Auch Corporate Blogs brauchen Feuer und Charakter

Letztens erzählte mir Roman, dass einer seiner wichtigsten Schritte war, selbst einen Blog zu starten,  bevor er bei Swisscanto den Corp. Blog im Oktober 2012 lancierte. Da fiel mir ein, dass es mir ähnlich ging. Als ich 2006 bei ‚ihr wisst schon wo‘ als PR-Frau begann, gab es schon einen Blog (ich googelte, was das ist). Anfangs meine Inspirationsquelle für PR-Themen, begann ich ein Jahr später meinen Philosophie-Blog, keine Ahnung warum.  Und erst noch ein Jahr später wagte ich mich an besagten Corp.Blog als Schreiberling. PR war damals noch  Medienarbeit.

Ohne dieses Selbertun wär der Funke bei mir nicht gesprungen. Nein, Bloggen ist nicht Selbstinszinierung (wie ich manchmal abschätzig als Gegenargument höre) sondern ein ehrliches Stück von einem Charakter, ein Einblick in ganz persönliche Gedanken, die einem Dialog Leben einhauchen. Seither sammle ich Listen, was man beachten muss und frage, warum manche erfolgreicher sind als andere? Warum lesen Leute regelmässig einen Blog?

Warum blogge ich eigentlich heute noch?

  • Weil ich eine Idee habe, die diskutiert werden will
  • Weil ich Gedanken dokumentieren kann
  • Weil ich andere Blogs lese, die mich dazu inspirieren
  • Weil ich etwas lerne, wovon andere etwas haben könnten
  • Weil ich keinen Journalist fragen muss, zum publizieren
  • Weil ich  einen Link für ein Thema brauche
  • Weil ich zu faul bin, ein Buch zu schreiben
  • Weil ich so Teil einer Themengruppe werde
  • weil ich etwas ins Web zurück gebe, statt immer nur zu holen

und

  • Facebook nur Echtzeit kann, aber es hier dauerhaft auffindbar bleibt und
  • weil es richtig Spass macht.

Warum bloggt ein Mitarbeiter für eine Firma?

Dazu lesenswert sind Natascha Ljubic’s 10 Gründe fürs unternehmerische Bloggen. Ich denke, vielleicht tun es die Leute aber auch:

  • weil er/sie eine Zielvereinbarung hat
  • weil er/sie z.B. eine Kompetenz belegen kann/soll
  • weil er/sie merkt, dass man sich so positionieren kann
  • weil er/sie Mut zum Schreiben hat
  • weil er/sie etwas verkaufen möchte

Diese Gründe sind so grundlegend anders. Das könnte auch diese Blogstudie spiegeln, die u.a. zeigte, dass es den meisten Corp. Blogs u.a. an Persönlichkeit fehlt.

Erst Feuer, dann Charakter, dann Dialog

Bild: http://www.flickr.com/photos/l-i-n-k/918976538/Nun sitze ich (2:43 Uhr) und blogge, weil mir kurz vorm Einschlafen ein Satz in den Sinn kam „Der Charakter der Botschafter wird Teil des Markenwertes. Und Achtung, Botschafter können auch nicht im Unternehmen angestellt sein.“  Klingt einfach, ist aber eine echte Herausforderung, wenn der ehemalige PR-Auftrag mit Hang zum Perfektionismus in brennende Leidenschaft übergehen soll. Denn die braucht es, damit die Posts überhaupt gelesen oder gar kommentiert werden, egal ob Corporate oder persönlicher Blog. Im Dialog wird immer auch ein bisschen Charakter sichtbar, falls nicht, redet nur einer und der andere dreht ab. Wenn ihr Beispiele wisst wo das ohne geht, bitte gebt sie mir.

PS:
Roman hält übrigens am 26.3. einen Vortrag über sein Vorgehen an der Social Media Konferenz und Anika Kannler von Tognum spricht gemeinsam mit Julia Löffelsend am 5.3. darüber, wie man die Dialogkultur intern fördert. Leider kann ich da nicht dabei sein 🙁
Und wer bis jetzt durch gehalten hat, hier noch die fortgeschrittenen Tipps von Maria Tabaka.

 

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18 Kommentare zu “Auch Corporate Blogs brauchen Feuer und Charakter

  1. Hallo Su
    Danke für die Interessanten Gedanken. Sicher machen Charakter und Feuer einen Blog lebendig und interessant. Da Blogs auch immer mehr die Funktionen von der klassischen Medienarbeit übernehmen, finde ich Relevanz genauso wichtig. Die Persönlichkeit des Schreibers interessiert mich nicht bei jedem Thema zwingend, manchmal verfolge ich einen Blog ausschliesslich wegen den Informationen. Was denkst du über unpersönliche, aber inhaltlich relevante Blogs?
    Gruss Martin

  2. Ich gebe Su einmal mehr hundertprozentig recht: Corporate Blogs brauchen Feuer und Charakter! Und ich möchte ergänzen:

    Feuer und Charakter sind nicht von der Branche abhängig, sondern von den Mitarbeitern – von den Mitarbeitern der Unternehmenskommunikation bis (in unserem Fall) zu jedem einzelnen Vermesser und Ingenieur irgendwo draussen «im Feld». Diese bringen gute Ideen und aussergewöhnliche Fotos zurück ins Headquarter, also das Feuer.

    Und zum Charakter gehört meines Erachtens, dass Unternehmen nicht nur über sich schreiben, sondern auch über gute Leistungen der Mitbewerber und Kunden. Seit wir diese Content Curation pflegen, haben wir fast täglich positive Rückmeldungen von Mitbewerbern, Kunden und potentiellen künftigen Mitarbeitern …

  3. Danke für den informativen Beitrag. Wir versuchen in der Tat bei unseren „Firmen-Bloggern“ ein Feuer zu entfachen UND es gelingt mit jedem Post ein wenig besser. Der Zunder wäre natürlich, dass auch noch verschiedenste konstruktive Kommentare kämen. Aber dies ist, wohl bei Firmen und in dem Sinne Spezialistenblogs, schwierig. Aber, wir bleiben dran und versuchen noch näher an unsere Kunden zu kommen, in dem sich unsere Blogger als Menschen zeigen und nicht „einfach“ als Finanzspezialisten.

  4. Danke für die Erwähnung meiner 10 Tipps fürs Corporate Bloggen, Su!

    Ich merke beim Lesen wofür dein Feuer lodert und das offenbart mir ein wenig von deinem Charakter.

    Danke für die Auffoderung zum Dialog!

    Ich bin immer wieder fasziniert wie jeder Mensch durch das Blog zum Journalisten über sein Leben damit wird http://en.wordpress.com/stats/

    LG
    Natascha

  5. Armin Morid schrieb am :

    Finde deinen Artikel gut. Frage mich noch, was genau ich unter Feuer zu verstehen habe. Ich arbeite bei einem Hersteller von Zahnimplantaten und die Kunden sind Zahnärzte (nicht die Leute, die es später I'm Mund haben) und deswegen ist unsere WordPress Präsenz dominiert von z.B. recht medizinisch/technischen Artikeln zu Behandlungsmethoden. Wie lässt sich in dieser Themenwelt Feuer verwirklichen?

    • hallo Armin, mmh, ich hab es offen gelassen. Weil das Feuer für jeden etwas anderes ist. Ich verstehe darunter: Leidenschaft, Spass, auch mal zu Unzeiten einsetzen, echter ! Mehrwert, Hintergründe, und anderen eine Bühne geben (kuratieren) und der Charakter zeigt sich durch Worte (die auch beim Sprechen genutzt werden. Wenn man den Autor reden hört, ist es nah dran 😉 Hab mich übrigens dieses Jahr auch schon mit der Zahnmedizin auseinander gesetzt. Gerne bei Gelegenheit und live mal mehr was ich dabei gelernt hab. https://corporate-dialog.ch/vortrag/vom-senden-zum-dialog/

      • Armin Morid schrieb am :

        Hallo Su, danke für deine Antwort; jetzt kann ich mir das Gefüge zwischen Feuer und Charakter besser vorstellen! Ich werde das Konzept mal beim „Owner“ unseres WordPress Auftritts vorstellen und bin gespannt was sich daraus ergibt 🙂

    • Erstmal vielen Dank Su – sehr guter Beitrag!

      An Armin:
      Ich hänge gerade zumindest teilweise an einem ähnlichen Thema (ebenfalls B2B im Zahnmedizinbereich).
      In dem Fall würde ich unter Umständen nicht nur auf die Produkte, die rechtlichen Aspekte als auch die Behandlung eingehen sondern eher übergeordnet zum Thema Zahnmedizin und was damit verbunden ist.
      Das erweitert die Themen zu denen man schreiben kann enorm und gleichzeitig wird man auch für Personen relevant für die das eigentliche Produkt vielleicht gar nicht sooo spannend ist.

      Beispiel 1:
      Warum haben Patienten Angst vorm Zahnarzt? Einen kurzen Artikel zu der Thematik, verschiedene Ansätze aufgreifen. Unter Umständen (ohne Produktkenntnisse meinerseits natürlich schwer einzuschätzen) kann man dadurch sogar noch eine Umleitung auf die Vorteile eures Produktes bringen, z.B. kaum Nachbehandlung nötig, bei guter Pflege lang haltbar usw.

      Beispiel 2:
      Marketing für Zahnärzte – dabei kannst du dich subjektiv mit dem Thema auseinandersetzen (da wird es dann langsam heiß 😉 ) und dich z.B. über billige Visitenkarten auslassen oder dich über den gelungen Facebook Auftritt eines anderen Arztes freuen – natürlich immer mit einer gewissen Sachlichkeit.

      Auch Zahnärzte sind Menschen, wenn der Blog sie zu mehr interessanten Themen informiert als euer Produkt und die Behandlungen wird das gesamte Paket interessanter und du bist offener bei dem was du schreiben kannst.

      Viele Grüße,
      Stefan

      • Armin Morid schrieb am :

        Hallo Stefan. Dass Kreativität Trumpf ist, hast du mit deiner Antwort bestens bewiesen. Deine Beispiele klingen sehr spannend und ich werde schauen, was sich davon bei uns umsetzen lässt. Danke für die Inspiration!

        • Das Ganze lässt sich natürlich ausbauen und sicher besser umsetzen als meine spontanen Beispiele 😉
          Hatte mal mit einem Hersteller von Gastronomie-Einrichtung zu tun, da wurde großteils über Gastronomie im Allgemeinen geblogt, vielleicht 10-20% hatten mit den eigenen Produkten bzw. dem Unternehmen zu tun und es kam recht gut an.
          Leider musste aus gesundheitlichen Gründen geschlossen werden weshalb der Blog schon seid ca. einem Jahr nicht mehr aktiv ist, das wäre denke ich ein gutes Beispiel für Feuer gewesen.
          Man hat einfach herauslesen können, dass da jemand dahinter steckt der nicht nur Wissen sondern auch Leidenschaft hat.