CoopKinder – im Namen der Marke und ohne Auftrag

Hier ist es das Beispiel, auf das ich schon lange warte, ohne dass es mir bewusst war. Leute, die Fan einer Marke sind, starten deren Social Media Kommunikation und zwar mit (fast) allen Registern. In diesem Fall (vermeintlich) ohne die Beteiligung der Marke Coop selbst. In der Schweiz gibt es so eine Aussage „ich bin ein Migros– oder eben Coop-Kind“ das bezieht sich darauf, dass man meist dort einkauft, wo schon die Eltern einkauften (hier ein satirischer Beitrag aus Giacobbo/Müller). Die Leute haben eine Bindung zu einem der beiden grössten Detailhändler.

CoopKinder Twitteraccount, nach 10 Tagen 225 FollowerWährend Migros vor allem für Migipedia einen Social Media Preis nach dem anderen einheimst, fleissig twittert (3350 Follower) und facebooked (>54’000 Fans), nehme ich Coop online (Nachtrag 1.1.: vom Weiten besehen, denn die Detailhändler liegen sonst nicht so in meinem Interesse) eher passiv wahr. Nun haben Menschen, die sich als Fan ausgeben, die Kommunikation gestartet, der sich die Coop kaum mehr entziehen kann. Die CoopKinder, twittern seit 19.12.2011, entwickeln ein Social Media Tool und waren meiner Neugier aufgeschlossen gegenüber. Hier sind einige Hintergründe für Euch, die „Kinder“ möchten noch anonym bleiben, (was spannendes Kommunikationspotenzial sein könnte)

Wo kaufst du meistens ein?
SL: Ich kaufe zu 95 % bei Coop ein. Teilweise auch im Fachhandel. Selbstverständlich auch bei Interdiscount, Coop Vitality etc.

Ihr führt den direkten Dialog im Namen Eurer Fan-Marke Coop. Dazu möchte ich Euch gleich ein Kompliment machen für Umgangston und auch mal Nachfragen, wenn jemand etwas über Coop äussert. Ich finde das sehr sympathisch und authentisch. Warum tut Ihr das?
SL:
Ich finde, dass Coop ein gewisses Image pflegt und …klar von seinen Mitbewerbern abgrenzt. Die anderen Anbieter machen auch ihre Hausaufgaben, doch Coop macht sie besser. Aus diesem Grund ist es klar, dass wir durch unseren Schreibstil auch ein gewisses Image pflegen und Coop respektvoll vertreten. Ich bin halt ein Fan 🙂
NL:
Ich möchte meine Skills aktiv einsetzen statt nur theoretisch wissen und zudem Foursquare in der Schweiz etablieren. Zur Zeit nutzt noch kein grösseres Unternehmen den Service aktiv, mit CoopKinder soll der Einsatz veranschaulicht werden. Ein grosses Problem ist dabei, dass wir nicht Besitzer der Venues sind, dies würde Einiges vereinfachen und es gäbe mehr Möglichkeiten.

Seit wann twitterst Du als CoopKind?
SL:
noch nicht lange, wurde vor kurzem angefragt ob ich mitmachen möchte. Ich fand es spannend und habe zugesagt.
NL:
seit dem zweiten oder dritten Tag?! Fand die Idee spannend und brauchte ein public Project, wollte eigentlich nur den Bereich Foursquare abdecken, aber ein Gesamtkonstrukt hat auch seinen Reiz.

Seid Ihr echte CoopKinder oder erst so wie ich dazu geworden, oder gar nur OnlineKinder?
SL:
Ich bin ein echtes CoopKind, zumal ich mehr als 10 Jahre bei Coop gearbeitet habe. Ich bin aber schon seit Jahren auf Facebook, Twitter, Xing und neu bei Google+. Also bin ich beides.
NL:
Ich bin wohl eher ein OnlineKind, aber kaufe auch oft bei Coop und seinen Labels ein.
MR:
Seit ca. 11 Jahren kaufe ich bevorzugt im Coop ein. Zuvor habe ich meine Wocheneinkäufe bei Migros und Coop getätigt. Dann eröffnete Coop, einer dieser „SuperStores“, in meiner Nähe. Dieser neue Store vermittelte mir das Gefühl, Coop sei ein modernes Unternehmen – Ich hatte einen „magic moment“

Ich sehe hinter Euren Tweets oft verschiedene Namens-Kürzel. Wer verbirgt sich jeweils dahinter und wieviele seid Ihr?
MR:
Ich bin der Initiant der CoopKinder, männlich, Blogger und leidenschaftlicher Twitterer. NL habe ich vor vielen Jahren mal bei einem der ersten Tweetups in der Schweiz bei einer Flasche Met kennengelernt. Er ist der Mann für das ganze technische wie Monitoring, Foursquare, Facebook und SL ist die Frau mit Fachwissen. Sie hilft bei Problemen wo das Internet nicht mehr weiterhilft. Sie kenne ich noch nicht persönlich.

Warum wollt Ihr nicht sagen, wer Ihr seid?
MR:
Wir werden sicher mal schauen wie sich das entwickelt. Ob wir dann später mal uns alle oder einzelne von uns „outen“ sehen wir dann, wenn es soweit ist 😉

Was ist Euer Ziel?
SL:
Als ich bei CoopKinder aufgenommen wurde, wurde mir gesagt, dass es Spass machen soll und ich einfach frisch von der Leber weg kommentieren soll. Ehrlich gesagt ein wirkliches Ziel habe ich persönlich nicht. Mir ist bei meiner Arbeit bei Coop aufgefallen, dass viele keine Ahnung von Social Media haben. Ich denke, Coop sollte sich noch mehr daran beteiligen und dieses Medium nutzen.

MR: Mein Wunsch wäre, dass wir Coop mit dieser Aktion etwas von dem lauernden Potenzial, welches Social Media bietet, aufzeigen können und dass sie den Weg zu Twitter und Co finden. Denn mE ist Coop ein sehr Innovatives Unternehmen (Passabene, Drive In etc) und mir blutet das Herz, dass Coop das gesamte SoMe Feld der Migros überlässt.
(Anm. Coop hat einen offiziellen Twitter Account, folgt nur CoopKinder und ist im Sende-Modus statt Dialog, Facebook und google+ nicht präsent)

 

 

Weiss Coop von Euch, ihren Fans, die sogar für sie kommunizieren?

MR:Die Reaktionen waren bis jetzt sehr verhalten, zwar folgt uns (als einzigen Account) @coop_ch und per DM hatten wir auch schon mit jemandem vom Coop Marketing Kontakt aber nichts Offizielles.
NL:
Coop ist lediglich mit CoopZeitung und einigen Labels offiziell vertreten. Die inoffizielle Coop (Schweiz) Fanpage gefällt ihnen schonmal, hoffen wir mal unser Effort auch.

Hat jemand vom Unternehmen mit Euch Kontakt aufgenommen?
SL:
mit mir nicht.
NL: mit mir nicht.
MR: keine Angabe

Wie geht Coop mit Euren Aktivitäten um?
NL:
Aktiv noch gar nicht, sind wohl zwischen den Jahren. Wenn der Webverantwortliche aber zurückkommt und sein Monitoring betrachtet, werden seine Glocken schon klingeln! Viele Links werden via (coopkinder) Bitly getrackt. Direkte Links auf die Coop Website werden mit einem Google Gruss (utm_source=coopkinder) ausgestattet. “Zwitschernde CoopKinder” ist eine TwitterApp, um Tweets ca. 50m vom Hauptsitz geolokalisiert zu platzieren.

Ihr spielt ein wenig mit der Rolle, wechselt sogar in einem Satz von Fan zum Anbieter. In der Bio steht „Coop Kinder helfen Coop Kindern, da Coop inexistent ist“ und dann gebt Ihr die Uhrzeiten und Telefonnummer für den Konsumentendienst von Coop an.  Was ist die Überlegung dahinter?
SL:
Ich persönlich finde es gut, dass man auf den offiziellen Konsumentendienst hinweist. Der Konsumentendienst ist eine gute Sache und ist klar organisiert. …Wir können nicht helfen, da wir nicht Coop sind, das können sie selbst doch am Besten 🙂
NL:
Ich habe die Telefonnummer mit derselben Überlegung wie SL eingetragen. Die Coop Website ist mühsam in der Bedienung und Informationen nicht für jedermann einfach zu finden. Zudem ist es auch ein gewisser “Schutz”, nicht in einem “Shitstorm” zu landen, wenn mal einer (Troll) verärgert sein sollte. So kann dann auch darauf verwiesen werden. Auf der Facebook Fanpage habe ich mich an einem erklärenden Text versucht.

Tweet von Farboto über CoopKinderIhr macht doch einige Werbung für Coop Produkte oder Aktionen. Woher habt Ihr Eure Informationen?

SL: Auf coop.ch stehen alle Aktionen. Und wenn ich etwas Neues sehe oder gerne habe, weise ich darauf hin.

NL: CoopKinder suchen schlauer (Google CSE 😉 und haben kurze Wege. Unser Tool extrahiert zudem einmal wöchentlich Aktionen und Promos und stellt diese als Tweets bereit. (in Arbeit) CoopKinder brauchen dann nur noch zu bestätigen.

Der Dialog scheint mir recht zeitaufwendig, wie organisiert Ihr Euch, wechselt Ihr Euch in einem Zeitplan ab?
SL:
ich … schreibe nach Lust und Laune. Manchmal ist es einfacher ,wenn man nicht so straff organisiert ist.
NL:
Zeitplan und Aufgabenteilung haben wir nicht. Hat bis jetzt auch ohne gröbere Überschneidungen funktioniert und wird mit unserem Tool noch einfacher sichtbar. Push Informationen werden automatisiert. (noch nicht live, Info folgt)

Welche Plattformen nutzt Ihr?
NL:
Twitter (Account), Foursquare (Brandpage), Facebook (Fanpage) und Google (gmail, docs, usw.) als Grundbausteine. Eigene Skripte nutzen deren API, damit die “Story” schön geschrieben werden kann (“zwitschernde Coopkinder”, “CoopSquare”, usw.). Das Tool entsteht adhoc, aus Spass an der Freud’ und weil schon diverse Snippets vorhanden waren.

Gibt es ein Monitoring oder nutzt Ihr ausschliesslich Twitter?
NL:
Bis jetzt lediglich ein simples Monitoring über manuelles Suchen und Google Alerts.

Habt Ihr vor, Eure Aktivitäten auf Facebook auszudehnen?
NL:
Haben wir schon, aber noch nicht gross beworben. (Anmerkung Su: seit gestern live und 5 Fans) Ich brauche diese Verbindung für einige Funktionen aus dem Tool und das gibt uns die Möglichkeit, auch mehr als 140 Zeichen zu schreiben. Beim offiziellen Launch wird dann auch der Twitteraccount verknuepft, soll ja möglichst automatisiert und mit wenig Aufwand laufen, was Push-Information betrifft.
CoopKinder Fanpage ist direkt neben dem Hauptsitz lokalisiert und kann eingecheckt werden. Bin gespannt ob sich wer outet, der Coop Hauptsitz hat auch nur 63 Checkins.

Ich persönlich bin beim Einkaufen eher ein Coop Fan, was Social Media angeht, liegt auf der Hand, dass ich Migros innovativ, persönlich und aussergewöhnlich finde. Bisher hab ich das beim Einkaufen noch gedanklich getrennt. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass Eure Kommunikation einen echten Mehrwert für Coop, also auch die Kundenbindung bietet?
SL:
Die Frage ist, ob die Zielgruppe die vorwiegend bei Coop einkauft Social Media überhaupt wahrnimmt, respektive ihr diese Aufmerksamkeit schenkt. Ich denke Twitter etc. ist immer noch ein Tummelfeld von wenigen. Coop überzeugt durch die Qualität der Produkte, den Dienstleistungen und dem ausgewogenen Sortimentsangebot. Um auf Deine Frage zurück zu kommen, ich persönlich denke, dass unser Account evtl. ein ganz kleiner Teil im Kommunikations-Mosaik sein kann aber nicht mehr.

eine Möglichkeit: check-in hereNL: Ich denke wir sprechen die schon vorhandenen Benutzer in ihren Kanälen an und zeigen die Möglichkeiten der Social Media auf. Um neue Kunden/Benutzer in Social Media Kanäle zu gewinnen, müsste Coop offiziell auf die Services aufmerksam machen. Eine mögliche crossmediale Guerilla Aktion der CoopKinder wär z.B., die Benutzer zu animieren ein vorgefertigtes farbiges Inserat auszudrucken und ans “schwarze Brett” zu heften.

MR: Gerade die Verknüpfung Twitter – Foursquare – Reallife bringt viele Möglichkeiten mit sich. Beispielswiese können print@home Gutscheine verteilt werden, auf lokale Aktionen oder Events können so aufmerksam gemacht werden.

Apropos, woher kommt der Account MigrosKinder? Dort steht in der Bio „CoopKinder vereinen sich mit MigrosKindern“ Seid das auch Ihr?
NL:
CopyCat, mal schauen wie lange er durchhält.

Bei der viel diskutierten Facebook Kampagne für Obermutten  stellte sich einige Wochen später heraus, dass eine Agentur dahinter steckte. Der handgestrickte Charme war dann doch professionelle Strategie. Hand aufs Herz. Seid Ihr im Auftrag von Coop unterwegs?
NL:
Nein, ich suche gerade einen neue Herausforderung. Das neue Tool, das gerade entsteht, soll auch ein wenig Bewerbung sein. (Anmerkung Su: Ich vermittle den Kontakt gerne.)

Es wird ja zur Zeit viel über die sogenannten Shitstorms geschrieben.
Habt Ihr eine Art Notfall-Plan, wenn es mal ernst wird und beispielsweise jemand heftig gegen Coop wettert?
SL:
bei Wetter nimmt man den Regenschirm zur Hand 🙂 ..wir leben in einen freien Land und jeder/jede hat das Recht, seine/ihre Meinung zu sagen. Wenn sich jemand im Ton vergreift, kann man ihn/sie ja höflich darauf hinweisen. Ich denke, es ist wohl allen klar, dass nicht Coop sondern ganz simple Coop-Fans hinter diesem Account stecken, oder? NL+1 MR+1

Screenshot der Coop Website (home, Stand 29.12.2011

Habt Ihr abschliessend noch einen Vorschlag für Coop?
SL:
Coop sollte sich bewusst sein, dass Social Media ein Teil der Gesellschaft ist und sich nicht davor verschliessen…
NL:
Ich denke, Coop hat noch genug zu tun in ihren eigenen 38’000+ Webseiten. Ein schöner Anfang wär schon mal das Beantworten von Kommentaren und eine hübschere URL Struktur. Wenn Coop ihre Filialen mit Öffnungszeiten als geoRSS oder sonstigen strukturierten Daten bereitstellen würde, wäre Vieles einfacher, ist eine Zumutung, ueber standorte.coop.ch zu suchen! Toll wär eine offizielle Meinung aus dem Hause Coop oder Kontakt zu den CoopKindern, gerne auch über coopkind+kuerzel@gmail.com

…. im neuen Jahr sollte das Tool soweit laufen…

Herzlichen Dank für das Interview und sorry Ihr Lieben, dass der Post etwas länger als gewohnt wurde.

 

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25 Kommentare zu “CoopKinder – im Namen der Marke und ohne Auftrag

  1. Pingback: Sind die CoopKinder “Obernutten”? | Old coUNDco website

  2. Pingback: Wenn Fans das Ruder übernehmen « Social Media Marketing

  3. Pingback: CoopKinder – im Namen der Marke und ohne Auftrag – Multimedia Communication – HTW Chur

  4. Pingback: Firmen twittern nicht… • 2011, leila, migros, pionier, social media, summa • Der LeuMund.ch

  5. Hey Su,

    Spannende Geschichte. Ich kann es kaum glauben. Coop Fans? wtf?? Falls es wirklich Fans sind, würde ich sie stressen, diese Aktion nochmals zu überdenken. Mit der aufgebrachten Energie könnte man auch Gutes tun. Coop hat es sicher nicht nötig Fronarbeit zu beziehen und haben wir keine echten Probleme zu lösen?

    Ich hoffe, es ist eine PR Aktion 😉

  6. Liebe Su und liebe Kommentierende.

    Wir möchten an dieser Stelle etwas Licht ins Dunkle bringen:
    Wir handeln nicht im Auftrag von Coop.
    Wir arbeiten in keiner Agentur, noch möchten wir eine Gründen.
    Wir sind Fans von Coop und finden es – wie schon oft erzählt schade, dass wir und ihr nicht mit Coop in Dialog treten könnt.
    Jeder von uns hat eigene Ziele und Gründe warum er für die CoopKinder Twittert, Foursquart, Facebookt und G+st. In keinem Fall sind diese Gründe aber kommerziell getrieben.
    Warum sagen wir denn nicht, wer wir sind?
    Nun, erstens machen wir das erst seit einem Monat, und wir wissen nicht wie sich das entwickelt. Evtl. haben wir ja schon morgen keine Lust mehr das zu machen, und dann sterben die CoopKinder einfach. Und unsere Reichweite ist – ehrlich gesagt – noch etwas sehr bescheiden. Wir haben noch einige Pläne was wir machen möchten und werden diese vermutlich auch bald mal testen. Wenn diese erfolgreich sind, und wenn wir weiterhin den Rückhalt von der Community geniessen, dann werden sich vermutlich auch bald mal das ein oder andere Coopkind outen.
    Es gibt auch schon einige findige Twitterer die mindestens zwei von uns CoopKindern identifiziert haben. Wir danken an dieser Stelle nochmals für die Diskretion 🙂
    Im Augenblick leben die Coopkinder ja auch (hoffentlich nicht nur) von dem Mysterium wer wir sind und die Erwartungen sind hoch und individuell sehr verschieden. Das heisst, wenn wir jetzt sagen, wer hinter den CoopKindern steckt, werden wir vermutlich auch einige Leute enttäuschen, denn allen Vorstellungen können wir es ja nicht recht machen.

    In diesem Sinne,
    Euere Coopkinder /mr

    PS Dieser Coment war eigentlich als Antwort auf die Diskussion bei G+ gedacht. Leider erlaubt Su keine Kommentare von Firmenseiten, welche Sie nicht eingekreist hat 🙁
    https://plus.google.com/u/0/b/100419818186963498183/#100991338482872687960/posts/H5D36GotTsg

  7. Pingback: Social Media Wochenrückblick #38 mit @thomashutter, @sufranke und @namics | Social Media Blog - online | crossmedia | social von Chris Beyeler

  8. daniel howe – freund der marke schrieb am :

    @su schönen dank für diesen spannenden beitrag. spontan muss ich an ferdinand tönnies, hans domizlaff, peter zernisch und dr. thomas otte denken. diese visionäre haben sich bereits mit dem phänomen marke und gemeinschaft beschäftigt als es social media in dem sinne wie es heute vorhanden ist noch gar nicht gab. sie verstehen die marke als lebendes system und ordnen diese mehr der philosophie und der soziologie zu als dem marketing und der bwl. zu recht. wie sich auch an diesem wunderbaren beispiel zeigt. da ist plötzlich neben der marketingtechnischen kategorisierung wie superusern auch poetisches, menschliches da. oder eben die gemeinschaft, die stets über den stil (form) angesprochen wird und sich mit den werten (inhalt) identifiziert. denn es gibt nichts stärkeres als die gemeinschaft des blutes, der herkunft und der geschichte. und das beweisen die CoopKinder ganz deutlich – unabhängig davon, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht (siehe hierzu ferdinand tönnies, gemeinschaft und gesellschaft).

    es ist höchste zeit, dass die markenveranwortlichen die zeichen zu erkennen lernen, wenn sie in den gesättigten märkten profitabel sein wollen. denn in einem markt in dem produkte immer austauschbarer werden, werden nur marken bestehen, die sich verinnerlicht haben, was markenführung überhaupt ist. und nichts, aber auch gar nichts mit marketing zu tun hat. sie müssen lernen die feinen zeichen zu erkennen. und dann kommt social media plötzlich dem allerheilsmittel, als das es so oft angeschaut wird, viel näher. obwohl im kern alles beim alten bleibt: es ist bloss ein neuer kanal dazugekommen, der prädestiniert sein kann für gewisse marken, um aktiv ihre gemeinschaft zu pflegen, dabei festigt sie unweigerlich ihre marke.

    und wer jetzt noch angst hat – wie das bei coop der fall sein könnte und was der grund sein dürfte, dass sie keine SoMe-präsenz haben –, dem sei gesagt, geredet wird sowieso, die anhängerschaft besteht sowieso, aber jetzt besteht die chance aktiv dabei zusein und in den dialog zu treten, so wie das früher jeder fürst (first) tun musste, um seine gefolgschaft, gemeinschaft zu pflegen, sonst wäre er nicht der fürst gewesen.

    also, liebe freunde der marke kümmert euch um eure gemeinschaft. und: danke @CoopKinder. einfach wunderbar.

    • Danke dir, Daniel für Deine Gedanken zur Markenführung. Ich glaube auch, dass das Thema dank Social Media mehr zur Tagesordnung der Marketer werden muss. Für die Kommunikatoren und PR Leute ist es das ja hoffentlich 😉 schon. Auch die Sensibilität scheint mir einer der wichtigeren Erfolgsfaktoren in der neuen Online Kommunikation.

  9. Pingback: Fundstücke vom 04.01.2012 « daniel rehn – digitales & reales

  10. Patrick Moeschler schrieb am :

    schöner beitrag!

    spricht eine ganze menge der spannenden themen rund um social media und markenführung an.

  11. danke @su für deinen beitrag.

    der druck auf die coopKindern steigt nun mit dem kommentar von SL. man wünscht sich nicht enttäuscht zu werden und die „crazy story“ von superusern einer brand community erleben zu dürfen. und ja, es gibts sie – die superuser. nur sind sie selten viele und der zeitpunkt wann sie sich zeigen ist selten planbar. diesmal kommen sie also selbstmotiviert, weil ihr lieblings.grosshändler social media zu verschmähen scheint. wahrscheinlich ist coop in der „listening-phase“ (monitoring) einer ausgeklügelten social media strategie. es würde der schweiz endlich mal gut stehen im ganzen likers-gesammel-wahn der marketing abteilungen eine superuser-romanze mit einer der grössten nationalen marken vorzeigen zu können. also: hopp schwiiz. lass es doch script kiddies sein oder den schweizer „anonymus“ auf promotionellen abwegen, aber nur keine agentur oder eine, die sich daraus gründen will. und falls ans tageslicht kommt, dass es tatsächlich eine agentur ist? müssen sie dann den regenschirm aufspannen? es wird wohl eher kein einziger tropfen mehr kommen, denn das liebenswerte stirbt in dem moment und ein happy end bleibt aus, bzw. endet die soap. nur schon das angekündigte tool macht es ein bisschen unromantisch. aber an product placement haben wir uns ja schon gewöhnt und wir nehmen den coopKindern die 10 jahre „coop.liebe“ ab, weil wir es uns wünschen.

    nein, es wird also keinen regen geben.

    im falle eines fakes würden sie das ganze potential, das sie aktuell noch haben als vermeintlich echte liebenswerte superuser ziemlich doof verspielen. die aura stirbt mit dem stempeln. aber noch spielen sie das spiel ja sehr poetisch.

    gott, lass sie echt sein!

    gruz.flo (auch klar ein Coop-Kind)

    • hab herzlich (und auch ein bisschen wehmütig unsicher erwartend) gelacht, wie recht du hast.
      Danke Florian für deine Gedanken zum „poetischen“ Thema.

  12. Wenn´s denn ohne professionellen Hintergrund (und wenn auch nur zu Übungszwecken), klasse. Ich denke, wir werden in dieser Richtung noch mehr erleben. Vor allem bei kleineren Unternehmen, die von Ihren Fans unterstützt werden. Ganz im Sinne „Wir unterstützen unseren lokalen Käse-Laden, den Kindergarten oder die Kneipe an der Ecke“! Es müssen ja nicht immer gleich die großen Namen sein.

    Ich wünsche weiterhin gute „Coop-eration“ Stephan Fink

  13. @Su: Du suchst ein Beispiel, in dem im Namen der Marke und ohne Auftrag kommuniziert wird? Dann wäre wohl Apple ein uraltes Beispiel… =)

  14. CoopKinder schrieb am :

    @Nachfrage
    Kommentar / sl
    Mir ist klar, dass es in der heutigen Zeit unvorstellbar ist, dass Menschen etwas aus Spass tun und dafür keine Kohle abkassieren. Wenn ich dich richtig verstanden habe, gehst du davon aus, dass hinter unserer Aktivität eine PR-Agentur steckt. Ich persönlich nehme das als Lob entgegen, weil die @CoopKinder weit davon entfernt sind eine solche zu sein. Wir sind Fans von Coop und betrachten es als Risiko, dass Coop das Thema „Social Media“ den Mitbewerbern überlässt. Coop hat in den letzten 10 Jahren bewiesen wie man Marketing, im speziellen die Kommunikation, aktiv umsetzt und sich durch dieses Engagement an die Spitze des Detailhandels empor gearbeitet. @CoopKinder nehmen Coop als modernes und aufgeschlossenes Unternehmen wahr, aus diesem Grund ist es uns unverständlich, dass Coop die Chance, welche in Social Media schlummert, vorbei ziehen lässt. Noch einmal, wir werden nicht bezahlt und machen es weiterhin aus Spass: ‚für uns und dich‘!
    lg

    • Nachfrage schrieb am :

      Lieber sl

      Viele machen Dinge aus Spass, nur haben viele noch einen Job, der es verunmöglicht Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche Spass zu haben. Dieses (scheinbar ziellose) Privileg scheint nur ihr zu geniessen.

      Und dass ihr offesichtliche Profis auf eurem Gebiet seid, untermauert ihr mit euren ganzen geschliffenen Botschaften, die gebetsmühlenartig wiederholt werden („Wir sind Fans von Coop …“ / „… die Chance, welche in Social Media schlummert …“ / „… Coop als modernes und aufgeschlossenes Unternehmen …)

      Ich hoffe, ihr habt Erfolg. Aber ich find’s schade, dass euer Plan nur funktioniert, wenn ihr alle erfolgreich für dumm verkauft

  15. Pingback: INJELEA Blog » Lesezeichen (weekly) » IN Jedem Ende Liegt Ein Anfang

  16. Nachfrage schrieb am :

    Ich frage mich schon, wer mit einem ausgeklügelten und aufwenigen PR-Konzept wie diesem auf Mandanten-Fang gehen kann. Allzu klein kann die Agentur nicht sein. Da drängt sich, liebe Interwieverin, schon mal die eine oder andere journalistische (Nach-)Frage auf. Welche offensichtlichen Kommunikationsprofis tragen „ohne Ziel“ diesen Workload? Nur weil „es Spass machen soll“?

    Wer glaubt denn wirklich den PR-lockerleicht-Antworten? („Ich hatte im Coop-Superstore einen Magic Moment“)

    Super Job, echt! Aber wahrscheinlich eben doch „nur“ ein Job.

    • ich gestehe, lieber Kommentator, dass auch ich meine Zweifel dazu nicht ablegen kann und bin sehr gespannt.
      Habe einleitend bewusst das Wort „vermeintlich“ im Satz …ohne die Beteiligung der Marke… eingebaut. Mir sind die Interviewten nicht bekannt, ich habe mit 3 Kürzeln via gdocs und der angegebenen E-Mail Adresse interviewt, was zeigt, dass ich nicht journalistisch gearbeitet habe sondern als Bloggerin, die neugierig ist. Ich persönlich wäre enttäuscht, wenn das eine Kampagne im Stil von Obermutten wäre. Ob das dann „gut oder schlecht“ wäre, entscheiden aber die Leute, die sich an der Kommuniaktion beteiligen, Fans, Leser, Empfehler, Kunden und auch Coop selbst.

      Bleiben wir also aufmerksam.