Echte Beziehungen statt Giesskanne für Fans

Mich überrascht immer wieder, welche Wege eine Information online geht und wie sie mich findet statt umgekehrt. Dann aber fasziniert mich, was (nicht) daraus wird. Leider gibts oft doch nur Giesskanne statt der grossen Chance echter Beziehungen. Ich schlüpfe heut mal in die Rolle des potenziellen Kunden einer Firma und beschreibe wie es mir dabei geht.

Wenn ein Thema heiss ist

Wenn ein Thema „heiss“ ist, bekomm ich es unweigerlich mit. Der sogenannte Zeitstempel der Information macht den Inhalt wertvoll (je aktueller = wertvoller = ganz oben angezeigt). Das empfinde ich übrigens als einen Nachteil in Facebook und Twitter, dort kann ich nicht unbemerkt bookmarken für späteres Lesen. Ich muss den Link jetzt klicken, um ihn dann mit „read it later“ aufzuheben. So drängelt die Zeit  immer ein bisschen zum jetzt Lesen, sonst verpass ichs.

Freunde halten es warm

Die zeitliche Gewichtung ist für mich als Mensch aber nur von kurzer Dauer. Das liegt in der Natur der Zeit, sie vergeht. Das Thema kühlt ab. Manchmal kommt der Inhalt aber auch mehrmals und über verschiedene Wege und sogar wenn er nicht mehr aktuell (nicht neu) ist. Dieser Inhalt scheint erstens gut und zweitens für mein Netzwerk auch längerfristig interessant zu sein. Was noch nicht  heisst, dass er für mich wirklich treffend ist, aber zumindest wirds so für mich warm gehalten.

Die wiederkehrenden Inhalte erreichen so auch btw Leute die nicht so viel Zeit auf Plattformen verbringen und drum Echtzeit-Inhalte „verpassen“. Und natürlich durch die hohe Gewichtung, die Google, ge-like-ten Facebook Inhalten gibt. Gut so, denn das Leben ist gelegentlich auch offline  😉 Aus Unternehmenssicht sollten Inhalte aber auch ausserhalb von Facebook stattfinden. Facebook und Bing spannen bereits zusammen.  Schade, dass aber noch in getrennten Töpfen gedacht und gekocht wird. Auch google reichert Such-Ergebnisse bevorzugt mit Inhalten aus den eigenen Plattformen (g+) an. Gerne nutze ich übrigens manchmal startpage.com um Such-Ergebnisse zu bekommen, die ungefärbt sind von meinen Netzwerk-Teilnehmern.

Und wenns vermeintliche Freunde sind?

Renato Mitra hat letztens sinngemäss gesagt, es kommt auf die Distribution an, nicht mehr so sehr auf den Inhalt. Damit trifft er den Online Zeitgeist. Ich befürchte, Seeding und gekaufte Blogposts werden noch zunehmen. Und auch versuchen Unternehmen vermehrt, eigene Leute online zu positionieren, um Meinungen zu beeinflussen. Die klassische PR kennt dies schon lange als Lobbying (Hier Studie für die Schweiz).

Für mich ist Social Media aber fast das Gegenteil. Eine Chance von „ehrlichen Inhalten, Empfehlungen und Beziehungen“ (ja, da verbrenn ich mir gern mal die Finger im PR Sinne)

Ich hoffe, dass dies nur Übergangsphenomene sind und die propagierte Ehrlichkeit der Online Kommunikation von Anbietern tatsächlich erlernt wird und von Suchmaschinen erkannt und von den Menschen (hier als Suchende) geschätzt wird. Versteht mich nicht falsch, es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Blogger Produkte erwähnen, die sie wirklich hot finden. Denn dann basiert auf einem guten Angebot, das den/die Blogger begeistert hat. Keine Ahnung, ob zum Beispiel nachträgliche Affiliate Links eine Lösung sind. Hat jemand von euch ne Idee dazu? (Nachtrag: 1.6. Studie zum Kaufverhalten, Suche und Social Media via Xeit Blog)

Unternehmen sollten aber so langsam in der Lage sein, solch einen echten (auch OFFLINE-) Fan (1% der Community Formel) zu erkennen und entsprechend die Beziehung zu pflegen. Und auch die 90% + 9% verdienen es in meinen Augen, einen warmen Empfang zu bekommen, sobald sie bereit sind, mit der Firma zu interagieren. Mich erinnert das an Starbucks, wo ich seit Neuestem mit Namen angesprochen werde und mich das irgendwie rührt. Übrigens plädiert Paul Schneider für eine 70/20/10 Formel.

Statt Beziehung kommt die Giesskanne

Weil Verantwortliche aus Unternehmen noch immer mit der grauen Masse „Ihr da draussen“ sprechen, statt human 2 human noch b2c oder b2c verbreitet ist. Ausserdem oft Tools fehlen, die die Dialogpartner „wieder erkennen“. Zum Beispiel erkennt mich der Swisscom Mitarbeiter am Telefon nicht, obwohl ich auf Twitter mit der Firma kommuniziere. Und dann werde ich dort mal mit du und mal mit Sie angesprochen. Das empfinde ich nicht gerade bindend, sondern wie eine kalte Dusche aus der Giesskanne, die weiterhin, die Community „gleich“ zu berieseln scheint, statt genau dann zu giessen wenns Sinn macht. Lesenswert dazu das Interview mit Brian Solis.

Echtzeit, Freunde, vermeintliche Freunde und Auffindbarkeit sind, denke ich, nur so wertvoll, wie die Beziehungsfähigkeit eines Anbieters. Erst dann ist der Kommunikationsprozess vollendet. Was denkt ihr, darf ich das nicht langsam erwarten als Konsument? Was erlebt ihr, oder wie löst ihr es als Anbieter?

Nachtrag: 01.06. Hab heute Antwort via Twitter von Swisscom erhalten

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7 Kommentare zu “Echte Beziehungen statt Giesskanne für Fans

  1. Hey Su, sehr schöner Artikel, danke.

    Eigentlich sind es irgendwie zwei Aspekte:
    – echte Dialoge/Gespräche führen: ich wünsche mir auch, dass mich ein Grosskonzern auf/aus den verschiedenen Kanälen kennt und mit mir auf einer persönlicher Ebene sprechen kann. Ich glaube aber, dass es für Grossfirmen nicht sooo einfach ist. Und: wollen wir, dass sie ALLE unsere Online-Aktivitäten unserem Profil zuordnen (Stichwort Profiling)? Es vermutlich einfach Fakt.
    – echte Dialoge/Gespräche auslösen: in Form von Blogposts, Tweets, FB Status Updates, Foren-Einträgen, whatever… Auch das ist ja gar nicht so einfach. Dass dann z.T. nachgeholfen wird, liegt wohl einfach daran, dass Google&FB&Co. die Regeln diktieren: Google-Treffer und Social Mentions beeinflussen Kaufentscheidungen. Und wer bei Google&Co. nicht vorkommt, der existiert ist. Das ist einfach auch Fakt.

    Die Frage ist wohl einfach, wie man als Organisation mit den beiden Themen umgeht.

  2. Ja, die bezahlten Blogger… Ein Streit-Thema für sich… Ohne Sieger. Darf sich ein Blogger bezahlen lassen, auch wenn seine ehrliche Meinung schreibt? Wenn ein Blogger „nur“ Affiliate-Links und Adsense einsetzt, ist er dann unabhängiger als wenn er Produkte geschenkt bekommt? Selbst Produktebewertungen in Online-Shops können zu hunderten von Stimmen eingekauft werden… Es lebe der gesunde Menschenverstand. =)

    • Danke dir Renato. Geht mir genau so. Ich mag keine Grenze ziehen wann es ok und wann verwerflich ist. Genau das sind ja auch die neuen Kommunikationschancen fuer Firmen und Blogger.