Wie Corporate Influencers entstehen und warum es Mut braucht

Seit etwa zwei Jahren arbeiten wir in LinkedIn-Workshops häufiger (!) mit Themenverantwortlichen als mit Marketing-Leuten. Das ist neu. Experten müssten jetzt ihr Wissen posten in LinkedIn, wir dürfen schulen.
Das wäre einfach, aber Corporate Influencer entstehen so leider nicht. 😬

Es braucht mehr als Top Profile und Content-Schulung. Sonst könnten wir einfach den Schalter anknipsen und die Themen-Spezialisten für Marken kommunizieren lassen. Marketing Verantwortliche setzen das sogenannte Employer Advocacy um und werden zu

  • Enabler:innen,
  • Empower:innen
  • Motivatoren
  • Coaches
  • Wertschätzer:innen

Sie schaffen Corporate Influencers, Thought Leaders, Marken-Botschafter und Firmen-Botschafter. Worte gibt es viele, am Ende meinen sie das gleiche. Mich interessieren aber die Menschen hinter dem Begriff.

Corporate Influencers

Heute darf ich mit Klaus Eck live darüber diskutieren, warum Corporate Influence so hip ist. In (12 h Live Talks rund um Online Kommunikation, Content Marketing, Change und jede Menge tolle, kluge Menschen.) Es ist mir eine grosse Ehre, dabei zu sein.

Die wichtigste Eigenschaft, die wir als Marketers intern aktivieren müssen, ist in meinen Augen immer noch Mut.
Das ist auch in fast allen Talks erwähnt worden ist, neben Strategie, Kommunikations-skills usw. Meinen Reminder dazu habe ich übrigens als Aufkleber für meinen Laptop produziert. (In Anlehnung an eine interne Namics Aktion im 2009)

Mut ist gratis

Mut ist nicht so einfach wie es scheint. Wir müssen vertrauen, dass andere im Sinne der Werte vom eigenen Unternehmen kommunizieren. Wir rechnen damit, dass sie nachdem sie Bekanntheit haben, das Unternehmen verlassen, wir lassen Themen zu, die wir selbst vielleicht nicht gewählt hätten.
Aber hey, Marketing-Menschen, wie ich auch einer bin. Wir können nicht „nur wollen“ und nichts geben.  Ja, auch Corporate Wording gilt es loszulassen. Das können wir immer noch im corporate Content verwenden. Beim personal Branding von sogenannten Thought Leaders oder Botschaftern gibt es das nicht. Sie sind glaubwürdiger mit der eigenen Sprache – wichtiger scheint mir, dass sie die Ziele und Werte verstehen. Vor 12 Jahren habe ich das Thema abgegeben.

Themen-Spezialist:innen empowern

  • Vor Jahren haben wir gelernt, Content zu produzieren, Communities zu managen, Mitarbeitende zu aktivieren.
  • Heute müssen wir Themen-Leute empowern, oft auch diejenigen, die von Natur aus ruhiger sind, ermächtigen
  • Die Aufgabe ist grösser als reines Befähigen.
  • Wir müssen mit Leuten arbeiten, die etwas zu sagen haben,
    sie guiden und be-mutigen.
  • Es geht nicht um Hierarchie, sondern das Marketing-Versprechen zu beweisen lassen durch Menschen, die das inhaltlich können.
  • Wir müssen strategischer arbeiten und dafür die bewegenden Stories finden lassen.
  • Unsere Werte reichen nicht als Worte, wir müssen sie online leben und mutig aufzeigen lassen.
  • Wenn wir als Marketing-Leute den Spezialist:innen zuhören und daraus lernen, können wir relevant-er werden.
  • Stützen wir mit der Corporate Page die persönlichen Profile, nicht andersrum.

Interessanterweise begegenen mir in der Praxis selten Influencer Programme in Firmen, was Klaus Eck von deutschen Firmen berichtete. Hierzulande sind es oft reine Freundschaftsdienste am Arbeitgeber. Mir gefällt das besser, als gross angelegte extrinsische Motivationen, wenn ich ehrlich bin.

Tipps für Corporate Influencer Verhalten

  • Menschen sind immer noch an Menschen interessiert, nicht an Marken.
  • Zeige Soft Skills wie Empathie und Leadership, ohne es als Wort zu erwähnen.
  • Beobachte, typische Aussagen und Fragen in deiner Praxis. Hier verstecken sich Themen.
  • Achte auf Highlights (beim Profil von anderen), das sind Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und Gründe zum Connecten.
  • Die Content Creator Funktion bringt mehr Aufmerksamkeit aber auch Distanz. (Button follow statt connect im eigenen Profil)
  • Ein paar Worte, warum du dich vernetzt sind höflich und auch eine Notiz für dich selbst.
  • Spiele mit dem Algorithmus, aber spreche mit Menschen.

Skills, die wir alle brauchen

  • Nun ja, Mut, denke ich.
  • Weg mit Kamera-Scheue, auch bei uns als Markom-Personen.
  • Diene, auch wenn das in unserer Kultur komisch klingt.
  • Inhalte werden wertvoll, wenn wir damit anderen dienen.
  • Machen, Scheintern, Lernen.

In meinem letzten Livestream hat das Jonas Bayona, Social Creative Director Jung von Matt, ein begnadeter Storyteller, perfekt pointiert.

Vorurteil: Influencer sind „laut“ – nein Corporate Influencer sind smart statt laut

Das bringt mich noch auf eine Charaktereigenschaft, die förderlich ist für Corporate Infuencer. Als «alte» Yogi fasziniert mich das am meisten.

Influencing bedeutet nicht laut sein mit ständigem Posten, Kommentare, die nur der Aufmerksamkeit wegen und für den Algorithmus gemacht werden. Es bedeutet viel mehr, smart aufzutreten.

Menschen wollen Menschlichkeit sehen. Meine grösste Aufgabe bei Kunden erkenne ich darin, distanzierte corporate Formulierungen auszumerzen und menschliche positive Charakter-Züge aufzuzeigen. In LinkedIn kann das zum Beispiel heissen: Hier sind ein paar heisse Tipps aus dem Workshop:

  • Nicht oder wenig über sich selbst reden.
  • Bei Erfolgen ist das Zertifikat weniger wertstiftend, als Gelerntes.
  • Persönlichkeit statt Perfektion wirkt nahbar.
  • Erzähle Erlebnisse, die du mit Menschen hast und wertschätze sie,
  • Wertschätze auch anderen ihre Posts. Nicht dann, wenn du etwas von ihnen willst, sondern sie von dir.
  • Der Chat ist die höchste Form der persönlichen Kommunikation, weil es nur eine Person sieht. Es ist kein lautes Getöse, sondern smarte zwischenmenschliche Kommunikation.

Lasst uns nicht verkopft mit Personal Branding umgehen. Das Perfekte liegt oft genau Dazwischen. Wenn Fach-Wissen auf einem Gebiet stark ist und deine Leute wirklich kommunizieren wollen, kann man den Rest zum Corporate Influencer erlernen. Habt Mut dazu!

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