Blogparade Influencer – ein innerer Dialog

Über Marie Christine hab ich die Blogparade von Stefan Evertz von MonitoringMatcher entdeckt. Interessanterweise hat er einen Nachtrag drin, dass selbstverständlich auch Corporate Blogger aufgerufen sind. Das zeigt schon ein wenig, wo wir heute stehen. Corporte Blogger und „echte“ Blogger werden oft gedanklich immer noch unterschieden. Ich mach das auch, finde es aber schade. Denn auch ein Firmenvertreter kann durchaus zum Influencer werden. Aber diese Chance bleibt in der Praxis oft ungenutzt. Ich habe hier eine Art inneren Dialog aufgeschrieben, weshalb ich meine eigene Rolle als Blogger, Firmenvertreter und normalen Webnutzer munter mixe. Ihr mögt mir das nachsehen.

Marie-Christine sortiert das Thema „So findet man Influencer“ in gewohnt souveräner Art. Sie gibt Influencern unter anderem Eigenschaften wie:

  • konsistent interessante Inhalte
  • Impulse
  • bewegen
  • empathisch

Zu firmeneigenen Blogger passt das nur selten. Sorry, falls ich jemanden auf den Schlips trete. Es gibt natürlich löbliche Ausnahmen, aber ich hätte gern mehr davon in der Schweiz.

Meine Influencer

Punktefrau

Punktefrau

Ich hab mir überlegt, wer eigentlich meine Influencer sind. Es sind viele, hier einige davon:

  • Punktefrau aka Christine Dingler, weil sie vertieft nachdenkt und dies teilt
  • Talkabout, ich bin nicht immer seiner Meinung, aber er hilft mir oft, Komplexes zu ordnen
  • Claudia Meier-Biedermann, meine Kollegin in Olten, mit ihr entstehen kreative Ideen bei Offline-Meetings
  • Silvan Hagen, mein WordPress Partner, der Technologie und Kommunikation auf fantastische Art zusammen bringt

 

Mein Verhältnis zum Thema Influencer für die Unternehmenskommunikation

Als ich begann, mich mit den Mechanismen des Internets näher zu beschäftigen, war ich mir sicher, es wird in der Kommunikation (generell) über kurz oder lang mehr Demokratie geben, weniger manipulierende Inhalte, mehr echten Dialog. Zwischenzeitlich dachte ich sogar, mein jetziger Beruf (nennen wirs mal Online Kommunikationsberatung) würde irgendwann aussterben, weil es selbstverständlich würde, offen, authentisch und ehrlich zu kommunizieren. Keinesfalls dachte ich, dass wir uns Reichweite von Unbeteiligten ausleihen würden.

Warum teilt ein Influencer „fremde“ Inhalte?

Wenn ich in Kursen das Thema behandle, ziehe ich gerne den Ansatz von Rand Fishkin (danke Walter) hinzu.

Kurz gesagt, erklärt Rand, warum Influencer/Blogger Inhalte von anderen teilen. Es ist ebenso einfach wie genial und zeigt, dass es eben nicht um den Absender (zum Beispiel eine Firma) geht. Vielmehr teilt ein Influencer den Inhalt von anderen,

Weil er/sie dich oder jemanden persönlich kennt
Weil der Inhalt ihm/ihr dient/schmückt/bereichert
Weil er/sie damit eine grössere Reichweite erzielt
Weil der Inhalt ihn/sie unterstützt bei einem seiner/ihrer Ziele oder Überzeugungen

Das bringt eine nächste Frage in mir auf.

Wohin verschiebt sich das Machtverhältnis in der Kommunikation?

In einer einfachen Logik könnte man sagen. Es verschiebt sich weg von Sendern (die bisher viel Media Budget investierten) hin zu echten Menschen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es sich tatsächlich zu den sogenannten Influencern verschiebt. So wie wir sie definieren gedanklich. Denn wir glauben, Influencer haben dauerhaft einen Einfluss auf andere. Aber schauen wir mal genauer hin.

Inhalte mit grosser Reichweite manchmal von unklarer Quelle

Gerade die aktuelle Entwicklung im Web zeigt, dass sich das Machtverhältnis vom Einflussnehmen (nicht Einflussnehmern) verschiebt. Es sind so viele (normale) Menschen, die inzwischen publizieren, dass es für ebenso normale Nutzer (also Leute die nicht Proffessionell mit Online Themen arbeiten) schwer geworden ist, die Relevanz von Inhalten zu beurteilen. Die Quelle bleibt oft unklar, der Wahrheitsgehalt evtl. auch, besonders bei mehrmals geteilten Inhalten. Wer weiss schon, von wem das lustige Video stammt.

Wo finde ich die richtigen Influencer, wenn ich sie brauche um meine Meinung zu bilden?

Natürlich haben wir google und Edgerank, die für uns vorsortieren, was wir sehen. Aber auch dessen sind sich viele nicht bewusst. Im Gegenzug gibt es ja Reader, mit denen man gezielt Inhalte abonnieren kann. google als absoluter Trendgeber in Web-Fragen hat aber vor gefühlt langer Zeit das Tool eingestellt. Wir nutzen einfach andere Tools zum Abonnieren gewünschter Inhalte Autoren/Medien.

4 Ohren Bildquelle: http://www.sozialpädagogin.at/ha

4 Ohren Bildquelle: http://www.sozialpädagogin.at/ha

Ich abonniere das, wovon ich denke, es entspricht meinem Wunsch nach bestimmten Inhalten. Es bleibt ein Pokerspiel, denn hier mischen sich die Erfahrungen der Person (des Schreibers) mit meinen Erfahrungen (als Leser) Ich verweise kurz auf die verschiedenen Ohren der Kommunikation. Höre bzw. lese ich gerade mit dem Sachohr oder mit dem Beziehungsohr. Hilft mir das bei einer umfassenden Meinungsbildung weiter. Oder wäre es gut, wenn ich nochmals google befrage, bevor ich meine Meinung bilde? Das tue ich und erhalte Inhalte von Influencern.

Von anderen Influencern halt. Im besten Fall vertraue ich ihnen. Vielleicht bekäme ich aber von einem Unbekannten, der vor Ort des Geschehens ist, mehr Aufschlussreiches. Ich stecke also in einer nächsten Frage:

Auf welchem Weg beeinflussen Influencer?

In Facebook und Twitter erhalte ich Inhalte von allen möglichen Quellen, aber vorallem von Unbekannten. Beim Lesen ist mir oft nicht direkt bewusst, ob es ein sogenannter Influencer ist (oder sein muss). Denn aus irgendeinem Grund, sehe ich ja den Inhalt (in Facebook). Interessant daran ist, es muss nicht ein dauerhafter Influencer sein, sondern auch jemand, der einfach im richtigen Moment den richtigen Inhalt produziert oder geteilt hat.
Es gibt also doch noch Hoffnung für die Wahrheit, und dass diese sich auch auf meinen Bildschirm schwingt. Ich hoffe übrigens deshalb, dass Twitter keine Rangierung einführt. So hat jeder mit gutem Inhalt eine Chance, auch gesehen zu werden. Er oder sie können zum kurzfristigen Influencer werden.

In Facebook sehe ich seit einiger Zeit viel weniger „echte“ eigene Einträge von Leuten, mit denen ich dort befreundet bin, stattdessen aber Videos und Bilder von Leuten, die ich nicht kenne. Das Video des älteren tanzenden Mannes wurde 825 000 mal geteilt. Ich kenne weder den Absender, noch den Tänzer. Es ist witzig, ich investiere 3 Minuten meines Lebens, denke, irgendwas wird am Ende noch passieren, eine Auflösung, eine Werbung vielleicht, schliesslich hab ich jetzt schon 1.75 Minuten geschaut. Doch nix, es ist einfach der berührende Tanz im Amateurvideo. Der Absender ist aber eine Art Influencer, er hat Reichweite, ist empathisch usw.

Kommen die relevanten Inhalte tatsächlich zu mir?

Ich denke, es braucht im Moment noch etwas Wissen übers Internet, wenn ich die für mich wertvollen Inhalte sehen möchte. Für mich persönlich kommen Influencer noch nicht automatisch zu mir, auch wenn ich das eine zeitlang glaubte.

Wollen Influencer eigentlich beeinflussen?

Die meisten Influencer, die ich kenne, vereinen all die Eigenschaften, die Marie-Christine nennt Viele Firmen hätten gern näheren Kontakt zu ihnen. Man sucht sich einen Influencer aus, der zum eigenen Thema passt, lädt ihn/sie ein und oft passiert danach nicht viel. Ein paar Tweets, ein Blogpost, aber keine Leidenschaft, weil es ein Deal bleibt. Im besseren Fall handeln Verantwortliche von Firmen langfristige Möglichkeiten der Zusammenarbeit und zwar nur mit einzelnen Influencern aus.

Nun doch noch ein Vorschlag für Unternehmen

Einige Fragen sollten Firmen für sich beantworten und den Sinn von Influencer Relations prüfen. Von wievielen Dingen Firmen kann ein einzelner wirklich begeistert sein? Bei mir sind es vielleicht 10, wenn ich länger nachdenke, schaffe ich sicher auch mehr. Aber will ich diese Leidenschaft als Blogger immer kundtun?
Vielleicht müssen Firmen die Influencer gar nicht ausserhalb ihrer üblichen Kommunikationskreise suchen. Wie wärs mit Mitarbeitern, bestehenden Kunden und Partnern, denn sie haben das Wichtigste. Sie mögen die Firma/das Produkt tatsächlich und man muss die Reichweite, Sympathie und Aussagekraft von anderen womöglich gar nicht ausleihen.

Ok, das war diesmal ein Beitrag mit vielen offenen Fragen, und Gedanken, keine fertigen Tipps. Aber sicher habt ihr gute Erfahrungen mit Influencern oder Antworten, Ideen, die über ein Event hinausgehen. Ihr seid wie immer, <3lich willkommen.

 

 

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17 Kommentare zu “Blogparade Influencer – ein innerer Dialog

  1. Beim Thema „Wahrheit“ öffnest Du natürlich ein weites Feld: Wir unterliegen alle der „Filter Bubble“ indem heute so viele Informationen rumschwirren, dass wir gar nicht anders können, als einen Filter darüberzulegen. Meist filtern wir schnell mal nach Inhalten auf Deutsch in unserer Schrift. Damit grenzen wir natürlich die meisten Inhalte schon mal aus, haben aber gefühlt immer noch genügend zu lesen.

    Jetzt kommt das Finanzierungsproblem der Verlage: Da sie zu wenig Werbeeinnahmen generieren, um ihre Journalisten zu entlöhnen, werden immer mehr PR-Praktiken angewandt. Sogar Inhalte aus renommierten Schweizer Medienhäusern sind nicht mehr neutral, sondern werbegetrieben. Oder wann hast Du letztmals einen negativen Fahrbericht über ein neues Auto gelesen? Zeitungen wollen ihre Werbepartner doch nicht vergraulen!

    Und da Journalisten bei Verlagen immer weniger Auskommen finden, wechseln sie in die PR-Branche (In Amerika ist dieser Effekt weiter fortgeschritten und massiv). Wieviel Wahrheit dann noch in der Berichterstattung steckt, kannst Du Dir ja denken…

    • Wie recht du hast. Gerade die PR sucht ja solche Lücken und Journalisten lassen sich zähneknirschend drauf ein bzw ihre Chefs. Hatte gerade einen Gastartikel über eine PR Themen-Kooperation bei der Handelszeitung in der Pipeline. Der Beitrag wurde vom Kunde (nicht meiner) nicht frei gegeben. Wie paradox.

  2. Die wenigsten Firmen beachten, dass die wenigsten Blogger von ihrer Publikation leben können und deshalb einen anderen "richtigen" Job haben. Das bedeutet, dass ihre Kommentare und Inhalte oft nach "Feierabend" oder am Wochenende kommen. Will man da als Influencer-Auftraggeber oder als Corporate Blogger (der während Bürozeiten mit Bloggen seinen Unterhalt verdient) mithalten, muss man sich auf ein paar Extrastunden ausserhalb normaler Bürozeiten gefasst machen.

    Das ist wahrscheinlich einer der grossen Unterschiede zwischen Bloggern und Corporate Bloggern. Eventuell kommt mit diesem Umstand eine höhere Leidenschaft der Blogger mit, da es eben kein "normaler Job" ist. Zudem wählt man als Blogger sein Thema selber. Als Corporate Blogger schreibt man über Themen, die für den Arbeitgeber wichtig sind.

  3. Stefan A. Wimmer Wenn du mich mal in Natura sehen würdest, würdest du das "Mikro" sicher schnell zurücknehmen 😉

    Ansonsten: In der Philosophie ist eine Meinung "eine Art des Fürwahrhaltens verstanden, die nicht auf strenger Prüfung beruht und sich infolgedessen der Möglichkeit des Irrtums bewusst ist" (Wikipedia). Ich bin mir jederzeit dessen bewusst, dass ich mich irre, und könnte in vielen Dingen ebenso gut eine andere Meinung annehmen – vor allem dann, wenn im Gespräch mal ein überzeugendes Argument genannt wird. Leider verwechseln viele Menschen "Argumente austauchen" mit "sich gegenseitig ihre Meinungen an den Kopf zu werfen". 🙂

  4. Liebe Su, vielen Dank für deinen Beitrag und auch dass du mich als Influencer siehst. Fremden Inhalt zu teilen hat aus meiner Sicht viel mit dem Drang zur Lösung von Problemen zu tun und dieses Gut über den Wert des „Konkurrenzdenkens“ zu stellen.

    P. S. Dein Beitrag war wohl auch ein kleiner Hint an mich oder besser an uns, endlich mal einen Blog zu starten.

    • Danke Stefan, für deinen Kommentar. Jetzt weiss ichs. Genau das find ich so wertvoll, dass Mirko mutig genug ist, auch öffentlich zu lernen bzw. seine Meinung weiterzuentwickeln. Davon abgesehn stellt er Fragen zu denen sich viele Äussern. Immer wieder schön, das zu verfolgen.

      • Hm, wenn du es jetzt so sagst, vielleicht ist es wirklich das und ich habe es vorher auch nicht gewusst 🙂 Aber es stimmt, ich versuche wohl tatsächlich mich an anderen zu „reiben“ und genau daraus zu lernen. Auf diese Art und Weise denkt man Dinge oft viel weiter und betrachtet sie auch noch aus GANZ anderen Ecken. Ist ein wenig so wie Sparrings-Kämpfe 😀

  5. Ich freue mich darüber, wenn ein paar meiner Gedanken in deine Überlegungen "einfließen". Das ehrt mich. Und ich freue mich ebenso darüber, dass du mit mir nicht immer einer Meinung bist. Da haben wir nämlich was gemeinsam 🙂

  6. Danke für den spannenden Beitrag – finde immer wieder toll, was für unerwartete Resultate so eine Blogparade zutage fördert 😉 Und in der Tat sehe ich selber keinen wirklichen Unterschied zwischen Corporate Blogger und dem normalen Blogger. Beide sind ohnehin nur dann authentisch, wenn sie sich wirklich für das interessieren, was sie machen und worüber sie schreiben. Aber ich beobachte eben auch, dass sich Corporate Blogger mit "Blogger" nicht immer auch angesprochen fühlen – daher die Ergänzung in meinem Blogpost.

    • Hallo Stefan, danke dir auch für die Inspiration und den Aufruf. Dachte mir, dass dein Nachtrag aus genau dem Grund entstand. Freu mich auf weitere Posts und Ideen, die draus entstehn.