Besser Bloggen – 6 Tipps, damit der Corporate Blog kein Selbstgespräch wird

Der ultimative Blogpost kann, ja was eigentlich? In einem Workshop letztens wollte ich einen perfekten Blogpost (für den Corporate Blog) präsentieren. Ich kam ein bisschen auf die Welt, wie Herr und Frau Schweizer so schön sagen.

Ich habe als Leser versucht an einigen Corporate Blog-Beiträgen herauszufinden, was das eigentliche Ziel dahinter ist. Früher dachte ich immer, nur der Blog braucht diese Phase der Zieldefinition dringend. Die Inhalte sind ja dann logischerweise entsprechend darauf ausgerichtet. In der Praxis zeigt sich aber, dass das gar nicht so ist. Viele schöne Beiträge über Events, News und auch über einen Mitarbeiter, der einen tollen Abschluss an einer Hochschule hingelegt hat. Super, damit wird schön die Kultur transportiert. Sagen wir mal aus der Ferne, das passt zu einem HR Blog. Ein Blog der zum Ziel hat, Menschen auf das tolle Team aufmerksam zu machen Menschen, die den Beitrag tatsächlich finden, zu zeigen, wie es in der Firma aussieht. Aber das ist das kleine 1×1 und keine Strategie um sich mit einem Corporate Blog wirklich hervorzuheben. Dafür braucht es: Mehr Wert bieten als reines berichten.

Ich habe mal 6 konkrete Merkmale für besseres Bloggen herausgearbeitet:

1. Die innere Haltung des Autors

Sinnbild für innere Haltung. Hier ist es eine flexible Körperhaltung

Sinnbild für innere Haltung.

Zuerstmal denke ich, es geht nicht um den Text ansich, sondern die innere Haltung des Autors. Diese wird, bzw. sollte sogar sichtbar werden. Sie wird bewusst und unbewusst vermittelt. Die Textsorte Blogpost ist anders als ein Fachartikel. Beim Bloggen geht es immer um die Menschen. Derjenige der schreibt zeigt seine Persönlichkeit. Ein schönes Interview dazu mit Bloggerin Pony M hab ich gestern entdeckt.

Es müssen also nicht die Kommunikationsverantwortlichen bloggen, sondern die Leute, die etwas zu sagen haben (Nicht aus Hierarchischer Sicht). Ok, ich sags jetzt, obwohl ich denke, du brauchst das nicht. Es ist gut andere Blogs zu lesen. Niemand käme auf die Idee ein Buch zu schreiben, ohne eins gelesen zu haben. Blogger sind auch eine Community für sich und lernen voneinander. Und natürlich geht es auch um denjenigen der liest. Besonders ist hier, dass der Leser nicht auf einen Nur-Leser degradiert werden sollte. Schöner ist, wenn mich ein Schreiber direkt mit seiner Leidenschaft ansteckt, mit auf seine Sichtweise einlädt. Wenn jemand aber zum Bloggen in der Firma verdonnert wird, wird die innere Haltung (Pflichtgefühl) sichtbar. Diese ist dann alles andere als ansteckend oder einladend.

2. Den Leser zum Dialog einladen

Manche Beiträge, die ich mir angesehen hab, gleichen einem Selbstgespräch. Doch dann gibts keine Anwort und keinen Spass.
Wenn du es schaffst, dass eure Autoren eine ehrliche Meinung, Idee oder ihr Wissen teilen, hast du schon einen grossen zwischenmenschlichen Schritt auf die Dialogpartner (Leser) zu getan. Er oder sie hat etwas davon, wenn er den Blog besucht. Als Beispiel fällt mir ein lebhaftes Gespräch zwischen zwei Menschen ein. Der eine inspiriert den anderen und sie entwickeln zusammen Neues. Und es gibt auch kein am Ende noch schnell hingeworfenes „Und wie findet ihr das?“.
Wenn ein Blogpost also Impulse gibt, werden andere auch zuhören, kommentieren oder den Beitrag in ihrem Netzwerk teilen. Wer teilt, schreibt in der Regel ein paar persönliche Worte dazu – hey, das ist auch ein Kommentar. Schreibe also so einladend wie du in einem Gespräch bist.

Beispiel Blogger Benno Weber

Benno ist einer der Corporate Blogger bei Swisscanto. Typisch im gesamten Blog, es wird immer eine eigene Meinung vertreten und meistens echter Mehrwert geteilt. In diesem Beitrag ‚Rendite? Nicht mit uns!‘ rüttelt Benno zu Beginn sehr mutig auf (ich find es sympathisch-frech) und holt den Leser anschliessend sofort wieder ab. In meinem Kopf findet ein Gespräch mit Benno statt, ich lese nicht einfach nur einen Bericht.

Benno Weber über Rendite im blog.swisscanto.ch

Benno Weber über Rendite im blog.swisscanto.ch

3. Reden wie im wahren Leben

Bleiben wir bei dem persönlichen Gespräch als Metapher. Mündlich lassen wir ja auch mal einen Gedanken weg, weil der andere mitdenkt. Ich spreche mein Gegenüber mit dem Namen an oder erwähne andere Personen, die vielleicht meine Ansicht nicht teilen. (Es müssen ja nicht immer nur Befürworter herhalten). Ich rede (hoffentlich) auch nicht immer nur von mir.  Meistens duze ich die Leute zu schnell. Aber ich sag wenigstens nicht „man“. Mancheiner beherrscht sogar die Kunst, Bilder in Köpfen entstehen zu lassen. Solche Momente sind seltene Highlights des Alltags.

Wenn jemand eine Beziehung herstellt im Gespräch, mag ich das sehr. Kennt ihr die Werbung, wo einer nach dem Weg fragt, ein anderer erklärt ihn aber der Fragende kuckt einfach in eine andere Richtung? Sowas machen wir im Dialog nicht. Also lasst das auch beim Bloggen sein.

4. Mut zu Relevanz tut gut

Wenn wir über einen Smalltalk (vgl. Facebook Post?) hinaus möchten, brauchts manchmal mehr Worte. Online heisst nicht automatisch kurz. Online ist präzise und wertvoll. Relevanz ist hier ein schönes Modewort, das sich schwer erklären lässt. Es geht um den Augenblick und wie das Gegenüber zum Thema eingestellt ist. Google bewertet Inhalte aus den Augen der anderen. Irgendwie bin ich froh, das damit die ganze SEO Kunst massiv verändert wird. Bekommen die Leute was sie wollen, bleiben sie. Dann findet das auch google gut.

Hier ist es wieder ein Vorteil, wenn Fachspezialisten selbst schreiben. Denn sie wissen einfach mehr, sind glaubwürdiger. Sie haben oft auch Mut zu Inhalten, die dem Leser konkret etwas bringen. (Was wiederum auf die Ziele einzahlen kann).  Manche Fachleute sind sogar gewöhnt, ihr Fachgebiet mit einfachen Worten zu erklären. Ah, das erinnert mich: Einfach darf die Sprache sein in einem Blog. Wenn ich mir vorstelle, wieviele Blogs ich im Zug am Handy lese, bin ich dankbar, wenns eingänglich geschrieben ist.

Beispiel von Blogger Jürg Stuker

Ok, Jürg ist sowas wie der Yoda unter den Corporate Bloggern. Immerhin hat er mich inspiriert vor 8 (jesses) Jahren. Also darf ein Beispiel von ihm nicht fehlen. Jürg gelingt es immer wieder, Wertvolles zu teilen und so, Kunden und Mitarbeiter zu fesseln, pardon zu binden heisst das wohl. Sein Beitrag ‚Kann Wachstum Sünde sein?‘ zeigt soviel „Geheimes“ wie selten in Corporate Blogs zu sehen ist.

Jürg Stuker über einen Vortrag im blog.namics.com

Jürg Stuker über einen Vortrag im blog.namics.com

5. Highlights für den Corporate Blog

Entdeckst du ein Thema, das sich als besonders wertvoll zeigt im Corporate Blog, kannst du es zusätzlich in verschiedenen Formaten wieder aufbereiten. Zum Beispiel kann aus einer PowerPoint-Präsentation später ein Podcast oder ein Interview werden. So bietest du verschiedene Nutzungvarianten. Vorallem gehts mir aber um die regelmässigen Highlights. Du könntest zum Beispiel neben „Butter und Brot“ Beiträgen regelmässig richtige Kracher einplanen. Die brauchen dann auch etwas mehr Aufwand und Ressourcen. Na und?

Und das wisst ihr, liebe Leser, natürlich:
(sogenannt) Verschenktes Wissen bleibt zusammen mit deiner Quelle sicht- und vor allem nutzbar. Das ergibt einen sicheren Wert, der auf die Marke, die Firma oder die Person einzahlt.

Beispiel Blogger Frank Schmiechen

Ok, das ist nicht gerade ein Corporate Blog. Frank Schmiechen schreibt über das neuste Buch von Gunter Dück und erreicht mich als Leser. (geteilt, kommentiert, Buch bestellt.) ‚Dümmer als die Polizei erlaubt‘ vereint viele Finessen des Bloggens. Auch hier Mut zu umgangsprachlichen Worten, die jeder vertsteht und natürlich der wertvolle Inhalt. Die Strategie bei gruenderszene.de ist allerdings, ständig Highlights zu bringen. Als Firmen Blogger sind wir schon froh, wenn wir wenigstens gelegentlich solche Highlights haben. Planen wir sie also realistisch und zum richtigen Zeitpunkt ein und nutzen sie dann entsprechend intensiv.

Blogpost von Frank Schmiechen, gruenderszene.de

Blogpost von Frank Schmiechen, gruenderszene.de

6. Was ist der sechste Tipp?

Ich hab keine Ahnung, warum ich im Titel von 6 Tipps geschrieben habe. Vielleicht hatte ich die leise Hoffnung, du hättest noch einen? Was machst du für mehr Gespräch im Blog?

 

 

 

 

 

So das wars erstmal mit Tipps zum besser Bloggen. Dieser Blogpost gehört zu einer Serie „Besser bloggen“

  • Besser Bloggen – Texten eines guten Blogposts (coming soon)
  • Besser Bloggen – Corporate Blogs in der Schweiz (coming soon)
  • Besser Bloggen – mit internem oder externem Team (coming soon)

PS: Jetzt hätt ichs fast vergessen. Heute ist ein Beitrag in der Computerworld erschienen. Ich durfte etwas zu Corporate Blogs schreiben. Hier gehts zum Beitrag Ein Blog ist kein Selbstgespräch 😉
Und hier ist noch mehr über Blogs.