Watson: Es ist normal geworden, auch für Medien

Online bedeutet längst nicht mehr nur Geeks, Nerds, Kommunikationsvorreiter. Was bin ich froh, dass weniger Strategien auf die sogenannten early adopters setzen, die am Ende oft nicht nur testen sollen, sondern vorallem teilen. Das tun inzwischen auch ganz normale Leute und man kann getrost auch ein neues Projekt einfach nur starten.

Normale Menschen publizieren

Menschen publizieren, kuratieren, teilen, bookmarken, auch ohne sich der Fachbegriffe bewusst zu sein. Gestern Abend sorgte zum Beispiel Andrea Holle dafür, dass der Independent Film thirdcontact in Zürich in einem „grossen“ Kino lief. Das schaffte sie ohne  Werbebudget, mit reiner Kommunikationsarbeit mit jenen Menschen, die Twitter (und andere Plattformen?) nutzen. „Passion“war ihre Antriebskraft. Der Regisseur Simon Horrock war dann auch da gestern. Aus Twitter kannte man sich irgendwie. So gab es auch keine Hemmungen, mit ihm zu reden. Ganz normal auf Augenhöhe.

Ein Twitter-Event heisst heute nicht mehr, dass sich alle Teilnehmer kennen. Twitter wird einfach nur genutzt. Kein Hype, keine sog. Online Elite, sondern Menschen, die während der Filmvorführung sogar das Handy ausschalten.

Und was tun die Medien mit dieser Normalität?

Kommentarfeld beim Tagi

Kommentarfeld beim Tagi

Bisher gab es in der Schweiz neben der  Boulevardpresse, die Online versteht und entsprechend lebt, Tagesmedien, die das Web ordentlich nutzen,  Experimente mit Tweets im Fernsehen, integrierte Themen-Blogs, twitterndes Radio und Fernsehen und Kommentare in „der Zeitung“. Beim Formular möchte man sich fast eine zweite Identität zulegen. (Ich will nur kommentieren, und nicht einen neuen Pass beantragen.) Am Ende ist der Leserbeitrag sowieso nicht relevant, hat keinen Einfluss auf Inhalte oder Verhalten.

Es ist für mich nicht die Augenhöhe, die ich sonst im Web erlebe (n kann). Vielleicht wurde deshalb der Spiegel Online vor Jahren ein favorisiertes Medium für onlineinteressierte Menschen. Magazin, News, Wirtschaft, beteiligte Leser, Online-Kultur (nicht nur Boulevard) auf einmal.

Willkommen Watson und viel Erfolg

Seit gestern Abend gibt es in der Schweiz Watson. Das Newsportal versteht sich als Alternative zu 20Minuten und Blick.ch. Der Unterschied kristallisiert sich hoffentlich bald deutlich heraus. Das Portal startet mit 60 Leuten (erfahrenen Journalisten und Medien-Managern wie Hansi Vogt, Bloggern und natürlich Techies), 20 Mio Schweizer Franken und einer Partnerschaft mit dem Spiegel. Dass man mit Beta an den Markt geht, ist ebenso onlinig, wie der Kommentarmechanismus. Ich kann mich mit vorhandenen Social Media Accounts einloggen und auch Links landen nicht automatisch im Spamfilter. Der Leser soll „Komplize“ statt nur Zuhörer oder Verteiler sein, heisst es. Ein Radar-Team und  Webscouts sollen aus Twitter, Facebook, Instagram, Tumblr, Feeds und Foren das Relevante fischen. Der Social-News-Ansatz spült die beliebten Beiträge nach oben. Der Kachellook ist cool, aber dient dem strukturierten Lesen nur bedingt. Ich freu mich jedenfalls auf mehr. Rockt das Ding.

Screenshot von Watson 23.1.14

Screenshot von Watson 23.1.14

Erste Feedbacks an Watson

In den Kommentaren beim Welcome Post von Hansi Vogt geben die Leute tolle Feedbacks und Tipps, die ausdrücklich erwünscht sind. Darum hab ich auch ein paar Kleinigkeiten aufgeschrieben:

  • Ein Hashtag zum Start würde die Feedbacks in Twitter bündeln und für alle verfolgbar machen.
  • Vom Kommentar-Login via Twitter Account könnt ihr auch den Avatar nutzen.
  • Für die Feedbacks eurer Leser (zum Launch) wäre ein E-Collaborations-Werkzeug gut (Weiterentwickeln von Impulsen, statt reiner Liste).
  • Ihr habt tolle Blogger und Journis. Warum haben sie keine Autorenseiten?
  • google Authorship?
  • Die grosse Aufmerksamkeit zum Start könntet ihr nutzen für eine Art Warteliste für die mobile Apps (persönliche Benachrichtigung).
  • Kommentare abonnierbar, damit der Kommentator mitbekommt, wenn er eine Antwort erhalten hat (ggf. Link zur App).
  • Das Like und Dislike bei den Kommentaren wünsche ich mir auch für Beiträge.
  • Mir würde eine zusätzlich mögliche Navi helfen, gezielt Beiträge zu lesen. Alle anderen SoMe Plattformen fördern schon eine unstete Aufmerksamkeit. Da ihr Relevantes filtern wollt, wären Themencluster sinnvoll.

So, jetzt aber los. Ich bin sicher, ihr Onliner, also ich meine ganz normale Leute, hier im Blog habt noch viele Ideen und Tipps.

 

 

 

 

 

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10 Kommentare zu “Watson: Es ist normal geworden, auch für Medien

  1. naja viele medien leben noch im zeitalter wo es nur papierausgaben gab. damals wenn man ein leserbrief geschrieben hat, musste man einen ganzen absender anbringen und dann wurde noch kräftig gesiebt und leserkommentare nur mit viel glück veröffentlicht. heute aber kann eigentlich jeder kommentieren und darum haben viele zeitungen angst hier die „volksmeinung“ ungefilter zu veröffentlichen. man sieht das vorallem bei kritischen beiträgen oft, dass sogar die kommentarfunktion ganz deaktiviert wird, weil die journalisten total am volk vorbei was geschrieben haben und via kommentarfunktion nun ein sturm der entrüstung (kein shitstorm) losbrechen würde….

    was #watson betrifft irgendwie erinnert mich das ganze an die HuffPo das mit flipboard gekreuzt wurde. ich sehe den sinn und vorallem den mehrwert noch nicht ganz. 20min/blick haben weniger schnickschnack und sind in meinen augen besser lesbar. aber ich freue mich das mal jemand etwas versucht – denn wie ich immer sage, den einzigen fehler den man machen kann – ist es nicht zu versuchen 🙂

    • Stimmt Eric, die Kommentare in den Tagesmedien sind aber auch manchmal unsinnig und sogar unanständig. Wahrscheinlich will man diesem Phänomen mit den Formularhürden „Herr“ werden. Was natürlich nicht funktioniert. Es ist vielmehr polarisierender Inhalt, der manchen Kommentator zu Polemik verführt. Das wissen Blogger schon lange. Also lieber Topqualität posten, dann klappts besser mit den werrvollen Kommentaren. Da hoffe ich auf Watson.

  2. Vielen Dank für den schönen Beitrag, Su.
    Von den insgesamt 140 ZuschauerInnen von Third Contact im Kino Riffraff haben wir bestimmt 100 Personen nur mithilfe von Twitter für den Film begeistern können. Über Facebook kamen 2 Personen und der Rest über Mund zu Mund Propaganda.
    Durch die intensive Kommunikation mit den Followern konnten wir bereits vor der Filmaufführung eine Community schaffen, welche nach und nach Teil der Erfolgsgeschichte von Third Contact wurde. Dass man sich am Tag der Filmaufführung noch im realen Leben treffen konnte, gab dem Event eine zusätzliche, einmalige Note.
    Third Contact ist ein Lowbudget Film, das Marketingbudget für den Anlass betrug dementsprechend CHF 0.00. Twitter war auch aus diesem Grund die perfekte Wahl für einen ausverkauften Saal.