Der Kommunikationswert von Menschen

Die Facebooksperre bröckelt, titelte 20 Minuten und verkündete, dass Swisslife als eine der ersten Finanz-Unternehmen in der Schweiz ihren Mitarbeitern den Zugang zu Facebook erlaubt. Scheint so, als erkennt man inzwischen den Wert, den Mitarbeiter als Markenbotschafter haben. Ein Kommentator schimpft „der Mitarbeiter gehört mitsamt seinen sozialen Kontakten der Firma“ und spricht damit die Privat- und Geschäftsgrenze an. Doch in meinen Augen liegt genau hier die grosse Veränderung. Unsere Berufe hören nicht um 18.00 Uhr am Firmeneingang auf, ich glaube das taten sie auch nie. Auf einer Party war und ist oft eine der ersten Fragen „Was machst du beruflich?“ Und schon ist der Mitarbeiter ein glaubwürdiger Botschafter des Unternehmens. Ich kann also Unternehmen nur beglückwünschen zu der Entscheidung, die ich schon 2009 herbei gewünscht habe, online und offline lassen sich ebenso wenig trennen wie Geschäft und Privat.

Wem gehören die Follower - Klage von PhoneDogPikanter wird es wohl, wenn Mitarbeiter, die in Social Media stark vernetzt sind, ein Unternehmen verlassen und ein grosser Kommunikations- und Reichweiten-Wert für das Unternehmen verloren geht. Uneinsichtige klagen dann, wie hier dieses Potenzial sogar ein. Dies kann ich nicht nachvollziehen. Denn im Gegenzug profitierte das Unternehmen ja während der Mitarbeit des Angestellten von dessen persönlichen Einsatz, Geschick und vorallem davon, dass er oder sie eine enorme Reichweite aufbauen konnte, was den wenigsten gelingt. Die Wiwo berichtet übrigens gerade von einer Studie über erfolgreiche Tweets (lesenswert), Ich bezweifle, dass dies die Leistung des geposteten Inhaltes sein kann, sondern der Wert, den der Mensch einbringt. Vermutlich müssen dies die Richter nun herausfinden, wie genau der angeklagte Blogger die Reichweite aufgebaut hat. Der Name des Accounts scheint mir eine zu einfache Messgrösse. (viel Spass..)

Für mich wird immer deutlicher, dass Menschen in Social Media nicht mit einer Firma Kontakt aufnehmen, sondern mit einem Mitarbeiter von dem man weiss, dass er für jene tätig ist und ihm auch zuhören. Vielleicht reden wir irgendwann nicht mehr von B2B sondern von H2H (human to human) Wir wollen nicht mit abstrakten Logos sprechen, sondern lieben die persönliche Ansprache und das Dazwischen. So zielen auch Facebook Tipps von Sascha Baron auf mehr Persönlichkeit ab und dazu haben manche Manager noch nicht den Mut. Wovor hat man Angst? Das jemand irgendwann kündigt? Vor Negativem? Vor der Wahrheit?

Der/die Corporate Communicator, Social Media Manager, Pressesprecher, wie immer sie heissen, sind nicht mehr alleinige Sprecher/Schreiber eines Unternehmens. Die heutige Herausforderung ist, die Reichweite und Kommunikationskraft von mehreren Mitarbeitern, Kunden und Unbeteiligten zu nutzen. Dazu muss nunmal das Fundament stimmen, das Angebot selbst und vorallem das Vertrauen. Dann sollte es auch für ein klagendes Unternehmen leicht sein, die vermeintlich verlorene Reichweite zu erhalten oder neu aufzubauen. Obwohl auch dieses zu kurz gedacht ist, denn es sind jedesmal andere Menschen und andere Inhalte. Selbst bei demjenigen der die Firma verlaesst, ist es nie „eine abgrenzbare Dialoggruppe“ die sich austauscht.

In der Praxis versuche ich meine Kunden zu sensibilisieren, nicht nur den oder die Social Media Verantwortliche auszubilden, sondern bestenfalls alle Mitarbeiter und natürlich das Management. Gut informierte, involvierte Mitarbeiter, ja sogar Ex-Mitarbeiter, sind immer auch extern die besseren Botschafter. Einer meiner Lieblingsslides ist deshalb auch.

Wir befinden uns in einem Prozess, wo online integriert und nicht mehr als losgelöstes Instrument von allem behandelt wird. Es ist nicht mit einer statischen Website und einem Intranet getan, das zweimal wöchentlich von der Kommunikationsabteilung gefüttert wird. Leila Summa sprach bereits 2007 vom Mitarbeiter 2.0. Die Chance ist da, mit social-tauglichen Intranets intern Medienkompetenz zu erlernen und selbstverständlich werden zu lassen. Mitarbeiter reden nicht nur offline auf der Party sondern auch online über ihre Firma. Und bitte, einen guten Sales kann man auch nicht verklagen, wenn er kündigt, nur weil das Unternehmen dann weniger Umsatz macht, oder?

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10 Kommentare zu “Der Kommunikationswert von Menschen

  1. Bin auch gespannt auf das Urteil und vor allem, wie es begründet wird. Ein guter Verkäufer darf ja z.B. auch nicht „seine“ Kunden von einer Firma mitnehmen, wenn er kündigt. Denn so würde er den ehemaligen Arbeitgeber konkurrieren. Allerdings muss man auch einsehen, dass er seinen Kundenstamm aufgebaut hat. Wobei hier der Arbeitgeber natürlich mitgeholfen hat (er musste nicht von Scratch anfangen, was viel schwieriger ist).

    In diesem Fall finde ich es aber nicht korrekt, dass ein Blogger seine Followers mitnimmt, indem er einfach den Accountnamen ändert – das wäre ja Diebstahl. Natürlich kennen ihn seine Followers unter seinem persönlichen Namen. Dafür sollte er aber einen eigenen Account eröffnen und von Scratch beginnen, seine Followers aufzubauen.

    • Hallo Stephan Danke dir fuer deinen Kommentar. Du sprichst zwei wichtige Punkte an. Ich finde naemlich auch, dass es absolut notwendig ist, einen eigenen Account als Person zu haben. Meistens hat dieser Account aber auch wesentlich mehr Interaction. Ich bin immer wieder ueberrascht, wenn Community Manager ausschliesslich mit Firmenaccounts praesent sind. Das macht in meinen Augen aus genannten Gruenden wenig Sinn und man verschenkt auch enormes Potenzial. Und die Sache mit dem Saes. In der Realitaet hat er seine Kontakte im Kopf und vorallem auf persoenlicher Ebene. Am Ende entscheidet der Kunde, ob er mit dem Verkaeufer zusammen den Anbieter wechselt. Das ist ein Mechanismus, der aus Rechtssicht wahrscheinlich anders aussieht. Aber das Leben schreibt halt seine eigenen Gesetze 😉 (was bin ich heut wieder philosophisch)

      • Es ist halt natürlich so, dass die meisten Manager nicht die grössten Social Media Experten sind. Das ist auch normal so, denn Manager sind auch ganz normale Menschen. Die wissen nicht über alles besser Bescheid, zumal Social Media ziemlich neu ist. Von mir aus gesehen, ist ein persönlicher Account im Eigentum einer Firma die beste Lösung. Der Nachteil ist einfach, dass nur diese Person dann die Firma nach aussen vertritt. Das kann schlussendlich beim Weggang des Mitarbeiters negativ sein. So gesehen, wäre ein Firmenaccount auch nicht das schrecklichste 🙂

  2. Liebe Su, einmal mehr stimme ich Dir vollkommen zu. Ich finde es irritierend, wenn Mitarbeiter mitunter auf ihre Arbeitskraft reduziert und als umstandslos ersetzbar deklariert werden. Jeder Mensch füllt seinen Job mit seinen individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten aus. Eins und eins macht da lange nocht nicht zwei Mitarbeiter. Manche beflügeln einander und erreichen viel gemeinsam. Andere legen einander eher lahm. So ist es intern, so ist es aber auch in der Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern. Ob on- oder offline.