Meine Zeit als Neutrum in Sachen Politik ist vorbei. Genau jetzt.

update: 01.02.2017:
9 Dinge, die wir tun können. Beitrag in der Huffingtonpost: Leseempfehlung.

 

Ich möchte kein Neutrum sein, und Gelegenheiten zur Kommunikation nutzen. Gestern habe ich den Beitrag von Sascha Lobo über die haarsträubende Rede über Hr. Hoecke in meiner Heimat gelesen und ich wusste in diesem Augenblick, ich muss etwas an meinem Verhalten ändern. Es melden sich viele zu Wort (sicher schon lange vor mir) und Jürg hat seine Meinung auf dem Corp. Blog sogar öffentlich gemacht. Ich bin sicher, das wird Diskussionen geben, auch offline. Ich hatte erst gezögert, hier darüber zu schreiben. „Es gehört da nicht hin“ – Warum eigentlich nicht? Hier ist also ein sehr persönlicher Beitrag, den es auch auf FB gibt, inzwischen als öffentlichen Post. Herzlichen Dank für eure Unterstützung und die vielen Reaktionen, die auch über Chat kamen.

Mein Wunsch zum Beitrag über die o.g. Rede:

Lesen, entsetzt sein, Nazis erkennen, darüber reden, auch mit Leuten, die diesen aktuellen hochgefährlichen Weg gut finden….

Meine Zeit als Neutrum in Sachen Politik ist vorbei. Genau jetzt. #noneutrum

Ich habe beinahe 3 Jahrzehnte geschwiegen. Noch lange nach dem Mauerfall war ich an jeder Grenze schlimm nervös und ängstlich. Ich habe mit 14 entschieden, die damalige DDR zu verlassen. Gleichzeitig habe ich entschieden, dieses wichtigste Vorhaben meines jungen Lebens niemandem zu erzählen. Es war zu gefährlich, auch in meiner Familie. Vorallem dort. Ich war Jahre später bei den Demos dabei, immer mit dem Gefühl, es kann in Polit-Haft enden. Das willst du nicht, glaub mir. Mit 19 konnte ich offiziell „auswandern“, die Mauer war gefallen.

ich mit Fackel vor einem Denkmal, dass an Gefallene im Krieg erinnert

Danach war Politik für mich ein Dahingeplätscher. Natürlich hatte ich eine Meinung und die war ganz sicher nicht links, aber auch nicht rechts. Später in meiner Yogalehrerausbildung entdeckte ich eher eine Mitte für mich. Das halte ich für den schwersten Weg. In jeder Hinsicht. Das Urteilen ist oft ein Bekennen für das Gegenteil, doch dieses sollte man ebenso prüfen und in Frage stellen.

Als ich älter wurde, führte ich doch langsam wieder viele gehaltvolle politische Gespräche mit meinem Vater (ein aufrechter Kommunist, der Gysi verehrte und alle anderen der alten Linie auch) Ich habe gelernt, dass viele seiner Überzeugungen etwas mit Menschsein zu tun haben und dass in der DDR einfach viel schief gelaufen ist. Ich habe das dem Land, meinem Heimatland, längst verziehen.

 

 

Politik war für mich aber weiterhin Privatsache.

Als ich vor 15 Jahren in die Schweiz kam, wurde ich noch verschlossener mit meiner politischen Meinung. So als Ausländer. Und viele Jahre als PR Mensch. In Deutschland wählte ich nicht mehr, weil ich mich der Schweiz verbundener fühlte und natürlich Zusammenhänge in D auch nicht mehr so verstand, man wird „fremd im Heimatland“ und auch hier wieder nicht deutsch und nicht schweizerisch, immer in der Hoffnung, die SVP möge nicht die Oberhand gewinnen. Vielleicht wohne ich deshalb so nah an der Landesgrenze. Irgendwie beides nicht.

Ich bin in einem gespaltenen Land aufgewachsen. In einem Land, dass gespalten war, weil es einen (zwei) fürchterlich menschenverachtenden Krieg erlebte (und auslöste). Haarsträubende Verbrechen, unvorstellbar, und ein Land, mehrere, als involviertes Publikum. Meist betroffen, oder sollte ich getroffen sagen.

Heute muss ich sprechen. Einstehen für meine Meinung.

Das was jetzt in der Welt passiert, dürfen wir auf keinen Fall hinnehmen, zulassen oder gar fördern. Menschen, die intelligent sind, gebildet, einfach, oder auch nur suchend, dürfen das nicht übersehen.

Bitte geht wählen, erhebt eure Stimme für eine menschliche Politik, egal wo ihr wohnt. Es geht schon längst nicht mehr um Flüchtlingsproblematik, (oder eine Mauer zu Mexiko) Sondern hier ziehen Nazis auf – unverdeckt, offen – denen ich meine Stirn biete, wenn es irgendwie möglich ist.

Selbstverständlich werde ich das weiterhin gewaltfrei tun.

Bleibt mutig und danke für eure Wahnsinnsunterstützung. Bin überwältigt. Lasst uns weiter machen. #noneutrum

Kommentar schreiben

Du kannst folgendes HTML verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Ein Kommentar zu “Meine Zeit als Neutrum in Sachen Politik ist vorbei. Genau jetzt.