Gunter Dueck – über Innovationskurven – nicht lächeln, wenn andere Erfahrung machen

Der von mir sehr verehrte Gunter Dück (omnisophie) ist mal wieder in der Schweiz. Mathematiker, Philosph und Visionär. Eins vornweg, ihn kann man kaum live dokumentieren. Das hier ist ein Live-Post und hat keinen Anspruch, vollständig oder journalistisch aufbereitet zu sein. Gunter ist einfach ein Storyteller, der die Geschichten miteinander verbindet, wie kaum jemand, den ich kenne. Gelassen, ruhig und pointiert. Er bringt seine Message auch mal in nur einen einzigen Satz.

„Lächeln Sie nicht, wenn andere Erfahrungen machen.“

Das Neue wird lang verlacht, kurz bekämpft und dann ist es ganz normal, bis zum Standard geworden. Firmen wollen ja keine Vision haben aber Tools, big data kauft man schon mal 2 Kilo. Heute hab ich so nen Chip im/am Arm und der sagt Bescheid, wenn ich sterbe, aber dann ist da kein Internet. Er hat natürlich die Lacher erstmal auf seiner Seite.

Über das Lachen erzählt er noch mehr

Das meiste ist auch irgendwie komisch, das eine Maschine meine Unterhemden kauft z.B. Die Kunst ist, das echte vom zu verlachenden zu unterscheiden. Wir haben heute gehört, Geld und Mut spielt eine Rolle. Ich denke es ist der Wille. Der Bezos und Zuckerberg, die haben Wille. Hilft nichts, wenn Daimler Vertreter sagen „Wir haben keine Angst von der Digitalisierung“.

Ich kenne das selbst: 5 Jahre ausgelacht, 3 bekämpft und dann ist es ein Produkt und funktioniert. Selbst dann bekommt man keinen Bonus, weil es heisst „du hast uns so lange geärgert und jetzt hattest du halt Glück, dass es abhebt“ sinngemäss.

Innovation ist graduell in einer kleinen Firma schöner.

Die grossen Firma fragen sich aber jetzt, was digitale Transformation sein soll.

Das allgemeine Problem des Neuen

Mein erster Blick in einem Shop ist, haben sie paypall, wenn nicht bin ich weg. Das was ein normaler Mensch findet muss man einfach machen. Da hilft es nichts, einen eigenen Standart etablieren zu wollen, wenn sich ein anderer bereits etabliert hat.

Erst ist es Krieg um die Innovation, dann ist es der Krieg um den Standard. Dann kommt der empfohlene Standard. Beispiel Whatsapp, das muss jetzt auch der Opa. Ganz normal. Gunter erklärt verschiedene Innovationskurven mit seinen eigenen Stories. (bin nicht sicher, ob die Message rüber kommt ohne Erklärung der Slides, er hat es auch nicht direkt)

Wir müssen unterschieden, über welche Phase man diskutiert. Bei Innovation geht es nicht um Gewinn, sondern darum, ob etwas aus der Innovation wird (Leute kommen auf die Plattform etc.) Wenn die BWLer doch wenigstens etwas von BWL verstehen würden. Wir haben keine Ahnung von Zinseszinsen. Wir hören heute immer „Es ist ja leider nur 1.1 %, wächst zwar 20%“. Das ist mathematisch gesehen ja dämlich.

Warum könnt ihr das nicht in ner normalen Anwendung verstehen, in 20 Jahren geht das dann durch die Decke.

Nach dem Technologie-Hype (Bsp. Amazon vor 20 Jahren) kommt der Plattformen-Hype. Erst diskutierten wir darüber, ob es Amazon überhaupt geben darf. Heute darüber ob die Plattform mehr verkaufen darf. Jetzt sind sie böse. Weil es normal geworden ist.  Der Punkt ist eigentlich nicht, die Schauermärchen über künftige Technologien (Roboter bspw.) sondern was daraus wird zuzulassen. (sinngemäss) An diesem Punkt darf man nicht lachen. Die Gefühle dazu sind einfach falsch.

Die Gartner Hype Kurve

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 2-Phasen Hype Kurve

 

 

 

 

 

 

 

 

Gunter plaudert aus seinem Leben: Revival der Bankfiliale Diskussion vor 5 Jahren (Deutsche Bank) Die Stimmen waren 77/1. Meine (die einzige) Meinung war die Filialen schliessen. (Publikum lacht, weil jeder weiss, wie es heute um Bankfilialen steht).

Sinngemäss: Ich war Cloud Computing Leader bei IBM (2006) sie haben schon ganz lange geübt. IBM hatte damals 100 Mia -Umsatz (heute 78). Argumente waren damals „Amazon ist so billig. Das kann uns nichts anhaben“. Gunter sagt, Achtung sie üben, die Logistik so lange, bis sie die Logistikkosten extrem niedrig haben.“

Zu Coop und Migros sagt er „Eine Milliarden-Company hat die Liebe eher im Tagesgeschäft als in der Innovation. Das ist hinderlich für echte Innovation“. (sinngemäss)

Die Hochmutskurve

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seine Stories dazu: Das Auto hat eine Auslastungsquote von 3 – 4 %. Wenn man das wie CloudComputing macht, mehr auslasten, selbstfahrende Autos (ohne nötige Pausen) dann fallen die Logistikkosten massiv. Aber die Logistikfirmen wollen keine selbstfahrende Autos. Schade.
Natürlich macht er auch Witze über BMW Fahrer… sie sagen „ich lass mir das nicht verbieten“ Die kommentier ich jetzt mal nicht 😀 (bin auch erst kürzlich vom Tesla begeistert worden, nachdem ich immer dachte ich brauche den Sound von einem satten 6-Zylinder) Er sagt: Für diese Fahrer (Fahrstil) muss google 5 Jahre neu programmieren 😀

Er kommt nochmals auf den Service zu sprechen.

Beispiel

Bei Philipps kauft man nicht mehr die Glühlampen sondern das Licht. Es ist also immer hell.
Würde Ikea vom Produkt auf product as a service wechseln würde, würden sie sich echt gute leicht zusammenbaubare Produkte ausdenken. Collective intelligence wird ein nächstes Thema. Es entstehen Berufe, die man noch nicht hatte.

Sidebemerkung: Apps sind out. Bei 3 hat das noch funktioniert, aber bei 200 geht das nicht mehr auf.

Abgeleitet aus der japanische Kampfkunst:

sinngemäss: Es reicht nicht die Handgriffe gut zu beherrschen, sondern die Kunst. Bei E-Commerce Konferenzen will man konkrete Ratschläge haben. Eine E-Commerce Firma kann man nicht auf Basis von Bestehendem machen. Etwas gut reicht nicht mehr (Kochen können) sondern über die Kochkunst nachzudenken. Neues Business Modell braucht die Meisterschaft über die Kunst als solche. Wenn Sie was lernen wollen, gehen Sie raus aus dem Handel. Hier möchte ich euch einen Vortrag zu professioneller Intelligenz empfehlen. Darüber spricht er schon seit Jahren, aber bringt immer wieder neue Aspekte rein.

 

Wir müssen nochmal Radfahren lernen mit dem Helm. Es reden immer alle von Emotionen. Banken, Schuhe. Jeder behauptet dass sie ihre Kunden kennen. Und auch: Wir beobachten die uns bekannte Konkurrenz. Coop und Migros schaut, wer hat die beste Tüte. Das Problem ist, dass nicht google auf ihren Slides steht. Das Tagesgeschäft frisst alles auf.

Du bist schon der 12 Wolf heute, du Spammer

Für mich einer der besten Zitate bis jetzt an der Konferenz kommt natürlich auch von Gunter. (verzeiht mir, die anderen Speaker sind auch super 😉
Firmen arbeiten mit Influencer Marketing, Omnichannel und Newsletter. Aber ich bestelle  3 Newsletter täglich ab. Jetzt bin ich wieder an einer Konferenz und bekomme danach Newsletter, die ich nicht lese.

 

Influencer Marketing: Schleichwerbung oder authentisch?

Ich werde mit gekaufter Reichweite konfrontiert, ständig. Lohnt es sich, diese/n Blogger/in einzuladen oder ist alles nur Schaumschlägerei? Dabei wollten wir doch auf Influencer Relations setzen statt auf Seeding. Noch nie hab ich so lange für einen Blogpost gebraucht wie für diesen. Hin- und hergerissen habe ich mehr Fragen als Antworten und drum andere zu Wort kommen lassen. Es gibt Vorwürfe, über die wir reden sollten:

  • Schleichwerbung / fehlende Werbeauszeichnung
  • keine echte Reichweite (gekaufte Follower)
  • fehlende Authentizität

Vorwurf 1: Influencer machen Schleichwerbung

Eine der journalistischen Leistungen soll sein, Lesern beim Einordnen zu helfen (hab ich letztens in einer Diskussion aufgeschnappt) und informieren, recherchieren, berichten. Das Einordnen finde ich merkwürdig: Eine neutrale Berichterstattung ist eine Illussion. Was heisst neutral? Leser fühlen sich von der eigenen Zeitung gern in ihrer Meinung bestätigt. Das kennen wir auch aus der Filterbubble.

JulietteAuf der anderen Seite gibt es nun aber Influencer und diese haben keinen Auftrag. Oft ist es anfangs nur Leidenschaft für ein Thema, wie Reisen, Technologie, Mode, Sport.. Wie bei meiner Cousine Juliette, die sich selbst fotografierte und damit viele Fans bekam. Auf einmal kamen Anfragen von Firmen. Sie probierte und fand ihre eigene Balance zwischen Glaubwürdigkeit und Produkteplacement. Hinter den Kulissen träumen aber viele davon, ihre Accounts zu monetarisieren. Früher waren es die Jungs, die an ihren Autos schraubten und von einer Karriere als Auto Tuner träumten. Meine Güte, was ist verwerflich daran?

Wann ist Werbung Werbung?

Erfahrung mit Werbung hat kaum jemand in die Wiege gelegt bekommen. Nur wir in der Kommunikationsbranche meinen, das sei Allgemeinwissen. Am Horizont Content Marketing Kongress sprachen verschiedene Leute darüber, dass Influencer Redaktion und Werbung oft nicht sichtbar trennen.

In Facebook gabs letztens eine energische Diskussion. Eine Bloggerin wurde deutlich darauf hingewiesen, dass ihr „xy wirbt“ als Deklarierung von Werbung nicht ausreichend ist. Es müsste heissen „xy macht Werbung“ (hab ihren Namen wirklich vergessen.) Carsten Ulbricht, sagt dazu: „Die Pflicht, Werbung als solche zu kennzeichnen gilt in jedem Medium. Entscheidend ist, ob der ‚durchschnittlich informierte Verbraucher‘ das Posting als Werbung identifizieren kann…“ 

Wir sollten nicht vergessen, die Authentizität ist der Preis, den die Influencer zahlen, wenn sie sich auf Werbung einlassen. Die Glaubwürdigkeit ist ihr einziges Gut, nur damit können sie ihre Reichweite halten. Es wird also auf lange Sicht nicht die Anzahl Follower sein, womit sich influencing definiert (ich hoffte, das sei schon/noch so). Darin unterscheiden sich Influencer deutlich von Journalisten. Ich denke, es sind neben den Influencern, vorallem Firmen und Agenturen gefragt. Oder gar Verlage, diese können das Paid-Spiel erklären? Schliesslich entstehen auch hier immer neue Werbeformen, die mit redaktionellem Inhalt zu verwechseln sind. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Vorwurf 2: Gekaufte Follower von Influencern?

Mit einem Tool von Stern.tv kommt der Journalist Jeroen Van Rooije auf überraschende Ergebnisse für manche Schweizer Influencer. Auch darüber sollten wir reden. Alle, die sich im Netz professionell bewegen kennen es: organische Reichweite ist schwer aufzubauen, es werden eigentliche owned Inhalte mit ein bisschen Taschengeld oder riesigen Budgets zu paid. Die Algorithmen sind „gegen uns“ zumindest beim Start. Dabei liegt es doch oft an den Inhalten. Genau das verstehen Influencer scheinbar intuitiv. Welcher Inhalt ist tatsächlich mehr wert oder löst etwas aus beim Betrachter oder Leser. Der eigentliche Wert einer solchen Person wird aber erst mit der Anzahl Followers oder Fans sichtbar für „Aussenstehende“.

Wie kommen sie aber zu diesen beim Starten? Bis vor ein paar Wochen hätte ich diesen Vorwurf mit einem Lächeln abgetan „ach was.“ Doch je mehr ich mit Leuten darüber spreche, frage ich mich. Wer, warum und wie darf man Reichweite kaufen?

bildschirmfoto-2016-10-15-um-15-22-52Ich hab meine Facebookseite getestet (Influencer lachen über die 1000 Fans) Aber für euch vielleicht interessant: Seit Jahren werfe ich penibel manuell ‚falsche‘ Fans raus, die nach einem sponsored Post z.B. auftauchen. Dennoch zeigen sich auch bei mir ein paar undefinierbare Fans. Wo fängt Fans kaufen eigentlich an? Es könnte auch eine einfache Facebook Werbung als Fan-Kauf gelten. Kaufen also auch Verlage ihre Fans. Eine Frage, die ich nicht wage zu beantworten.

Nachtrag: Tooltipp von Claudio Schwarz (Blogger) wie man Influencer analysieren kann ohne mit Daten zu bezahlen.

Falk Hedemann (Journi und SoMe Consultant) sagt

Meinungen von Schweizer Influencern:

Stadtblogger und Influencer Reda Philippe el Arabi:
sagt „Was Marketer und Werber nicht begriffen haben: Web & Sociale Media sind Kommunikation, nicht Plakatwand, nicht Spot. Der User hat die Wahl…Der User unterscheidet nicht zwischen Werbung und Marketing. Normalerweise hasst er Werbung. Ein durchschnittlicher Mitteleuropäer verarbeitet bis zu 10 000 Werbebotschaften täglich. Das wirkt nicht mal mehr aufs Unterbewusstsein. Gekaufte Influencer verlieren rapide an Glaubwürdigkeit. Beispiel: Blogpost auf meinem privaten Blog +- 30 000 Leser. Kolumne für Kunden +- 1000 Leser – bei identischen Verteilkanälen. Noch happiger wirds, wenn die Leute denken, man will ihnen Produkte versteckt unterschieben.“

Karin Lurks (kenne sie nicht):
„Wie cool ist da eigentlich noch Ronorp? Die ganzen alten persönlichen in der Ich-Form gestalteten Werbebeiträge empfinde ich schon lange als lächerlich. Fällt da noch jemand drauf rein?“

Kathrin Buholzer (Journalistin, Trainerin):
„Und alle, die sich ihre Fans und Follower ehrlich erarbeitet haben, geraten mit all diesen Artikeln dann irgendwann mal auch so in ein bisschen Verruf?“ (bezieht sich auf den Beitrag der nzz.bellevue)

 Thomas Brühwiler (Blogger, Corp.Comm.Manager):
„Wenn die Agenturen mal ihren Blickwinkel überdenken, dürften die ehrlichen eher profitieren.

Nachtrag Oktober 2017:

Das Thema bleibt heiss: Beitrag vom SRF zu Fake Followers bei Schweizer Influencern. Und der lesenswerte Blogpost von Christoph Emch (Farner PR) dazu. Influencer Relations: Was die Influencer-Analyse von SRF Data nicht zeigt

Vorwurf 3: Fehlende Authentizität

t3n interviewte dazu Louisa Dellert. eine Bloggerin, die zum Starten für 10 Euro 4’000 Instagram Followers kaufte. „Inzwischen hat Instagram „aufgeräumt“ und diese Fake-Follower gelöscht.“ Ihr Account Fit_trio hat 294’000 Followers und ich frage mich, hätte sie diese Schwelle auch ohne den damaligen Kauf geschafft? Auf die Frage nach der Authentizität sagt sie sinngemäss, „Ich stecke immer selbst dahinter.“

Ist jemand bereit, auch mal ein Produkt oder Hotel.. zu erwähnen, setzt er/sie immer auch aufs Spiel, die Fans zu verprellen, also überlegt man es sich genau. Warum reagieren Leser von gekauften Magazinen nicht ebenso enttäuscht auf Werbung. Ist der Unterschied wirklich nur das Kennzeichnen? Haben wir nicht längst gelernt, auch bei Influencern zu erkennen, was Werbung und was „echt“ ist und strafen sie mit Entfolgen oder Nicht-Liken?

Mirko Lange sagt

Mirko Lange, Vordenker der Branche schreibt letztens in Facebook dazu:

Mirko Lange„Es wäre so einfach ‚eindeutig‘ und ‚authentisch‘ zu sein. Man muss eben nur ‚eindeutig‘ und ‚authentisch‘ sein. Man ist aber nicht ‚eindeutig‘ und authentisch‘, wenn man irgendwo das Wort ‚Werbung‘ platziert und auch nicht, wenn man nach 300 Zeilen Text in grau und 9 Punkt noch einen Disclaimer dazusetzt.
Man ist dann ‚eindeutig‘ und ‚authentisch‘, wenn man zur Einleitung schreibt: ‚Wir haben von Firma XY ein paar Testgeräte bekommen und sie haben uns Geld gezahlt, dass wir diese Geräte testen. Das machen wir gerne: Wie immer nehmen wir das Geld, um die Kosten für diesen Blog zu finanzieren, ansonsten lassen wir uns aber nicht dadurch beeindrucken. Der folgende Test gibt unsere direkte Meinung wieder‘. Das geht auch mit Babytaschen, Schminke oder Klamotten. Es ist eigentlich total einfach. Und ich denke auch, dass das jeder weiß. Aber genau da geht das Rumgeeiere los. Denn das sieht ja ‚komisch aus‘. Genau. Darum geht es. Es sieht komisch aus. Aber es ist eben absolut ‚eindeutig‘ und ‚authentisch‘:

Und jeder Versuch, das zu verstecken, ist Täuschung. Und die ist das Problem. Also einfach offen und transparent sein. Würde mich ja mal interessieren, was dann passiert.“

 

Vorwurf 4: Glaubwürdigkeit von Instagramern

So glaubwürdig sind Schweizer Blogger auf Instagram. titelte bellevue.nzz kürzlich. Drücken wir mal zwei Äuglein zu bei Adjektiven wie „exzentrisch“ und dem sexistischen Seitenhieb an Xenia Tchoumitcheva und folgen dem Gedanken. Erreicht ein Influencer nicht, dass 2% der Follower interagieren, nimmt der Autor an, der Nutzer macht etwas falsch oder … auch hier wieder der Follower-Kauf Vorwurf. Aber ist es wirklich so einfach mit der Glaubwürdigkeit?

Im Artikel wird konkreten Accounts vorgeworfen, dass zu viele Fans aus dem Ausland kommen. Jeder der Instagram kennt, weiss, dass Bildsprache noch weniger Grenzen kennt als englische Text-Inhalte. Durch Hashtags werden geografische Grenzen locker überschritten und man folgt Accounts vorallem wegen den Inhalten. Oder auch weil sie oft Bilder von mir selbst liken und dadurch werde ich auf den Account aufmerksam. Ja das ist ein umstrittenes Vorgehen, aber sehr üblich. Ich habe vor 3 Wochen bei der erwähnten Kristina Bazan um ein Statement gebeten, leider aber keine Antwort bekommen.

Tooltipp: Mit dem Tool influencerdb kannst du Instagram Accounts checken, musst allerdings mit deinen eigenen Daten bezahlen.

 

Glaubwürdigkeit ist die Währung der Influencer

Ausländische Fans sind für mich kein eindeutiges Indiz für zu wenig Glaubwürdigkeit. Interagieren Fans mit einer Personen-Marke oder einem Influencer, schau ich mir für meine Kunden lieber inhaltlich an, ob es attraktiv ist für eine Zusammenarbeit ist. Viele seriöse Blogger oder Influencer bieten auch konkrete Möglichkeiten an für die Zusammenarbeit mit Firmen. Oft sind die bei guten Blogs sehr streng, um eben die Glaubwürdigkeit zu wahren, dann das ist ihre Währung. Ich habe Dimitri Burkhard von Newly Swissed gefragt, wie sie mit Firmen Anfragen umgehen (kommt in Kürze hier im Blog)

Kerstin Hoffmann,

Buch: Lotsen in der Informationsflut

Buch: Lotsen in der Informationsflut

PR Doktor, Autorin und Influencerin schreibt in ihrem Facebook Profil: „Interessant: Ich hatte neulich begeistert über meine neuen Sportschuhe berichtet, die ich ganz normal gekauft hatte, und sofort unterstellte jemand mir nicht gekennzeichnete Schleichwerbung. Seither schreibe ich immer explizit dazu, dass es nicht gesponsert ist, wenn ich über Produkte schreibe.
Gesponsert mache ich ja gar nicht.
“ Ihr Buch ‚Lotsen in der Inflormationsflut‘ kommt in Kürze. (lesen) Ich habe übrigens keinerlei Werbevereinbarung mit ihr, ich mag einfach Ihre Arbeit und Art zu kommunzieren. Strange, dass ich das schreibe.

 

 

Kommunikation zwischen Menschen

Ich hab mich wie gesagt mit diesem Post extrem schwer getan, viel nachgedacht, gefragt, gelesen. Mir bleibt das Gefühl: zu gerne würden Firmen und Agenturen Influencer Marketing in die Mediaplanung aufnehmen, automatisieren, Reichweiten messen und gleichschalten. Doch müssen wir uns mit jedem einzelnen als Person auseinandersetzen. Was bewegt sie, wie ist sie fokussiert, welche Möglichkeiten bietet sie für die Zusammenarbeit, oder auch, wirbt sie wahllos oder gezielt. Wie authentisch ist sie auch mit Werbeaussagen usw. Diese Liste ist unendlich lang. Eine wichtige Frage scheint mir auch, die Beziehung zu sein. Sind wir im Marketing tatsächlich in der Lage Influencer Relations zu betreiben oder geht es wieder nur um Werbebuchungen. Das ist in meinen Augen der falsche Ansatz.

Meine Fragen, die ich nicht abschliessend beantworten kann, nochmal auf einen Blick.
Ihr seht, es sind noch viele Runden nötig.

Was heisst neutral?
Ist es verwerflich, die eigene Reichweite durch Werbung zu monetarisieren?
Wer kann aufklären, damit Influencer Werbung deklarieren?
Wer, warum und wie darf Reichweite gekauft werden?
Wo fängt Fans kaufen eigentlich an?
Wie viel Deklaration verträgt ein Text?
Müssen wir Glaubwürdigkeit von Personen wirklich in Frage stellen, wenn wir eine Beziehung mit Ihnen haben?

 

Vortrag: Plattformen Beyond Facebook und deren Nutzung

Thomas Mauch spricht heute an der Social Media Konferenz Schweiz über ein, wie ich finde, spannendes Thema. Ihr kennt das, in Firmen sagt man die Worte Social Media und alle antworten mit Facebook. Wenn ich Content Strategien mit meinen Kunden entwickle lege ich auch gerne die Funktionalitäten (in chic: Features genannt) der Plattformen zugrunde. Klar kann Facebook fast alles auch gebündelt. Aber: Facebook, Linkedin und auch g+ sind Plattformen, die auf Netzwerken basieren. Viele andere Plattformen wie Instagram, Pinterest, Youtube sind Contentbasierte Plattformen und entsprechend liefern sie auch Vorteile mit, die die Netzwerk-Plattformen nicht so gut können.

Ich hab also Thomas ein paar Fragen zu seinem Vortrag gestellt und er war sogar so nett, mir sogar sein Handout zu geben Da diese an der SoMeKonferenz leider nicht an einem einzigen Ort zur Verfügung stehen, möchte ich sie euch gerne hier ebenfalls teilen. (pdf 10 MB) Nachtrag: Thomas hat das Handout auf Slideshare geteilt. (siehe unten)

Thomas startet mit ein paar Zahlen, die für sich sprechen

 

Wachstum von Apps und Plattformen

Wachstum von Apps und Plattformen

Danach kommt er schnell zum Punkt und geht ein auf

Hier geht es Thomas vorallem um Influencer (Beeinflusser) und eine echte Beziehung zu ihnen.

  • Pinterest
  • Snapchat
  • Whatsapp

Hier empfiehlt Thomas das Augenmerk auf Content und Content Distribution zu legen.

  • Yo (Bemerkung von Su: auf den Use Case bin ich gespannt)
  • Meercat (stream live Video mit Twitter)

Thomas nimmt noch ein paar Trends auf, wie promoted Pins (Pinterest) big Date und Payment in Apps. Hier ist das Interview mit ihm:

Welche Plattform wird am meisten unterschätzt (kann man das so sagen?)

In vielen Unternehmen sind das tatsächlich noch die „etwas langweiligen“ Business Networks wie Xing und LinkedIn. Viele Unternehmen verpassen es, dort eine unternehmensweite Strategie umzusetzen. Was insofern schwierig ist, als es „jeden“ Mitarbeitenden dafür braucht – das lässt sich nicht zentral aus der Kommunikationsabteilung steuern.

Manche Firmen haben sich immer noch nicht mit dem Budget für die Online Kommunikation angefreundet (das Vorurteil von gratis Reichweite) Was rätst du ihnen?

Ich gehe heute von einer Verteilung 50:50 aus: Was man in Content-Produktion investiert, sollte man für die Distribution / Promotion der Inhalte budgetieren.

Thomas Mauch, TinklaWelche Grössenordnung nimmt in einem typischen Projekt bei Tinkla die Content Produktion ein?

Ganz grob geschätzt würde ich sagen: 20% Strategie, 40% Content-Produktion, 40% Distribution / Promotion. Bemerkung von Su: Spannend bei mir ist es etwa 40% Strategie, 20% Ausbildung, 20% Content Produktion und 20% Distribution.

 

 

Nach welchen Kriterien wählt ihr gemeinsam mit euren Kunden die Plattformen aus? Hast du ein Beispiel?

Grob gesagt sind es drei Fragen:

  • Ist meine Zielgruppe dort?
  • Erwartet meine Zielgruppe meine Inhalte / Themen dort?
  • Unterstützen die Interaktionsmöglichkeiten (Conversion) der Plattform meine Marketing-/Kommunikationsziele?

Was ich damit meine: Vielleicht sind die Leute meiner Zielgruppe auf Facebook, aber sie erwarten bzw. möchten dort meine Inhalte nicht lesen – dann ist es die falsche Plattform. Und je besser eine Plattform die Conversion unterstützt (Twitter Cards, als Beispiel), desto besser für mich.

Hast du einen special Tipp von dir persönlich?

Beziehungen zu Influencern im Netz aufbauen. Vielleicht wird das wichtiger als die grosse Masse meiner Kunden zu erreichen.

Danke Thomas, für deine Zeit, mir ist klar, das ein neues Unternehmen zu etablieren, wie ihr es mit Tinkla gerade tut viel Aufwand bedeutet. Umso mehr. Danke und viel Erfolg.

Thomas hat das Handout jetzt auf Slideshare geteilt.

 

Zur gesamten Social Media Konferenz Schweiz, haben übrigens Schwede und Schwede den Social Hub produziert. Sehr cool. Da müsst ihr mal reinkucken, was alles so publiziert und kommentiert wurde.

https://smm15.cooa.la/brands/2195/33/

Blogparade Influencer – ein innerer Dialog

Über Marie Christine hab ich die Blogparade von Stefan Evertz von MonitoringMatcher entdeckt. Interessanterweise hat er einen Nachtrag drin, dass selbstverständlich auch Corporate Blogger aufgerufen sind. Das zeigt schon ein wenig, wo wir heute stehen. Corporte Blogger und „echte“ Blogger werden oft gedanklich immer noch unterschieden. Ich mach das auch, finde es aber schade. Denn auch ein Firmenvertreter kann durchaus zum Influencer werden. Aber diese Chance bleibt in der Praxis oft ungenutzt. Ich habe hier eine Art inneren Dialog aufgeschrieben, weshalb ich meine eigene Rolle als Blogger, Firmenvertreter und normalen Webnutzer munter mixe. Ihr mögt mir das nachsehen.

Marie-Christine sortiert das Thema „So findet man Influencer“ in gewohnt souveräner Art. Sie gibt Influencern unter anderem Eigenschaften wie:

  • konsistent interessante Inhalte
  • Impulse
  • bewegen
  • empathisch

Zu firmeneigenen Blogger passt das nur selten. Sorry, falls ich jemanden auf den Schlips trete. Es gibt natürlich löbliche Ausnahmen, aber ich hätte gern mehr davon in der Schweiz.

Meine Influencer

Punktefrau

Punktefrau

Ich hab mir überlegt, wer eigentlich meine Influencer sind. Es sind viele, hier einige davon:

  • Punktefrau aka Christine Dingler, weil sie vertieft nachdenkt und dies teilt
  • Talkabout, ich bin nicht immer seiner Meinung, aber er hilft mir oft, Komplexes zu ordnen
  • Claudia Meier-Biedermann, meine Kollegin in Olten, mit ihr entstehen kreative Ideen bei Offline-Meetings
  • Silvan Hagen, mein WordPress Partner, der Technologie und Kommunikation auf fantastische Art zusammen bringt

 

Mein Verhältnis zum Thema Influencer für die Unternehmenskommunikation

Als ich begann, mich mit den Mechanismen des Internets näher zu beschäftigen, war ich mir sicher, es wird in der Kommunikation (generell) über kurz oder lang mehr Demokratie geben, weniger manipulierende Inhalte, mehr echten Dialog. Zwischenzeitlich dachte ich sogar, mein jetziger Beruf (nennen wirs mal Online Kommunikationsberatung) würde irgendwann aussterben, weil es selbstverständlich würde, offen, authentisch und ehrlich zu kommunizieren. Keinesfalls dachte ich, dass wir uns Reichweite von Unbeteiligten ausleihen würden.

Warum teilt ein Influencer „fremde“ Inhalte?

Wenn ich in Kursen das Thema behandle, ziehe ich gerne den Ansatz von Rand Fishkin (danke Walter) hinzu.

Kurz gesagt, erklärt Rand, warum Influencer/Blogger Inhalte von anderen teilen. Es ist ebenso einfach wie genial und zeigt, dass es eben nicht um den Absender (zum Beispiel eine Firma) geht. Vielmehr teilt ein Influencer den Inhalt von anderen,

Weil er/sie dich oder jemanden persönlich kennt
Weil der Inhalt ihm/ihr dient/schmückt/bereichert
Weil er/sie damit eine grössere Reichweite erzielt
Weil der Inhalt ihn/sie unterstützt bei einem seiner/ihrer Ziele oder Überzeugungen

Das bringt eine nächste Frage in mir auf.

Wohin verschiebt sich das Machtverhältnis in der Kommunikation?

In einer einfachen Logik könnte man sagen. Es verschiebt sich weg von Sendern (die bisher viel Media Budget investierten) hin zu echten Menschen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es sich tatsächlich zu den sogenannten Influencern verschiebt. So wie wir sie definieren gedanklich. Denn wir glauben, Influencer haben dauerhaft einen Einfluss auf andere. Aber schauen wir mal genauer hin.

Inhalte mit grosser Reichweite manchmal von unklarer Quelle

Gerade die aktuelle Entwicklung im Web zeigt, dass sich das Machtverhältnis vom Einflussnehmen (nicht Einflussnehmern) verschiebt. Es sind so viele (normale) Menschen, die inzwischen publizieren, dass es für ebenso normale Nutzer (also Leute die nicht Proffessionell mit Online Themen arbeiten) schwer geworden ist, die Relevanz von Inhalten zu beurteilen. Die Quelle bleibt oft unklar, der Wahrheitsgehalt evtl. auch, besonders bei mehrmals geteilten Inhalten. Wer weiss schon, von wem das lustige Video stammt.

Wo finde ich die richtigen Influencer, wenn ich sie brauche um meine Meinung zu bilden?

Natürlich haben wir google und Edgerank, die für uns vorsortieren, was wir sehen. Aber auch dessen sind sich viele nicht bewusst. Im Gegenzug gibt es ja Reader, mit denen man gezielt Inhalte abonnieren kann. google als absoluter Trendgeber in Web-Fragen hat aber vor gefühlt langer Zeit das Tool eingestellt. Wir nutzen einfach andere Tools zum Abonnieren gewünschter Inhalte Autoren/Medien.

4 Ohren Bildquelle: http://www.sozialpädagogin.at/ha

4 Ohren Bildquelle: http://www.sozialpädagogin.at/ha

Ich abonniere das, wovon ich denke, es entspricht meinem Wunsch nach bestimmten Inhalten. Es bleibt ein Pokerspiel, denn hier mischen sich die Erfahrungen der Person (des Schreibers) mit meinen Erfahrungen (als Leser) Ich verweise kurz auf die verschiedenen Ohren der Kommunikation. Höre bzw. lese ich gerade mit dem Sachohr oder mit dem Beziehungsohr. Hilft mir das bei einer umfassenden Meinungsbildung weiter. Oder wäre es gut, wenn ich nochmals google befrage, bevor ich meine Meinung bilde? Das tue ich und erhalte Inhalte von Influencern.

Von anderen Influencern halt. Im besten Fall vertraue ich ihnen. Vielleicht bekäme ich aber von einem Unbekannten, der vor Ort des Geschehens ist, mehr Aufschlussreiches. Ich stecke also in einer nächsten Frage:

Auf welchem Weg beeinflussen Influencer?

In Facebook und Twitter erhalte ich Inhalte von allen möglichen Quellen, aber vorallem von Unbekannten. Beim Lesen ist mir oft nicht direkt bewusst, ob es ein sogenannter Influencer ist (oder sein muss). Denn aus irgendeinem Grund, sehe ich ja den Inhalt (in Facebook). Interessant daran ist, es muss nicht ein dauerhafter Influencer sein, sondern auch jemand, der einfach im richtigen Moment den richtigen Inhalt produziert oder geteilt hat.
Es gibt also doch noch Hoffnung für die Wahrheit, und dass diese sich auch auf meinen Bildschirm schwingt. Ich hoffe übrigens deshalb, dass Twitter keine Rangierung einführt. So hat jeder mit gutem Inhalt eine Chance, auch gesehen zu werden. Er oder sie können zum kurzfristigen Influencer werden.

In Facebook sehe ich seit einiger Zeit viel weniger „echte“ eigene Einträge von Leuten, mit denen ich dort befreundet bin, stattdessen aber Videos und Bilder von Leuten, die ich nicht kenne. Das Video des älteren tanzenden Mannes wurde 825 000 mal geteilt. Ich kenne weder den Absender, noch den Tänzer. Es ist witzig, ich investiere 3 Minuten meines Lebens, denke, irgendwas wird am Ende noch passieren, eine Auflösung, eine Werbung vielleicht, schliesslich hab ich jetzt schon 1.75 Minuten geschaut. Doch nix, es ist einfach der berührende Tanz im Amateurvideo. Der Absender ist aber eine Art Influencer, er hat Reichweite, ist empathisch usw.

Kommen die relevanten Inhalte tatsächlich zu mir?

Ich denke, es braucht im Moment noch etwas Wissen übers Internet, wenn ich die für mich wertvollen Inhalte sehen möchte. Für mich persönlich kommen Influencer noch nicht automatisch zu mir, auch wenn ich das eine zeitlang glaubte.

Wollen Influencer eigentlich beeinflussen?

Die meisten Influencer, die ich kenne, vereinen all die Eigenschaften, die Marie-Christine nennt Viele Firmen hätten gern näheren Kontakt zu ihnen. Man sucht sich einen Influencer aus, der zum eigenen Thema passt, lädt ihn/sie ein und oft passiert danach nicht viel. Ein paar Tweets, ein Blogpost, aber keine Leidenschaft, weil es ein Deal bleibt. Im besseren Fall handeln Verantwortliche von Firmen langfristige Möglichkeiten der Zusammenarbeit und zwar nur mit einzelnen Influencern aus.

Nun doch noch ein Vorschlag für Unternehmen

Einige Fragen sollten Firmen für sich beantworten und den Sinn von Influencer Relations prüfen. Von wievielen Dingen Firmen kann ein einzelner wirklich begeistert sein? Bei mir sind es vielleicht 10, wenn ich länger nachdenke, schaffe ich sicher auch mehr. Aber will ich diese Leidenschaft als Blogger immer kundtun?
Vielleicht müssen Firmen die Influencer gar nicht ausserhalb ihrer üblichen Kommunikationskreise suchen. Wie wärs mit Mitarbeitern, bestehenden Kunden und Partnern, denn sie haben das Wichtigste. Sie mögen die Firma/das Produkt tatsächlich und man muss die Reichweite, Sympathie und Aussagekraft von anderen womöglich gar nicht ausleihen.

Ok, das war diesmal ein Beitrag mit vielen offenen Fragen, und Gedanken, keine fertigen Tipps. Aber sicher habt ihr gute Erfahrungen mit Influencern oder Antworten, Ideen, die über ein Event hinausgehen. Ihr seid wie immer, <3lich willkommen.