Blogger Relations – wenn Firmen mit Bloggern können

„Es schien uns nicht mehr zeitgemäss, Blogger bevorzugt zu behandeln“ schrieben die Organisatoren der Republica, weil sie keine vergünstigten Tickets mehr bieten. „Das hat was“ denke ich, irgendwie bloggt und postet heut ja nahezu jeder. Und dennoch lädt kaum jemand Facebooker oder Twitterer als Multiplikatoren ein.

Online Netzwerker statt Blogger

Als Kommunikationsverantwortliche einer Firma würde ich das. In Strategien steht selbstverständlich „Kontakt zu Bloggern aufbauen“. Wir könnten sie besser Online Netzwerker nennen. Es sind die Menschen, die gut kommunizieren und netzwerken. Hey, ein Twitteraccount ist auch ein Blog.

Blogger Relations

Vor ein paar Jahren passten die Blogger in der Schweiz in einen Raum, vielleicht eine Turnhalle, aber es war überschaubar. Als PR-Frau traf ich jeden einzelnen, der sich für die gleichen Themen interessierte wie meine Firma. Begann, ihre Blogs zu lesen und sie zu mögen.

Dankeschön Paket

Dankeschön Paket

Wenn sie das Unternehmen erwähnten, bedankte ich mich mit Kommentar, personalisiertem T-Shirt,  Schoggi oder Backlink. Die kleinen Dinge, die man auch Freunden schenkt, ohne, dass sie das Gefühl haben „sie werden gekauft“. Ich weiss nicht mehr, warum ein Leumund, Bloggingtom oder Pixelfreund überhaupt mit einer PR-Frau redeten. Vielleicht waren es meine eigenen ersten Bloggingversuche

Heute gibt es unzählige Leute mit Blogs. Sie bekommen Anfragen, Medienmitteilungen und Einladungen. Die Idee dahinter ist oft nicht so bahnbrechend, wie der Absender glaubt. Also lohnt es sich gut zu recherchieren und nicht beim ersten Kontakt „etwas zu wollen“. Die Reisebranche nimmt eine besondere Rolle ein, manche Bloggenden leben und reisen vom Schreiben. Budget ist also eine gute Idee.

Corporate und echte Blogger

 

Echte und Corporate Blogger

Echte und Corporate Blogger

 

Um die Beziehung zwischen Kommunikationsverantwortlichem und Bloggern (ich nenne sie „echt“) besser zu verstehen, hab ich einige Aussagen aus Workshops gegenübergestellt. Ich ging davon aus, dass der/die Firmenvertreter gleichzeitig Corporate Blogger ist, was leider nicht selbstverständlich ist. Die Tabelle ist nicht auf einzelne Personen übertragbar, aber sie zeigt einige Unterschiede.

Jeder einzelne Autor ist so unterschiedlich wie die Themen, über die er schreibt. Aber wer gerne alle auf einen Blick hat oder Teil einer Community werden möchte, wird hier fündig:

 

Für Kommunikationsverantwortliche ist das eher keine Fundgrube, denn diese sollten die „richtigen“ Leute finden, die Online über das passende Thema kommunizieren. Dabei nicht auf Leserzahlen schielen, sondern eigene Bewertungskriterien erstellen, wie bspw. „ist sowieso interessiert an unserem Produkt“. Bestenfalls ist man als Corporate Blogger selbst Teil einer Community. „Ich nutzte Facebook nur privat oder gar mit einem Fake-Namen“ ist keine gute Strategie.

Ich denke, es ist besser, mit einer handvoll Leuten zu arbeiten und sie wie Freunde oder beliebte Kollegen zu behandeln. Wie im wunderbaren Beispiel von Agnes Happich von Audi. Dagegen scheint es geradezu dumm, wahllose Listen zu bespamen oder ungefragt Arbeit zu versenden, wie Claudia es beschreibt. Der Absender riskiert, als Spamer markiert oder gemeldet zu werden. Am Ende entscheiden eh die Empfänger, was und mit wem sie was wollen. Wir sind uns bestimmt ein, das Wort Empfänger ist hier unpassend. Es gibt längst keine Sender und Empfänger mehr.

Damit Firmen mit Bloggern können

..hab ich einige Tipps zusammen gestellt

  • Denke an Online Netzwerker (auch ohne Blog)
  • Lerne sie vor einer Aktion kennen
  • Zeige nicht, sondern entwickle echtes Interesse
  • Pflege diese Beziehung
  • Lese die entsprechenden Blogs
  • Kommentiere, wenn du etwas zu einem Thema beitragen kannst
  • Authentifiziere dich beim Kommentieren mit dem Link zum Firmenblog
  • Kommentiere, twittere wenn jemand dich/dein Unternehmen erwähnt hat
  • Biete mehr: Hintergründe, persönliche Interviews etc.
  • Biete zeitlichen Vorsprung gegenüber Medien
  • Biete Affiliate Links
  • Schau dir Mitarbeiter Blogs (Brancheninsider) an
  • Involviere Mitarbeiter-Kontakte
  • Nimm an Tweetups teil
  • Blogge selbst
  • Berichte über einzelne Blogger der Branche
  • Kommuniziere mit Bloggern in Twitter
  • Pflege Twitterlisten
  • Kuratiere externe Inhalte
  • Verlinke !
  • Zahle auch mit deiner eigenen Reichweite wenn möglich
  • Bitte: plane Budget

Tipps von erfahrenen Leuten

Übrigens pflege ich immer noch gerne den Austausch mit besagen Netzwerkern aus meiner Branche. Lese viele Blogs zur Online Kommunikation. Einer von Ihnen ist Mike Schnoor. Er schaffte es, (zur Zeit 58) Meinungen, Tipps und Erfahrungen zum Thema Blogger Relations zusammen zu trommeln und ich schliesse mich hiermit gerne an. Faszinierend finde ich bloggende Kommunikationsverantwortliche, sie kennen beide Seiten und sind drum oft erfolgreich. Ich fragte also noch den Bloggingtom, was er von Medienmitteilungen hält…

 

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20 Kommentare zu “Blogger Relations – wenn Firmen mit Bloggern können

  1. Pingback: Blogger Relations oder weshalb Journalisten sich nicht an ihren Kodex halten – Der Schlussstrich | Swiss Kyburz Blog

  2. Wow, habe deinen Post über Twitter entdeckt und dein Post hat mich schon begeistert 🙂 Danke für die coolen Tipps. Freue mich auf mehr von dir!

    lg Chris

  3. danke dir lieber Marcel. Gute Idee, hab ich gerne gemacht, ist schliesslich das Original und 5 Jahre Twitter eine echt lange Zeit.

    Weisst du was mir in letzter Zeit auffällt, wenn jemand fragt „Wie lange nutzt du schon Social Media?“ und ich antworte, seit 2008 oder 2006 (wenn XING zählt) dann ist gar niemand „beeindruckt“. Man hat das Gefühl, jeder tut es schon so lange, weil es Alltag geworden ist.

    • @ Su: Das geht mir genauso. In solchen Fällen schiebe ich dann schnell (um meine Anciennität zu unterstreichen/meine grauen Haare zu rechtfertigen) schnell ein „… und seit 2004 blogge ich“ nach 🙂

  4. Sehr lesenswerter Artikel – für Blogger und NIcht-Blogger, vielen Dank dafür, liebe Su! Vor wenigen Tagen bin ich auf einen interessanten Post gestossen, der das Thema von einer anderen Warte aus betrachtet: Wenn aus Blogs Geschäftsmodelle werden.

    Du schreibst «Wir könnten sie besser Online Netzwerker nennen. Es sind die Menschen, die gut kommunizieren und netzwerken. Hey, ein Twitteraccount ist auch ein Blog.» Diese Ansicht gefällt mir gut, auch wenn wohl nirgends der themenbezogene Dialog so wertvoll sein kann wie in einem Blog. (Diesem Gedanken folgend: wäre das #twitterbier #zürisee es wert, in Deine Liste aufgenommen zu werden? Zumal ich es in diesen Tagen mit Blick aufs 5-jährige Jubliäum in „SocialBeer“ umtaufen werde?)

  5. Pingback: Aufruf zur Blogparade “Blogger Relations” (Update) | Mike Schnoor