situationen vertreten“. Der Lehrling hat dann Sendepause? Darin liegt ein Widerspruch. Denn die neue Transparenz wird sich genau an den Krisenzeiten messen lassen müssen. Das erwarten Mitarbeiter und Öffentlichkeit.

    • Danke für Dein Feedback Marius. Ich hab tatsächlich beide Seelen in diesem Punkt. Einerseits als überzeugte Bloggerin und Social Media bis zur letzten Konsequenz-Fordernde und andererseits komme ich aus der sogenannten klassischen PR und finde es doch (noch) hilfreich, intern ein wenig zu steuern. Damit denke ich aber nicht an Zensur (ganz und gar nicht) sondern mehr an, coaching, den Leuten bewusst machen, was die Mechanismen dahinter sind sogar auch mögliche interne Hürden, denn der Chef vom Lehrling könnte es nicht so lustig finden, ihn muss man unter Umständen auch überzeugen. Das finde ich im Moment noch die Aufgabe des PR-Profis. Der viel zitierte Paradigmenwechsel geht halt nicht von heute auf Morgen, machts aber auch spannend. Für mich wars übrigens 2009 auch erstmal „huch, da kommunizieren ja plötzlich alle mit“. https://corporate-dialog.ch/2009/06/27/software-engineers-als-corporate-communicator-via-twitter/

      Das Krisenbeispiel ist gar nicht so leicht in der Praxis. Ich war zum Glück noch nicht in der Situation. Ich denke aber, es gibt keine Regel, wie es denn dann zu sein hat. Hat die Firma einen guten Job gemacht im Vorfeld, wird die Community (und der Lehrling) entsprechend das Unternehmen vertreten. Krisen entstehen ja wahrscheinlich eh nur, wenns „Leichen im Keller“ gibt, oder was denkst Du.

      übrigens, mag ich solche Nachdenk-Kommentare, könnten noch öfters vorkommen 😉

      • Ich denke auch, dass wir uns momentan in einer Zwischenphase befinden. Wie gesagt: Einerseits will man den „Laien“ mehr Freiheit geben, andererseits fürchtet man die möglichen Risiken. Denkt man die Idee hinter SoMe jedoch konsequent weiter, dann ist diese Trennung zwischen Laie und Profi eigentlich obsolet.

        Damit geht aber auch die Frage nach der Rolle und dem Selbstverständnis der PR- und Kommunikationsleute einher, die du ja auch schon ansprichst. Heute verstehen sie sich ja noch als Herrscher des Content: Produzieren und Publizieren aus einer Hand. In Zukunft wird es aber viel mehr darum gehen, die Masse an Inhalten überhaupt zu überblicken und entsprechend zu managen. Fragen, die sich heute schon jede Kommunikationsabteilung stellen sollte, werden um ein Vielfaches wichtiger: Wo formieren sich Meinungen? Welche Relevanz haben die für das Unternehmen? Wie verhalten sich unsere Kommunikatoren (also jeder Mitarbeiter mit Twitter- und Facebook-Account) dazu?

        Zudem wird es Situationen geben, in denen diese Kanäle auch wieder geschlossen werden müssen. Das gilt nicht nur für die Krise, sondern auch für viele andere Veränderungsprozesse, etwa Fusionen, Strategiewechsel, Tarifverhandlungen etc. In diesen Situationen wird kein Unternehmen den Mehrwert von Authentizität über das damit verbundene unternehmerische Risiko stellen. Und dafür werden im Zweifelsfall die Rechtsabteilungen sorgen 🙂