Wie wärs mit zertifizierten Dozenten

Vor kurzem hab ich mir selbst versprochen, keine Vorträge mehr zu machen, die nur 20 Minuten dauern. Kurz ist super und wenns sein muss, kann ich auch etwas in 140 Zeichen mitteilen. Aber wenn ich auch den Offline-Dialog ernst nehme und dem Publikum eben nicht nur etwas erzählen (also einseitiges Senden) möchte, sondern Ideen, Ansichten und Fragen von ihnen in die Präsentation integriere, reichen 20 Minuten nie und nimmer. Ich möchte, dass jemand, der mir seine Zeit mit Zuhören schenkt, auch etwas mitnehmen kann.

Nun war letzte Woche eine tolle regionale Veranstaltung. Das Jungunternehmerforum, das startende Unternehmen zusammenbringt. Ich nahm die 20 Minuten Redezeit doch dankend an, um den Social Media Virus zu verteilen.

An diesem Abend war ich eine Art Botschafterin für die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (zhaw). Ganz im Zeichen meiner Lieblingsbotschaft „Senden war gestern“ setzt die Hochschule auf ihre Dozenten, die glaubwürdig über das zu vermittelnde Wissen sprechen können. Das gefällt mir. Ab 2012 ist Social Media normaler Bestandteil im CAS für Corporate Communication und Marketing. Die HTW Chur bietet ihren Multimedia Producer Studenten Social Media in der Unternehmenskommunikation an und die Hochschule für Wirtschaft (HWZ) entwickelte sogar einen CAS Lehrgang für Social Media Management. Mir fällt auf, heutzutage bilden sich Marketingleute auf dem Gebiet Social Media gezielt weiter bzw. ist es ganz normaler Bestandteil in einzelnen Fach-Ausbildungen. Es ist längst kein „Nur-darauf-aufmerksam-machen“ mehr.

Eine ehemalige Teilnehmerin der Social Media Akademie Somexcloud schrieb mir vor ein paar Tagen, „vielen Dank für Deine Inspiration und Ideen in dem Kurs, den ich nun abgeschlossen habe. Ich habe meinen Job gekündigt und möchte nun anderen Firmen helfen, in Social Media zu agieren.“

Oha. Jetzt wirds aber Zeit, die Dozenten zu zertifizieren, denke ich spontan.

Denn die Studenten haben bereits ein Zertifikat, das viele der Dozenten nicht vorweisen können. Alles was wir Dozierende haben, ist unsere praktische Erfahrung, andere Experten, die uns als solche identifizieren, einen Klout-Wert und ein paar Mitglieder in der sogenannten Community. Also kam ich auf die Idee, der

Dozenten-Zertifikate.

Warum zertifizieren die Hochschulen und Weiterbildungsanbieter nicht ihre eigenen Dozenten statt nur die Teilnehmer? Wir sind in einer sich rasend ändernden Branche und ich finde es ein Qualitätsmerkmal, wenn jemand dort uptodate bleibt und sich ständig weiter entwickelt, neue Plattformen testet, sie beurteilen kann (natürlich nicht abschliessend) und auch seine eigenen Grenzen kennt. Auch ein Social Media Spezialist kann nie alles wissen und tut gut daran von anderen Spezialisten zu lernen, oder sie um Rat zu bitten. Er oder sie sollte gut vernetzt sein und auch seinen Wettbewerbern Respekt zollen. Die heutige Medienkompetenz ist nicht damit erledigt, wenn man die Plattform Mechanismen kennt. Sozialkompetenz und die inhaltliche Kommunikation gehören ebenso zu einem gekonnten Umgang mit Medien.
Mir geht es nicht so sehr um das Zertifikat für Erwachsenenbildung, sondern wirklich ums Fach.

Wie sollten wir also Dozenten für Social Media zertifizieren?
Was muss jemand können, wenn er anderen Menschen sein Wissen weiter gibt?
Wie sieht jemand, der nicht intensiv Social Media nutzt, von wem er lernen kann?
Welche Ideen habt Ihr dazu?

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8 Kommentare zu “Wie wärs mit zertifizierten Dozenten

  1. Danke für Eure Gedanken dazu. Ich sehs ein, Idee ist gut, aber kaum umsetzbar. Ziel sollte sein, mit Klout oder ähnlichem zu erkennen, wer sein Handwerk beherrscht (das heisst dann aber noch nicht, dass die Person es auch gut vermitteln kann, Philipp 😉 und ich bastel mir halt selbst eins.
    Ach http://somexcloud.com nimmt die Idee übrigens auf. Die Jungs haben den richtigen Zeitgeist. Super und Danke.

  2. Hi Su, jetzt muss ich mich ja doch einmischen ;-). Ich bin mir nicht sicher, ob Du Dir mit dem Wunsch nach einer Zertifizierung einen Gefallen tust. Wer sollte denn eine Zertifizierung aussprechen, und nach welchen Kriterien? In einem so dynamischen Umfeld hätte ich die Sorge, dass die Anpassung der Kriterien dem aktuellen Stand stets hinterher hinken wird. Die zusätzliche Einstiegshürde würde in erster Linien Praktiker treffen, die Seminare nur nebenher halten — gerade die halte ich aber für die Entwicklung des Themenfeldes eminent wichtig. Ich hätte die Sorge, dass sich so eine Kaste zertifizierter Berusf-Trainer heranbildet, denen dann der Praxisbezug fehlt.

    Letztlich glaube ich, dass die Sozialen Medien den Schlüssel für die Überprüfung von Referenten-Qualifikationen bereits mitbringen: Reputation und Vertrauen.

  3. liebe Su
    Die Idee ist eigentlich gar nicht schlecht, nur lässt sie sich gar nicht umsetzen. Denn Wer Zertifiziert sowas und nach welchen Kriterien. Ich seh das an solchen Querfögel wie mich – ich werde fast wöchentlich wegen meinen Twitter / Facebook oder Blog Aktivität kritisiert von sogenannten Social Media Experten die sagen zb auf Twitter darf man nicht diskutieren sondern nur Monologe führen oder Links rausjagen – Facebook darf man nur nette Dinge sagen und auf Blog darf man keine unbequeme Fragen stellen usw. ich könnte diese Kritikpunkte noch unendlich lang aufzählen und genau hier ist das Problem. Es gibt KEINE perfekte Lösung 1+1=2 sowas gibts in Social Media nicht. Soviele Firmen die es gibt für jede gibts andere Social Media Lösungen.

    Und dann denke ich auch das eine Zertifizierung die Qualität und den freien Geist töten würde. Dann kommen Leute die sagen – ich habe eine Migrosklubschule Zertifizierung – habe das dort so gelernt also gibts nur diesen 1 Weg.

    da sehe ich die Probleme

    • Die Tipps find ich ja merkwürdig, die du bekommst.
      Hab auch so meine Bedenken, dennoch, sollte ich jeee mal wieder ein CV und Zertifikate brauchen, weil ich mich anstellen lasse, dann sind „meine Studenten“ mir gegenüber klar im Vorteil 😉 Die Leute, die nicht in Social Media unterwegs sind, sehen ja nicht rein.

      • tjo das sind tips die ich wirklich so bekommen habe von leute die angeblich so gut in social media sind ;P
        nein du bist nie im nachteil ohne zertifikat. den dann müssten ja auch alle die eine lehre gemacht haben benachteiligt werden nur weil sie kein studium gemacht haben.
        auch hier zählt erfahrung mehr als so ein „fözel“

  4. Liebe Su

    Ich begrüsse es sehr, dass Du Dir solche Gedanken machst, und glaube, dass es genau die legitimen Dozenten sind, die sich (und der Community) solche Fragen stellen. Die „faulen Eier“ werden es mit Vorteil unterlassen, einheitliche Qualitätskritieren zu diskutieren.
    Wie man das anstellen soll, weiss ich auch nicht; ein Multiple-Choice-Test macht wohl nicht viel Sinn, da verraten die bisherigen Aktivitäten in den entsprechenden Netzwerken sicherlich mehr. Blöderweise können das die am wenigsten beurteilen, die mit den Kursen angesprochen werden möchten. Ihr könntet einen Verband gründen, Euch auf einige Eckwerte einigen und Zertifikate ausstellen, was allerdings viel leichter klingt, als es schlussendlich vermutlich wäre.
    Womöglich braucht es einfach noch ein wenig Zeit, bis sich das Social-Media-Monitoring flächendeckend etabliert hat, denn beispielsweise der Klout-Wert geht meiner Meinung und bei aller Kritik in die richtige Richtung – jene Personen, die ich mir als Dozenten vorstellen kann, erzielen gute Klout-Werte.

    Beste Grüsse, Philip

  5. Thomas schrieb am :

    Hallo Su

    wieso nicht die Social Community darüber befinden lassen – fraglich einfach wie ein solches Rating abgebildet werden kann – wie zB auf XING mit den verschiedenen farbigen Tags…

    Gruess
    Thomas

  6. Hi Su,
    auf die Frage „Warum zertifizieren die Hochschulen und Weiterbildungsanbieter nicht ihre eigenen Dozenten statt nur die Teilnehmer?“ stellt sich mir die Frage, wie dadurch ein Qualitätsmerkmal entsteht? Schließlich wird jedes Institut bemüht sein möglichst qualifiziert und qualitativ zu wirken. Als Laie wird einem dadurch ja nicht zwingend geholfen.
    Einheitliche Standards einer unabhängigen Distanz wären da evtl. hilfreicher, aber wie ich finde ebenso schwierig realisierbar.
    Grüße