über den Tellerrand von einzelnen Plattformen

Die meisten von Euch kennen sicher Joachim Rumohr. Er ist u.a. Autor des Buches Akquisemaschine XING.  Gestern bat er mich, ihm ein paar Fragen zu beantworten. Auf den ersten Blick sahen sie schlicht aus. Bei der Antwort entpuppten sie sich aber als wohl durchdacht und ich wiederum dachte mir, bestimmt sieht die Antwoten jeder anders. Mal sehn was Ihr sagt.

Wie definierst Du Social Media?
Als Public Relations, das endlich sein kann, was es schon immer hätte sein w/sollen. Die Möglichkeit für „demokratische“ und ehrliche Corporate Communications. Früher war diese auf Presse (Press Relations) und bestenfalls Stakeholder fokussiert. Heute kann eine bisher unbeteiligte Person zum wichtigen Kommunikationspartner werden, manchmal in sekundenschnelle. Ausserdem werden Netzwerke sicht- und besser nutzbar.

Was ist der grösste Nutzen von Facebook?
Für mich persönlich der Kontakt mit Menschen, die ich (meistens) kenne über eher persönliche oft belanglose aber sympathische Inhalte. In Facebook lerne ich die Leute und auch Firmen besser kennen. Der grösste Nutzen ist wohl der teil-öffentliche Austausch und mögliche Multiplikation von dem was die Leute mögen oder auch nicht.

Facebookseiten halten wahrscheinlich oft nicht, was sich deren Betreiber versprechen, weil die Grundlagen der Social Media Kommunikation im Unternehmen noch nicht geschaffen sind. Das können flache Hierachien sein, Transparenz oder auch einfach nur der Wille zu offenem Dialog. Ich spare mir jetzt Beispiele. Fakt ist für mich, es gibt mehr gescheiterte als wirklich erfolgreiche Facebook-Auftritte von Unternehmen. Damit meine ich nicht Wettbewerbe oder Kampagnen, sondern die begleitende Kommunikation.

Was ist der grösste Nutzen von XING?
Für mich ist es das in Kontakt bleiben mit ehemaligen Kollegen oder Geschäftskontakten. Stets aktualisierte Job-Informationen, wenn auch meist nur die statischen (Kontaktdaten). Für mich sind Empfehlungen, also Kontakte 2. Grades wertvoll oder dass man mit jemandem Kontakt aufnehmen kann, dem man noch nicht persönlich begegnet ist. Eigentlich ist es ein CRM (Customer Relationship Management) Tool. Ich versehe nicht, warum immernoch ein Sales, der seinen Job kündigt, sofort freigestellt wird. Meist hat er seine Kontakt-Daten eh auf XING. Seit ich selbständig bin, wurde XING für mich übrigens wichtiger, als früher. Ich nutze die Plattform seit knapp 6 Jahren und sie ist mir somit die vertrauteste, lassen wir die Diskussion um die Kosten mal beiseite.

Wer sollte XING nutzen, wer sollte Facebook nutzen?
In meinen Augen kann man Menschen nicht schubladisiseren in typische Nutzer. Die Entscheidung sollte für die Handlung selbst gefällt werden. Bilder aus dem Alltag, mit persönlichen Kommentaren finden in Facebook womöglich mehr Anhänger als in XING. Viele Leute empfinden XING als Business-lastiger. Ich bin der Meinung, dass es nicht vom Angebot eines Unternehmens abhängt, sondern von der Kommunikationsaktivität. Entscheidet sich ein Unternehmen oder eine Person für echte Online Kommunikation, so kann es sich nicht wirklich auf nur eine Plattform fokussieren. Onlinefähige Inhalte, also Links, teilbare Bilder, Filme oder Texte werden leicht von Leuten in andere Plattformen und sogar Formen (Screenshot) transportiert. Dies ist ein gewünschter Effekt. Es wäre schade, diesen zu ignorieren und nicht über den Tellerrand der einzelnen Plattform zu blicken.

Jede Plattform spricht ihre eigene Sprache, hat ihre Mechanismen, die für bestimmte Aktivitäten vorteilhaft sind. Je nach Situation kann ein Newsletter in XING aus Marketingsicht mehr bringen als eine Facebookseite. Das gilt es in der Praxis herauszufinden. Um beim Teller zu bleiben, man muss das Gericht essen um es be- und verwerten zu können. Schlussendlich entscheiden Menschen, was sie wo über ein Unternehmen oder deren Akteure kundtun. Dann ist es gut, wenn die Kommunikationsverantwortlichen die entsprechende Plattformen kennen und bestenfalls eine gewisse Reichweite und Sympathie haben, also gehört werden.

facebook vs google plusDeshalb finde ich übrigens Diskussionen über „gut und böse“ völlig überflüssig, wenn sie auch manchmal lustig dargestellt sind, wie hier. Ich finde ja, niemand isst immer nur Pasta 😉

Wie würdest Du die Fragen beantworten?

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3 Kommentare zu “über den Tellerrand von einzelnen Plattformen

  1. hahah, lustig das (meistens) bezieht sich auf „die ich kenne“ das muss ich glaub ausnahmsweise nachträglich im Text korrigieren. Danke für Deine Beschreibung, die ich perfekt finde. Ich hoffe, ich seh die Stadt Metapher noch auf Deinem Blog in Kürze. Wo Du die Umfrage gemacht hast. Wer sich beteiligen möchte, hier: https://docs.google.com/document/d/1XiKUfLc-vOGdYP3egebVlH2mcCOeRbmUMSdXVQf3s8M/edit?hl=en_US

    Leute finden sich über Themen und zwar nicht an einem Ort. Ich mag übrigens auch nicht mehr das Wort Social Media benutzen, ersetze es oft mit Online Kommunikation, obwohl es ehrlicherweise nur Kommunikation heissen könnte.

  2. „Für mich persönlich der Kontakt mit (meistens) Menschen“

    Mit was hast du denn sonst noch so Kontakt, neben Menschen? 🙂

    Wie definiere ich Social Media? Langsam gar nicht mehr. Für mich ist das Web von früher – eine Stadt mit langen Strassen und vielen Schaufenstern (Websites) und Pass(iv)anten – weiter gekommen, hat sich zu einer pulsierenden Stadt entwickelt, die viel natürlicher ist, wo Menschen sich austauschen, wo Transparenz Vertrauen schafft und wo unterschiedliche Plattformen (Cafés, Kinos etc) unterschiedliches Publikum anziehen aber doch vernetzt sind. Im Café Facebook setzt man sich zu Freunden an den Tisch. Im Café Google+ setzt man sich an einen Themen-Tisch. Kino YouTube zieht immens viele Menschen an (zweitgrösste Suchmaschine), Künstlerkino Vimeo wieder andere.

    Ich würde da nur bedingt auf ein Level gehen, wo man Facebook und Xing vergleicht. Das ist für mich wie „jetzt vergleichen wir ein Stellenvermittler mit einer Stammbeiz“. Es sind die gleichen Leute an beiden Orten – zu gegebener Zeit. Aber mit sehr unterschiedlicher Absicht.

    Deshalb ist für mich die Frage „Wer sollt x und wer sollte y nutzen“ in einem fehlerhaften Bild dieser „Social City“ gegründet (wenn es so ausschliessend gemeint ist, wie die Frage tönt – ist es wahrscheinlich nicht, nehme ich an).

  3. Sandra schrieb am :

    Was XING angeht: Ich benutze das eigentlich nur noch als Adressbuch. Vor allem die Kontaktdaten von Menschen, mit denen ich nicht regelmäßig zu tun habe, sind dort aktueller und besser gepflegt als in meinem Outlook. Auch für mich ist es die „Social Media Plattform“, die ich am längsten nutze. Am vertrautesten, wie Du schreibst, ist sie mir deshalb aber nicht. Weil ich sie nur nutze, wenn ich einen konkreten Anlass habe, finde ich mich dort mit jeder neuen Version schwerer zurecht. Dein Post ist für mich Anlass, mal wieder darüber nachzudenken, das Premium-Abo zu kündigen.