Blogparade Influencer – ein innerer Dialog

Über Marie Christine hab ich die Blogparade von Stefan Evertz von MonitoringMatcher entdeckt. Interessanterweise hat er einen Nachtrag drin, dass selbstverständlich auch Corporate Blogger aufgerufen sind. Das zeigt schon ein wenig, wo wir heute stehen. Corporte Blogger und „echte“ Blogger werden oft gedanklich immer noch unterschieden. Ich mach das auch, finde es aber schade. Denn auch ein Firmenvertreter kann durchaus zum Influencer werden. Aber diese Chance bleibt in der Praxis oft ungenutzt. Ich habe hier eine Art inneren Dialog aufgeschrieben, weshalb ich meine eigene Rolle als Blogger, Firmenvertreter und normalen Webnutzer munter mixe. Ihr mögt mir das nachsehen.

Marie-Christine sortiert das Thema „So findet man Influencer“ in gewohnt souveräner Art. Sie gibt Influencern unter anderem Eigenschaften wie:

  • konsistent interessante Inhalte
  • Impulse
  • bewegen
  • empathisch

Zu firmeneigenen Blogger passt das nur selten. Sorry, falls ich jemanden auf den Schlips trete. Es gibt natürlich löbliche Ausnahmen, aber ich hätte gern mehr davon in der Schweiz.

Meine Influencer

Punktefrau

Punktefrau

Ich hab mir überlegt, wer eigentlich meine Influencer sind. Es sind viele, hier einige davon:

  • Punktefrau aka Christine Dingler, weil sie vertieft nachdenkt und dies teilt
  • Talkabout, ich bin nicht immer seiner Meinung, aber er hilft mir oft, Komplexes zu ordnen
  • Claudia Meier-Biedermann, meine Kollegin in Olten, mit ihr entstehen kreative Ideen bei Offline-Meetings
  • Silvan Hagen, mein WordPress Partner, der Technologie und Kommunikation auf fantastische Art zusammen bringt

 

Mein Verhältnis zum Thema Influencer für die Unternehmenskommunikation

Als ich begann, mich mit den Mechanismen des Internets näher zu beschäftigen, war ich mir sicher, es wird in der Kommunikation (generell) über kurz oder lang mehr Demokratie geben, weniger manipulierende Inhalte, mehr echten Dialog. Zwischenzeitlich dachte ich sogar, mein jetziger Beruf (nennen wirs mal Online Kommunikationsberatung) würde irgendwann aussterben, weil es selbstverständlich würde, offen, authentisch und ehrlich zu kommunizieren. Keinesfalls dachte ich, dass wir uns Reichweite von Unbeteiligten ausleihen würden.

Warum teilt ein Influencer „fremde“ Inhalte?

Wenn ich in Kursen das Thema behandle, ziehe ich gerne den Ansatz von Rand Fishkin (danke Walter) hinzu.

Kurz gesagt, erklärt Rand, warum Influencer/Blogger Inhalte von anderen teilen. Es ist ebenso einfach wie genial und zeigt, dass es eben nicht um den Absender (zum Beispiel eine Firma) geht. Vielmehr teilt ein Influencer den Inhalt von anderen,

Weil er/sie dich oder jemanden persönlich kennt
Weil der Inhalt ihm/ihr dient/schmückt/bereichert
Weil er/sie damit eine grössere Reichweite erzielt
Weil der Inhalt ihn/sie unterstützt bei einem seiner/ihrer Ziele oder Überzeugungen

Das bringt eine nächste Frage in mir auf.

Wohin verschiebt sich das Machtverhältnis in der Kommunikation?

In einer einfachen Logik könnte man sagen. Es verschiebt sich weg von Sendern (die bisher viel Media Budget investierten) hin zu echten Menschen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es sich tatsächlich zu den sogenannten Influencern verschiebt. So wie wir sie definieren gedanklich. Denn wir glauben, Influencer haben dauerhaft einen Einfluss auf andere. Aber schauen wir mal genauer hin.

Inhalte mit grosser Reichweite manchmal von unklarer Quelle

Gerade die aktuelle Entwicklung im Web zeigt, dass sich das Machtverhältnis vom Einflussnehmen (nicht Einflussnehmern) verschiebt. Es sind so viele (normale) Menschen, die inzwischen publizieren, dass es für ebenso normale Nutzer (also Leute die nicht Proffessionell mit Online Themen arbeiten) schwer geworden ist, die Relevanz von Inhalten zu beurteilen. Die Quelle bleibt oft unklar, der Wahrheitsgehalt evtl. auch, besonders bei mehrmals geteilten Inhalten. Wer weiss schon, von wem das lustige Video stammt.

Wo finde ich die richtigen Influencer, wenn ich sie brauche um meine Meinung zu bilden?

Natürlich haben wir google und Edgerank, die für uns vorsortieren, was wir sehen. Aber auch dessen sind sich viele nicht bewusst. Im Gegenzug gibt es ja Reader, mit denen man gezielt Inhalte abonnieren kann. google als absoluter Trendgeber in Web-Fragen hat aber vor gefühlt langer Zeit das Tool eingestellt. Wir nutzen einfach andere Tools zum Abonnieren gewünschter Inhalte Autoren/Medien.

4 Ohren Bildquelle: http://www.sozialpädagogin.at/ha

4 Ohren Bildquelle: http://www.sozialpädagogin.at/ha

Ich abonniere das, wovon ich denke, es entspricht meinem Wunsch nach bestimmten Inhalten. Es bleibt ein Pokerspiel, denn hier mischen sich die Erfahrungen der Person (des Schreibers) mit meinen Erfahrungen (als Leser) Ich verweise kurz auf die verschiedenen Ohren der Kommunikation. Höre bzw. lese ich gerade mit dem Sachohr oder mit dem Beziehungsohr. Hilft mir das bei einer umfassenden Meinungsbildung weiter. Oder wäre es gut, wenn ich nochmals google befrage, bevor ich meine Meinung bilde? Das tue ich und erhalte Inhalte von Influencern.

Von anderen Influencern halt. Im besten Fall vertraue ich ihnen. Vielleicht bekäme ich aber von einem Unbekannten, der vor Ort des Geschehens ist, mehr Aufschlussreiches. Ich stecke also in einer nächsten Frage:

Auf welchem Weg beeinflussen Influencer?

In Facebook und Twitter erhalte ich Inhalte von allen möglichen Quellen, aber vorallem von Unbekannten. Beim Lesen ist mir oft nicht direkt bewusst, ob es ein sogenannter Influencer ist (oder sein muss). Denn aus irgendeinem Grund, sehe ich ja den Inhalt (in Facebook). Interessant daran ist, es muss nicht ein dauerhafter Influencer sein, sondern auch jemand, der einfach im richtigen Moment den richtigen Inhalt produziert oder geteilt hat.
Es gibt also doch noch Hoffnung für die Wahrheit, und dass diese sich auch auf meinen Bildschirm schwingt. Ich hoffe übrigens deshalb, dass Twitter keine Rangierung einführt. So hat jeder mit gutem Inhalt eine Chance, auch gesehen zu werden. Er oder sie können zum kurzfristigen Influencer werden.

In Facebook sehe ich seit einiger Zeit viel weniger „echte“ eigene Einträge von Leuten, mit denen ich dort befreundet bin, stattdessen aber Videos und Bilder von Leuten, die ich nicht kenne. Das Video des älteren tanzenden Mannes wurde 825 000 mal geteilt. Ich kenne weder den Absender, noch den Tänzer. Es ist witzig, ich investiere 3 Minuten meines Lebens, denke, irgendwas wird am Ende noch passieren, eine Auflösung, eine Werbung vielleicht, schliesslich hab ich jetzt schon 1.75 Minuten geschaut. Doch nix, es ist einfach der berührende Tanz im Amateurvideo. Der Absender ist aber eine Art Influencer, er hat Reichweite, ist empathisch usw.

Kommen die relevanten Inhalte tatsächlich zu mir?

Ich denke, es braucht im Moment noch etwas Wissen übers Internet, wenn ich die für mich wertvollen Inhalte sehen möchte. Für mich persönlich kommen Influencer noch nicht automatisch zu mir, auch wenn ich das eine zeitlang glaubte.

Wollen Influencer eigentlich beeinflussen?

Die meisten Influencer, die ich kenne, vereinen all die Eigenschaften, die Marie-Christine nennt Viele Firmen hätten gern näheren Kontakt zu ihnen. Man sucht sich einen Influencer aus, der zum eigenen Thema passt, lädt ihn/sie ein und oft passiert danach nicht viel. Ein paar Tweets, ein Blogpost, aber keine Leidenschaft, weil es ein Deal bleibt. Im besseren Fall handeln Verantwortliche von Firmen langfristige Möglichkeiten der Zusammenarbeit und zwar nur mit einzelnen Influencern aus.

Nun doch noch ein Vorschlag für Unternehmen

Einige Fragen sollten Firmen für sich beantworten und den Sinn von Influencer Relations prüfen. Von wievielen Dingen Firmen kann ein einzelner wirklich begeistert sein? Bei mir sind es vielleicht 10, wenn ich länger nachdenke, schaffe ich sicher auch mehr. Aber will ich diese Leidenschaft als Blogger immer kundtun?
Vielleicht müssen Firmen die Influencer gar nicht ausserhalb ihrer üblichen Kommunikationskreise suchen. Wie wärs mit Mitarbeitern, bestehenden Kunden und Partnern, denn sie haben das Wichtigste. Sie mögen die Firma/das Produkt tatsächlich und man muss die Reichweite, Sympathie und Aussagekraft von anderen womöglich gar nicht ausleihen.

Ok, das war diesmal ein Beitrag mit vielen offenen Fragen, und Gedanken, keine fertigen Tipps. Aber sicher habt ihr gute Erfahrungen mit Influencern oder Antworten, Ideen, die über ein Event hinausgehen. Ihr seid wie immer, <3lich willkommen.

 

 

Interview: wie search.ch fancy wurde

search.ch ist für mich so etwas wie der erste Kontakt im für mich fremden Land. Als ich 2001 in Wallisellen arbeitete hatte zum Glück Techies in meinem Umfeld. Auf die Frage, wie läuft das hier mit den Versicherungen, Telefonbuch etc. bekam ich eine URL.

Walter Schärer und Dimitri Burkhart

Walter Schärer und Dimitri Burkhard

Seither hat sich einiges getan, oder auch nicht getan. Jetzt ist die mobile Website von search.ch jedenfalls neu im fancy Design. Die App folgt. Ich durfte das Team mit Blogger Relations unterstützen und hab meinen guten Draht gleichmal ausgenutzt für Fragen. Im Interview lassen sich Walter Schärer, Leiter Business Development und Dimitri Burkhard, Senior Projektleiter Marketing, etwas in die Karten kucken. Apropos Karte, das Kartenmaterial wird auch bald überarbeitet, immerhin wird es auf vielen Schweizer Websites für Wegbeschreibungen angezeigt.

Wie kommt es, dass eure Website und App nun doch nach einiger Zeit überarbeitet wird?

 

Nutzerbefragungen ergaben, dass die Dienste von search.ch zwar sehr geschätzt werden, der Look & Feel aber sehr altmodisch sei. offensichtlich waren die Nutzer bisher bereit, grosszügigerweise über die veraltete Präsentation hinwegzusehen. Wir betreiben eine der meistbesuchten Schweizer Webseiten, das spricht für die Qualität der Funktionen. Zusammen mit dem neuen CEO, Urs Hügli, kam so viel Schwung in die Bude, dass das grosse Redesign-Projekt doch noch angepackt wurde.

Anmerkung Su: na wenn die Aussage mal keinen Ärger gibt.

Was hat der Spass gekostet?

Wir sprechen von einem grösseren Webprojekt mit mehreren spezialisierten Lieferanten, die uns in Konzeption und Templates unterstützt haben. Da wir die meiste Umsetzung mit unseren internen Entwicklern machen (übrigens grösstenteils noch die gleichen Leute wie damals bei Reto Hartingers Start), ist das Projekt “relativ” günstig…

Su: Ach komm jetzt, wieviele Nullen sind dran?

Wo steht ihr im Vergleich mit local.ch und Google?

Klar sind wir nicht allein am Markt und es gibt auch noch andere schlagkräftige Anbieter. Hauptsächlich haben wir aber auf unsere eigenen Dienstleistungen fokussiert und diese mit neuen zusätzlichen Funktionen angereichert. Wenn uns die Nutzer bisher mochten, müssten sie jetzt noch mehr Gründe haben, zu uns zu kommen 😉

Su: welche sind das?

Gibt es spannende Hintergründe zu den Gerüchten bezüglich local.ch?

Nein, wir wissen auch nicht mehr als öffentlich bekannt ist: Einen positiven WEKO-Entscheid vorausgesetzt, werden wir mit local.ch zusammengehen. Was das aber im Detail bedeutet, analysieren wir erst nach dem Entscheid der WEKO. Bis dahin sind wir mit Vollgas in Sachen search.ch unterwegs: Wir haben noch ein paar Ideen im Köcher 😉

Was haben die Leute konkret davon, wenn sie die Dienste von search.ch nutzen?

Bei der Personen- und Firmensuche via Telefonbuch sind wir sehr stark, unser Wetter mit Regenradar-Vorhersage (!)  ist das genaueste der Schweiz, unsere Schweizer-Karten sind auch in entlegenen Gebieten sehr detailliert und man kann selber hineinzeichnen und -schreiben. Und bei Anrufen von Call-Centern weisen wir darauf hin, falls man sich diese Anrufe ersparen will.

Aber das wird ja erwartet…

Was vielleicht spezieller ist, zeigt sich in unserem Fahrplan. Wir bieten eine “Turnschuh-Funktion” beim Umsteigen: Wer schnell umsteigen kann, erwischt oft eine frühere Anschlussverbindung und spart dadurch Zeit. Auch unsere Abfahrtstabelle wird sehr geschätzt. Auf das Feedback zur neuen mobilen Homepage sind wir sehr gespannt.

Kommen wir zu Blogger Relations zum Relaunch

Mir gefällt ja eure unbedingte Transparenz gegenüber den Bloggern (Vorsprung geben, Beta Version zeigen und lieber keine sponsored Blogposts).

Blogger Klassentreffen

Blogger Klassentreffen

Daraus entstand die Idee, langjährige Blogger zum „Klassentreffen“ einzuladen, weil diese sich freuen, sich mal wieder zu treffen und der “VIP-Status” auch motiviert zu kommen. Die Idee, über Klassensprecher Monah, Kevin und Tom, einzuladen, hat zumindest offline funktioniert. Mit immerhin 41 Teilnehmern. Eure Einblicke und Hintergründe, die ihr am Event geteilt habt, waren mutig. Mir persönlich ist das lieber als Medientexte oder Einladungen zu Events, die mir nix sagen.

Wie konntet ihr intern und gegenüber eurer PR Agentur argumentieren, den Bloggern einen Zeitvorsprung gegenüber klassischen Medien zu geben?

Im neuen Layout gibt es Funktionen, die speziell für Blogger interessant sind (Link im Telefoneintrag zu ihren Blogs). Das brachte uns auf die Idee, Blogger auch gleich als erste um ihr Feedback zum neuen Design zu bitten.

Die erfahrenen (alt darf ich ja nicht sagen) Schweizer Blogger sind jetzt auch einer geschlossenen g+ Community. Offline zu Online. Was habt ihr damit vor?

Dimitri: Die “Swiss Blogger”-Community dient dem Austausch unter Schweizer Bloggern. Es ist eine Plattform für Networking und das Austauschen von Tipps. Zudem besteht ein Bedürfnis, dass sich die Schweizer “Szene” regelmässig auch offline trifft – ob zu einem heissen Referat über SEO oder zu einem kalten Bier.

Swiss Blogger Logo

Swiss Blogger Logo

Was könnte die Blogger Community mit dem Label “Swiss Blogger” (ich finde das ja sehr chic) alles anstellen? Was ist die Idee dahinter oder auch Stolpersteine?

 

Unter Bloggern häuft sich das Bedürfnis nach einer übersichtlichen Organisation, die beispielsweise administrative Aufgaben erbringen PR-Anfragen kanalisieren könnte. Auch Rankings sind ein Bedürfnis ebenso wie Blogger-Verzeichnisse. Davon gibt es zwar schon einige, der richtige Ansatz scheint aber noch nicht gefunden zu sein. Allenfalls können wir hier als search.ch unterstützen. Su: Das Logo hat übrigens David gestaltet und inzwischen auch noch optimiert. Es kann offline und auch online verwendet werden. Zum Beispiel im Blog einbinden und Link zu search Eintrag etc. Dies darf noch weiter-gedacht werden. Vorschläge sind herzlich willkommen.

Telefonbuch Eintrag für Blogger

Telefonbuch Eintrag für Blogger

Die Blogger haben einen Telefonbucheintrag mit Links zu ihren Blogs bekommen. Was habt ihr mit den Telefonbucheinträgen noch vor in Zukunft?

Für Blogger zählt jeder zusätzliche Backlink. Da kommt der Eintrag gerade recht. Künftig wollen wir den Privateintrag weiter ausbauen bis hin zu einer “Mini-Homepage” für jedermann. Dort kann jedermann z.B. sein Facebook-Profil oder ähnlich verlinken, die Telefonnummer ist dann gar nicht mehr so zentral: Leute können sich finden lassen, obwohl sie vielleicht ihre Handy-Nummer nicht publiziert haben da zu privat.

Su: wenn jemand von euch Bloglesern so nen Eintrag möchte, sagt bitte Bescheid, im Moment sind die noch Blogger-Goodie

Was macht ihr sonst noch an Kommunikationsaktivitäten zum Relaunch

Dimitri: Wir machen in Etappen Medienarbeit, eine flächendeckende Awareness-Kampagne, sowie weitere Aktivierungen der Blogger-Community. Auch kuratieren wir in unseren Social Media Plattformen Blogposts, Tweets von anderen. Du wirst sicherlich in den nächsten Monaten so einiges hören und sehen…

Su: Dankeschön. Ich gratuliere euch zum neuen Auftritt. Ich freu mich mit euch, hab nämlich jetzt eine fancy App mit Säckel-Feature, dass ihr so nett Turnschuh-Funktion nennt. Das schnelle Umsteigen geht auch mit High heels.

 

Nur harmlose Fussball wm in Twitter oder Werbung?

Wie lange ich diese Diskussion schon führe, weiss ich nicht. Vielleich begann das, als ich vom Marketing demonstrativ zum PR wechselte. Ich fand, lieber wahrhaft kommunizieren als Versprechen schönreden. Verzeiht mir liebe Marketer, natürlich weiss ich dass auch ihr mit der Wahrheit arbeitet.

Nun, die Diskussion ist einigermassen sinnlos, weil es aus Firmensicht und wohl auch aus persönlicher Sicht besonders im Web, immer um eine gewisse Positionierung geht, auch wenn Dialog das Mittel der Wahl ist. Ok, das seh ich ein. Ich hab auch eingesehen, als Facebook vor ein paar Jahren ein Medien-Modell komplett über den Haufen geworfen hat. Das fand und finde ich immer noch revolutionär und sehr clever. Als sponsored Posts eingeführt wurden vermischte sich earned und paid und irgendwie auch owned Media.

Online Medien Struktur

Online Medien Struktur

Die gute alte Publireportage war fortan nicht mehr wirklich zu erkennen, ich meine, übertragen auf Social Media Plattformen, konnte ich sie nicht mehr einfach überblättern. Bezahlte Beiträge fanden gleichen Stellenwert wie „echte“ Beiträge. Sie waren sogar dominanter, denn sie tauchen immer wieder auf in meinem Stream, was ein „echter“ privater Beitrag nur selten tut. Egal, diese Mechanismen sind hochkomplex und möchte ich nicht wirklich diskutieren. Denn sie sind gegeben und in unseren Jobs lernen wir einfach, sie zu nutzen.

 

Erfasst Twitter mein Profil mit wm-Werbung?

Heute Morgen jedoch ist mir etwas aufgefallen, dass ich doch fragwürdiger finde, als alle bisher gesehenen Werbeeinblendungen im Web. Banner, die sich nervig über eine Seite legen (ja die gibts noch und heissen jetzt Call to action) oder auch sponsored Tweets, alles harmlos. Ich gestehe ich hatte einen kleinen Schreck, als ich mein Twitterprofil aufrief. Das Headerbild sah etwa so aus.


Ich bin alles andere als ein Fussball Fan und werde wohl wieder bis zum Halbfinal brauchen, bis ich beginne, doch mal hinzusehen oder zuhören. Aber bis dahin bleib ich ein Fussball Ignorant, entsprechend wundere ich mich über die Einladung von Twitter, mein Profil wm-tauglich zu gestalten.

Nach kurzem Ausrufen, hab ich von Fabian Künzli erfahren, es ist eine Aktion von Twitter. Das sogenannte Worldcup Feature. Hashtags werden zu Flaggen und das Profil zeigt eure Fan-Einstellung.

Das hatte ich via google nicht herausgefunden. Es ist also ein Feature, keine Werbung. Aha?! Bevor ihr also auch erschreckt und über einen Hack nachdenkt (so wie ich naiv gleich das Passwort gewechselt hab). Schauts euch an und bildet euch die eigene Meinung. Fabian schrieb noch „ausserdem werden neue Accounts vorgeschlagen: Fussballer, Länderverbände, uefa, fifa, Sepp Blatter“. Für die die Fussball mögen wohl tatsächlich ein Mehrwert.

Mir geht es zu weit, aber ich sehe mal wieder ein: Ich würde lieber bezahlen für die Plattform und wenn schon Werbung, dann gezielte, charmante, passende und vorallem Werbung, die mich nicht erschreckt. Offenbar gings nicht nur mir so, das seht ihr im Kommentarstream.

 

App Tipps für den Alltag

Ach du schande. Hätte ich gewusst, dass ich soviele Tipps auf meine Frage bekomme, hätte ich strukturierter gefragt. Dann hätte ich täglich einen Post machen können mit App Tipps für die Reise, fürs Büro, für Bilder für den privaten Alltag.

Die Frage: Wenn du nur eine App empfehlen könntest (die nicht eh jeder kennt und dir den Alltag erleichtert) welche würdest du?

Aber nein, ich hab mal wieder das Wissen und die Teilfreudigkeit von euch unterschätzt. Eigentlich hatte ich für einen Kurs gefragt, aber nun wäre es eine Schande, eure Tipps hier nicht zu teilen. Unglaublich. Ich bin bereits seit 1.5 Stunden dran, die Tipps aufzulisten und einfach nutzbar zu machen.

Screenshot mapswith.me

offline Karten auf dem Handy

Das sind alles Vorschläge, die spontan via Twitter und Facebook kamen. Riesengrosses Dankeschön euch allen. Hab den Tipp-Geber immer dabei stehen. (Links sind im Storify unten) Ich hab nicht nach Web- oder mobile App unterschieden, aber lieber nach Kategorien. Also falls ich nur den Link zu Android-App oder zur Website angehängt habe, fischt euch gerne das entsprechend richtige raus. Martin Rechsteiner stellt auf seiner Seite regelmässig Apps vor und ich werde ihm hier sicher nicht zur Konkurrenz werden. Meine Neuentdeckung heute sind übrigens mapswith.me (in letzter Zeit nervte maps.google ein bisschen besonders auf dem Land) Contactually (CRM) und audible (Hörbücher). Hier ist also Teil 1 von euren App Tipps:

 

 

Reisen

Karten offline
Schnelle und detaillierte Offline Karten weltweit für iOS, Android und BlackBerry. Kostet ca 5 CHF um die App sinnvoll zu nutzen. Achtung, keine Navi-Funktion.
Sven Niedner
http://mapswith.me/download?get

Übersetzung und Wörterbuch
Der Übersetzungsdienst dict.cc zum schnell mal ein Wort nachschlagen
Nadine Hudson
dict.cc android app

Hörbücher
Für lange Zugfahrten und Auto.
Mylene Nicole Alt
audible

Drunk App
Alkoholkonsum prüfen und kalkulieren eines möglichen Tests im Blug
Jonas Kamper
drunk-app.com

Schweizer Wetter
genauestes Wetter, weil alle Daten ausgewertet werden. Plus: beim Regen wird genau gesagt wo und wann, statt 20% die mir nicht viel aussagen. PS: neues Design kommt in ein paar Tagen.
Tom Brühwiler
search.ch

Kommunikation

Chat
Chat mit Kontakten über verschiedene Plattformen hinweg
Peter Addor
wechat

private SMS
sehr persönlich, nur mit einer Person (auch Bild und Video)
Mario Ritschard
Avocado (iphone)

Schneller tippen
Man schweift nur noch über die Tastatur, anhand des Musters werden die Wörter erkannt und zum lernenden System dazugespeichert. Brutal überzeugend!
Walter Schärer
swiftkey

 

Fotografie

Knipsen und bearbeiten
Fotografieren mit Android und iphone Mit an Touch angepasstem Userinterface und für Whiteboard-Shots geegnet ebenso für Portraits und Landschaftsaufnahmen. Schneller als später Bilder bearbeiten
Marco Tedaldi
Patrick Seemann
übrigens auch mein Favorit seit ein paar Wochen
Snapseed

Web Nutzung

Extra Browser
mobiler Browser, einfacher geht Evernote-Export von unterwegs nicht. Persönliches browsen mit individuellen Einstellungen. Bedienbar mit Stimme und eigenen Gesten, Teilfunktionen.
Patrick Seemann
Dolphin

Wiederfinden

Bookmarking
sehr praktische Bookmark- und Leseapp
Thomas Elmiger
Fabian Müller
getpocket

„besseres Evernote“ (hier von Microsoft) sagt
Caspar Lösche
onenote

Office, Marketing und Team

Zeiterfassung
Timetracking, gratis Tool für Zeiterfassung
Fabian Müller
primarERP

Zeiterfassung Auswertung und Budgetkontrolle, auch mobile, Kundenzugang, Schnittstelle für Rechnungsstellungstool, gibt auch xls aus für Rechnung, kostet 5 Euro im Monat
Su Franke
mite

To do’s
Online To do Liste, Planen und umsetzen. Für die Reise ebenso wie im Büro, oder Einkaufsliste mit dem Schatz teilen.
Erika Kessler
Andreas Amstutz
Wunderliste

Einkaufsliste
Katja Jent
Alexander Sautter
bring

Termine
fürs Büro und Familie verwalten und teilen
Ellen Tedaldi
e-CAL

CRM
zu deutsch Beziehungen organisieren und auswerten. Aktionen, Erinnerungsfunktion, Infos über wichtigste Kontakte
Andreas von Gunten
contactually

Finanzen

Budge
täglich Budget überwachen und auswerten.
Christsna Zuger
toshl

Schweizer App zum intelligent Geld verwalten
auch mit Teams
iou
Tinet Gaudenz

Spielereien

Und für die Ferien und mir selbst nicht ganz unsympathisch, weil ich am Rhein wohne. Probier

bachapp
Für alle die gerne in Basel im Rhein schwimmen (dr. Bach ab) Mit Temperaturen (glaubt mir, das braucht man bei diesem Fluss) Karte mit Restaurants rundrum und Galerie
Martin Pütter
bachapp.ch

Spiel
kniffliges Puzzle-Spiel mit Hindernissen (iphone)
Martin Rechsteiner
Pleez Der Programmierer, Hansjörg Wuethrich hat ein paar Codes gegeben. Wer zu erst kommt…. spielt zu erst.

und hier ist noch das Storify mit den Tweets (Facebook Kommentare folgen in Teil 2)

 

 

 

Mediensprecher und Twitter

Vor kurzem hatte ich einen Workshop mit einer Mediensprecherin. In der Schweiz heisst die Berufsgruppe nicht Pressesprecher (und sie schreiben auch keine Pressemitteilungen, sondern Medienmitteilungen). Schon in der Vorstellungsrunde sagte sie ehrlich „es hat geheissen, ich soll“ und „ich hab eigentlich keine Zeit, noch ein Tool mehr zu bedienen“. Ich hatte also nicht gerade idealen Nährboden, aber einige Argumente dabei, die dann schneller als gedacht fruchteten.

Warum ist Twitter für Mediensprecher ein gutes Tool?

  • weil die Journalisten längst da sind
  • die Marketer auch (sie haben die PR Branche überholt)
  • zur Beziehungspflege mit Medienschaffenden
  • als Themenradar
  • zum Journalisten unterstützen bei Recherchefragen
  • ansprechbar sein, auf dem schnellsten öffentlichem Medium
  • Gelegenheiten „generieren“ und nutzen
  • Medienkompetenz zeigen
  • neben dem Markenaccount auch persönlich
  • zum Zuhören, Antworten, Kuratieren
  • Krisen-Vorbereitung
  • Kommunikationskompetenz statt (nur) Werbetweets auf dem Marken-Account
  • wenns sein muss, auch als Hub für Medienmitteilungen

PR ist längst nicht mehr Press Relations sondern Public Relations

Medienmitteilung via Twitter

Medienmitteilung via Twitter

Medienmitteilungen sind nur ein kleiner Teil der Kommunikationsarbeit. Ich befürchte zwar, dass Journalisten immer noch mit unsinnigen Meldungen per Mail drangsaliert werden, gehe jetzt aber mal von  Inhalten aus, die wertvoll für Medien sind. Ich hab in Twitter nach Beispielen gesucht und bemerkt, dass nur eine/r von ca. 20 Twitterern auch ein Bild zum Tweet mit Medienmitteilung gehängt hat. Ok, dass ist ein „billiger“ Aufmerksamkeitstrick. Aber Twitter gibt es nunmal her, dass Tweets mit Bild auffälliger in der Timeline sind, wenn die Nutzer diese Vorschaufunktion nicht abgestellt haben. Die löbliche Ausnahme ist übrigens UPC Cablecom mit ihrem Ostereier-Tweet (sogar die Konkurrenz wird direkt angesprochen)

Sehr professionell versendete auch Moritz Adler seine Medienmitteilung zum Thema XING Gebühren in der Schweiz. Er gab sie im google doc ab. So ist der Inhalt bearbeitbar, die Infografik (mit CC Lizenz) braucht keinen extra Download. Auch ans Avatar-Bild (für Unterstützer) und den Hashtag #xingfail hat er gedacht. Interessierte, Journalisten und Blogger können sich gleichermassen an einem Ort bedienen. Auch hätte jeder hier direkt Kommentare oder Rückfragen platzieren können. Sicherheitshalber sag ich es kurz „privat und Geschäft lässt sich nicht wirklich trennen, es geht immer um persönliches Agieren und anderen etwas zu bieten“. Das wird auch für Journalisten immer wichtiger, sie sorgen oft selbst für Leser und Reichweite ihrer Artikel. Für euch nichts Neues, aber glaubt mir, darüber rede ich in der Praxis.

Normalerweise finde ich oft noch Medienmitteilungen als pdf auf Websiten mit einem Link zum Downloaden von weiterem Material (Marketingbilder mit wenig Gebrauchswert für journalistische Berichte). Manchmal sehe ich nicht vorher, was ich eigentlich runterlade soll. Ich vermute das liegt am „alten“ Senden-Mechanismus. Man sendet ja eh die Information plus Bild via E-Mail direkt in den Papierkorb (pardon, ich meine natürlich die Mailbox) des Journalisten.

Zurück zu meinem Workshop. Für ein paar fruchtbare Argumente war wiedereinmal Twitter das Tool der Wahl. In sehr kurzer Zeit bekam ich viele Meinungen von Profis. Dankeschön dafür.

Brauchen Mediensprecher einen Twitteraccount?

Ehrlichgesagt, dachte ich, die Mehrheit würde sagen „selbstverständlich, es ist ein Kommunikationsjob“ aber so war es nicht. Die Essenz der Meinungen war etwa so:

  • die Zeit der Medienmitteilung ist vorbei, ebenso der Journalist als Informationsmonopolist
  • passiv als Pulsnehmer, was interessiert Kunden, die Öffentlichkeit
  • aktiv als Mehrweg Kommunikationskanal, Transparenz, halböffentlich
  • Kommunikationsverbote austricksen 😉
  • verfolgen, worüber Journalisten schreiben, welches sind ihre aktuellen Themen
  • kein Verbreitungskanal, aber Resonanzraum, überraschend, welche Themen bewegen
  • wenn er/sie dadurch besser erreichbar ist, ja
  • geschäftlich über Firmen Account, privat ja, aber deklariert
  • wer beruflich twittert, sollte den Kanal auch privat spüren. Ganz privat ist man aber nicht

Kurzum können wir das wohl trotzdem als klares JA werten.

Hier sind die Antworten.

PS: Während der Umfrage ist ein Interview via Twitter entstanden übrigens zwischen Barbara Josef, der Kommunikationschefin von Microsoft, und dem Journalisten Manuel Wälti. Grossartig.

Ach gönnt mir noch ein PPS: meinen ersten Blogpost zum Thema hab ich ziemlich genau vor ca. 5 Jahren geschrieben. Oje.

 

 

Social Media Konferenz – paar Vorträge am Nachmittag

so zweite Runde. Die Vorträge von morgens findet ihr hier. Nun kommt ein Teil der Nachmittagssessions.

Ein Blick hinter das ewig fröhliche SocialMedia Gesicht

Den Vortrag von Marcel Meier, Inhaber sutter//meier coaching, empfinde ich als eines (für mich das zweite) der Highligts an der Konferenz heute. Er ist Coach und sprach über den Stressfaktor Social Media und wie Menschen wieder mehr mit sich selbst verbunden sein können. Ich werde heute bereits das dritte mal Yoga-Philosophie konfrontiert.

Ist es nun so weit, dass wir Business mit dem Menschsein verbinden oder auch nach erdigen Inhalten suchen, weil es zugegebenermassen ein hoher Stressfaktor ist, allzeit on zu sein? Der Vortrag hat mich inspiriert, auf meinem Philosphie-Blog zu teilen. (kommt in Kürze)
Hier ist sein Vortrag „Ein Blick hinter das ewig fröhliche SocialMedia Gesicht.“ und die gesunde, entspannte Einstellung dazu. Ich habe übrigens jede Woche einen medienfreien Tag, an dem ich mir nur Bücher in Papierformat erlaube (der Kindle hat nen Internetzugang 😉

Döner in der Dose

Döner in der Dose

Co-Creation: The Good, the Bad and the Ugly!

Markus Maurer, Projektleiter Social Media, Customer und Web Intelligence, Migros-Genossenschafts-Bund. Markus hat tolle Beispiele aus der Praxis gezeigt und natürlich über Migipedia gesprochen. Das neueste Produkt, das aus Impulsen der Migi-Fans dort entstand ist. Döner in der Büchse. Leider gibts die Präsi nicht öffentlich. Thomas Besmer hat ein schönes Zitat aufgeschnappt „Produkte, die durch Co-Creation entwickelt wurden, haben tiefere Flop-Raten als andere.“

Markus hat übrigens die Twitter-Diskussionen, Fragen, Aussagen rund um die Konfernz zusammen gestellt.

Raiffeisen: Über Geld spricht man nicht. Oder doch?

 

Nadine Stutz beim Referat

Nadine Stutz beim Referat

Dr. Nadine Stutz, Social Media Managerin, Raiffeisen Schweiz sprach sehr offen in ihrem Vortrag über die Bank-Kultur und wie sie sich darin bewegt. Der Blog, namens Panorama, ist der Hub ihrer Social Media Kommunikation. Aber sie nutzt verschiedene Plattformen. Anfangs (vor 20 Monaten) stellte sie fest, über keines der Sponsoring Events wurde irgendwo berichtet. Sie ging jedes Wochenende auf eines der Events und berichtete live darüber. Jedesmal hat Nadine die Reichweite verdoppelt. Verschiedene Banken (an unterschiedlichen Standorten) haben eigene Facebookseiten eröffnet.

Sie handelt es so: „Wenn du ein oder zwei Leute stellst, die die Seite betreuen, schalten wir sie frei.“ Dadurch konsolidiert sich über die Zeit gesehen „der Wildwuchs“ (Das Wort hat sie so nicht benutzt). Sie sagt übrigens auch „natürlich reden wir über Geld“ über all die negativen Dinge, wie Hacking von Finance-Accounts, über Finanz-Lösungen für Konkubinat. „Mir doch egal, warum jemand auf meine Website kommt. Wenn er/sie kommt,  weil es ihn/sie in diesem Moment interessiert, was es zur WM Neues gibt, und ich biete es, dann ist das Kundenbindung:“ Es geht für sie immer um den Context (nicht nur rein um Content) zum Business. 1.8 Mio Mitglieder sind noch lange keine Community. „Die Währung in Social Media ist Added Value.
Mehr Aussagen und Einblicke von Nadine hab ich im separaten Interview von ihr erfahren.

So, seid nicht böse, aber die anderen Vorträge hab ich leider nicht mehr aufnehmen können.

Social Media Konferenz 2014 – die Vorträge vom Vormittag

Es gibt wieder einige Live-Blogger. Ihr wisst, ich hab das seit zwei Jahren aufgegeben, ich verpasste einfach zu viel „Dazwischen“, Gespräche, Pointen etc. Aber Bernadette Bisculm sehe ich fleissig am Döggeln. (Dort folgen sicher wieder gut ausgearbeitete Beiträge. Nachtrag: Bernadette über Zukunfts-Szenarien von Gerd Leonhard) Und bei Walter Schärer gibt schon Futter zum Nachlesen. Danke euch. Aber hier erstmal, was ich bis jetzt zusammen suchen konnte und selbst inhaltlich mitnehme.

Vorträge an der Social Media Konferenz 2014

Social Media Zukunfts-Szenarien: Big Data, Smart Agents und Artificial Intelligence, und Marketing als… Content“

Diesen Vortrag hat Walter verbloggt. Referent: Gerd Leonhard, Futurist, Autor, Blogger, CEO The Futures Agency.

Wie Social Media für das KMU machbar wird

Dani Niklaus, CEO, Netlive
Daniel hat wieder in seiner typischen Storytelling Art präsentiert. Erfrischend, anschaulich, mit vielen Beispielen und Tool-Tipps, z.B. TripAdvicer im Einsatz Bis jetzt eins meiner Highlights und dass nicht nur, weil er von der Surfschule (!) berichtet hat. Abschliessend gab Daniel die Tipps:
1. kucken Sie was andere machen
2. was können Sie kopieren
3. denken Sie unerwartet für die Lösung sagt

Das Handout besorge ich euch noch. Nachtrag: 13.44: Handout von Daniel Niklaus

 

Social Media auf Führungsebene

Salomé Wagner, Founder, Sparkling Stream AG und Christophe Truchet, Gründer/Inhaber Webrelaunch GmbH. Den Beiden mit ihrer Studie hab ich einen eigenen Beitrag gewidmet: Hab sie befragt und wertvolle Erkenntnisse über die sechs Typen von Führungskräften bewonnen. Es geht um die innere Einstellung gegenüber Social Media. Das empehl ich euch, mal näher anzusehen.

Die sechs Typen Führungskräfte mit ihrer inneren Einstellung zu Social Media

Die sechs Typen Führungskräfte mit ihrer inneren Einstellung zu Social Media

Hier ist das Handout von Salomé und Christophe

 

Social Media Governance bei Credit Suisse

Barbara Müry, Leiterin Social Media Competence Center, Credit Suisse

interne Social Media Prozesse Credit Suisse

interne Social Media Prozesse Credit Suisse

Das sind die internen Abläufe fürs Social Media Competence Center, die sie definiert haben. Das Handout konnte ich nirgends öffentlich finden und habs verbummelt, sie in der Pause danach zu fragen.

Community Building eines Startup: in 7 Monaten zu 4000 Facebook Aktivitäten täglich

Vortrag von Gian-Franco Salvato, CEO, Attrackting

Das, ihr Lieben, ist richtig cool. Gian-Franco stellt die Kommunikationsaktivitäten für sein Startup vor. Dieses bringt demnächst ein Halsband für Katzen heraus, mit dem ihr die Streunerausflüge eurer Vierbeiner beobachten könnt. Ist das mal cool. Hier ist sein Vortrag, darin dreht sich natürlich Vieles um Cat Content. Habs nicht anders von ihm erwartet, sein Handout war bereits vorher in Slideshare. Danke

ein paar Vorträge vom Nachmittag

Social Media Konferenz – Studie: Führungskräfte und ihre Einstellungen zu Social Media

Ich beschäftige mich gerne mit dem menschlichen Geist, dem Intellekt, Bewusstsein und auch Unbewusstsein. Keine Sorge ich hab mich nicht im Blog geirrt 😉 Doch Christoph Truchet und Salomé Wagner haben untersucht, wie unbewusste Emotionalität (innere Einstellung) von Führungskräften den Umgang mit Social Media bestimmt. Da musste unbedingt auf die Spur und hab den beiden ein paar Fragen gestellt, bevor sie ihre Ergebnisse heute (10.00) an der Social Media Konferenz 2014 in Zürich präentieren.

Christoph und Salomé, innere Einstellung bei Führungskräften? Was habt ihr genau in eurer Studie untersucht und herausgefunden?

Wir haben ausschliesslich (500) Führungskräfte in der Schweiz befragt. Warum? Weil wir bei ihnen ein „Unwohlsein“ wahrnahmen und eine eher ablehnende Haltung gegenüber Social Media.
Wir hatten den Eindruck, dass dieses Unwohlsein tiefer geht und emotional geprägt ist. Führungskräfte können sich dies nur schwer eingestehen oder sind sich dessen gar nicht bewusst. Durch die in der Studie verwendeten Forschungs-Methoden konnten wir diese Emotionen und Haltungen messen und vergleichen. Tatsächlich haben die Resultate gezeigt, dass es Unterschiede zwischen der bewussten Einstellung und den unbewussten Emotionen gibt. Wir nennen dies den Social Media Emotional Gap. Dieser bestimmt, wie die Person mit Social Media umgeht und auch im entsprechenden Unternehmen umgegangen wird.

Die Barrieren, die den Weg in Social Media erschweren, beinhalten also neben harten vor allem weiche Faktoren. Was bedeutete das für Beratungsunternehmen? Müssen sie nun auf der emotionalen Ebene überzeugen?

Wir haben aus den Studienresultaten sogenannte Social Media Nutzertypen entwickelt. Diese Nutzertypen beschränken sich wiederum auf Führungskräfte. Jeder dieser Nutzertypen hat seine eigenen Einstellungen, Barrieren und Emotionen. Aus unserer Sicht ist es deshalb wichtig, dass Berater in einer ersten Phase vor allem zu verstehen versuchen, was für einem Nutzertypen sie gegenüber sitzen. So gesehen, ja, Berater sollten auch die emotionale Ebene verstehen und klären.

Studien erklären regelmässig, dass Facebook an Bedeutung verliert. Manch einer interpretiert, dass er nun nicht mehr in Social Media investieren muss. Da scheint es mir um harte Facts zu gehen, statt Emotionalität?

Social Media bedeutet ja viel mehr als Facebook. Social Media bedeutet ein Paradigmenwechsel auf ganz vielen verschiedenen Ebenen. Die angesprochene Einstellung passt sehr gut zu gewissen Nutzertypen, die generell eine negative Emotionalität gegenüber Social Media haben. Natürlich wissen wir, dass auch bei Social Media harte Fakten gefragt sind. Aber wirft man alle Telefone weg, nur weil eine Studie sagt, dass immer mehr Leute lieber chatten als telefonieren? Dazu kommt, und daran sind unter anderem die Berater schuld, dass viele Führungspersonen Social Media als reines Kommunikationsinstrument sehen, welches die restlichen Instrumente ergänzt. Eine Kundenzeitschrift kann man einstellen, Social Media nicht. Egal ob das nun Facebook ist oder was anderes.

Das Social Media Prozess Modell, welches aus den Erkenntnissen der Studie entwickelt wurde.
Was habt ihr da genau entwickelt?

Wir haben ein Prozessmodell entwickelt, welches die Führungskraft dabei unterstützen soll, seinen eigenen emotionalen Hürden bezüglich Social Media zu begegnen und diese zu überwinden. Es geht also darum, herauszufinden, was für ein Nutzertyp die Person ist, was ihre grössten Herausforderungen sind und wie sie schrittweise an diese Themen heran gehen kann. Unser Social Media Prozessmodell besteht aus diversen Elementen wie Nutzertypen, emotionale Hürden, Lösungsansätze etc.

Welches sind die sechs (6) Typen unter den Führungskräften?

  • Laie (diesen holt man in der Beratung über das Thema Sicherheit ab)
  • Bürokrat (diesen holt man über Chancen ab)
  • Amateur (diesen zeigt man bestenfalls den Nutzen auf)
  • Pragmatiker (diesem argumentiert man mit Ressourcen)
  • Kommunikator (ihm/ihr helfen vermutlich Potenziale)
  • Experte (er/sie ist mit Integration zu motivieren)

Führungspersonen und ihre innere Einstellung zu Social Media, die 6 Typen

Die sechs Typen Führungskräfte mit ihrer inneren Einstellung zu Social Media

Die sechs Typen Führungskräfte mit ihrer inneren Einstellung zu Social Media

Die Grafik zeigt die sechs verschiedenen Typen unter den Führungspersonen. Dem gegenüber steht jeweils das entsprechende Hauptargument, mit dem sie für Social Media motiviert bzw. abgeholt werden können.

Wie können Führungskräfte die benötigte Sicherheit in Social Media gewinnen?

Je nach Nutzertyp entsprechend sollte sich die Person fragen, wo sie emotionale Barrieren im Umgang mit neuen Medien hat. Und zwar nicht nur bezüglich Facebook, sondern bezüglich der generellen Digitalisierung der Gesellschaft. Es kann gut sein, dass der Nutzertyp „Laie“ zuerst mal einen Einstiegskurs zu einer Plattform oder zum Thema Social Media besucht, um der Materie näher zu kommen. Der Pragmatiker zum Beispiel braucht keine Kurse. Bei ihm ist es wichtiger, dass er sein vorhandenes Verständnis ins gesamte Unternehmen mit einbringt und sich am gesamten internen digitalen Entwicklungsprozess beteiligt, anstatt sich in seinem Bereich abzuschotten.

Warum basiert euer Modell auf der Überzeugung der Führungskräfte?
Lässt es sich auch später für Mitarbeiter einsetzen?

Wir haben uns mit denjenigen Personen auseinandergesetzt, die schlussendlich die Entscheidungen fällen und mittragen müssen. Das Umfeld einer Führungskraft ist meistens komplexer als das Umfeld eines Mitarbeiters. Diese Komplexität wird durch die Digitalisierung und deren Geschwindigkeit vervielfacht. Aus unserer Sicht braucht es sowohl bei den Führungskräften wie auch bei den Beratern ein neues Bewusstsein bezüglich dieser Vorgänge und der entsprechenden Emotionen auf der Führungsebene. Wie kann man als Manager ein Thema in strategische Überlegungen miteinbeziehen ohne sich in diesem Thema wirklich sicher zu fühlen?
Wir entwickeln unsere Modelle dahin weiter, dass mit Hilfe der Nutzertypen z.B. auch die geeigneten Mitarbeiter für die interne Betreuung von Social Media ermittelt werden können. Und natürlich gibt es, vor allem in der Generation der Digital Immigrants, noch viele Mitarbeiter mit eher negativen Emotionen gegenüber Social Media.

Ich habe die Christophe und Salomé auch im Hangout zu ihrer Stude befragt. Kuckt mal rein.

 

Social Media Konferenz – Raiffeisen spricht über Geld, bzw. Nadine Stutz tut es

An der heutigen Social Media Konferenz in Zürich hält Nadine Stutz, Social Media Managerin bei Raiffiesen einen Vortrag. Ich hab ihr einige Fragen gestellt. Dabei hab ich von ihren sieben Mantren erfahren und ihre praktischen Ansätze, die sie mit dem Publikum teilen wird. Note: Ein Mantra kommt aus dem Yoga (Sanskrit) und ist ein Instrument für die Geist-Kontrolle. „Man“ kommt von Mano – der Geist/Intellekt und tra bedeutet soviel wie „durch“. Ein Mantra hat immer noch einen Zusatz, der anzeigt, wodurch der Geist gelenkt oder befreit wird. In ihrem Fall wäre das ‚Social Media‘ – Mantra. Sinngemäss geht es darum ein Mantra sooft (z.B. 108 mal) zu wiederholen, bis es den Geist vollständig darauf konzentriert. Ich dachte, ich ergänze das kurz.

Die beruflichen Mantren von Nadine Stutz sind also:

  • Love people – Love Coffee
  • Walk the talk
  • Being a Bad Cop is a Good Thing
  • Make Use of What You Have
  • Content is King – Context is Queen
  • No Man is an Island
  • Added Value – Added Value – Added Value

Das fängt ja gut an, da musste ich natürlich noch ein bisschen mehr nachfragen.

Nadine, warum ist Raiffeisen so früh dran mit Social Media Themen, gegenüber anderen in der Branche?

Sind wir früh dran? Ich denke eher, wir sind gerade noch auf den Zug aufgesprungen… Ich gehe davon aus, dass noch zwei Jahre verbleiben, bis dann gewisse Finanzinstitute das Augenmerk wieder oder verstärkt auf Social Media legen.

Fehler eingestehen, ehrlich sein, den User ernst nehmen und Fragen beantworten, ist eure Devise. Warum?
 Oder andersrum gefragt, warum tun sich viele Unternehmen immer noch schwer damit, Fehler einzugestehen?

 

Nadine Stutz, Social Media Managerin bei Raiffeisen

Nadine Stutz, Social Media Managerin bei Raiffeisen

Weil Social Media keine klassische Werbung macht, die dem Kunden etwas verkaufen oder aufhalsen will; sondern Kommunikation und Kundendienst. Wenn man einen Kunden am Telefon hat, dann versucht man auch das Problem zu beheben. Das Problem bei Unternehmen liegt nach wie vor in der Vorstellung, dass man die Kontrolle über die Marke und die Kommunikation besitzt. Zusätzlich herrscht teilweise die Meinung vor, dass wenn man den Personen keine Austausch-Plattform bietet, sie sich dann auch nicht austauschen. Natürlich stimmt das nicht. Es ist besser informiert zu sein und handeln zu können, auch wenn es manchmal unangenehm ist, als die Augen zu verschliessen und dann mit grösseren Probleme zu erwachen. Ausserdem sind Äusserungen einfach Meinungen, negative und positive – und Menschen sollten ein Recht auf eine Meinung haben. Unternehmen werden von Menschen geführt und Menschen machen Fehler – dazu kann man stehen.

Wie habt ihr euch und warum für welche Plattformen für Raiffeisen entschieden?

Noch vor der Schaffung der Stelle „Social Media Manager“ gab es einen Pilotversuch mit Twitter und Facebook. Soweit ich das sehe, ging man damals nach Schema F vor: die beiden Plattformen sind am bekanntesten, also benutzen wir sie. Mittlerweile hat jede Plattform eine bestimmte inhaltliche Ausrichtung sowie eine bestimmte Zielgruppe. Wir wollen die (potentiellen) Kunden und Stakeholder dort abholen, wo sie sich aufhalten.
Anmerkung: Raiffeisen hat einen Corporate Blog namens Panorama Magazin etabliert, mit täglichen Beiträgen, nutzt Twitter, Facebook (!) Youtube und XING. Dort führt das Finanzinstitut einen wirklichen Dialog und wird dadurch zum Vorzeige Projekt in der Branche. Hier teilt das Raiffeisen ihre Social Media Richtlinien

Wo waren die Stolpersteine intern?

Organisation/Prozesse – (vermeintliches) Wissen – Inhalte. Probleme gab es insbesondere im Bereich der Organisation. Meine Stelle ist der Gruppen/Unternehmens-Kommunikation angegliedert – das stiess nicht bei allen auf Verständnis. Hinzukommt, dass das Wissen über Social Media stellenweise gering ist und Social Media mehr als Entertainment Channel und Nebensache behandelt wurde. Die Einstellung, dass man über Geld nicht spricht resp. das Thema Geld nicht allzu viel her gibt, keinen interessiert, musste zuerst einmal adressiert werden. Inhalte sind nicht langweilig nur weil Finanzwelt drauf steht. Geld ist ein Universalthema und ziemlich komplex: deshalb eignet es sich für viele unterschiedliche Kommunikationsplattformen.

Wie habt ihr sie gelöst? (bzw. löst ihr sie noch?)

Wir lösen sie noch! Der Prozess ist kontinuierlich und wird wohl bei dieser Grösse des Unternehmens nie ganz abgeschlossen sein. Teil der Lösung ist sicherlich das Enabling der Mitarbeitenden. Die Möglichkeiten von und mit Social Media aufzeigen, die Angst nehmen, Verständnis schaffen. Einer der wichtigsten Punkte und Erfolgsrezept ist „Walk the talk“. Ich kann noch lange sagen, dass es wichtig ist, dies und das zu machen. Aber sobald ich gezeigt habe warum, gibt es (fast) keine Diskussionen mehr. Man muss bereits sein, diese „extra Mile“ zu gehen.

Wir beide sind uns einig, dass der SoMe Manager eigentlich Change Manager heissen sollte. Warum?

Weil Social Media in einem Unternehmen langfristig nur erfolgreich sein kann, wenn die Social Media Strategie im Unternehmen verankert und gelebt wird. Noch immer existiert viel Un- oder Halbwissen zu Social Media in Unternehmen; noch immer höre ich den Begriff „Hype“, noch immer gibt es Mitarbeitende, die denken Social Media gehe vorbei. Social Media haben die Art und Weise wie Menschen kommunizieren verändert. Das kann man nicht rückgängig machen. Es braucht deshalb in Unternehmen kulturelle und strukturelle Anpassungen. Die Organisation/das Unternehmen muss Social Media adäquat handeln können. Organisch hierarchisch gewachsene Unternehmen bekunden Mühe damit, weil sie eher fixiert sind auf hierarchische Entscheidungswege anstelle von fachlichen.

Welche E-Collaboration Plattformen nutzt ihr intern bei Raiffeisen?

Tragisch aber wahr: (noch) keine.

Was meinst du mit Technik vs. Content?

Die erste Frage ist immer: welcher Inhalt für welche Zielgruppe mit welchem Effekt. Erst dann suchen wir die Plattform, bauen sie oder adaptieren eine bestehende. Diese Vorgehensweise stösst nicht immer auf Verständnis, da Social Media für einige nach wie vor ein aus der Technik- und IT-getriebener Bereich ist. 

Das Wording ist entscheidend oder Context is King.
Anmerkung: Nadine erzählt im Hangout Interview auch, wie sie damit umgeht, dass als Finanzinstitut nicht deutlich machen darf, dass das Gegenüber ein Kunde (im Geschäftsverhältnis) ist.

Wie hast du es geschafft, kurze Entscheidungs- und Handlungswege zu etablieren, bzw. warum war das überhaupt nötig?

Ich darf mich auf die tolle Unterstützung von meinen direkten Vorgesetzten verlassen und darauf aufbauen. Sie lassen sich gerne gewisse Dinge im Bereich Social Media erklären und lernen gerne dazu. Sie überlassen mir aber die Fachverantwortung. Nötig ist es, da Reaktionszeiten und Projektumsetzungen zeitkritisch sind.

Hast du Tipps für Verantwortliche in der Finanzbranche, die gerade starten mit Social Media?

Man muss bereit sein, Überzeugungsarbeit zu leisten. Immer und immer wieder. Bereit sein, auch unkonventionell und über alle Hierarchiestufen hinweg zu netzwerken und Überzeugungsarbeit zu leisten. – Kaffeetrinken!

Wir haben uns entschieden trotz der schlechten Übertragungsqualität im Hangout, den Inhalt mit euch zu teilen. Ich hatte Nadine u.a. gefragt. Welche Prozesse hat es intern in Gang gesetzt?
 Schaut doch mal rein, wenn ihr den Vortrag nicht gehört habt an der Konferenz.

Mir ist aufgefallen, ich frage zuviel in einem Satz. Ja, nu, sie hat sich tapfer geschlagen. Nadine ist eine aussergewöhnliche Frau mit Power und einem riesigen Wissensschatz. Danke.

Kinder, Kinder, wie sollt ihr Social Media lernen?

Über Jugendliche, Kinder und Social Media mach ich mir regelmässig Gedanken. Inzwischen wird an vielen Schulen über Mobbing im Web gesprochen und auch die Privatsphäre Einstellungen sind bekannt. Aber werden die Medien auch wirklich schon eingesetzt im Unterricht, als sei es das normalste von der Welt?

Warum ich das gerade heute aufgreife? Ich bekam eine Anfrage von einem 11jährigen. Im Unterricht behandeln sie das Thema „Medien“. Elias und seine Gruppe haben sich fünf Fragen zum Thema „Social-Media“ ausgedacht, die ich recht fortgeschritten finde und mit eurer Hilfe beantworten möchte.

  1. Ist Twitter und Facebook für Kinder unter 10 Jahren geeignet?
  2. Welche Gefahren hat Facebook und Twitter?
  3. Welchen Sinn macht Twitter und Facebook?
  4. Welche positiven Seiten hat Twitter und Facebook?
  5. Wie wehrt man sich gegen Cyber Mobbing?
Sinnbild: Kind allein am Wasser. So stehen manche Kinder auch im Web alleine da.

Sinnbild: Kind allein am Wasser. So stehen manche Kinder auch im Web alleine da.

Nun ist das aber nicht mein Kerngebiet. Ich verweise gerne auf Philippe Wampfler. Philippe beschäftigt sich intensiv mit Social Media und Schule. Im Sommer bringt er sein neues Buch heraus. Vor einiger Zeit stellte ich ihm ein paar Fragen, die heute endlich ihren würdigen Rahmen finden. Mir ist bewusst, dass ich hier unter dem Begriff „junge Menschen“ denke. Deshalb mische ich Schule und Hochschule. Verzeiht mir das.

Philippe, Was ist deine Kernbotschaft?

Meine Kernbotschaften sind immer dieseleben: Mit Jugendlichen sprechen, ihnen zuhören und sie begleiten. Echtes Interesse an ihren Gedanken und ihrer Mediennutzung zeigen, ihnen helfen, mit ihren Bedürfnissen und Gewohnheiten umzugehen, sie auch ermuntern, auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln – sie damit aber nie alleine lassen.

Haben Lehrer wirklich die Kompetenz, Social Media zu vermitteln, wenn sie dazu „verdonnert“ werden ?

Kompetenz ergibt sich aus der Kombination von Informationen mit Erfahrung. Lehrpersonen sind nicht generell inkompetent im Umgang mit sozialen Netzwerken, aber auch nicht generell kompetent. Ich erlebe eine grosse Heterogenität: Auf einer Seite viel Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, auch viel Wissen und Austausch – auf der anderen Seite ein starkes Klammern an die Schule, wie sie früher schon gewesen ist.

Werden da tatsächlich auch Online Kommunikation, Auffindbarkeit und Verlinkung durch Plattformen und Content unterrichtet?

Auch hier werden viele Aspekte unterrichtet, die sinnvoll sind – aber das hängt stark von den Lehrpersonen ab und ist in zu grossem Masse in der Schweiz zufällig, meiner Meinung nach.

Welchen Stellenwert hat im Unterricht die Sozialkompetenz?

Ich kann nicht generell sagen, wie wichtig Sozialkompetenz ist, aber meiner Einschätzung nach ist das einer der wichtigsten Werte an Schweizer Schulen. Das soziale Miteinander kommt oft vor allem anderen – und das halte ich für richtig. Im Umgang mit Medien wird dieser Aspekt aber oft etwas vernachlässigt, weil man Medien oft als einen Einfluss wahrnimmt, der völlig unabhängig von sozialen Kontexten funktioniert. Und das ist falsch.

Welche Tipps hast du für Eltern, die selbst nicht online kommunizieren wollen?

Diese Eltern sollten sich regelmäßig mit Menschen austauschen, die Online-Kommunikation pflegen und ihr eigenes Verhalten Kindern nicht aufzwingen, sondern ihnen ermöglichen, eigene Erfahrungen zu sammeln – die aber mit ihnen auch kritisch zu besprechen.

In Bachelorstudiengängen unterrichten inzwischen viele Dozierende neben ihren Themen auch einzelne Aspekte von Social Media. Am Ende denken manche junge Leute, sie hätten schon alles gesehen. Was sagst du dazu?

Ich denke, an Hochschulen wird Social Media als theoretisches Phänomen unterrichtet. Unterrichteten sollte wohl klar sein, dass sie Einsichten mit praktischer Erfahrung vervollständigen müssen.

Anmerkung von Su: Das fällt mir seit 2013 verstärkt auf, den sogenannten digital Natives wurde lange eingeredet „sie können das“, dabei fehlen die eigentlichen Grundlagen und manchmal der Wille für professionellen Einsatz und Experimentierfreude.

Welchen Einsatz finden Social Media Instrumente im Unterricht in deiner Schule?

An Schulen ist der Einsatz sehr unterschiedlich. Es gibt wenige Lehrpersonen, die den Unterricht durch Tools wie Twitter oder Blogs ergänzen und erweitern, andere nutzen einfache Kanäle wie WhatsApp oder FB auch zur Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern. Es gibt viel Potenzial für kreative Lösungen.

Anmerkung Su: Ich wünsche mir, dass Technologien, die auf Social-Mechanismen basieren, mehr eingesetzt werden. Wikis, Austauschplattformen, wo Schüler, Studierende und Dozierende gleichermassen beitragen. In einem Interview hab ich von dir zum erstenmal von MOOCs gehört. Dabei geht es vorallem nicht um die autoritäre Vermittlung von Inhalten, sondern darum, dass die Lernenden als Community beitragen. Neben Moodle, das ich oft als Dokumenten-Management-System erlebe, haben Dialogplattformen in der Lehre grosses Potenzial. So könnten alle Beteiligten  E-Collaboration erleben und Chancen und Gefahren von Online Netzwerken verinnerlichen. Blogs sind hier nur ein kleiner Teil, aber ich finde die Erfahrungen der Studierenden von Hans-Dieter Zimmermann lesenswert. Wie die FHS in einem Lab Prozesse modellierte ist ebenfalls einen lehrreichen Blick wert. Chat war eins der beliebtesten Tools. Warum wohl in Firmen und Schulen immer noch so viel gemailt wird?

Wem empfiehlst du dein Buch?

Mein erstes Buch richtet sich vor allem an Lehrpersonen, ist aber auch für Eltern von schulpflichtigen Kindern interessant.

Was hältst du von Kinderbildern, die bereits zur Geburt von Eltern geteilt und mit Namen vertagt werden?

Kinder haben meiner Meinung nach das Recht, ihre Internet-Präsenz selbst zu bestimmen. Das Bedürfnis von Eltern, ihren Nachwuchs zu präsentieren, halte ich für weniger wichtig als die Rechte betroffener Kinder. Gegen wenige, gut ausgewählte Portraits von Kindern gibt es aber wenig einzuwenden. – Dankeschön, Philipp.

Tipps zum Vertiefen

Aber nochmals zu Elias‘ wichtigen Fragen. Wie sollen Kinder Social Media lernen? Ältere befragen ist schonmal ein guter Anfang. Was würdet ihr ihm antworten?