Ehrliche Digitec Plakate, authentischer geht nicht

Plakate funktionieren nicht. Entschuldigt meine vorlaute Meinung. Ich nehm sie kaum wahr, weil ich am Smartphone tippe, oder sehe ein Bild im vorbeifahren, weiss aber nicht worums geht. Sexy Bilder helfen bei mir auch nicht und Barcodes, naja. Also funktionieren sie zumindest bei mir nicht.

Aber heute war es anders und ich wurde mit meinen „eigenen Waffen“ geschlagen. Denn ich finde die online ist auch offline-Aussage überholt. Also ich meine, es spielt einfach keine Rolle mehr, was wo stattfindet. Medienbrüche sind nicht mehr so schlimm. Passiert euch das auch? Manchmal klicke ich auf Papier, wenn ich umblättern will. Menschen digitalisieren eh alles. Einfach alles. So kam bei mir das Bild der neuen Digitec Kampagne via Twitter vorbei. Ich hatte es in Real Life (was für ein verstaubter Begriff) noch nicht gesehen.

Kurz gestutzt hab ich ehrlich gesagt, wegen den Typos (Rechtschreibfehler). Und auch die Aussage lässt mich nach dem Sinn nachdenken. Hätte ich das in einem Shop gesehen, wär ich drüber hinweg gegangen. Nochmal Absender gecheckt und dann denke ich „das ist echt“.

Wie cool, authentisch. Ehrliche Plakate

Das Wort ‚authentisch‘ sagen wir zu oft in Strategien und meinen „nur das Positve“. Diese Kampagne, nein es ist nur ein Hilfsmittel, ich hoffe, es endet nicht wie eine Kampagne endet.
Die Idee dahinter vereint soviel Online Kultur auf einem Plakat. Ich kann es nicht fassen.

  • echte Nutzer Bewertungen / Empfehlungen
  • ungefiltert und wortwörtlich
  • inklusive Tippfehlern
  • mit User Namen
  • kleinteilige Inhalte, die nur in der Summe ein Ganzes geben.

Kleinteiligkeit: 1 Online Schnipsel

Plakat: echte Bewertung für Tintenstrahldrucker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So eine Bewertung ist ja eigentlich nur ein kleiner Online Schnipsel. Wertvoll wird er erst in der Summe mit anderen. Das halte ich in der Online Kommunikation von Firmen für eine der grössten Herausforderungen. Menschen sehen immer nur einzelne kleinteilige Inhalte, oft ohne Kontext und verstreut in verschiedenen Plattformen. Erst über die Zeit ergeben sie (im Kopf zusammengefügt) eine Story. Der rote Faden ist passé. Einzelne Inhalte müssen also möglichst unabhängig funktionieren. Diesen Mechanismus auf Print anzuwenden, halte ich für eine tolle Idee.

Tippfehler

Als ich im Jahr 2000 meinen ersten Markom Job in der Schweiz begann, weiss ich noch genau: Mein Chef hat mir damals erklärt, eine Mediamarkt Kampagne ‚ich bin doch nicht blöd‘ würde in der Schweiz nie funktionieren. Das hab ich dann irgendwie geglaubt. Hier sehen wir aber freche Bewertungen mit Tippfehlern.
Ich denke, es ist ok, weil wir heute so kommunizieren. Wir schreiben schnelle Whatsapp Nachrichten (nicht für die Nachwelt) und viele mit Tippfehlern. Ich möchte meine jedenfalls nicht als Buch herausgeben. FB-Beiträge und Kommentare können wir zum Glück inzwischen korrigieren (sobald wir an einem Gerät mit Tastatur sind). Wir sind uns bewusst, diese Texte sind Echtzeit und nicht für die Nachwelt gedacht. Also tolerieren wir die Typos. Auf dem Plakat haben sie einen anderen Effekt. Mich lassen sie „stolpern“.

Wie lange reden wir in der Kommunikationsbranche schon über Authentizität und Transparenz?

Ich denke, Mitarbeiter auf Plakate zu drucken ist schön. Aber Digitec geht hier einen Schritt weiter. Wenn ihr jetzt denkt, naja, ein guter oder schlechter Gag. Ich denke es ist mehr als das. Die Kampagne ist keine. Das, was viele Online Dozenten verteidigen „nicht in Kampagnen denken“ sondern in Kommunikation. Hier ist es. Im Blog bei digitec finde ich schnell einen selbstkritischen Post von Dominik Bärlocher aus dem Support.

Angekündigt wird er vorwitzig in Twitter. „Wouh, bitte nicht mit Vollgas gegen eine Wand fahren“ denk‘ ich und klicke genau deshalb (und weil ich Clickbaiting vermute) Doch es folgt ein ehrlicher selbstkritischer Beitrag Dominik Bärlocher aus dem Support.

Aus Marketingsicht

Ich bemühe mal ein paar Begriffe aus der Marketingsprache, die mir in vielen Workshops begegenen

  • Glaubwürdigkeit schaffen
  • der Marke ein Gesicht geben (dabei haben Firmen ja Gesichter, Mitarbeiter, Kunden …)
  • Nähe zu Kunden schaffen
  • Empfehlungen von Kunden (Word of Mouth) ermöglichen
  • ausbaubare Idee (Weiterentwicklung)

Das hat Digitec geschafft, denke ich und habe intern nachgefragt. War kurz nochmals überrascht. Die Konversation war eher konservativ. Bei so viel Mut und auch Witz sonst, dachte ich das geht in Twitter DM und Mail so weiter. Aber hey, auch das ist authentisch. Ich denke, die Zeiten von Corporate Languages laufen aus, wenn Menschen als ehrliche Botschafter oder Testimonials sichtbar werden.

 

Ein paar Fragen an Martin Walthert, Digitec CMO

Wie habt ihr die Idee entwickelt?

Kunden sollen bei digitec die für sie richtigen Produkte finden. Dabei helfen über 170’000 Bewertungen. Schlechte sind dabei genauso wertvoll wie gute. Natürlich freuen uns positive Bewertungen mehr, als wenn jemand einen Kauf bereut. Aber wir sind uns auch bewusst, dass nicht alle Produkte, die wir verkaufen, nicht für alle Kunden gleich gut oder passend sind.

Sämtliche Bewertungen auf den Plakaten und Online-Bannern sind echt und eins zu eins zitiert. Wir haben insgesamt 32 Plakat-Motive ausgesucht; 21 mit deutscher und 11 mit französischer Bewertung. 16 weitere Sujets gibt es nur online (Werbe Display Banner)

 

 

Womit habt ihr die Geschäftsleitung überzeugt?

Die Idee geisterte unserem Creative Director Flurin Spring, CIO Oliver Herren und mir schon länger im Kopf herum. Nun sahen wir den Zeitpunkt gekommen, sie zusammen zu realisieren. Zum Glück haben wir kurze Entscheidungswege, das hilft bei ungewöhnlichen und mutigen Ideen.

Das heisst, es gibt keine Agentur dahinter?

Nein, wir entwickeln praktisch alle Kampagnen mit einem internen Kreativ-Team.

Wie motiviert ihr eure Blog-Autoren, so ehrlich und autentisch zu schreiben?

Wir haben eine eigene Redaktion, die inhaltlich weitestgehend unabhängig ist. Diesen Weg des Content Marketings verfolgen wir konsequent.

Und gibt es Regeln bei den Bewertungen?

Viele unserer Kunden sind erfreulich aktiv in unserer Community und beteiligen sich an Diskussionen, Fragen und Antworten sowie Produktbewertungen. Wir pflegen eine sehr offene Kommunikationskultur und lassen alle Meinungen gelten und stehen, sofern sie den elementarsten Höflichkeitsrichtlinien entsprechen und thematisch am richtigen Ort sind. Dadurch entstehen auch viele Beiträge, die sich nicht mit unserer Ansicht decken. Die sind aber authentisch und widerspiegeln die Vielfalt unserer Kunden.

Wer betreut bei euch Social Media Plattformen?

Unser Social Media-Team unter Thierry Pool, dem Leader Digital Marketing.

Wird es nach der Kampagne weiter gehen mit der Ehrlichkeit?

(Aktuell ist es eine Kampagne, aber überträgt sich die Idee auf die gesamte Unternehmenskommunikation oder Marketing längerfristig? Oder habt ihr schon Fortsetzungsideen?)

Authentizität ist schon länger ein Thema unserer Unternehmenskommunikation, z.B. auch bei Galaxus mit der Galaxus-Live-Kampagne. Diese besteht allesamt aus Fotos und Videos, welche die Kunden produziert und eingeschickt haben. Da haben wir auch schon viele Fortsetzungsideen, ja.

Ja, natürlich. Wir erhoffen uns eine weiterhin immer lebendiger werdende Community, die sich ehrlich, konstruktiv und auch mit einer Prise Humor untereinander und mit uns austauscht.

und sonst?

Die Rückmeldungen auf unsere Kampagne waren fast ausschliesslich positiv. Vereinzelt gab es Beschwerden wegen Schreibfehlern in den Bewertungen, was uns aber zeigt, dass die Plakate viel Aufmerksamkeit bekommen. Wir haben in den Zitaten absichtlich auch allfällige Rechtschreibefehler übernommen, um komplett authentisch zu bleiben.

Sämtliche Plakate findest Du hier https://www.digitec.ch/de/Advertisement/11507
Kundenfeedback findest Du z.B. hier: https://www.digitec.ch/de/page/die-stars-der-neuen-digitec-kampagne-seid-ihr-3819#promo-detail__comments

Danke Digitec für eure Offenheit und an das SoMe Team (Twitter) und Alex Hämmerli, der mir die Antworten von CMO Martin Walthert organisiert hat.

Learnings aus den viralen Dear Mr. President Satire Videos

Es geht nur ein paar Tage, Stunden (?) bevor sich zeigt, ob etwas viral wird. Selten ist es anfangs ruhig und erst später „spricht es sich rum“. Ein viraler Inhalt muss inhaltlich fegen, etwas in den Menschen ansprechen, dass sie bewegt (und zwar nicht vorgestern bewegt hat). Ich persönlich finde die Inhalte besonders spannend, die noch weiteres Unerwartetes nach sich ziehen. Einen Themenwechsel zum Beispiel, oder Interpretationen. So ist es diese Woche geschehen. mit den Videos

Dear Mr. President. America first, Holland (Deutschland, Switzerland, Portugal, Litauen… second)

Ihr kennt die Videos sicher. Was mich kommunikatorisch daran fasziniert. Die Videos brechen einige sogenannte übliche Regeln der Online Kommunikation. Sie sind

  • eigentlich „zu lang“.
  • lassen sich deshalb in Einzelteile zerlegen (Twitter Quotes)
  • länderübergeifend viral
  • werden „kopiert“ mit einer Art Personalisierung
  • TV first, und quasi zeitgleich startet Viralität im Web
  • kein gezielter Einsatz von Influencern (Absender influenced selbst, danach Selbstlauf)
  • Die Videos entstehen ohne länderübergreifendes Redaktionskonzept
  • die Videos werden kuratiert, zusammengestellt (quasi Wettbewerbsinhalte)
  • verschiedene Hashtags entstehen, bzw. werden genutzt (#trumpprotest, #everysecondcounts)

Meine Güte, was würde in Firmen da vorher diskutiert werden. Hier wird einfach gemacht, ohne grosse Absprachen. Sehr interessant auch für mich, die Länder profitieren von der eigenen Schnelligkeit. Es hat einen Cool-Effekt, das Video zu haben, es entsteht eine hohe Identifikation im Land, ein politisches Statement kommt an und wird geteilt. Und: das ist vor lauter Satire leicht zu übersehen, man lernt etwas über das Land und auch den neuen „Potus“. Kein Witz.

Inzwischen gibts auch einen Twitter Account, der die einzelnen starken Aussagen aus dem Video in Content Häppchen verbreitet. Eine Taktik, die in Firmen oft völlig übersehen wird. Inhalte, die allein funktionieren auch so zu nutzen. Wir glauben zu oft, wir müssten die ganze Story erzählen und zwar zusammenhängend. Jetzt aber zu den Videos.

Niederlande hat zuerst das Satire Video für den Präsidenten gemacht. (seit 23.01. online)

 

Es folgte ein paar Tage später ein Video für Switzerland. Herrlich auch dieses. Aus der Sendung Deville Late-Night, in dem die grossartige Agota seit Kurzem mitwirkt. <3 (nicht am Video). Im Film gibt es eine Bemerkung zu Sandra Boners Namen, die finde ich etwas geschmacklos. Haben sich die Macher überlegt, wie sie sich damit fühlen muss? Ich weiss Satire „darf das“, aber jemand Unbeteiligtes blosszustellen, mag ich persönlich überhaupt nicht. Aber immerhin die Umfrage auf Watson zeigt, 3/4 der Leute mögen das Video und die Message kommt an. Ob man auch die Seitenhiebe ans eigene Land so gut findet? Ok, Firmen passiert sowas ja kaum, weil lange vorher diskutiert wird. (war das jetzt auch schon Satire?) 6 Mio. Views übrigens. Nachtrag: Danke Gabriela (im Kommentar): S. Boner findets witzig. Gut.

 

Es folgten der gleiche Stil für Deutschland. Das ist mein Favorit, weil er eine sehr deutliche Sprache spricht, noch selbstironischer als die Vorgänger. Satire, mir normalerweise oft zu grob, hier sehr treffend und deutlich auf aktuelle Problematik der USA (und in vielen anderen Ländern) hingewiesen. Die Sendung dazu von Jan Böhmermann ist hier. Es lohnt sich übrigens, seinem Twitter Account zu folgen. Spannende Feststellung für mich selber. Diese Seitenhiebe halte ich hier gut aus, machte mir aber bei „Switzerlands Version“ Sorgen um meine Schweizer-Mitmenschen.

Ich brauche euch nicht zu sagen, wie fantastisch das ist, es folgen aktuell weitere Länder.

Portugal second (ab Min. 2.08)

Dänemark / Danmark second (ab sec 20)

Litauen / Lithuania second (ab min 1:25)

Belgien / Belgium second (dieser Beitrag lohnt sich auch schon wegen den Ausschnitten von DT Reden, mir war nicht bewusst… was er noch so alles ausspricht, wäh)

Silvan hat in Twitter moments alle Videos zusammengestellt, und eine Playlist in YouTube mit allen Videos.

Schlecky Silberstein sammelt und aktualisiert die Videos im Blog. Habt Spass mit einem ernsten Thema, und teilt es. Unsere eigene Stimme und der Social Reach ist das einfachste Mittel der Demokratie.

Meine Zeit als Neutrum in Sachen Politik ist vorbei. Genau jetzt.

update: 01.02.2017:
9 Dinge, die wir tun können. Beitrag in der Huffingtonpost: Leseempfehlung.

 

Ich möchte kein Neutrum sein, und Gelegenheiten zur Kommunikation nutzen. Gestern habe ich den Beitrag von Sascha Lobo über die haarsträubende Rede über Hr. Hoecke in meiner Heimat gelesen und ich wusste in diesem Augenblick, ich muss etwas an meinem Verhalten ändern. Es melden sich viele zu Wort (sicher schon lange vor mir) und Jürg hat seine Meinung auf dem Corp. Blog sogar öffentlich gemacht. Ich bin sicher, das wird Diskussionen geben, auch offline. Ich hatte erst gezögert, hier darüber zu schreiben. „Es gehört da nicht hin“ – Warum eigentlich nicht? Hier ist also ein sehr persönlicher Beitrag, den es auch auf FB gibt, inzwischen als öffentlichen Post. Herzlichen Dank für eure Unterstützung und die vielen Reaktionen, die auch über Chat kamen.

Mein Wunsch zum Beitrag über die o.g. Rede:

Lesen, entsetzt sein, Nazis erkennen, darüber reden, auch mit Leuten, die diesen aktuellen hochgefährlichen Weg gut finden….

Meine Zeit als Neutrum in Sachen Politik ist vorbei. Genau jetzt. #noneutrum

Ich habe beinahe 3 Jahrzehnte geschwiegen. Noch lange nach dem Mauerfall war ich an jeder Grenze schlimm nervös und ängstlich. Ich habe mit 14 entschieden, die damalige DDR zu verlassen. Gleichzeitig habe ich entschieden, dieses wichtigste Vorhaben meines jungen Lebens niemandem zu erzählen. Es war zu gefährlich, auch in meiner Familie. Vorallem dort. Ich war Jahre später bei den Demos dabei, immer mit dem Gefühl, es kann in Polit-Haft enden. Das willst du nicht, glaub mir. Mit 19 konnte ich offiziell „auswandern“, die Mauer war gefallen.

ich mit Fackel vor einem Denkmal, dass an Gefallene im Krieg erinnert

Danach war Politik für mich ein Dahingeplätscher. Natürlich hatte ich eine Meinung und die war ganz sicher nicht links, aber auch nicht rechts. Später in meiner Yogalehrerausbildung entdeckte ich eher eine Mitte für mich. Das halte ich für den schwersten Weg. In jeder Hinsicht. Das Urteilen ist oft ein Bekennen für das Gegenteil, doch dieses sollte man ebenso prüfen und in Frage stellen.

Als ich älter wurde, führte ich doch langsam wieder viele gehaltvolle politische Gespräche mit meinem Vater (ein aufrechter Kommunist, der Gysi verehrte und alle anderen der alten Linie auch) Ich habe gelernt, dass viele seiner Überzeugungen etwas mit Menschsein zu tun haben und dass in der DDR einfach viel schief gelaufen ist. Ich habe das dem Land, meinem Heimatland, längst verziehen.

 

 

Politik war für mich aber weiterhin Privatsache.

Als ich vor 15 Jahren in die Schweiz kam, wurde ich noch verschlossener mit meiner politischen Meinung. So als Ausländer. Und viele Jahre als PR Mensch. In Deutschland wählte ich nicht mehr, weil ich mich der Schweiz verbundener fühlte und natürlich Zusammenhänge in D auch nicht mehr so verstand, man wird „fremd im Heimatland“ und auch hier wieder nicht deutsch und nicht schweizerisch, immer in der Hoffnung, die SVP möge nicht die Oberhand gewinnen. Vielleicht wohne ich deshalb so nah an der Landesgrenze. Irgendwie beides nicht.

Ich bin in einem gespaltenen Land aufgewachsen. In einem Land, dass gespalten war, weil es einen (zwei) fürchterlich menschenverachtenden Krieg erlebte (und auslöste). Haarsträubende Verbrechen, unvorstellbar, und ein Land, mehrere, als involviertes Publikum. Meist betroffen, oder sollte ich getroffen sagen.

Heute muss ich sprechen. Einstehen für meine Meinung.

Das was jetzt in der Welt passiert, dürfen wir auf keinen Fall hinnehmen, zulassen oder gar fördern. Menschen, die intelligent sind, gebildet, einfach, oder auch nur suchend, dürfen das nicht übersehen.

Bitte geht wählen, erhebt eure Stimme für eine menschliche Politik, egal wo ihr wohnt. Es geht schon längst nicht mehr um Flüchtlingsproblematik, (oder eine Mauer zu Mexiko) Sondern hier ziehen Nazis auf – unverdeckt, offen – denen ich meine Stirn biete, wenn es irgendwie möglich ist.

Selbstverständlich werde ich das weiterhin gewaltfrei tun.

Bleibt mutig und danke für eure Wahnsinnsunterstützung. Bin überwältigt. Lasst uns weiter machen. #noneutrum

Influencer Marketing: Schleichwerbung oder authentisch?

Ich werde mit gekaufter Reichweite konfrontiert, ständig. Lohnt es sich, diese/n Blogger/in einzuladen oder ist alles nur Schaumschlägerei? Dabei wollten wir doch auf Influencer Relations setzen statt auf Seeding. Noch nie hab ich so lange für einen Blogpost gebraucht wie für diesen. Hin- und hergerissen habe ich mehr Fragen als Antworten und drum andere zu Wort kommen lassen. Es gibt Vorwürfe, über die wir reden sollten:

  • Schleichwerbung / fehlende Werbeauszeichnung
  • keine echte Reichweite (gekaufte Follower)
  • fehlende Authentizität

Vorwurf 1: Influencer machen Schleichwerbung

Eine der journalistischen Leistungen soll sein, Lesern beim Einordnen zu helfen (hab ich letztens in einer Diskussion aufgeschnappt) und informieren, recherchieren, berichten. Das Einordnen finde ich merkwürdig: Eine neutrale Berichterstattung ist eine Illussion. Was heisst neutral? Leser fühlen sich von der eigenen Zeitung gern in ihrer Meinung bestätigt. Das kennen wir auch aus der Filterbubble.

JulietteAuf der anderen Seite gibt es nun aber Influencer und diese haben keinen Auftrag. Oft ist es anfangs nur Leidenschaft für ein Thema, wie Reisen, Technologie, Mode, Sport.. Wie bei meiner Cousine Juliette, die sich selbst fotografierte und damit viele Fans bekam. Auf einmal kamen Anfragen von Firmen. Sie probierte und fand ihre eigene Balance zwischen Glaubwürdigkeit und Produkteplacement. Hinter den Kulissen träumen aber viele davon, ihre Accounts zu monetarisieren. Früher waren es die Jungs, die an ihren Autos schraubten und von einer Karriere als Auto Tuner träumten. Meine Güte, was ist verwerflich daran?

Wann ist Werbung Werbung?

Erfahrung mit Werbung hat kaum jemand in die Wiege gelegt bekommen. Nur wir in der Kommunikationsbranche meinen, das sei Allgemeinwissen. Am Horizont Content Marketing Kongress sprachen verschiedene Leute darüber, dass Influencer Redaktion und Werbung oft nicht sichtbar trennen.

In Facebook gabs letztens eine energische Diskussion. Eine Bloggerin wurde deutlich darauf hingewiesen, dass ihr „xy wirbt“ als Deklarierung von Werbung nicht ausreichend ist. Es müsste heissen „xy macht Werbung“ (hab ihren Namen wirklich vergessen.) Carsten Ulbricht, sagt dazu: „Die Pflicht, Werbung als solche zu kennzeichnen gilt in jedem Medium. Entscheidend ist, ob der ‚durchschnittlich informierte Verbraucher‘ das Posting als Werbung identifizieren kann…“ 

Wir sollten nicht vergessen, die Authentizität ist der Preis, den die Influencer zahlen, wenn sie sich auf Werbung einlassen. Die Glaubwürdigkeit ist ihr einziges Gut, nur damit können sie ihre Reichweite halten. Es wird also auf lange Sicht nicht die Anzahl Follower sein, womit sich influencing definiert (ich hoffte, das sei schon/noch so). Darin unterscheiden sich Influencer deutlich von Journalisten. Ich denke, es sind neben den Influencern, vorallem Firmen und Agenturen gefragt. Oder gar Verlage, diese können das Paid-Spiel erklären? Schliesslich entstehen auch hier immer neue Werbeformen, die mit redaktionellem Inhalt zu verwechseln sind. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Vorwurf 2: Gekaufte Follower von Influencern?

Mit einem Tool von Stern.tv kommt der Journalist Jeroen Van Rooije auf überraschende Ergebnisse für manche Schweizer Influencer. Auch darüber sollten wir reden. Alle, die sich im Netz professionell bewegen kennen es: organische Reichweite ist schwer aufzubauen, es werden eigentliche owned Inhalte mit ein bisschen Taschengeld oder riesigen Budgets zu paid. Die Algorithmen sind „gegen uns“ zumindest beim Start. Dabei liegt es doch oft an den Inhalten. Genau das verstehen Influencer scheinbar intuitiv. Welcher Inhalt ist tatsächlich mehr wert oder löst etwas aus beim Betrachter oder Leser. Der eigentliche Wert einer solchen Person wird aber erst mit der Anzahl Followers oder Fans sichtbar für „Aussenstehende“.

Wie kommen sie aber zu diesen beim Starten? Bis vor ein paar Wochen hätte ich diesen Vorwurf mit einem Lächeln abgetan „ach was.“ Doch je mehr ich mit Leuten darüber spreche, frage ich mich. Wer, warum und wie darf man Reichweite kaufen?

bildschirmfoto-2016-10-15-um-15-22-52Ich hab meine Facebookseite getestet (Influencer lachen über die 1000 Fans) Aber für euch vielleicht interessant: Seit Jahren werfe ich penibel manuell ‚falsche‘ Fans raus, die nach einem sponsored Post z.B. auftauchen. Dennoch zeigen sich auch bei mir ein paar undefinierbare Fans. Wo fängt Fans kaufen eigentlich an? Es könnte auch eine einfache Facebook Werbung als Fan-Kauf gelten. Kaufen also auch Verlage ihre Fans. Eine Frage, die ich nicht wage zu beantworten.

Nachtrag: Tooltipp von Claudio Schwarz (Blogger) wie man Influencer analysieren kann ohne mit Daten zu bezahlen.

Falk Hedemann (Journi und SoMe Consultant) sagt

Meinungen von Schweizer Influencern:

Stadtblogger und Influencer Reda Philippe el Arabi:
sagt „Was Marketer und Werber nicht begriffen haben: Web & Sociale Media sind Kommunikation, nicht Plakatwand, nicht Spot. Der User hat die Wahl…Der User unterscheidet nicht zwischen Werbung und Marketing. Normalerweise hasst er Werbung. Ein durchschnittlicher Mitteleuropäer verarbeitet bis zu 10 000 Werbebotschaften täglich. Das wirkt nicht mal mehr aufs Unterbewusstsein. Gekaufte Influencer verlieren rapide an Glaubwürdigkeit. Beispiel: Blogpost auf meinem privaten Blog +- 30 000 Leser. Kolumne für Kunden +- 1000 Leser – bei identischen Verteilkanälen. Noch happiger wirds, wenn die Leute denken, man will ihnen Produkte versteckt unterschieben.“

Karin Lurks (kenne sie nicht):
„Wie cool ist da eigentlich noch Ronorp? Die ganzen alten persönlichen in der Ich-Form gestalteten Werbebeiträge empfinde ich schon lange als lächerlich. Fällt da noch jemand drauf rein?“

Kathrin Buholzer (Journalistin, Trainerin):
„Und alle, die sich ihre Fans und Follower ehrlich erarbeitet haben, geraten mit all diesen Artikeln dann irgendwann mal auch so in ein bisschen Verruf?“ (bezieht sich auf den Beitrag der nzz.bellevue)

 Thomas Brühwiler (Blogger, Corp.Comm.Manager):
„Wenn die Agenturen mal ihren Blickwinkel überdenken, dürften die ehrlichen eher profitieren.

Nachtrag Oktober 2017:

Das Thema bleibt heiss: Beitrag vom SRF zu Fake Followers bei Schweizer Influencern. Und der lesenswerte Blogpost von Christoph Emch (Farner PR) dazu. Influencer Relations: Was die Influencer-Analyse von SRF Data nicht zeigt

Vorwurf 3: Fehlende Authentizität

t3n interviewte dazu Louisa Dellert. eine Bloggerin, die zum Starten für 10 Euro 4’000 Instagram Followers kaufte. „Inzwischen hat Instagram „aufgeräumt“ und diese Fake-Follower gelöscht.“ Ihr Account Fit_trio hat 294’000 Followers und ich frage mich, hätte sie diese Schwelle auch ohne den damaligen Kauf geschafft? Auf die Frage nach der Authentizität sagt sie sinngemäss, „Ich stecke immer selbst dahinter.“

Ist jemand bereit, auch mal ein Produkt oder Hotel.. zu erwähnen, setzt er/sie immer auch aufs Spiel, die Fans zu verprellen, also überlegt man es sich genau. Warum reagieren Leser von gekauften Magazinen nicht ebenso enttäuscht auf Werbung. Ist der Unterschied wirklich nur das Kennzeichnen? Haben wir nicht längst gelernt, auch bei Influencern zu erkennen, was Werbung und was „echt“ ist und strafen sie mit Entfolgen oder Nicht-Liken?

Mirko Lange sagt

Mirko Lange, Vordenker der Branche schreibt letztens in Facebook dazu:

Mirko Lange„Es wäre so einfach ‚eindeutig‘ und ‚authentisch‘ zu sein. Man muss eben nur ‚eindeutig‘ und ‚authentisch‘ sein. Man ist aber nicht ‚eindeutig‘ und authentisch‘, wenn man irgendwo das Wort ‚Werbung‘ platziert und auch nicht, wenn man nach 300 Zeilen Text in grau und 9 Punkt noch einen Disclaimer dazusetzt.
Man ist dann ‚eindeutig‘ und ‚authentisch‘, wenn man zur Einleitung schreibt: ‚Wir haben von Firma XY ein paar Testgeräte bekommen und sie haben uns Geld gezahlt, dass wir diese Geräte testen. Das machen wir gerne: Wie immer nehmen wir das Geld, um die Kosten für diesen Blog zu finanzieren, ansonsten lassen wir uns aber nicht dadurch beeindrucken. Der folgende Test gibt unsere direkte Meinung wieder‘. Das geht auch mit Babytaschen, Schminke oder Klamotten. Es ist eigentlich total einfach. Und ich denke auch, dass das jeder weiß. Aber genau da geht das Rumgeeiere los. Denn das sieht ja ‚komisch aus‘. Genau. Darum geht es. Es sieht komisch aus. Aber es ist eben absolut ‚eindeutig‘ und ‚authentisch‘:

Und jeder Versuch, das zu verstecken, ist Täuschung. Und die ist das Problem. Also einfach offen und transparent sein. Würde mich ja mal interessieren, was dann passiert.“

 

Vorwurf 4: Glaubwürdigkeit von Instagramern

So glaubwürdig sind Schweizer Blogger auf Instagram. titelte bellevue.nzz kürzlich. Drücken wir mal zwei Äuglein zu bei Adjektiven wie „exzentrisch“ und dem sexistischen Seitenhieb an Xenia Tchoumitcheva und folgen dem Gedanken. Erreicht ein Influencer nicht, dass 2% der Follower interagieren, nimmt der Autor an, der Nutzer macht etwas falsch oder … auch hier wieder der Follower-Kauf Vorwurf. Aber ist es wirklich so einfach mit der Glaubwürdigkeit?

Im Artikel wird konkreten Accounts vorgeworfen, dass zu viele Fans aus dem Ausland kommen. Jeder der Instagram kennt, weiss, dass Bildsprache noch weniger Grenzen kennt als englische Text-Inhalte. Durch Hashtags werden geografische Grenzen locker überschritten und man folgt Accounts vorallem wegen den Inhalten. Oder auch weil sie oft Bilder von mir selbst liken und dadurch werde ich auf den Account aufmerksam. Ja das ist ein umstrittenes Vorgehen, aber sehr üblich. Ich habe vor 3 Wochen bei der erwähnten Kristina Bazan um ein Statement gebeten, leider aber keine Antwort bekommen.

Tooltipp: Mit dem Tool influencerdb kannst du Instagram Accounts checken, musst allerdings mit deinen eigenen Daten bezahlen.

 

Glaubwürdigkeit ist die Währung der Influencer

Ausländische Fans sind für mich kein eindeutiges Indiz für zu wenig Glaubwürdigkeit. Interagieren Fans mit einer Personen-Marke oder einem Influencer, schau ich mir für meine Kunden lieber inhaltlich an, ob es attraktiv ist für eine Zusammenarbeit ist. Viele seriöse Blogger oder Influencer bieten auch konkrete Möglichkeiten an für die Zusammenarbeit mit Firmen. Oft sind die bei guten Blogs sehr streng, um eben die Glaubwürdigkeit zu wahren, dann das ist ihre Währung. Ich habe Dimitri Burkhard von Newly Swissed gefragt, wie sie mit Firmen Anfragen umgehen (kommt in Kürze hier im Blog)

Kerstin Hoffmann,

Buch: Lotsen in der Informationsflut

Buch: Lotsen in der Informationsflut

PR Doktor, Autorin und Influencerin schreibt in ihrem Facebook Profil: „Interessant: Ich hatte neulich begeistert über meine neuen Sportschuhe berichtet, die ich ganz normal gekauft hatte, und sofort unterstellte jemand mir nicht gekennzeichnete Schleichwerbung. Seither schreibe ich immer explizit dazu, dass es nicht gesponsert ist, wenn ich über Produkte schreibe.
Gesponsert mache ich ja gar nicht.
“ Ihr Buch ‚Lotsen in der Inflormationsflut‘ kommt in Kürze. (lesen) Ich habe übrigens keinerlei Werbevereinbarung mit ihr, ich mag einfach Ihre Arbeit und Art zu kommunzieren. Strange, dass ich das schreibe.

 

 

Kommunikation zwischen Menschen

Ich hab mich wie gesagt mit diesem Post extrem schwer getan, viel nachgedacht, gefragt, gelesen. Mir bleibt das Gefühl: zu gerne würden Firmen und Agenturen Influencer Marketing in die Mediaplanung aufnehmen, automatisieren, Reichweiten messen und gleichschalten. Doch müssen wir uns mit jedem einzelnen als Person auseinandersetzen. Was bewegt sie, wie ist sie fokussiert, welche Möglichkeiten bietet sie für die Zusammenarbeit, oder auch, wirbt sie wahllos oder gezielt. Wie authentisch ist sie auch mit Werbeaussagen usw. Diese Liste ist unendlich lang. Eine wichtige Frage scheint mir auch, die Beziehung zu sein. Sind wir im Marketing tatsächlich in der Lage Influencer Relations zu betreiben oder geht es wieder nur um Werbebuchungen. Das ist in meinen Augen der falsche Ansatz.

Meine Fragen, die ich nicht abschliessend beantworten kann, nochmal auf einen Blick.
Ihr seht, es sind noch viele Runden nötig.

Was heisst neutral?
Ist es verwerflich, die eigene Reichweite durch Werbung zu monetarisieren?
Wer kann aufklären, damit Influencer Werbung deklarieren?
Wer, warum und wie darf Reichweite gekauft werden?
Wo fängt Fans kaufen eigentlich an?
Wie viel Deklaration verträgt ein Text?
Müssen wir Glaubwürdigkeit von Personen wirklich in Frage stellen, wenn wir eine Beziehung mit Ihnen haben?

 

Klar verändert Social Media unser Arbeitsleben, auch unerlaubt

Heute darf ich in Aarau ein paar Gedanken erzählen, wie die Online Kommunikation unser Arbeitsleben verändert (hat). Je tiefer ich im Thema abtauche, umso mehr sehe ich, wie lähmend alte hierarchische Strukturen sind. Vorgaben für Technologien, die Innovation oft schon im Keim ersticken. Oder oft ist es einfach auch eine (vielleicht sogar verständliche) Angst vor zu vielen Tools (schon wieder ein Tool?). Viele Menschen träumen noch von der einen Plattform, die alles kann. Ob sie jemals kommt?
Aber schauen wir mal auf die positiven Entwicklungen, die ohnehin stattfinden. Oft ist es ein Patchwork Teppich an Apps im Job. Weil wir es privat so kennen.

Ich habe den Vortrag in 5 Teile gegliedert und vermutlich andere Tipps als erwartet.

1. Echtzeit und Gelassenheit

Auf Plattformen werden wir heute vorallem mit viel kleinteiligen Inhalten konfrontiert, die untereinander kaum zusammen passen. Ein freudiges Ereignis gleich nach einer Katastrophenmeldung oder tiefgründigen politischen Diskussion. Wir können das nicht alles lesen. Wichtiges kommt meistens zurück und wir verpassen es nicht. In Echtzeit können wir nicht so viel kommunizieren, wie Inhalte uns dazu einladen.

Interessante Tools für den gezielten Austausch sind Chat-Apps wie Whatsapp und Threema, die die Echtzeit aushebeln und auf die, das Gegenüber zwar schnell aber nicht sofort reagieren muss. Mit teils eigener Sprache und Emojis, ohne Anrede und Grussformel, sind diese Apps längst auch in beruflichem Gebrauch. Bilder von Momentaufnahmen werden jedoch dauerhaft gespeichert (Dokumentation)

2. Virtuell ist real

Fast nahtlos schliessen sich Video-Technologien an, google Hangouts, Skype (for Business) bringt Nähe in Teams, die nicht an einem Ort arbeiten. Das werden wir in Zukunft noch mehr tun. Warum sollten wir alle an einen Ort fahren, wenn wir dann vorm Laptop sitzen. Dazu ein lesenswerter Beitrag zur Arbeitswelt der Zukunft von Joël Luc Cachelin. Wichtiger wird unser sorgsamer Umgang mit der Aufmerksamkeit anderer Menschen und entsprechend mit realen Meetings. Treffen wir uns lieber nur dann, wenn es nötig ist und geben in unseren überladenen Jobs so ein bisschen mehr Freiraum (arbeiten wo man möchte).

3. Von wegen privat

Privatleben und Arbeit haben sich seit dem ersten Blackberry immer mehr vermischt. Ich bin sehr dafür Privates, privat zu behandeln, dazu gehören für mich Beziehungskisten, Kinder etc. Aber eben das wichtige Wort ist hier „mich“. Jeder definiert Privates anders. Jeder versteht auch die Plattformen anders. Für manche ist Facebook privat, für andere gilt das für Whatsapp oder Threema. Ich agiere in sämtlichen Netzwerken eher persönlich und so verschiebt sich die inhaltliche Definition ständig, was ich wo teile. Aber hier geht es mir darum: Plattformen und Apps verbinden unsere privaten Netzwerke mit dem Job und das bringt uns weiter. Denn sie werden sicht- und dadurch auch nutzbar. Man erinnert sich eher aneinander, bleibt in Kontakt und Empfehlungen sind so einfach wie nie.

4. Wissen über das Wissen

Wissen ist nicht mehr wie es mal war. Wir haben oft ein abgeschlossenes bewiesenes Wissen im Kopf, Zahlen, die man belegen kann. Doch heute ist wichtiger, dass wir Wissen dokumentieren und zulassen, dass es sich durch Kommentare erweitert. Auch habe ich mir Strategien und Tools zugelegt, mit denen ich Wissen von anderen wieder finde. Dafür setze ich bookmarks (diigo, ein bisschen refind) ein und Notizbücher in evernote. Selbstverständlich gibt es auch Wikis, aber leider in der Realität zu selten. Server mit geordneter Struktur (mässiger Durchsuchbarkeit) sind hier eher die Realität. Für mich persönlich nicht handlebar sind Wissensinhalte, die via Mail geteilt werden. Das bringt mich zum nächsten Punkt:

5. Zusammen lernen

Wissen kann nur entstehen, wenn wir es (auch noch nicht fertig überlegt) austauschen. Dafür haben sich viele Leute heute Wege ausserhalb von Firmen gesucht. In Fachgruppen in Facebook oder internen Chatgruppen (slack). Auch Dropbox ist hier interessanter geworden, weil man in Dokumenten kommentieren und ergänzen kann. Nicht mehr nur ein Hoch- und Runterladen von Dokumenten in Versionen. Überhaupt scheinen Kommentare der eigentliche Wert von manchem Beitrag zu sein. Das Wissen der Vielen bringt mir oft neue Sichtweisen näher und inspiriert mich für Neues.

Wie verändern Technologien nun unser Arbeitsleben und sogar Firmenstrukturen?

Weil wir es können. Ich weiss, es ist eine gewagte Aussage, aber ich denke, es sind Menschen, die sich unkonventionelle Wege suchen. Sie kennen die einfache Nutzung aus ihrem Privatleben. Bieten Firmen keine adäquaten Instrumente an, werden externe Lösungen genutzt. Das bringt nicht nur Ärger mit der IT an manchem Ort, sondern auch kulturelle Veränderungen.

  • Grenzen zwischen privat und Geschäft lösen sich auf
  • Wissenshierarchien fallen (Zugänglichkeit)
  • Wissen und Lernen ist steter Prozess (dynamische statt statische Dokumentation)
  • online und offline wird sorgfältiger abgewogen und kombiniert
  • Apps von „privat“ werden in Firmen eingesetzt

Veränderungsfähigkeit und Mut

E-Mail ist ein Auslaufmodell und wir werden mehr zwischen kurzfristigen Abstimmungen und Dokumentationen unterscheiden lernen. Auf spätere Suche setzen und nachvollziehbar auch für neue Team Mitglieder. Plattformen werden nicht mehr klar zuzuordnen sein, weil sie sich ständig weiterentwickeln in ihren Funktionalitäten. Bis wir eine übergreifende technische Lösung für alle kommunikatorischen Aufgaben haben, werden wir wohl noch Patchworken müssen. Aber solange wir den inneren Willen haben, Neues auszuprobieren sehe ich noch keine Roboter unsere kompletten Aufgaben übernehmen.

Hier ist die Präsi

Hab noch eine Art Checkliste zum Abgeben gemacht:
  • Inhalte abonnieren
    kuratierte Fachinhalte z.B. in niu.ws, für Facebook, XING, LinkedIn über Einstellungen, mobile Apps der Plattformen nutzen, regelmässig in Plattform “reinschauen“ für aktuelle Inhalte
  • virtuelle Meetings sparen Zeit und Kosten
    Skype, google Hangout, Facebeook Messenger (mobile App)
  • Mit Chats Austausch fördern und dokumentieren
    whatsapp, skype, google hangout, threema (verschlüsselt), Facebook Messenger (mobile App)
  • Netzwerke abbilden und bereichern
    Facebook, XING, LinkedIn, in internen Plattformen
  • Aus Information Wissen entstehen lassen
    Impulse setzen, erweitern, Postings, Kommentieren
  • Wissen dokumentieren
    auch aus offline Erlebnissen digitale ergänzbare Texte (und andere Formate) nicht abgeschlossene Dokumente, Quellen nennen

Einwegkommunikation und Wissenshierarchien: und wo soll Mehrwert entstehen?

Wir brauchen alle Mehrwert. Wo ist er, oder besser gefragt, wie entsteht er? Ich entdecke den Mehrwert von eigenen Stories oft nur, wenn andere kommentieren, Impulse geben oder sich unerwartet äussern (können). Ich unterscheide nicht zwischen interner und externer Kommunikation. Beide beeinflussen sich stärker als manchem recht ist.

Unsichtbare Zäune

Bei mir zuhause ist ein Zaun, weil sonst unsere Terrasse der Parkplatz wäre und der knurrende Hund mich nervös macht. Ich finde den furchtbar. Den Zaun. Über diesen Zaun wird nie ein guter Dialog entstehen. Intern (also mit Nachbarn) ebenso wenig wie mit zufälligen Passanten oder Besuchern. In Firmen gibt es unsichtbare Zäune.

Zaun

Zaun (der übrigens bald entfernt und mit Pflanzen ersetzt wird 😉

Die Digitalisierung fordert immer schnellere Reaktionen, Impulse aufnehmen, Ideen abwägen, ausprobieren und wieder verwerfen. So kann Mehrwert entstehen. Roman Huber schreibt im Beitrag „Fernrohr statt Rückspiegel“, dass Firmen heute agilere Strukturen mit Kooperationscharakter brauchen. Real fehlt es aber in Firmen an Gelegenheiten, Impulse irgendwo zu deponieren, die gefunden, aufgenommen, kommentiert und erweitert werden können. Auch über die Grenze intern/extern wird wenig bis nicht ausgetauscht. Technologien werden ausgegrenzt, nicht getestet, weil die innere Einstellung zu Wandel, Dialog und Kritik fehlt. Man weiss aber nicht, was eigentlich fehlt. Für Content Marketing müssen aber dringend intern (Mehr-)Werte entstehen, die dann extern sichtbar werden. Mehrwerte liegen oft in Impulsen, Wissen, Gelerntem, Fehlern, Ideen, kommunikatorischen Dienstleistungen (dazu andermal mehr). Ich sehe im Alltag drei grundlegende Hindernisse dafür.

Hindernis 1
Information ist Einwegkommunikation

Informationen gehören zu einer alten Form der Kommunikation. Information ist hierarchisch. Jemand hat einen Inhalt und gibt ihn final an andere. Information plant keine Versionierung, keine Kommentare, Ergänzungen. Alle Gedanken wurden (vermeintlich) zu Ende gedacht und werden nun präsentiert. Typisch in Pitches. Kunde sitzt, Agentur steht und informiert, präsentiert sich im besten Schein (Pardon, Licht natürlich). Frage ich aber in die Runde verändert sich nicht nur die Energie im Raum sondern auch das Ergebnis. Auch interne Meetings (und Mails) sind oft in Informationsform. Ich nenne das Einwegkommunikation. Einwegflaschen, Einwegrasierer, all das wirft man nach Gebrauch weg. Sie sind nicht für dauerhaft Wertvolles geeignet. Sie erfüllen nur ein kurzfristiges Bedürfnis.

Eine Information erkenne ich am Satzbau, fehlenden Fragen, abgeschlossenen Aussagen, oft auch Substantivierungen (dann fehlt das Verb). Es wird kein Bezug geschafft zum Empfänger. (Was hat das mit mir zu tun, was habe ich davon?) Das Gespräch ist beendet, bevor es begann.

Setzen Firmen als Kommunikationsziel „wir wollen unsere Zielgruppen informieren“, ist das ein Killer für den Mehrwert. Information erstickt Lernen und Dialog, es entsteht kaum Neues. Diese Form ist berechtigt, aber bitte nicht im Content Marketing. Informationen sind für Broschüren, teils für Webseiten und schwarze Bretter.  Im Content Marketing sollen Menschen etwas mehr bekommen.

Formulieren wir also offen, stellen aufrichtige Fragen, uns selbst in Frage oder hören, was andere ergänzen können.

Hindernis 2 – Wissenshierarchien

Wie intern kommuniziert wird, spiegelt sich extern im Content Marketing. Heute wird sichtbar, ob Mitarbeiter motiviert sind, ihre Firma mögen und auch wieviel sie tatsächlich wissen.

Sichtbar wird die Dialogkultur in Meetings, im Umgang mit Kunden (offen Fehler besprechen, Ideen vorschlagen, die der Kunde nicht angefordert hat, eigene und Vorstellungen des Kunden in Frage stellen, wenn nötig) und auch bei technologischen Lösungen. Es ist nicht mehr tragbar, sich intern ausschliesslich mit E-Mail und offline auszutauschen, denn diese Inhalte sind nicht dokumentiert oder thematisch zu bündeln, auffindbar und nachvollziehbar bspw. von neuen Mitarbeitern. Es entstehen unabsichtlich Wissenshierarchien.

Mitarbeiter, die nicht mitbekommen was andere tun oder gelernt haben, werden öffentlich kaum teilen (bloggen) können. Sie können nicht etwas gerecht werden, was sie nicht kennen. Sie kennen die Firmenpersönlichkeit und das kollektive Wissen zu wenig (wer weiss was und wo lerne ich selbst). Das entstandene Wissen aus dem Alltag sollte dokumentiert werden können, auffindbar sein und auch diskutiert werden. Es gibt auch hier kaum die finale Version. Wissen ist der dauernder Prozess des Lernens. Und dazu braucht es nunmal auch Technologien, die das fördern.

Testen wir slack, Wikis, Bookmarks und interne Blogs und machen Wissen vorallem auch mobile abrufbar.

Hindernis 3 – fehlende Dialog- und Lernkultur

Mehrwert entsteht nicht nur durch Wissen, sondern auch überraschend, wenn wir offen sind, fragen, beobachten und auch Antworten auf nicht gestellte Fragen zulassen. Die oft zitierte Augenhöhe.

Früher konnte man Hierarchien an einer Krone, Kleidern und auch Bildung erkennen. Heute sind sie viel subtiler. In internen Meetings schleichen sich bspw. Muster ein. Es sprechen immer die gleichen Leute. Kommentiert jemand überraschend und es passt gerade nicht ins Konzept des Sprechers, wird der Kommentar vielleicht sogar abgeschmettert. Andere Teilnehmer sehen das und erlernen nicht zu kommentieren. Ihr Wissen, ihre Ideen oder auch nur Meinungen werden sie nicht teilen, man könnte ja falsch liegen. In dieser Kultur braucht es erst Augenhöhe, damit Tools den Dialog fördern.

Al Pacino fragt in Facebook, ob sie einen neuen Film machen sollen

Al Pacino fragt in Facebook, ob sie einen neuen Film machen sollen

Plattformen, auf denen wir intern oder mit Kunden Ideen entwickeln, Kunde und Mitarbeiter im Team kommentieren, ergänzen können und auch Fehler frühzeitig sichtbar werden. Der Faktor Zeit sollte niemals im Wege stehen. Will der Kunde etwas sehen, was halbfertig ist. Warum nicht. Vielleicht ergeben sich Impulse für Wertvolles.

Beispiel: Die beiden Superstars kokettieren mit einer Schwäche, die gar keine ist. Sie setzen die Kommunikation zeitlich viel weiter vorne an. Sie teilen die Idee, bevor sie eine ist, lassen Raum für Diskussion. Warum sehe ich sowas nicht von Firmen.

 

Haben wir doch einfach Mut zu eigenen Fehlern, zum öffentlich Lernen und zu anderen Meinungen.

 

 

 

Alles zusammen

..ist eine hinderliche Mischung. Mehrwerte brauchen wir als internen Motor als auch für die externe Kommunikation. Basiert eine Firma auf Einwegkommunikation, vermisst man auch die Technologie nicht, mit denen Wissen abgebildet wird oder entstehen kann. Es findet wenig Dialog statt und das ständige Lernen bleibt unsichtbar. Die Content Marketer drehen sich dann erfolglos im Kreis, weil sie statt Mehrwert nur reine Information oder Unterhaltung zu bieten haben. Davon haben die Menschen genug.

Mein neues Team

Update Januar 2017:
Ich arbeite inzwischen wieder mit Freelancern und externen Agenturen in meinen Kunden-Projekten zusammen. Ich bin dankbar für die Erfahrung in einer klassischen Agentur mit Online Tochter. Mein Platz fühlt sich jedoch besser an mitten drin in der Online Branche. Ich erarbeite Online und Content Strategien, setze diese um und darf mich in das eine oder andere Content Projekt einbringen. Hochschule läuft weiterhin und ich bin ehrlich gesagt happy. Leben heisst Veränderung.
Natürlich gehört auch das evoq labs Team weiterhin zu meinen engeren Kollegen, je nach Aufgaben im Projekt.

In unserer Branche stehen die meisten Leute stellvertretend für einen stetigen Wandel. Wir lernen ständig neue Tools und Plattformen kennen, testen und entscheiden, ob sie nützlich sind.  Ja, ich denke, wir nerven auch manchmal. Aber ich liebe das. Neues ausprobieren, Aufgaben suchen, deren Lösung ich jetzt noch nicht kenne. Hirnen nach neuen Ideen für eine uralte Sache. Den Dialog.

Dafür muss ich immer wieder auch loslassen. Als Kind habe ich oft meine Lieblingsspielzeuge verschenkt. Natürlich romantisiere ich das heute, wenn ich feststelle, dass ich immer noch gerne abgebe. Aber diese kleine Geschichte fällt mir ein, wenn ich an Corporate Dialog denke.

Der Titel von diesem Blogpost müsste richtiger heissen: ich gehe weiter.

Corporate Dialog ist nun anders

Corporate Dialog war für mich 5 Jahre lang eine wunderbare Erfahrung. Von jetzt auf dann selbständig, keine Ahnung von Buchhaltung, Versicherungen. Zum Glück gibt es Leute, die das können. Meine Kunden und Auftraggeber sind nicht einfach nur das, sondern Menschen, mit denen ich coole Projekte entwickeln konnte, von denen ich immer auch lernen konnte. Herzlichen Dank dafür.

Aber mir fehlte ein Team und technische Umsetzungspower. Ich mag kein Konzept nur teilweise umsetzen oder gar an jemanden weitergeben, der dessen Herz nicht versteht.

Oliver und Su

Oliver und Su

evoq labs ist mein neues Team

Mit Oliver von evoq labs arbeite ich schon seit zwei Jahren zusammen, wir haben Konzepte zusammen erdacht und er mit seinen Leuten umgesetzt. Blogs, Newsletter, Websiten, Social Media und Content. Es lag also nahe, diese Dienstleistungen zu bündeln. Und da bin ich also. Mit Corporate Dialog biete ich nur noch Hochschul-Einsätze und Vorträge an. Der Blog bleibt bestehen, aber sind wir mal ehrlich. Einmal im Monat ist eh zu wenig.

Es gibt sogar eine offizielle Medienmitteilung ;). evoq kommt übrigens von evozierend, etwas bewirkend.

So, nun hoffe ich, ihr seid weiterhin im Web unterwegs und bloggt und kommuniziert, was das Zeug hält, damit ihr andere und mich inspiriert zum bloggen und vortragen.

Snapchat: Firlefanz oder Relevanz?

Update irgendwann im April 2016:

Ich war bei dem inspirierenden Snapchat Workshop mit Frau W. Dankeschön, Bettina. Ich sehe immer deutlicher, dass die App relevanter wird (bleibe zwar inhaltlich in den Stories immer noch dabei, dass es viel Firlefanz ist) Aber was die App kann:

  • Snapchat bringt ein natürliches Medienformat (als ein.zi.ge) – Hochformat, man jeder nutzt das Handy so.
  • Nur hier kannst du alle Formate mixen – Text, Bild, Video, Grafikfilter die zu Geodaten passen usw.
    zwischen, ohne Medienbruch. Hallo?!
  • im Zeitalter der Medien-Überflutung gibt es hier keinen Newsstream, den keiner interessiert, sondern man muss zu dem Account „hingehen“, Story kucken und jetzt kommts liebe Marketer:
  • direkter Chat button mit einer Marke. Hallo?!

Das ist ultimativ – glaubt mir, da können wir noch lange jammern „die Usabilty ist die Hölle“. Das werden sie schon noch verbessern. Swipen war übrigens mein Schlüssel zum besseren Verstehen. Ganz sicher ist es jedenfalls keine sichere Chat-App. Das fällt für mich schon aus, weil die Benutzung zu nah an öffentlichen Beiträgen (also den Stories) ist.

Lest gerne auch den Beitrag von Walter zum Snapchat Workshop.

Nutzer und Firmen werde auch hier lernen, wertvollen Content anzubieten, also weniger Firlefanz mit Gesichtern mit Schlapporen-Filter. Jedenfalls Danke Bettina.

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Nutzer der ersten Stunde? Das bin ich auch bei Snapchat nicht. Ich löse einen Account, spiele ein bisschen, frage mich, welche Möglichkeiten für Firmen entstehen und schaue was die Geek-Vorbilder so machen. In den ersten Tagen hab ich oft eine Meinung (oder eben ein Gefühl), ob die neue Plattform abhebt oder nicht. Schaut mal, wie oft ich schon daneben lag.

 

Meine früheren vorschnellen Einschätzungen:

Das hier waren meine ersten Meinungen zur Plattform, die ich selbstverständlich oft genug revidiert hab ^^. Die Funktionen, die Inhalte und das Verhalten haben sich ständig verändert und ich staune über manchen Dauerbrenner.

XING: my first love ( 2005)
Blog: my real love (2006/2007)
Flickr: nie mehr ohne (2006)
Twitter: rockt (01/2009)
Foursquare: Wo ist der Sinn? (?)
Facebook: zögerlich aber ok (2009?)
Linkedin: zögerlich, aber ok (2010)
G+: yay (2011)
App.net: überflüssig und unrealistisch, Werbung findet immer einen Weg
Path: unnötig (2010)
Ello: wird nix (2014)
Instagram: Bilderrahmen und nur für iphone, wtf (2010)
Whatsapp: ok (?)
Vine: Hä? (2013)
Threema: Ehrensache (2013)
Snapchat: versteh ich nicht (2014) und seit Stories inhaltlich Firlefanz (aktuell)

Andere Meinungen zu: Snapchat Relvanz

Aus heutiger Sicht musste ich einiges gerade rücken, das seht ihr selber. Deshalb hab ich wegen dem aktuellen Snapchat-Zuwachs mal in Twitter nachgefragt. Schaut mal, was dabei rauskam. Anfangs sah es aus, als gewinne „Firlefanz“ und nun sagen 41% Snapchat hat Relevanz. 59 Leute haben gestimmt. Dankeschön dafür.

FB Kommentar

FB Kommentar

 

 

Snapchat verstehen?

Die Zahlen sprechen für sich und die sogenannten Stories/Geschichten (neu) erinnern mich wegen der Kürze an Twitter. Aber es geht nicht um Echtzeit, sondern um die Summe der Tagesinhalte. Ich muss aktiv klicken, um die Story anzusehen. Die Formate variieren, es gibt Film, Text über Bild, Filter, Emojis, und so Spielereien. Die Formate ergänzen sich. Nach 24 h löschen sich die Inhalte. Man kommuniziert nicht (nur) mehr 1:1 und auch nicht intime Inhalte, wie viele glauben. Vermutlich ist die Nähe zu öffentlichen Posts ab jetzt eher abschreckend für diesen sehr persönlichen Einsatz. Nutzer können jetzt einander folgen und sehen die teilöffentlichen Inhalte. Dennoch bleibt ein bisschen das Gefühl der Privatsphäre, mehr als man sie vielleicht in Facebook empfindet.

Zahlen von Photoworld

Interessant finde ich, dass man den Inhalt eines Nutzers bewusst anklicken muss. Vorher weiss ich  nicht, was ich zu sehen bekomme. Das heisst ich klicke nur, wenn mich jemand (oder ein Brand) wirklich interessiert. Das birgt das einen gewissen Überraschungeffekt, der fürs Content Marketing nützlich sein könnte. Die Benutzung ist für mich weiterhin unerklärlich statt intuitiv. Ich hab keine andere App bei der ich so wiederholt die falsche Funktion aufrufe. Immer und immer wieder. Aber ich geb nicht auf, versprochen.
Nachtrag: Tipp von Christian Bossert (im Kommentar) Filme lassen sich downloaden und auch auf YouTube dauerhaft publizieren.

Nachtrag: Emojis (auf den Bildern und auch sonst in Texten) richtig verwenden, dazu gibt Monah im Blog Tipps. In ihrem Post findet ihr auch eine Video Anleitung für Snapchat. Danke

Nachtrag: Richard Gutjahr zeigt Snapchat live im Vortrag an der #dmcmuc

 

Wer nutzt Snapchat und warum

Promis, Medienhäuser (wdr1life, chip_de, hellobild,) und meine Lieblingsgeeks (Usernamen zum Folgen: Kusito, Christian Bossert, Frau-W) nutzen Snapchat intensiv. Firmen (neckermannde, FCBayernsnaps)  sind noch selten, das wird sich schnell ändern. Jürg Kobel hat letztens Beispiele aus Sport, Politik und Kunst zusammen getragen. Lindsey Vonn zeigt bspw. persönliche Bilder (Hochformat wird nun salonfähig) und Videos, (inkl. Sponsoren). Danke Marcel für den Hinweis. Das bringt ungeahnte Nähe. Je nach Einstellungen kann ich unter dem Video oder Bild direkt einen Chat beginnen. So nah waren Firmen noch nie auf dem Handy ihrer Zielgruppe. Eine „neue“ Form fürs Storytelling, weil Bild, Text in extrem kurzer Form, Film und Spielereien kompakt zusammenkommen: Auf eine Art ist es sogar exklusiv, weil nur kurz sichtbar.

Lindsey Vonn auf Snapchat

Lindsey Vonn auf Snapchat

Snapchat dreht das System um. Früher störende Werbung oder verpasste Posts
ist hier gezielt konsumierter Inhalt von wirklichen Interessenten (für Schnipsel). Ich klicke, wenn mich die Person/Firma/Medium interessiert und muss mich darauf verlassen, dass es spannend wird.

Mona Fetsch lernt Snapchat

Mona Fetsch lernt Snapchat

Nachtrag: 27.1.2015: ich muss euch noch was zeigen

Beim SRF ein FB Post mit Mona Fetsch lernt Snapchat. Ich lass das mal jetzt unkommentiert. Einfach weil mir die Worte fehlen. Aber die Sendung hören will. Hier lang.

Snapchat für Firmen

Matthias Stock von Sixt erzählt über die Strategie von Sixt bei horizont.net. Als ein Vertreter in der Schweiz hat mir Daniel Reidan von Brack seine Meinung geteilt:

„Snapchat bietet tatsächlich spannende Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Doch richtig guten (Video-)Content zu produzieren ist aufwendig. Welche Unternehmen können sich leisten, Videoclips zu veröffentlichen, die von den Empfängern nur gerade 24 Stunden lang und dann nie mehr angesehen werden können?

..die „Halbwertszeit“ eines Tweets oder Facebook-Posts ist sehr kurz, aber dieser Content bleibt auffindbar. Bei Snapchat ist dies nicht der Fall. Deshalb sollten sich Marken überlegen, ob ihre Anspruchsgruppen tatsächlich über Snapchat verkehren, und sich dann im positiven Fall adäquate Ziele und eine Contentstrategie zurechtlegen. Und die (auch für aus der Hüfte geschossene Handyfotos) die nötigen Ressourcen bereitstellen.“ Danke Daniel.

Firmen werden (oder haben schon) sicher auch hier ihren Weg finden, sich zu positionieren oder zu kommunzieren.

Nachtrag: Werbung in Snapchat

Analyticstools für den Profi-Einsatz (t3n)

Ganz ehrlich. Für mich: inhaltlich (noch) Firlefanz

Ich persönlich bin ja eher ein Wegwerfer oder Verschenker, behalte möglichst nichts, was ich nicht wirklich brauche, auch Daten. Ich denke, dass wir zu viel Datenmüll produzieren und vorallem speichern, der eigentlich nur kurzzeitig relevant ist (Bsp. Ferienfotos von Freunden via Whatsapp). Die selbstlöschenden Inhalte sind also das einzige Pro-Argument für mich. Aber mal ehrlich, bisher frage ich mich bei manchem Inhalt, ob man sie nicht vorm Publizieren bereits wegwerfen kann. Aber das kann ja noch besser werden.

Ich befürchte, ich schliesse keine grosse Freundschaft mit Snapchat,  ausser es gelingt, wert- und sinnvolle Inhalte dort zu teilen. Auch Links und eine Browserversion fehlen mir ganz klar. Ich sehe keinen Vorteil im Silodenken. Selbst Whatsapp gibt es mittlerweile via Browser. Dort hab ich eine Tastatur und Vernetzung mit Links. Das geht der Snapchat App völlig ab. Womöglich geht unsre Kommunikationskultur ja auch weg vom Lesen und Schreiben. Ich denke da an meine eigenen Whatsapp Nachrichten, die oft nur noch gesprochen sind, statt getippt.

mein Account heisst: sufranke (was für eine Überraschung)

mein Account heisst: sufranke (was für eine Überraschung)

Ach ja, wenn du mal jemanden per Namen (oder Nutzernamen, Bsp. sufranke) nicht findest, fotografiere das Profilbild (Snapcode) in Snapchat (drum haben es manche Leute in anderen Plattformen als Profilbild. Man trifft (seine) Snapchatfreunde ja nicht grad im Büro. In der App kannst du dann via Foto den Code scannen und so dem Account folgen. Deinen Code bekommst du übrigens hier (Desktop)

Ich bleibe noch ein bisschen im Testmodus und lerne gern dazu. Zeigt mir bitte die Relevanz. Das meine ich ernst und nicht ironisch.

 

Ein Buch für die App?

Die Usability von Snapchat ist sagen wir mal „schwierig“. Falls ihr auch noch zögert, schaut mal in das Buch Philipp Steuer, das er letzte Woche rausgebracht hat. Philipp schreibt über die Geschichte, was Facebook damit bzw. nicht zu tun hat und Funktionen der App. Tipps zu Einstellungen und Privatsphäre. Ein ganzes Kapitel widmet er den Hacks, die zusätzliche Funktionen ermöglichen. Es lohnt sich, mal reinzuschauen, auch wenn mein Herz noch nicht wirklich für Snapchat schlägt.

Mehr zum Lesen

Strategien für Snapchat

Bilder anreichern mit Snapchat

webmemo Beitrag über den Workshop

 

Linkedin für Sales – Teil 2: Content

Ich habe euch ein paar Tipps aus Workshops mit Sales Leuten zusammen gestellt. Ideen und Ansätze wie Sales mit Content arbeiten könnten. Teil 1 der Blog Serie war ‚Linkedin der Saleshelfer, oder Monster?‘, Ich arbeite noch an Teil 3, den aufbauenden Werbemöglichkeiten in Linkedin. Diese kommen hier in Kürze.

Content für Sales nutzen

 

Und hier noch offizielle Tipps von Linkedin selbst

Hier geht es vorallem um Updates, so nennen sie in Linkedin die „kleinteiligen Beiträge“ die ausführlichen sind im internen Bloggingsystem Pulse publiziert und heissen Posts. Lustig, dass die dritte Variante „Photo“ heisst.

Bildschirmfoto 2015-11-06 um 23.16.06

 

 

 

Ja, ich hab tatsächlich versehentlich meine Notizen publiziert und drum diese kleine Notlösung fürs erste.

Instameet: Von Menschen mit Herzen und offenen Türen

Intensive, Herbstfarben, beinahe zu schön für die Wirklichkeit und immer öfters auch noch #Instameet auf dem kleinen Handydisplay. Mich verlockt diese faszinierende aber auch fremde Bildwelt. Anfangs ist es ein Rätsel, die Dynamik, die Liebe zum Detail, die vielen Hashtags. Hier im Blog öffne ich immer mal wieder mit Gästen die Wundertüte Instagram. Lasst uns heute mal Instameets näher anschauen.

Instagram ist für mich in zwei Gruppen geteilt.

Die „normalen Nutzer“

die unter Freunden, Bekannten Bilder teilen und kommentieren, einfach statt FB oder mit verlängertem Arm auf Facebook und die anderen.

Die Künstler

Das sind die, die mich wirklich faszinieren. Leute, die innerhalb ihrer Communities herausragend sind. Künstler. Sie haben ein super Auge fürs Motiv, sind kreativ, bekommen viele Herzen und beherrschen die Apps rund um Instagram. Diese Menschen haben oft tausende von Followers (sorry hier heisst das Abonnenten), aber sie bleiben oft verborgen, wenn das Publikum den Eingang zu den imaginären Ausstellungsräumen nicht kennt. Es erinnert mich an eine Party, bei der erst am Abend der Ort bekannt wird. Und du bekommst es einfach nur mit, wenn du irgendwie dazu gehörst oder jemanden kennst, wie

Adrian
Boris
Kusito
Naomi
Samantha (hab sie interviewt, kommt bald hier im Blog)
Susanna
Pirmin
Dr. Veterinaer

Der Account ig_swiss featured regelmässig Bilder aus der Community Swiss Instagramers. Es gibt so viele mehr. Ich kann in meinem Stream leider nicht mehr nach Land unterscheiden, denn Bilder sind grenzüberschreitend. Findet bitte eure eigenen Stars. Aber schaut auch mal die kreative Kommunikation an in den Texten an, die Wege, die sie finden.

kreativ kommunizieren

kreativ kommunizieren

Auch unter dem Hashtag igerssuisse findet ihr viele tolle Instagramers aus der Schweiz.

Firmen, besonders im Tourismusbereich wollen diese Leute nun endlich kennen lernen, einladen und möglichst viele Erwähnungen von ihnen. Das ist zwar nett, aber oft zu kurz gedacht. Es ist wie mit einmaligen Erwähnungen auf starken Blogs. Das gibt starke Backlinks, aber es bleibt immer noch ein schwacher Schein gegenüber einem eigenen strahlenden Account. Die aktuellen DACH Nutzerzahlen hat übrigens gerade Thomas Hutter veröffentlicht

Offene Türen zu Instagram

Eintritt in diese Welt findest du über

a) Personen (zuhören, Freunde ansehen, abonnieren, lesen, lernen)

b) Communities wie ig_swiss (Anschauen, staunen, lernen, eintreten)

c) Hashtags (suchen, nutzen, ausprobieren, ansehen, lernen)

d) Zusatz Tools (s.u.)

e) reale Treffen an einem sogenannten Instameet

 

Instameet, wo sich Menschen RL treffen

 

Insta HerzInzwischen gibts immer mehr dieser Treffen von Instagramers auch in der Schweiz und werden von Tourismus-Kommunikationsprofis als Instrument genutzt. Man taucht, meist über eine gut vernetzte Person in die Community ein. Die Leute kennen sich übrigens oft nur von der Plattform und freuen sich, wenn sie sich (wieder) einmal an einem Wochenende treffen können. Es ist wie bei Bloggern, auch diese haben einen Job und sind nicht gerade montags um 10.00 frei.

Letztens war wieder so ein Intameet. Am wunderschönen Klöntalersee. #instameetklöntal. Als ich die Bilder sah, beschloss ich, euch unbedingt davon zu erzählen. Obwohl ich dummerweise die Tür zu spät gesehen hab (also erst durch die Bilder und nicht schon in der Verabredungsphase).

Und nun die Wahrheit. Es gibt noch nicht so viele Instameets in der Schweiz wie ich oben vorgegaugelt habe. Du hast also noch gute Chancen selbst eins zu organisieren. Viele Tipps findest du hier dazu.
Und hier noch ein schönes Beispiel, warum wir uns nicht zu sehr auf ein Format (hier Bild) festlegen sollten. Es geht wie immer darum, zu verbinden. Über Bilder oder Instameets kann man zum Beispiel auch mit Video erzählen, wie das SBB gemacht hat. Nachtrag: hab noch einen Blogpost mit Tipps zu Instameets von Boris entdeckt.

 

Nützliche Funktionalitäten
(nicht nur) für Instameets

 

1 Direktmessage

Seid vorsichtig, wenn ihr z.B. ein Bild teilt an mehrere Leute, entsteht eine Art Gruppen Thread. Dort kann übrigens jeder das „Gruppenthema“ ändern. Im Zeitalter von zu viel Spam wäre ich hier vorsichtig. Wenn du nur jemand einzeln anschreiben möchtest, kannst du das (wie von Instagram gewohnt) nur vom Handy aus.

2 repost

Nachdem ich ewig gewartet hab, bis das Feature auch in der Schweiz verfügbar ist…. (wie dumm) Wenn du ein Bild retweeten (pardon reposten) willst… nimm einfach die App dafür Repost for Instagram. Das sieht dann so aus.

3 User wieder finden

Wenn du professionell Instagram einsetzen willst, schau dir Websta.me an. Hier kannst du mehr im Browser arbeiten und zum Beispiel ein Board anlegen, um Leute wiederzufinden. Hier findest du auch Inspiration von anderen Instameets Nachtrag: Achso, wenn ihr mich finden wollt 😉

4 Bilder bündeln

Auch wenn das einzelne Hashtag nicht ausreicht, nicht vergessen einen auszugeben. Natürlich auch bestehende nutzen! Plattformübergreifend kannst du mit Tagboard danach suchen.

5 Geodaten

Geodaten (GPS) am Handy anschalten, wenn du Bilder hochlädst, die zu einer Region gehören. Dann werden diese unter instagram.com/explore/locations gebündelt.

 

Journalismus meets Instagram

Watson kennt (mal wieder) die Webmechanismen und öffnet solch eine Tür in die Instagram Welt. Philipp Meier stellt zum Beispiel Martina Bisaz vor. Und mit dem Hasthag #watson_gram bekommst du ein bisschen mehr Aufmerksamkeit für deine Bilder, wie Adrian Senn aka Saennebub letzte Woche.

Saennebub bei Watson

Saennebub bei Watson

Gedanke: und da gibt es noch so viele Unternehmen, die auf klassische PR setzen… Ich hatte zufällig vor einer Woche einen Shot vom Watson Account gemacht. Und sie haben in den paar Tagen 300 Abonnenten mehr. (heute 2825 mit nur 16 Bildern in dieser Zeit)

Instagram Account von Watson

Instagram Account von Watson

Lasst mehr Bilder sprechen

Instagram fasziniert mich nicht nur wegen seiner Bilder und Menschen, sondern auch der Vorurteile wegen. „Unsere Kunden sind nicht auf Instagram“ höre ich viel. Ok wenn du Essen auf Rädern für Senioren anbietest, mag das auf den ersten Blick stimmen. Auf den zweiten Blick haben auch Senioren Menschen in ihrem Umfeld mit Instagram oder Facebook Account. Lasst uns doch was Cleveres mit Wert entwickeln statt auf Wunder zu warten. Ich bin auch auf anderen Blödsinn gestossen, wie diese Tipps aus der Glamour. Hier scheint der Gedanke Job und Mensch immer noch einer getrennten Welt anzugehören.

instagram

Instagram im Job

Was wollte ich eigentlich erzählen? Achja, Instagram. Nicht nur eine Plattform, auch nicht nur Bilder mit schillernden Filtern. Sondern hier sind Menschen, normale, bunte und solche die die Sprache der Plattform besonders gut beherrschen. Das sind die mit den vielen Herzen und einer effizienten Handycam. Es lohnt sich, sie kennenzulernen und von ihnen zu lernen oder vielleicht gar mal einzuladen. Glaubt mir, es gehen neue Türen auf. Für diese Gedankensammlung, hab ich viel zu viele Links im Beitrag gemacht. Ich hoffe, ihr entdeckt die Tipps dazwischen und erzählt mir, wie es euch ergangen ist.

Nachtrag 27.1.15: Sylvia hat bei travel.lifestyle viele Tipps und Firmenbeispiele aus Branchen Tourismus, Consumer Electronic und Fashion geteilt. (mehr zur Nutzung der Plattform, weniger zu Instameets)