Von Masken, Datenschleudern und -sammlern

Gelegentlich finde ich mich in Diskussionen wieder, ob nun Facebook gut oder schlecht ist. Dazu kann ich nicht generell eine Pro-Stellung beziehen, nur weil ich mich für die offene Kommunikation einsetze. Meine eigenen Aktivitäten überdenke ich ständig und lerne auch dazu, mit den Mechanismen umzugehen. Ich liebe das Spiel mit der Plattform und manchmal nicht. Jetzt hat mich das Video von Anonymous mit der Maske und die Umfrage von Monah (eine engagierte Bloggerin übrigens) inspiriert, ein paar meiner Gedanken zum Umgang mit digitalen Daten/Informationen und deren Sammler aufzuschreiben.

Dieses Bild zeigt übrigens schön auf, dass es leicht möglich ist, Inhalte auch von geschlossenen Gruppen zu veröffentlichen, einfach als Screenshot 😉 So vernetzte Denkweisen wünsche ich mir von Menschen, die sich im Internet bewegen und vorallem publizieren. Es ist immer irgendwie öffentlich, sogar wenn ich nur aus dem Haus gehe. Microsoft ist ja jetzt auch mit der Kamera unterwegs.

„Fast jeder hat ein kleines Multimediaproduktionsstudio in der Hosentasche“, fällt mir dazu ein. Zurück zu Facebook. Ich nutze die Plattform eher für persönliche Inhalte, sie sind nicht absolut privat sondern eher der Kategorie Smalltalk, persönliche Ansichten, Kontaktpflege, geschäftliche Inhalte und Empfehlungen zuzuordnen. Ich unterscheide tatsächlich privat und persönlich. Persönlich sollte die Kommunikation in Social Media sein, finde ich. Sehr Privates, wie menschliche Probleme will glaub niemand dort lesen. Ist ja komisch, dann ein „I like“ zu drücken. Eine FB-Page brauche ich für meine Firma nicht und ich empfehle meinen Kunden, ausserhalb der Plattform ihr Kommunikationszentrum zu etablieren. (warum, schreib ich vielleicht mal bei Gelegenheit)

Mit Freundesanfragen bin ich grosszügig. Ich nehme diese an, wenn ich die Person kenne, sie also den echten Namen nutzt, wir viele gemeinsame Kontakte haben und ! sie selbst etwas von sich zeigt. Lustigerweise empfinde ich es sonst als Spionage (ist vielleicht bissle lächerlich, ich weiss). Ein Profilbild ist für mich das Mindeste und dass die Person selbst beiträgt, also nicht nur liest. Oder haben manche doch Angst vor dem Datensammeln? Dann wär es doch konsequent, das entsprechende Netzwerk nicht zu nutzen, denn über dort verbundene Menschen und Bilder (Gesichtserkennung) und Inhalte wird man sowieso identifizierbar.

Zum Dialog gehört zwar auch Zuhören, aber eben auch Antworten und niemand unterhält sich gern mit einer Maske, wenn man selbst keine trägt. Sympathie ist für mich ein weiterer wichtiger Faktor. Wenn jemand im realen Leben generell negativ ist, zum Beispiel „ständig“ bissige Kommentar gibt, lasse ich gern auch mal die Facebook Tür verschlossen. Meine Einstellungen in Facebook gehen meist nicht über „nur Freunde“ hinaus. Jeder der sich für mich interessiert, kann ja selbst eine Freundesanfrage stellen, die Hürde ist klein.

Dass Transparanz beidseitig ist, beschäftigt auch den Verein Öffentlichkeitsgesetz in der Schweiz und es ist erstaunlich, dass Behörden mehr von den Nutzern wissen wollen, aber selbst wenig Offenheit zelebrieren.

Zu Accountbildern mit abgebildeten Kindern hab ich mich vor längerem schonmal geäussert. Ich würde Kinder wohl eher vor zu viel Öffentlichkeit schützen und sie später selbst entscheiden lassen.

Apropos, Bilder, die mit Namen vertagt werden. Solche Tags (der die Gesichtserkennung möglich macht) lösche ich konsequent, hab die Möglichkeit aber offen, damit ich es mitbekommen, wenn ein Bild von mir gepostet wird. Ich habe kein Problem mit veröffentlichten Bildern, mag aber nicht in das Gesichtserkennungsraster, weil ich die Regeln nicht selbst mitbestimme. Niemand weiss, was Facebook und Picasa irgendwann mal für Regelungen erlässt. Naja in Picasa bekomm ich ja nichtmal eine Info, wenn jemand mein Gesicht erkennbar macht… und in Flickr ists auch seit Jahren üblich. Lustig, dass ich dort viel offener bin. Weniger heikel findet Bianca aka Chiliconcharme (auch eine lesenswerte sympathische Bloggerin) die Gesichtserkennung, aber sie geht auch von „echten Freunden“ in Facebook aus 😉

Geo Daten nutze ich im Moment nur gezielt, nicht ständig und möchte auch nicht Bürgermeister via Foursquare werden, auch wenn meine Social Media Kollegen wie Leumund und Sprain  tolle Ideen dazu entwickeln. 

Dies ist keineswegs ein Anti-Social Media Post, aber ein paar Gedanken zu überlegtem Datenschleudern. Ich bin überzeugt, dass irgendwann relevante Informationen ausgelesen und genutzt werden können, deshalb versuche ich den Weg der Mitte. Kommunizieren, teilen, offen sein, aber mit meinen Mitmenschen und zu Privatem sorgsam umgehen.

Nachtrag 5.11.: Ich möchte Kritikern ans Herz legen, die Mechanismen und Regeln von Social Media besser kennenzulernen, besonders wenn sie Kinder haben. „Ich hasse die Plattformen und trau den Betreibern nicht“ reicht nicht in meinen Augen, denn auch wenn über jemanden geschrieben oder Bilder veröffentlicht werden, sind Menschen präsent, auch ohne Account. undsoweiter

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7 Kommentare zu “Von Masken, Datenschleudern und -sammlern

  1. Lore Reß schrieb am :

    Ich mag Facebook auch nicht, aber es gibt schlimmere Datensammler, so z. B. Amazon. Es ist ein schwieriges Thema und ich versuche es an dem Bild „Bermuda-Dreieick“ http://loreress.de/2011/11/06/das-informationstechnische-bermuda-dreick/ zu veranschaulichen – werde das sich auch noch einmal im Detail beschreiben. Das Buch „Postprivacy“ von Christian Heller kann ich dazu nur empfehlen (hatte es mir viel radikaler vorgestellt). http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=8550518