Interview: wie search.ch fancy wurde

search.ch ist für mich so etwas wie der erste Kontakt im für mich fremden Land. Als ich 2001 in Wallisellen arbeitete hatte zum Glück Techies in meinem Umfeld. Auf die Frage, wie läuft das hier mit den Versicherungen, Telefonbuch etc. bekam ich eine URL.

Walter Schärer und Dimitri Burkhart

Walter Schärer und Dimitri Burkhard

Seither hat sich einiges getan, oder auch nicht getan. Jetzt ist die mobile Website von search.ch jedenfalls neu im fancy Design. Die App folgt. Ich durfte das Team mit Blogger Relations unterstützen und hab meinen guten Draht gleichmal ausgenutzt für Fragen. Im Interview lassen sich Walter Schärer, Leiter Business Development und Dimitri Burkhard, Senior Projektleiter Marketing, etwas in die Karten kucken. Apropos Karte, das Kartenmaterial wird auch bald überarbeitet, immerhin wird es auf vielen Schweizer Websites für Wegbeschreibungen angezeigt.

Wie kommt es, dass eure Website und App nun doch nach einiger Zeit überarbeitet wird?

 

Nutzerbefragungen ergaben, dass die Dienste von search.ch zwar sehr geschätzt werden, der Look & Feel aber sehr altmodisch sei. offensichtlich waren die Nutzer bisher bereit, grosszügigerweise über die veraltete Präsentation hinwegzusehen. Wir betreiben eine der meistbesuchten Schweizer Webseiten, das spricht für die Qualität der Funktionen. Zusammen mit dem neuen CEO, Urs Hügli, kam so viel Schwung in die Bude, dass das grosse Redesign-Projekt doch noch angepackt wurde.

Anmerkung Su: na wenn die Aussage mal keinen Ärger gibt.

Was hat der Spass gekostet?

Wir sprechen von einem grösseren Webprojekt mit mehreren spezialisierten Lieferanten, die uns in Konzeption und Templates unterstützt haben. Da wir die meiste Umsetzung mit unseren internen Entwicklern machen (übrigens grösstenteils noch die gleichen Leute wie damals bei Reto Hartingers Start), ist das Projekt “relativ” günstig…

Su: Ach komm jetzt, wieviele Nullen sind dran?

Wo steht ihr im Vergleich mit local.ch und Google?

Klar sind wir nicht allein am Markt und es gibt auch noch andere schlagkräftige Anbieter. Hauptsächlich haben wir aber auf unsere eigenen Dienstleistungen fokussiert und diese mit neuen zusätzlichen Funktionen angereichert. Wenn uns die Nutzer bisher mochten, müssten sie jetzt noch mehr Gründe haben, zu uns zu kommen 😉

Su: welche sind das?

Gibt es spannende Hintergründe zu den Gerüchten bezüglich local.ch?

Nein, wir wissen auch nicht mehr als öffentlich bekannt ist: Einen positiven WEKO-Entscheid vorausgesetzt, werden wir mit local.ch zusammengehen. Was das aber im Detail bedeutet, analysieren wir erst nach dem Entscheid der WEKO. Bis dahin sind wir mit Vollgas in Sachen search.ch unterwegs: Wir haben noch ein paar Ideen im Köcher 😉

Was haben die Leute konkret davon, wenn sie die Dienste von search.ch nutzen?

Bei der Personen- und Firmensuche via Telefonbuch sind wir sehr stark, unser Wetter mit Regenradar-Vorhersage (!)  ist das genaueste der Schweiz, unsere Schweizer-Karten sind auch in entlegenen Gebieten sehr detailliert und man kann selber hineinzeichnen und -schreiben. Und bei Anrufen von Call-Centern weisen wir darauf hin, falls man sich diese Anrufe ersparen will.

Aber das wird ja erwartet…

Was vielleicht spezieller ist, zeigt sich in unserem Fahrplan. Wir bieten eine “Turnschuh-Funktion” beim Umsteigen: Wer schnell umsteigen kann, erwischt oft eine frühere Anschlussverbindung und spart dadurch Zeit. Auch unsere Abfahrtstabelle wird sehr geschätzt. Auf das Feedback zur neuen mobilen Homepage sind wir sehr gespannt.

Kommen wir zu Blogger Relations zum Relaunch

Mir gefällt ja eure unbedingte Transparenz gegenüber den Bloggern (Vorsprung geben, Beta Version zeigen und lieber keine sponsored Blogposts).

Blogger Klassentreffen

Blogger Klassentreffen

Daraus entstand die Idee, langjährige Blogger zum „Klassentreffen“ einzuladen, weil diese sich freuen, sich mal wieder zu treffen und der “VIP-Status” auch motiviert zu kommen. Die Idee, über Klassensprecher Monah, Kevin und Tom, einzuladen, hat zumindest offline funktioniert. Mit immerhin 41 Teilnehmern. Eure Einblicke und Hintergründe, die ihr am Event geteilt habt, waren mutig. Mir persönlich ist das lieber als Medientexte oder Einladungen zu Events, die mir nix sagen.

Wie konntet ihr intern und gegenüber eurer PR Agentur argumentieren, den Bloggern einen Zeitvorsprung gegenüber klassischen Medien zu geben?

Im neuen Layout gibt es Funktionen, die speziell für Blogger interessant sind (Link im Telefoneintrag zu ihren Blogs). Das brachte uns auf die Idee, Blogger auch gleich als erste um ihr Feedback zum neuen Design zu bitten.

Die erfahrenen (alt darf ich ja nicht sagen) Schweizer Blogger sind jetzt auch einer geschlossenen g+ Community. Offline zu Online. Was habt ihr damit vor?

Dimitri: Die “Swiss Blogger”-Community dient dem Austausch unter Schweizer Bloggern. Es ist eine Plattform für Networking und das Austauschen von Tipps. Zudem besteht ein Bedürfnis, dass sich die Schweizer “Szene” regelmässig auch offline trifft – ob zu einem heissen Referat über SEO oder zu einem kalten Bier.

Swiss Blogger Logo

Swiss Blogger Logo

Was könnte die Blogger Community mit dem Label “Swiss Blogger” (ich finde das ja sehr chic) alles anstellen? Was ist die Idee dahinter oder auch Stolpersteine?

 

Unter Bloggern häuft sich das Bedürfnis nach einer übersichtlichen Organisation, die beispielsweise administrative Aufgaben erbringen PR-Anfragen kanalisieren könnte. Auch Rankings sind ein Bedürfnis ebenso wie Blogger-Verzeichnisse. Davon gibt es zwar schon einige, der richtige Ansatz scheint aber noch nicht gefunden zu sein. Allenfalls können wir hier als search.ch unterstützen. Su: Das Logo hat übrigens David gestaltet und inzwischen auch noch optimiert. Es kann offline und auch online verwendet werden. Zum Beispiel im Blog einbinden und Link zu search Eintrag etc. Dies darf noch weiter-gedacht werden. Vorschläge sind herzlich willkommen.

Telefonbuch Eintrag für Blogger

Telefonbuch Eintrag für Blogger

Die Blogger haben einen Telefonbucheintrag mit Links zu ihren Blogs bekommen. Was habt ihr mit den Telefonbucheinträgen noch vor in Zukunft?

Für Blogger zählt jeder zusätzliche Backlink. Da kommt der Eintrag gerade recht. Künftig wollen wir den Privateintrag weiter ausbauen bis hin zu einer “Mini-Homepage” für jedermann. Dort kann jedermann z.B. sein Facebook-Profil oder ähnlich verlinken, die Telefonnummer ist dann gar nicht mehr so zentral: Leute können sich finden lassen, obwohl sie vielleicht ihre Handy-Nummer nicht publiziert haben da zu privat.

Su: wenn jemand von euch Bloglesern so nen Eintrag möchte, sagt bitte Bescheid, im Moment sind die noch Blogger-Goodie

Was macht ihr sonst noch an Kommunikationsaktivitäten zum Relaunch

Dimitri: Wir machen in Etappen Medienarbeit, eine flächendeckende Awareness-Kampagne, sowie weitere Aktivierungen der Blogger-Community. Auch kuratieren wir in unseren Social Media Plattformen Blogposts, Tweets von anderen. Du wirst sicherlich in den nächsten Monaten so einiges hören und sehen…

Su: Dankeschön. Ich gratuliere euch zum neuen Auftritt. Ich freu mich mit euch, hab nämlich jetzt eine fancy App mit Säckel-Feature, dass ihr so nett Turnschuh-Funktion nennt. Das schnelle Umsteigen geht auch mit High heels.

 

Nur harmlose Fussball wm in Twitter oder Werbung?

Wie lange ich diese Diskussion schon führe, weiss ich nicht. Vielleich begann das, als ich vom Marketing demonstrativ zum PR wechselte. Ich fand, lieber wahrhaft kommunizieren als Versprechen schönreden. Verzeiht mir liebe Marketer, natürlich weiss ich dass auch ihr mit der Wahrheit arbeitet.

Nun, die Diskussion ist einigermassen sinnlos, weil es aus Firmensicht und wohl auch aus persönlicher Sicht besonders im Web, immer um eine gewisse Positionierung geht, auch wenn Dialog das Mittel der Wahl ist. Ok, das seh ich ein. Ich hab auch eingesehen, als Facebook vor ein paar Jahren ein Medien-Modell komplett über den Haufen geworfen hat. Das fand und finde ich immer noch revolutionär und sehr clever. Als sponsored Posts eingeführt wurden vermischte sich earned und paid und irgendwie auch owned Media.

Online Medien Struktur

Online Medien Struktur

Die gute alte Publireportage war fortan nicht mehr wirklich zu erkennen, ich meine, übertragen auf Social Media Plattformen, konnte ich sie nicht mehr einfach überblättern. Bezahlte Beiträge fanden gleichen Stellenwert wie „echte“ Beiträge. Sie waren sogar dominanter, denn sie tauchen immer wieder auf in meinem Stream, was ein „echter“ privater Beitrag nur selten tut. Egal, diese Mechanismen sind hochkomplex und möchte ich nicht wirklich diskutieren. Denn sie sind gegeben und in unseren Jobs lernen wir einfach, sie zu nutzen.

 

Erfasst Twitter mein Profil mit wm-Werbung?

Heute Morgen jedoch ist mir etwas aufgefallen, dass ich doch fragwürdiger finde, als alle bisher gesehenen Werbeeinblendungen im Web. Banner, die sich nervig über eine Seite legen (ja die gibts noch und heissen jetzt Call to action) oder auch sponsored Tweets, alles harmlos. Ich gestehe ich hatte einen kleinen Schreck, als ich mein Twitterprofil aufrief. Das Headerbild sah etwa so aus.


Ich bin alles andere als ein Fussball Fan und werde wohl wieder bis zum Halbfinal brauchen, bis ich beginne, doch mal hinzusehen oder zuhören. Aber bis dahin bleib ich ein Fussball Ignorant, entsprechend wundere ich mich über die Einladung von Twitter, mein Profil wm-tauglich zu gestalten.

Nach kurzem Ausrufen, hab ich von Fabian Künzli erfahren, es ist eine Aktion von Twitter. Das sogenannte Worldcup Feature. Hashtags werden zu Flaggen und das Profil zeigt eure Fan-Einstellung.

Das hatte ich via google nicht herausgefunden. Es ist also ein Feature, keine Werbung. Aha?! Bevor ihr also auch erschreckt und über einen Hack nachdenkt (so wie ich naiv gleich das Passwort gewechselt hab). Schauts euch an und bildet euch die eigene Meinung. Fabian schrieb noch „ausserdem werden neue Accounts vorgeschlagen: Fussballer, Länderverbände, uefa, fifa, Sepp Blatter“. Für die die Fussball mögen wohl tatsächlich ein Mehrwert.

Mir geht es zu weit, aber ich sehe mal wieder ein: Ich würde lieber bezahlen für die Plattform und wenn schon Werbung, dann gezielte, charmante, passende und vorallem Werbung, die mich nicht erschreckt. Offenbar gings nicht nur mir so, das seht ihr im Kommentarstream.

 

Blogger Relations – wenn Firmen mit Bloggern können

„Es schien uns nicht mehr zeitgemäss, Blogger bevorzugt zu behandeln“ schrieben die Organisatoren der Republica, weil sie keine vergünstigten Tickets mehr bieten. „Das hat was“ denke ich, irgendwie bloggt und postet heut ja nahezu jeder. Und dennoch lädt kaum jemand Facebooker oder Twitterer als Multiplikatoren ein.

Online Netzwerker statt Blogger

Als Kommunikationsverantwortliche einer Firma würde ich das. In Strategien steht selbstverständlich „Kontakt zu Bloggern aufbauen“. Wir könnten sie besser Online Netzwerker nennen. Es sind die Menschen, die gut kommunizieren und netzwerken. Hey, ein Twitteraccount ist auch ein Blog.

Blogger Relations

Vor ein paar Jahren passten die Blogger in der Schweiz in einen Raum, vielleicht eine Turnhalle, aber es war überschaubar. Als PR-Frau traf ich jeden einzelnen, der sich für die gleichen Themen interessierte wie meine Firma. Begann, ihre Blogs zu lesen und sie zu mögen.

Dankeschön Paket

Dankeschön Paket

Wenn sie das Unternehmen erwähnten, bedankte ich mich mit Kommentar, personalisiertem T-Shirt,  Schoggi oder Backlink. Die kleinen Dinge, die man auch Freunden schenkt, ohne, dass sie das Gefühl haben „sie werden gekauft“. Ich weiss nicht mehr, warum ein Leumund, Bloggingtom oder Pixelfreund überhaupt mit einer PR-Frau redeten. Vielleicht waren es meine eigenen ersten Bloggingversuche

Heute gibt es unzählige Leute mit Blogs. Sie bekommen Anfragen, Medienmitteilungen und Einladungen. Die Idee dahinter ist oft nicht so bahnbrechend, wie der Absender glaubt. Also lohnt es sich gut zu recherchieren und nicht beim ersten Kontakt „etwas zu wollen“. Die Reisebranche nimmt eine besondere Rolle ein, manche Bloggenden leben und reisen vom Schreiben. Budget ist also eine gute Idee.

Corporate und echte Blogger

 

Echte und Corporate Blogger

Echte und Corporate Blogger

 

Um die Beziehung zwischen Kommunikationsverantwortlichem und Bloggern (ich nenne sie „echt“) besser zu verstehen, hab ich einige Aussagen aus Workshops gegenübergestellt. Ich ging davon aus, dass der/die Firmenvertreter gleichzeitig Corporate Blogger ist, was leider nicht selbstverständlich ist. Die Tabelle ist nicht auf einzelne Personen übertragbar, aber sie zeigt einige Unterschiede.

Jeder einzelne Autor ist so unterschiedlich wie die Themen, über die er schreibt. Aber wer gerne alle auf einen Blick hat oder Teil einer Community werden möchte, wird hier fündig:

 

Für Kommunikationsverantwortliche ist das eher keine Fundgrube, denn diese sollten die „richtigen“ Leute finden, die Online über das passende Thema kommunizieren. Dabei nicht auf Leserzahlen schielen, sondern eigene Bewertungskriterien erstellen, wie bspw. „ist sowieso interessiert an unserem Produkt“. Bestenfalls ist man als Corporate Blogger selbst Teil einer Community. „Ich nutzte Facebook nur privat oder gar mit einem Fake-Namen“ ist keine gute Strategie.

Ich denke, es ist besser, mit einer handvoll Leuten zu arbeiten und sie wie Freunde oder beliebte Kollegen zu behandeln. Wie im wunderbaren Beispiel von Agnes Happich von Audi. Dagegen scheint es geradezu dumm, wahllose Listen zu bespamen oder ungefragt Arbeit zu versenden, wie Claudia es beschreibt. Der Absender riskiert, als Spamer markiert oder gemeldet zu werden. Am Ende entscheiden eh die Empfänger, was und mit wem sie was wollen. Wir sind uns bestimmt ein, das Wort Empfänger ist hier unpassend. Es gibt längst keine Sender und Empfänger mehr.

Damit Firmen mit Bloggern können

..hab ich einige Tipps zusammen gestellt

  • Denke an Online Netzwerker (auch ohne Blog)
  • Lerne sie vor einer Aktion kennen
  • Zeige nicht, sondern entwickle echtes Interesse
  • Pflege diese Beziehung
  • Lese die entsprechenden Blogs
  • Kommentiere, wenn du etwas zu einem Thema beitragen kannst
  • Authentifiziere dich beim Kommentieren mit dem Link zum Firmenblog
  • Kommentiere, twittere wenn jemand dich/dein Unternehmen erwähnt hat
  • Biete mehr: Hintergründe, persönliche Interviews etc.
  • Biete zeitlichen Vorsprung gegenüber Medien
  • Biete Affiliate Links
  • Schau dir Mitarbeiter Blogs (Brancheninsider) an
  • Involviere Mitarbeiter-Kontakte
  • Nimm an Tweetups teil
  • Blogge selbst
  • Berichte über einzelne Blogger der Branche
  • Kommuniziere mit Bloggern in Twitter
  • Pflege Twitterlisten
  • Kuratiere externe Inhalte
  • Verlinke !
  • Zahle auch mit deiner eigenen Reichweite wenn möglich
  • Bitte: plane Budget

Tipps von erfahrenen Leuten

Übrigens pflege ich immer noch gerne den Austausch mit besagen Netzwerkern aus meiner Branche. Lese viele Blogs zur Online Kommunikation. Einer von Ihnen ist Mike Schnoor. Er schaffte es, (zur Zeit 58) Meinungen, Tipps und Erfahrungen zum Thema Blogger Relations zusammen zu trommeln und ich schliesse mich hiermit gerne an. Faszinierend finde ich bloggende Kommunikationsverantwortliche, sie kennen beide Seiten und sind drum oft erfolgreich. Ich fragte also noch den Bloggingtom, was er von Medienmitteilungen hält…