Wenn Plattformen alle das Gleiche können

Es lag schon länger in der Luft. Twitter, meine favorisierte Plattform, will besser und damit vielleicht austauschbarer werden. Twitter verabschiedet sich von chronologischer Timeline. Das bringt mich gedanklich zum letzten Samstag. Im Unterricht an der ZHAW durfte ich mit Marketing- und Kommunikattionsleuten Social Media Themen besprechen. Dabei half mir ein simpler Gedanke selbst für ein bisschen Struktur.

„Die Plattformen können fast alle das Gleiche“.

Ich dachte, dass ich mich damit schon ein bisschen arg aus dem Fenster lehne. Aber schau mal ein bisschen Anfänger Know-how an:

Was können wir in einer Social Media Plattform tun?

– einen persönlichen Account
– eine Seite
– eine Gruppe (offen oder geschlossen)

Das gilt für Facebook, XING, g+, Linkedin. Twitter ist oft eine Aussnahme. Hier ging es schon immer um Content, zwar „nur“ 140 Zeichen. Aber immer mit Fokus auf den Inhalt, den Moment und weniger auf das „Wer sagt das“.

Die Bekanntschaftsverhältnisse pro Plattform

Leute, die wir kennen treffen wir in
– Facebook
– XING
– Linkedin

Leute, mit denen uns ein Thema verbindet, die gute Inhalte schreiben (Blogger, Journalisten, Microblogger) verfolgen wir in
– g+
– Twitter
– Pinterest

Was kann man mit dem Inhalt tun pro Plattform

– hochladen (bedingt)
– schreiben
– lesen
– Kommentieren
– Teilen
– Liken

Hochladen und Abspielen kann man in Facebook und Youtube (teils laden wir Rechte gleich mit hoch). Bei den anderen geht es dagegen um Links. Für mich war und ist das die Essenz, „alles ist ein Link“. Pinterest, google+ und Twitter stehen quasi Pate dafür.

Die Plattformen werden einander immer ähnlicher

Was ist heute, genau jetzt also der Mehrwert einer Plattform? Unsere Zielgruppe ist (nicht) da ist längst kein Argument mehr und auch, Linkedin ist für dieses und Facebook für jenes gilt für mich nicht mehr. Menschen sind da und haben keine bestimmte Erwartung, schon gar nicht an die Funktionalitäten.  Auch diese sind einfach da und sollten intuitiv nutzbar sein. Oberflächlich gesehen sind sie das auch.

Jeder checkt sofort, dass der Stern in XING gleich dem Like in Facebook ist. In Kursen sehe ich aber oft, dass die eigentlich spannenden technischen Funktionen nicht wirklich bewusst wahrgenommen werden. Warum sehe ich den Inhalt der einen Freundin öfters als die der anderen? Antwort-Zitat „war mir noch gar nicht aufgefallen..“.

„Die Plattform kuratiert für uns.“

Rankings von Inhalten in google verstehen die Leute. Den Effekt in Facebook zu vermitteln, wird schon schwieriger. Vorallem, wie kann man das gezielt für sich selbst und seine Inhalte einsetzen? Denn anders als in google (wo Nutzer passiv sind, also suchen) wollen sie in „ihren“ Netzwerken auch beitragen und ernten (Kommentare, Likes, Anmelden für Events bspw.). Diese Interaktion kann man in fast jeder Plattform bekommen (technisch). Aber in einigen wird man einfach ausgefiltert, wenn man nicht die Mechanismen bewusst nutzt.

Nun ist es seit heute auch bei Twitter offiziell. Man „experimentiert“ und es wird wohl auch hier auf eine Art Edgerank rauslaufen. Wir sehen also kuratierte Inhalte. Nicht etwas von dir und mir kuratiert (empfohlen), nein von der Plattform.

Blogs als Gegengewicht zu Plattformen

Es gab unglaublich viel Diskussion um einen Beitrag vom deutschen Businesspunk, der sich enttäuscht zeigte über die Demokratie im Netz, die keine ist. Soweit müssen wir gar nicht denken, die Stolpersteine liegen schon beim normalen Gehen im Web auf dem Weg. Firmen, Medien, Blogger, normale Webnutzer mühen sich mit der Aufgabe ab, ihren Content sichtbar zu machen. Plattformen Funktionen sind schnell erlernt, aber um Algorithmen nachvollziehen und so die Plattformen sinnstiftend nutzen zu können braucht es oft Berater. Noch sind Blogs das Gegengewicht zu Plattformen, weil Blogs ihre eigenen freien Regeln haben. Die Reichweite stützen Blogger übrigens oft durch Twitter.

Wird Twitter mehr Marketing als Kommunikation?

Flickr schlägt inspiriert ausserhalb vom Newsstream

Flickr schlägt inspiriert ausserhalb vom Newsstream

Den Nutzen von Twitter zu erklären, fand ich schon vorher nicht gerade leicht, obwohl es meine absolute Lieblingsplattform ist. Aber einen Trumpf hatte ich bisher: Twitter ist echt, Echtzeit und jeder ! hat eine Chance, sich einzubringen und gar zum überraschenden Beeinflusser zu werden. Dass Twitter nun behauptet, die Neuerung würde Startern den Zugang erleichtern, verwundert mich sehr. Gelegentlich neue Nutzer vorstellen, das tut WordPress und Flickr schon seit Jahren, ohne deshalb den Newsstream oder gar ein Ranking zu beeinflussen. Für mich deutet das eher auf mehr Marketing hin. Bezahle und du wirst gesehen. Marcus Fischer sagt „wir sind nur humaner Werbewert“.

Vielleicht können die Plattform am Ende wirklich alle das Gleiche

Ob das in jedem Fall ein Mehrwert ist, gilt es noch zu beweisen. Auch, wenn sie für uns filtern, pardon, kuratieren, wird sich erst noch zeigen, ob dies der Sache dient. Ich hoffe sehr, dass ich nicht recht behalte mit der vorlauten Aussage von letztem Samstag. Mir ist lieber, wenn einige (vielleicht neue) Plattformen sich genau dadurch abheben, dass sie jeden Inhalt chronologisch anzeigen und so das Web tatsächlich gleichberechtigt bereichern. Nicht, dass wir doch noch einen austauschbaren Eintopf bekommen, wie es der Herr „die Kehrseite“ ausdrückt. https://twitter.com/Die_Kehrseite/status/506721179244462081 Oder vielleicht läufts doch auf eine einzige Plattform mit allen Funktionen und Netzwerken hinaus?

 

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9 Kommentare zu “Wenn Plattformen alle das Gleiche können

  1. Wenn das wirklich so kommt, dass Twitter keine wirkliche Timeline mehr hat, dann verschwindet eigentlich der ganze Nutzen von Twitter für mich. Ich lese und lebe auf Twitter wirklich den Moment. Wenn dann "starke" Tweets stunden- oder tagelang in der Timeline erscheinen, kann und will ich Twitter nicht mehr brauchen.

    Überhaupt mag ich Plattformen nicht, die für mich kuratieren. Ich möchte selber entscheiden was ich lese und nicht dauernd das Gefühl haben, dass ich was spannendes verpassen könnte, nur weil die Plattform meint, dass das nicht interessant für mich ist. Ich habe ja schliesslich auch mal Interesse an Dingen die neu sind, und so halt von der Plattform nicht erfasst werden.

    Aber eben, man kennt es ja schon von Facebook. Dort lebe ich schon lange damit, nutze aber Facebook genau deswegen nicht mehr wegen dem Informationsgehalt.

    • hi Yves, du sprichst mir aus der Seele. Ich hab sogar angefangen google immer häufiger im Kognitomodus zu verwenden, damit ich mich nicht immer im gleichen Kuchen bewege. Das ausgerechnet Twitter diesen Weg einschlägt macht mich direkt sauer. Ich liebe es auch, diesen Moment zu haben in Twitter und nutze drum auch keine terminierten Tweets. Ja nu, behalten wirs im Auge.