Die Zufälligkeit kultivieren für eine Echtzeit-Inspiration

Diese Frage bewegt auch andere Viel-Web-Nutzer wie Richard Gutjahr. Wie bewältige strukturiere ich die Informationsflut? Listen, Kreise und Tools, wie das neue google Monitoring sind willkommene Helfer, jedoch schliessen diese in meinen Augen wichtige Teile der Kommunikation aus, den Zufall, die Inspiration und manchmal sogar den richtigen Moment. Sprech ich das aus, kommt oft: Wie machst du das mit den vielen Inhalten?

Ich behaupte jetzt mal kühn, dass die Informationsflut gar nicht grösser geworden ist, sondern vorallem sicht- und nutzbarer. Gedacht hab ich auch vor 20 Jahren schon viel und ständig. Heut schreib ich es halt auf, lese nach, lerne obwohl ich das manchmal gar nicht wollte (bekomme eine Info im Web, obwohl ich nicht danach fragte). Was für mich grösser, viiiel grösser wurde, ist die Anzahl der Menschen mit denen ich mich austausche oder austauschen kann. Peter Kruse nennt das kreisende Erregung und Aufschaukelung. (danke Marie-Christine für den Tipp) Es gibt keine zahlenmässige Begrenzung, voraus gesetzt es geht um Inhalte von Interesse! Schlussendlich basiert ein Dialog aber immernoch auf einem einfachen Mechanismus, egal ob gesprochen oder geschrieben.

Interesse, Frage, Antwort, Meinungen, Erfahrungen, ungefragte Aussagen usw. Das heisst, ich selbst bestimme, was ich frage und was ich selbst sage. Nach einer Antwort kann ich suchen in dem ich sie schreibe, in google oder Twitter. Ob irgendwann Webseiten statt Navigationen nur eine Suche und Direktchat haben?

Nun aber zum Handling der vielen Inhalte und Menschen mit denen man auf eine besondere Weise verbunden ist. Dabei geht es oft um das Ungefragte. Ich entscheide nicht im Vorfeld von WEM ich WAS lesen will, sondern WANN ich lese, frage oder schreibe. Ich kann ohnehin nicht voraussehen, wer, was, wann sagt. Und so mache ich mir das Online Leben leicht und versau mir diverse Rankings. Es sieht ja schon besser aus, wenn man selbst weniger Leuten folgt als man selbst Verfolger hat. Bleiben wir gleich bei Twitter, weil das so herrlich zeitbezogen ist.

dort folge ich Menschen, die
– mir inhaltlich auffallen
– mich thematisch ansprechen oder erwähnen
– mir folgen und selbst aktiv sind
– die mir mal begegnet sind…
spannend ist, die meisten hier kenne ich nicht aus dem Offline Leben, was eine ungeahnte Bereicherung ist.

Tools fürs Community Management (wie das Cheat sheet von Mike) und Monitoring sind wertvoll aber eine Art Filter, um den es mir hier gerade nicht geht, wie ihr bemerkt habt. Denn damit limitiere, fokussiere ich mich auf bestimmte Inhalte um gezielt zu kommuniziern. Ich glaube, dass „Dabeisein“ wesentlich effizienter ist, wenn es um die Inspiration und potenzielle Möglichkeiten für einen Dialog geht. Oft sagen Kommunikationsleute, die mit Social Media starten, „ich weiss nicht, was ich schreiben oder sagen soll“. Das Problem stellt sich aber nicht, wenn ein Gespräch bereits läuft. Und im Web ist das so.

Mit Torsten spreche ich gelegentlich über die real mögliche Anzahl an Leuten im Netzwerk. Unsere Ansichten könnten unterschiedlicher nicht sein und das ist das Tolle an Social Media, jeder nutzt es nach seinem Geschmack, ja sogar Charakter. Auf einer Party kann ich nicht mit allen sprechen, überlasse es aber dem Leben, gut, nennen wir es Zufall, wen ich kennen und was ich dazu lerne. Ich vermute, dass dies eine der grössten Herausforderungen für Unternehmen ist, Zuhören lernen, das Sprechen auch mal sein lassen und die Zufälligkeit kultivieren. Genau dann entstehen echte Chancen für Unternehmenskommunikation und die frühere Botschaft lässt sich auch in Gespräche einflechten, wenn danach gefragt wird oder es gerade inhaltlich passt. Besonders hier sollte man sich der Echtzeit bewusst sein, eine Antwort einen Tag zu spät passt manchmal nicht mehr in den Gesprächsfluss.

Achso, die Datenflut: Ich habe kleine Zeitinseln reserviert, wo ich „hier“ bin. Morgens und Abends im Zug, zur Tee-, Mittags- und Kekspause und zum Feierabend und immer dann, wann andere eine Rauchen gehen oder ich etwas zu sagen habe. Oft höre ich einfach dem Strom der Menschen zu und geniesse die Zufälligkeit, bekomme Lesetipps und mit was die Leute bewegt. Über die Zeit lerne ich sie online kennen, manche besser als Freunde, die ich ausschliesslich offline treffe. Und das beste, ich kann Wissen suchen Fragen stellen. Das Kernthema der Spezialisten hab ich mir ja in Listen gemerkt 😉

PS: Ich gönne mir wöchentlich übrigens einen medienfreien Tag, aber das ist ein anderes Thema

Nachtrag: gerade jetzt bei Johannes entdeckt Lucy Marcus sagt „why boards need to adopt – und ich muss es einfach ergänzen

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6 Kommentare zu “Die Zufälligkeit kultivieren für eine Echtzeit-Inspiration

  1. Dein Atrikel wirft für mich eine Frage auf, und ich hoffe Du findest sie nicht zu philosophisch. Du betonst die Wichtigkeit des Dialogs und dass Unternehmen verstehen sollten, dass es bei SoMe darum geht ein Gespräch am Laufen zu halten. Das verstehe ich soweit. Aber ich frage mich: Ist der Dialog ein Mittel, oder ist er ein Zweck in sich? Ubd wenn er das ist, warum?

    • Der Dialog ist in meinen Augen notwendige Konsequenz aus der Veraenderung, die zur Zeit stattfindet. Wenn er „nur“ Mittel zum Zweck ist, wird das Potenzial nicht genutzt und der Kulturwandel nur vordergruendig statt finden. (Meist faellt den Beteiligten dies auch auf und der Schatz vom Austausch entsteht nicht wirklich, es bleibt beim PR Geplaenkel)