Mediensprecher und Twitter

Vor kurzem hatte ich einen Workshop mit einer Mediensprecherin. In der Schweiz heisst die Berufsgruppe nicht Pressesprecher (und sie schreiben auch keine Pressemitteilungen, sondern Medienmitteilungen). Schon in der Vorstellungsrunde sagte sie ehrlich „es hat geheissen, ich soll“ und „ich hab eigentlich keine Zeit, noch ein Tool mehr zu bedienen“. Ich hatte also nicht gerade idealen Nährboden, aber einige Argumente dabei, die dann schneller als gedacht fruchteten.

Warum ist Twitter für Mediensprecher ein gutes Tool?

  • weil die Journalisten längst da sind
  • die Marketer auch (sie haben die PR Branche überholt)
  • zur Beziehungspflege mit Medienschaffenden
  • als Themenradar
  • zum Journalisten unterstützen bei Recherchefragen
  • ansprechbar sein, auf dem schnellsten öffentlichem Medium
  • Gelegenheiten „generieren“ und nutzen
  • Medienkompetenz zeigen
  • neben dem Markenaccount auch persönlich
  • zum Zuhören, Antworten, Kuratieren
  • Krisen-Vorbereitung
  • Kommunikationskompetenz statt (nur) Werbetweets auf dem Marken-Account
  • wenns sein muss, auch als Hub für Medienmitteilungen

PR ist längst nicht mehr Press Relations sondern Public Relations

Medienmitteilung via Twitter

Medienmitteilung via Twitter

Medienmitteilungen sind nur ein kleiner Teil der Kommunikationsarbeit. Ich befürchte zwar, dass Journalisten immer noch mit unsinnigen Meldungen per Mail drangsaliert werden, gehe jetzt aber mal von  Inhalten aus, die wertvoll für Medien sind. Ich hab in Twitter nach Beispielen gesucht und bemerkt, dass nur eine/r von ca. 20 Twitterern auch ein Bild zum Tweet mit Medienmitteilung gehängt hat. Ok, dass ist ein „billiger“ Aufmerksamkeitstrick. Aber Twitter gibt es nunmal her, dass Tweets mit Bild auffälliger in der Timeline sind, wenn die Nutzer diese Vorschaufunktion nicht abgestellt haben. Die löbliche Ausnahme ist übrigens UPC Cablecom mit ihrem Ostereier-Tweet (sogar die Konkurrenz wird direkt angesprochen)

Sehr professionell versendete auch Moritz Adler seine Medienmitteilung zum Thema XING Gebühren in der Schweiz. Er gab sie im google doc ab. So ist der Inhalt bearbeitbar, die Infografik (mit CC Lizenz) braucht keinen extra Download. Auch ans Avatar-Bild (für Unterstützer) und den Hashtag #xingfail hat er gedacht. Interessierte, Journalisten und Blogger können sich gleichermassen an einem Ort bedienen. Auch hätte jeder hier direkt Kommentare oder Rückfragen platzieren können. Sicherheitshalber sag ich es kurz „privat und Geschäft lässt sich nicht wirklich trennen, es geht immer um persönliches Agieren und anderen etwas zu bieten“. Das wird auch für Journalisten immer wichtiger, sie sorgen oft selbst für Leser und Reichweite ihrer Artikel. Für euch nichts Neues, aber glaubt mir, darüber rede ich in der Praxis.

Normalerweise finde ich oft noch Medienmitteilungen als pdf auf Websiten mit einem Link zum Downloaden von weiterem Material (Marketingbilder mit wenig Gebrauchswert für journalistische Berichte). Manchmal sehe ich nicht vorher, was ich eigentlich runterlade soll. Ich vermute das liegt am „alten“ Senden-Mechanismus. Man sendet ja eh die Information plus Bild via E-Mail direkt in den Papierkorb (pardon, ich meine natürlich die Mailbox) des Journalisten.

Zurück zu meinem Workshop. Für ein paar fruchtbare Argumente war wiedereinmal Twitter das Tool der Wahl. In sehr kurzer Zeit bekam ich viele Meinungen von Profis. Dankeschön dafür.

Brauchen Mediensprecher einen Twitteraccount?

Ehrlichgesagt, dachte ich, die Mehrheit würde sagen „selbstverständlich, es ist ein Kommunikationsjob“ aber so war es nicht. Die Essenz der Meinungen war etwa so:

  • die Zeit der Medienmitteilung ist vorbei, ebenso der Journalist als Informationsmonopolist
  • passiv als Pulsnehmer, was interessiert Kunden, die Öffentlichkeit
  • aktiv als Mehrweg Kommunikationskanal, Transparenz, halböffentlich
  • Kommunikationsverbote austricksen 😉
  • verfolgen, worüber Journalisten schreiben, welches sind ihre aktuellen Themen
  • kein Verbreitungskanal, aber Resonanzraum, überraschend, welche Themen bewegen
  • wenn er/sie dadurch besser erreichbar ist, ja
  • geschäftlich über Firmen Account, privat ja, aber deklariert
  • wer beruflich twittert, sollte den Kanal auch privat spüren. Ganz privat ist man aber nicht

Kurzum können wir das wohl trotzdem als klares JA werten.

Hier sind die Antworten.

PS: Während der Umfrage ist ein Interview via Twitter entstanden übrigens zwischen Barbara Josef, der Kommunikationschefin von Microsoft, und dem Journalisten Manuel Wälti. Grossartig.

Ach gönnt mir noch ein PPS: meinen ersten Blogpost zum Thema hab ich ziemlich genau vor ca. 5 Jahren geschrieben. Oje.

 

 

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20 Kommentare zu “Mediensprecher und Twitter

  1. Moritz Adler schrieb am :

    Merci für die nette Erwähnung, Su! Ich möchte noch den Rest der Truppe erwähnen, die an der Pressemitteilung gearbeitet haben: @slartbart @Mpolzin @pstaehler @dblO_Om @bundpch.
    Das ist vielleicht noch ein weiteres Thema: kollaborative Medienmitteilungen. Heute ist eine Medienmitteilung für mich auch nicht das Ende einer Kommunikation sondern der Beginn. Ein Communication Starter sozusagen. Davon ausgehend wird dann diskutiert, gebloggt, getwittert.

    • hallo Moritz

      stimmt, guter Punkt. Danke dir. Es ist einfach nicht mehr „statisch“ oder gar planbar, was dann am Ende (selbst das Ende gibts nicht 😉 wo geschrieben wird. Eigentlich ist das sogar das Hauptargument, warum Mediensprecher via Twitter kommunizieren sollten.

      Hab mir erlaubt, die Jungs in deinem Kommentar zu verlinken. Danke für die Ergänzung.