Flexibler Mensch – Wie Web-Mechanismen unseren Job-Alltag verändern

Zuerst bekam ich von den aktiven Web-Workers, Social Media Women, einen Berg an Tools. Das Wissen einer Themen-Community fasziniert mich eben so, wie die Web-Mechanismen dahinter. Nach denen hab ich gesucht. Warum verändern sie, wie wir zusammen arbeiten und leben? Und was bringt ein flexibler Geist?

An der Connecta darf ich morgen 20 Minuten kurz darüber reden. Neben klugen Menschen wie Sophie Hundertmark, Gunter Dück, Richard Gutjahr, Markus Maurer, André Baldauf, Prof. Nils Hafner und so viele mehr. Es ist unmöglich, alle zu sehen, sehr schade. Endlich mal keine Stunde, aber nun hab ich den Salat. Es ist viel schwieriger mit wenig auf den Punkt zu kommen. Also hab ich auf 4 Aspekte fokussiert.Alles was Tools können, können sie, weil irgendjemand den Bedarf hatte.

Inputs Tools von Social Media Women Schweiz. Dankeschön

1 Virtuell ist auch real

Wir unterscheiden nicht mehr wo wir uns unterhalten oder wann. Das Tool ist vielen egal. Sogar Chats finden zeitversetzt statt. Dazu wären wir offline nicht in der Lage. (und es würde wohl auch niemand ohne Abschiedsgruss einen Raum einfach verlassen) Live-Formate und Hashtags sprengen gleichzeitig geografische Grenzen. Ich kann teilnehmen, ohne physisch dabei zu sein. Wenn Firmen es nicht bieten, finden die Leute Wege, die Tools trotzdem zu nutzen. Oft genug mit privaten Laptops oder Smartphones oder über den Browser, wenn die Installation nicht möglich ist.

Daniela via Zoom

2 Von wegen Privat

Das bringt mich auf Privat. Was ist das schon? Inhaltlich unterscheiden wir noch. Aber bei Menschen, also Kontakten schon nicht mehr. Tools und Plattformen haben uns gelernt, das wir Netzwerke nicht trennen. Sogenannte Connector / Vermittler und ihre Netzwerke werden sicht- und nutzbar. Technisch völlig egal, woher wir uns kennen. Was uns allen klar ist, sogenanntes Geschäftliches findet auch im sogenannten privaten Raum statt. Das ist aber auch ohne Tools so. Geheim oder Sperrfrist ist einem transparent und öffentlich gewichen. Nicht immer gut.

Neu ist, dass Leute in ihren Jobs private Tools (Whatsapp, Drive…) nutzen und wir alle viel persönlicher kommunizieren. ❤️ Emojies sind Standard und längst nicht mehr der Liebe vorbehalten. Der beliebteste ist immer noch 😂 Nun denn. 🤔

 

3 Wissen über das Wissen

Jetzt also wieder ernst. Wissen war noch nie so einfach zugänglich. Aber kaum jemand kann es behalten. Im wahrsten Sinne. Viele denken, sie können alles googeln. Ja, schon, aber wie. Auf Sprachsuche wollen uns SEO Spezis zwar sensibilisieren, aber die Ergebnisse sind wohl kaum das was wir Know-how nennen. Schlicht, weil die Inhalte noch nicht so sprechend (mit integrierten Fragen) angeboten werden und Videos nur durchsuchbar sind mit Apps.

Wir müssen also suchen (mit Strings) oder mit Bookmarks und Tags aufheben. Anderen folgen, die Wissenswertes teilen. Und wieder geht es darum sich zu vernetzen. Es ist als seien wir Menschen gemeinsam das eigentliche Wissen. Leider sind wir zu beschränkt, um dieses zu nutzen. Bots können das besser. In 2 Jahren 17000 Menschenjahre Erfahrung Nach dem Video hab ich endlich auch verstanden, warum #Esports mehr ist als reines Gaming.  In Minute 4:32 „The AI made some really bizarre decisions that the developers could have programmed it not to do. AI teaches itself“ Nach nur 5 Monaten learning schlug der Bot die Spieler in 99.95%) AI und deep learning werden künftig „unser“ Wissen bestimmen. Auffindbarkeit, Konservieren und Durchsuchen von Inhalten ist ein Klacks dagegen.

Elisabeth Stern erforscht Wissen und Intelligenz. Sie fordert, die Fähigkeit zur inhaltsbezogenen Zusammenarbeit zu erlernen (bei Kindern). Ich bin überzeugt, dass wir schon heute ständig und öffentlicher lernen. Das hat sich zusammen mit Webmechanismen geändert. In jedem Job geht es um mehr Inhalt und breitere Spektren als noch vor 10 Jahren. Neben Spezialisierung muss ich auch Nebenjobs beherrschen. Sehr gut seh‘ ich das im Markom. Da gings früher um Themen und heute gleichwertig auch um Daten.

Flexibel im Geist

4 Der flexible Mensch

Das bringt mich zum Menschsein. Tools machen uns flexibler, wenn wir denn flexibel sind. Alles was Tools können, können sie, weil irgendjemand den Bedarf hatte. Ich kann den Satz „Das brauche ich nicht.“ nicht mehr hören.

  • Wir sind virtuell und effizienter dank Tools
  • Tools und Menschen trennen kaum privat und Geschäft
  • Wir müssen ständig und öffentlich lernen
  • Wissenshierarchien fallen (auch zugunsten von Bots)
  • Vorallem brauchen wir einen flexiblen Geist

Ich habe noch kurz in meine persönliche Trickkiste geschaut, was mich im Joballtag beeinflusst. Es sind Eigenschaften, die mich erinnern, es besser zu machen.

Fragen, Fehler machen, transparent und respektvoll agieren, wissensdurstig bleiben, Brücken bauen, testen, adaptieren, verwerfen, mitgestalten, kritisch beobachten, meditieren. Der Mensch kommt noch vor dem Tool. Nicht neu, aber lohnt sich in dem Beitrag zu erwähnen.

 

Einwegkommunikation und Wissenshierarchien: und wo soll Mehrwert entstehen?

Wir brauchen alle Mehrwert. Wo ist er, oder besser gefragt, wie entsteht er? Ich entdecke den Mehrwert von eigenen Stories oft nur, wenn andere kommentieren, Impulse geben oder sich unerwartet äussern (können). Ich unterscheide nicht zwischen interner und externer Kommunikation. Beide beeinflussen sich stärker als manchem recht ist.

Unsichtbare Zäune

Bei mir zuhause ist ein Zaun, weil sonst unsere Terrasse der Parkplatz wäre und der knurrende Hund mich nervös macht. Ich finde den furchtbar. Den Zaun. Über diesen Zaun wird nie ein guter Dialog entstehen. Intern (also mit Nachbarn) ebenso wenig wie mit zufälligen Passanten oder Besuchern. In Firmen gibt es unsichtbare Zäune.

Zaun

Zaun (der übrigens bald entfernt und mit Pflanzen ersetzt wird 😉

Die Digitalisierung fordert immer schnellere Reaktionen, Impulse aufnehmen, Ideen abwägen, ausprobieren und wieder verwerfen. So kann Mehrwert entstehen. Roman Huber schreibt im Beitrag „Fernrohr statt Rückspiegel“, dass Firmen heute agilere Strukturen mit Kooperationscharakter brauchen. Real fehlt es aber in Firmen an Gelegenheiten, Impulse irgendwo zu deponieren, die gefunden, aufgenommen, kommentiert und erweitert werden können. Auch über die Grenze intern/extern wird wenig bis nicht ausgetauscht. Technologien werden ausgegrenzt, nicht getestet, weil die innere Einstellung zu Wandel, Dialog und Kritik fehlt. Man weiss aber nicht, was eigentlich fehlt. Für Content Marketing müssen aber dringend intern (Mehr-)Werte entstehen, die dann extern sichtbar werden. Mehrwerte liegen oft in Impulsen, Wissen, Gelerntem, Fehlern, Ideen, kommunikatorischen Dienstleistungen (dazu andermal mehr). Ich sehe im Alltag drei grundlegende Hindernisse dafür.

Hindernis 1
Information ist Einwegkommunikation

Informationen gehören zu einer alten Form der Kommunikation. Information ist hierarchisch. Jemand hat einen Inhalt und gibt ihn final an andere. Information plant keine Versionierung, keine Kommentare, Ergänzungen. Alle Gedanken wurden (vermeintlich) zu Ende gedacht und werden nun präsentiert. Typisch in Pitches. Kunde sitzt, Agentur steht und informiert, präsentiert sich im besten Schein (Pardon, Licht natürlich). Frage ich aber in die Runde verändert sich nicht nur die Energie im Raum sondern auch das Ergebnis. Auch interne Meetings (und Mails) sind oft in Informationsform. Ich nenne das Einwegkommunikation. Einwegflaschen, Einwegrasierer, all das wirft man nach Gebrauch weg. Sie sind nicht für dauerhaft Wertvolles geeignet. Sie erfüllen nur ein kurzfristiges Bedürfnis.

Eine Information erkenne ich am Satzbau, fehlenden Fragen, abgeschlossenen Aussagen, oft auch Substantivierungen (dann fehlt das Verb). Es wird kein Bezug geschafft zum Empfänger. (Was hat das mit mir zu tun, was habe ich davon?) Das Gespräch ist beendet, bevor es begann.

Setzen Firmen als Kommunikationsziel „wir wollen unsere Zielgruppen informieren“, ist das ein Killer für den Mehrwert. Information erstickt Lernen und Dialog, es entsteht kaum Neues. Diese Form ist berechtigt, aber bitte nicht im Content Marketing. Informationen sind für Broschüren, teils für Webseiten und schwarze Bretter.  Im Content Marketing sollen Menschen etwas mehr bekommen.

Formulieren wir also offen, stellen aufrichtige Fragen, uns selbst in Frage oder hören, was andere ergänzen können.

Hindernis 2 – Wissenshierarchien

Wie intern kommuniziert wird, spiegelt sich extern im Content Marketing. Heute wird sichtbar, ob Mitarbeiter motiviert sind, ihre Firma mögen und auch wieviel sie tatsächlich wissen.

Sichtbar wird die Dialogkultur in Meetings, im Umgang mit Kunden (offen Fehler besprechen, Ideen vorschlagen, die der Kunde nicht angefordert hat, eigene und Vorstellungen des Kunden in Frage stellen, wenn nötig) und auch bei technologischen Lösungen. Es ist nicht mehr tragbar, sich intern ausschliesslich mit E-Mail und offline auszutauschen, denn diese Inhalte sind nicht dokumentiert oder thematisch zu bündeln, auffindbar und nachvollziehbar bspw. von neuen Mitarbeitern. Es entstehen unabsichtlich Wissenshierarchien.

Mitarbeiter, die nicht mitbekommen was andere tun oder gelernt haben, werden öffentlich kaum teilen (bloggen) können. Sie können nicht etwas gerecht werden, was sie nicht kennen. Sie kennen die Firmenpersönlichkeit und das kollektive Wissen zu wenig (wer weiss was und wo lerne ich selbst). Das entstandene Wissen aus dem Alltag sollte dokumentiert werden können, auffindbar sein und auch diskutiert werden. Es gibt auch hier kaum die finale Version. Wissen ist der dauernder Prozess des Lernens. Und dazu braucht es nunmal auch Technologien, die das fördern.

Testen wir slack, Wikis, Bookmarks und interne Blogs und machen Wissen vorallem auch mobile abrufbar.

Hindernis 3 – fehlende Dialog- und Lernkultur

Mehrwert entsteht nicht nur durch Wissen, sondern auch überraschend, wenn wir offen sind, fragen, beobachten und auch Antworten auf nicht gestellte Fragen zulassen. Die oft zitierte Augenhöhe.

Früher konnte man Hierarchien an einer Krone, Kleidern und auch Bildung erkennen. Heute sind sie viel subtiler. In internen Meetings schleichen sich bspw. Muster ein. Es sprechen immer die gleichen Leute. Kommentiert jemand überraschend und es passt gerade nicht ins Konzept des Sprechers, wird der Kommentar vielleicht sogar abgeschmettert. Andere Teilnehmer sehen das und erlernen nicht zu kommentieren. Ihr Wissen, ihre Ideen oder auch nur Meinungen werden sie nicht teilen, man könnte ja falsch liegen. In dieser Kultur braucht es erst Augenhöhe, damit Tools den Dialog fördern.

Al Pacino fragt in Facebook, ob sie einen neuen Film machen sollen

Al Pacino fragt in Facebook, ob sie einen neuen Film machen sollen

Plattformen, auf denen wir intern oder mit Kunden Ideen entwickeln, Kunde und Mitarbeiter im Team kommentieren, ergänzen können und auch Fehler frühzeitig sichtbar werden. Der Faktor Zeit sollte niemals im Wege stehen. Will der Kunde etwas sehen, was halbfertig ist. Warum nicht. Vielleicht ergeben sich Impulse für Wertvolles.

Beispiel: Die beiden Superstars kokettieren mit einer Schwäche, die gar keine ist. Sie setzen die Kommunikation zeitlich viel weiter vorne an. Sie teilen die Idee, bevor sie eine ist, lassen Raum für Diskussion. Warum sehe ich sowas nicht von Firmen.

 

Haben wir doch einfach Mut zu eigenen Fehlern, zum öffentlich Lernen und zu anderen Meinungen.

 

 

 

Alles zusammen

..ist eine hinderliche Mischung. Mehrwerte brauchen wir als internen Motor als auch für die externe Kommunikation. Basiert eine Firma auf Einwegkommunikation, vermisst man auch die Technologie nicht, mit denen Wissen abgebildet wird oder entstehen kann. Es findet wenig Dialog statt und das ständige Lernen bleibt unsichtbar. Die Content Marketer drehen sich dann erfolglos im Kreis, weil sie statt Mehrwert nur reine Information oder Unterhaltung zu bieten haben. Davon haben die Menschen genug.

Social Media Konferenz – Raiffeisen spricht über Geld, bzw. Nadine Stutz tut es

An der heutigen Social Media Konferenz in Zürich hält Nadine Stutz, Social Media Managerin bei Raiffiesen einen Vortrag. Ich hab ihr einige Fragen gestellt. Dabei hab ich von ihren sieben Mantren erfahren und ihre praktischen Ansätze, die sie mit dem Publikum teilen wird. Note: Ein Mantra kommt aus dem Yoga (Sanskrit) und ist ein Instrument für die Geist-Kontrolle. „Man“ kommt von Mano – der Geist/Intellekt und tra bedeutet soviel wie „durch“. Ein Mantra hat immer noch einen Zusatz, der anzeigt, wodurch der Geist gelenkt oder befreit wird. In ihrem Fall wäre das ‚Social Media‘ – Mantra. Sinngemäss geht es darum ein Mantra sooft (z.B. 108 mal) zu wiederholen, bis es den Geist vollständig darauf konzentriert. Ich dachte, ich ergänze das kurz.

Die beruflichen Mantren von Nadine Stutz sind also:

  • Love people – Love Coffee
  • Walk the talk
  • Being a Bad Cop is a Good Thing
  • Make Use of What You Have
  • Content is King – Context is Queen
  • No Man is an Island
  • Added Value – Added Value – Added Value

Das fängt ja gut an, da musste ich natürlich noch ein bisschen mehr nachfragen.

Nadine, warum ist Raiffeisen so früh dran mit Social Media Themen, gegenüber anderen in der Branche?

Sind wir früh dran? Ich denke eher, wir sind gerade noch auf den Zug aufgesprungen… Ich gehe davon aus, dass noch zwei Jahre verbleiben, bis dann gewisse Finanzinstitute das Augenmerk wieder oder verstärkt auf Social Media legen.

Fehler eingestehen, ehrlich sein, den User ernst nehmen und Fragen beantworten, ist eure Devise. Warum?
 Oder andersrum gefragt, warum tun sich viele Unternehmen immer noch schwer damit, Fehler einzugestehen?

 

Nadine Stutz, Social Media Managerin bei Raiffeisen

Nadine Stutz, Social Media Managerin bei Raiffeisen

Weil Social Media keine klassische Werbung macht, die dem Kunden etwas verkaufen oder aufhalsen will; sondern Kommunikation und Kundendienst. Wenn man einen Kunden am Telefon hat, dann versucht man auch das Problem zu beheben. Das Problem bei Unternehmen liegt nach wie vor in der Vorstellung, dass man die Kontrolle über die Marke und die Kommunikation besitzt. Zusätzlich herrscht teilweise die Meinung vor, dass wenn man den Personen keine Austausch-Plattform bietet, sie sich dann auch nicht austauschen. Natürlich stimmt das nicht. Es ist besser informiert zu sein und handeln zu können, auch wenn es manchmal unangenehm ist, als die Augen zu verschliessen und dann mit grösseren Probleme zu erwachen. Ausserdem sind Äusserungen einfach Meinungen, negative und positive – und Menschen sollten ein Recht auf eine Meinung haben. Unternehmen werden von Menschen geführt und Menschen machen Fehler – dazu kann man stehen.

Wie habt ihr euch und warum für welche Plattformen für Raiffeisen entschieden?

Noch vor der Schaffung der Stelle „Social Media Manager“ gab es einen Pilotversuch mit Twitter und Facebook. Soweit ich das sehe, ging man damals nach Schema F vor: die beiden Plattformen sind am bekanntesten, also benutzen wir sie. Mittlerweile hat jede Plattform eine bestimmte inhaltliche Ausrichtung sowie eine bestimmte Zielgruppe. Wir wollen die (potentiellen) Kunden und Stakeholder dort abholen, wo sie sich aufhalten.
Anmerkung: Raiffeisen hat einen Corporate Blog namens Panorama Magazin etabliert, mit täglichen Beiträgen, nutzt Twitter, Facebook (!) Youtube und XING. Dort führt das Finanzinstitut einen wirklichen Dialog und wird dadurch zum Vorzeige Projekt in der Branche. Hier teilt das Raiffeisen ihre Social Media Richtlinien

Wo waren die Stolpersteine intern?

Organisation/Prozesse – (vermeintliches) Wissen – Inhalte. Probleme gab es insbesondere im Bereich der Organisation. Meine Stelle ist der Gruppen/Unternehmens-Kommunikation angegliedert – das stiess nicht bei allen auf Verständnis. Hinzukommt, dass das Wissen über Social Media stellenweise gering ist und Social Media mehr als Entertainment Channel und Nebensache behandelt wurde. Die Einstellung, dass man über Geld nicht spricht resp. das Thema Geld nicht allzu viel her gibt, keinen interessiert, musste zuerst einmal adressiert werden. Inhalte sind nicht langweilig nur weil Finanzwelt drauf steht. Geld ist ein Universalthema und ziemlich komplex: deshalb eignet es sich für viele unterschiedliche Kommunikationsplattformen.

Wie habt ihr sie gelöst? (bzw. löst ihr sie noch?)

Wir lösen sie noch! Der Prozess ist kontinuierlich und wird wohl bei dieser Grösse des Unternehmens nie ganz abgeschlossen sein. Teil der Lösung ist sicherlich das Enabling der Mitarbeitenden. Die Möglichkeiten von und mit Social Media aufzeigen, die Angst nehmen, Verständnis schaffen. Einer der wichtigsten Punkte und Erfolgsrezept ist „Walk the talk“. Ich kann noch lange sagen, dass es wichtig ist, dies und das zu machen. Aber sobald ich gezeigt habe warum, gibt es (fast) keine Diskussionen mehr. Man muss bereits sein, diese „extra Mile“ zu gehen.

Wir beide sind uns einig, dass der SoMe Manager eigentlich Change Manager heissen sollte. Warum?

Weil Social Media in einem Unternehmen langfristig nur erfolgreich sein kann, wenn die Social Media Strategie im Unternehmen verankert und gelebt wird. Noch immer existiert viel Un- oder Halbwissen zu Social Media in Unternehmen; noch immer höre ich den Begriff „Hype“, noch immer gibt es Mitarbeitende, die denken Social Media gehe vorbei. Social Media haben die Art und Weise wie Menschen kommunizieren verändert. Das kann man nicht rückgängig machen. Es braucht deshalb in Unternehmen kulturelle und strukturelle Anpassungen. Die Organisation/das Unternehmen muss Social Media adäquat handeln können. Organisch hierarchisch gewachsene Unternehmen bekunden Mühe damit, weil sie eher fixiert sind auf hierarchische Entscheidungswege anstelle von fachlichen.

Welche E-Collaboration Plattformen nutzt ihr intern bei Raiffeisen?

Tragisch aber wahr: (noch) keine.

Was meinst du mit Technik vs. Content?

Die erste Frage ist immer: welcher Inhalt für welche Zielgruppe mit welchem Effekt. Erst dann suchen wir die Plattform, bauen sie oder adaptieren eine bestehende. Diese Vorgehensweise stösst nicht immer auf Verständnis, da Social Media für einige nach wie vor ein aus der Technik- und IT-getriebener Bereich ist. 

Das Wording ist entscheidend oder Context is King.
Anmerkung: Nadine erzählt im Hangout Interview auch, wie sie damit umgeht, dass als Finanzinstitut nicht deutlich machen darf, dass das Gegenüber ein Kunde (im Geschäftsverhältnis) ist.

Wie hast du es geschafft, kurze Entscheidungs- und Handlungswege zu etablieren, bzw. warum war das überhaupt nötig?

Ich darf mich auf die tolle Unterstützung von meinen direkten Vorgesetzten verlassen und darauf aufbauen. Sie lassen sich gerne gewisse Dinge im Bereich Social Media erklären und lernen gerne dazu. Sie überlassen mir aber die Fachverantwortung. Nötig ist es, da Reaktionszeiten und Projektumsetzungen zeitkritisch sind.

Hast du Tipps für Verantwortliche in der Finanzbranche, die gerade starten mit Social Media?

Man muss bereit sein, Überzeugungsarbeit zu leisten. Immer und immer wieder. Bereit sein, auch unkonventionell und über alle Hierarchiestufen hinweg zu netzwerken und Überzeugungsarbeit zu leisten. – Kaffeetrinken!

Wir haben uns entschieden trotz der schlechten Übertragungsqualität im Hangout, den Inhalt mit euch zu teilen. Ich hatte Nadine u.a. gefragt. Welche Prozesse hat es intern in Gang gesetzt?
 Schaut doch mal rein, wenn ihr den Vortrag nicht gehört habt an der Konferenz.

Mir ist aufgefallen, ich frage zuviel in einem Satz. Ja, nu, sie hat sich tapfer geschlagen. Nadine ist eine aussergewöhnliche Frau mit Power und einem riesigen Wissensschatz. Danke.

Kinder, Kinder, wie sollt ihr Social Media lernen?

Über Jugendliche, Kinder und Social Media mach ich mir regelmässig Gedanken. Inzwischen wird an vielen Schulen über Mobbing im Web gesprochen und auch die Privatsphäre Einstellungen sind bekannt. Aber werden die Medien auch wirklich schon eingesetzt im Unterricht, als sei es das normalste von der Welt?

Warum ich das gerade heute aufgreife? Ich bekam eine Anfrage von einem 11jährigen. Im Unterricht behandeln sie das Thema „Medien“. Elias und seine Gruppe haben sich fünf Fragen zum Thema „Social-Media“ ausgedacht, die ich recht fortgeschritten finde und mit eurer Hilfe beantworten möchte.

  1. Ist Twitter und Facebook für Kinder unter 10 Jahren geeignet?
  2. Welche Gefahren hat Facebook und Twitter?
  3. Welchen Sinn macht Twitter und Facebook?
  4. Welche positiven Seiten hat Twitter und Facebook?
  5. Wie wehrt man sich gegen Cyber Mobbing?
Sinnbild: Kind allein am Wasser. So stehen manche Kinder auch im Web alleine da.

Sinnbild: Kind allein am Wasser. So stehen manche Kinder auch im Web alleine da.

Nun ist das aber nicht mein Kerngebiet. Ich verweise gerne auf Philippe Wampfler. Philippe beschäftigt sich intensiv mit Social Media und Schule. Im Sommer bringt er sein neues Buch heraus. Vor einiger Zeit stellte ich ihm ein paar Fragen, die heute endlich ihren würdigen Rahmen finden. Mir ist bewusst, dass ich hier unter dem Begriff „junge Menschen“ denke. Deshalb mische ich Schule und Hochschule. Verzeiht mir das.

Philippe, Was ist deine Kernbotschaft?

Meine Kernbotschaften sind immer dieseleben: Mit Jugendlichen sprechen, ihnen zuhören und sie begleiten. Echtes Interesse an ihren Gedanken und ihrer Mediennutzung zeigen, ihnen helfen, mit ihren Bedürfnissen und Gewohnheiten umzugehen, sie auch ermuntern, auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln – sie damit aber nie alleine lassen.

Haben Lehrer wirklich die Kompetenz, Social Media zu vermitteln, wenn sie dazu „verdonnert“ werden ?

Kompetenz ergibt sich aus der Kombination von Informationen mit Erfahrung. Lehrpersonen sind nicht generell inkompetent im Umgang mit sozialen Netzwerken, aber auch nicht generell kompetent. Ich erlebe eine grosse Heterogenität: Auf einer Seite viel Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, auch viel Wissen und Austausch – auf der anderen Seite ein starkes Klammern an die Schule, wie sie früher schon gewesen ist.

Werden da tatsächlich auch Online Kommunikation, Auffindbarkeit und Verlinkung durch Plattformen und Content unterrichtet?

Auch hier werden viele Aspekte unterrichtet, die sinnvoll sind – aber das hängt stark von den Lehrpersonen ab und ist in zu grossem Masse in der Schweiz zufällig, meiner Meinung nach.

Welchen Stellenwert hat im Unterricht die Sozialkompetenz?

Ich kann nicht generell sagen, wie wichtig Sozialkompetenz ist, aber meiner Einschätzung nach ist das einer der wichtigsten Werte an Schweizer Schulen. Das soziale Miteinander kommt oft vor allem anderen – und das halte ich für richtig. Im Umgang mit Medien wird dieser Aspekt aber oft etwas vernachlässigt, weil man Medien oft als einen Einfluss wahrnimmt, der völlig unabhängig von sozialen Kontexten funktioniert. Und das ist falsch.

Welche Tipps hast du für Eltern, die selbst nicht online kommunizieren wollen?

Diese Eltern sollten sich regelmäßig mit Menschen austauschen, die Online-Kommunikation pflegen und ihr eigenes Verhalten Kindern nicht aufzwingen, sondern ihnen ermöglichen, eigene Erfahrungen zu sammeln – die aber mit ihnen auch kritisch zu besprechen.

In Bachelorstudiengängen unterrichten inzwischen viele Dozierende neben ihren Themen auch einzelne Aspekte von Social Media. Am Ende denken manche junge Leute, sie hätten schon alles gesehen. Was sagst du dazu?

Ich denke, an Hochschulen wird Social Media als theoretisches Phänomen unterrichtet. Unterrichteten sollte wohl klar sein, dass sie Einsichten mit praktischer Erfahrung vervollständigen müssen.

Anmerkung von Su: Das fällt mir seit 2013 verstärkt auf, den sogenannten digital Natives wurde lange eingeredet „sie können das“, dabei fehlen die eigentlichen Grundlagen und manchmal der Wille für professionellen Einsatz und Experimentierfreude.

Welchen Einsatz finden Social Media Instrumente im Unterricht in deiner Schule?

An Schulen ist der Einsatz sehr unterschiedlich. Es gibt wenige Lehrpersonen, die den Unterricht durch Tools wie Twitter oder Blogs ergänzen und erweitern, andere nutzen einfache Kanäle wie WhatsApp oder FB auch zur Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern. Es gibt viel Potenzial für kreative Lösungen.

Anmerkung Su: Ich wünsche mir, dass Technologien, die auf Social-Mechanismen basieren, mehr eingesetzt werden. Wikis, Austauschplattformen, wo Schüler, Studierende und Dozierende gleichermassen beitragen. In einem Interview hab ich von dir zum erstenmal von MOOCs gehört. Dabei geht es vorallem nicht um die autoritäre Vermittlung von Inhalten, sondern darum, dass die Lernenden als Community beitragen. Neben Moodle, das ich oft als Dokumenten-Management-System erlebe, haben Dialogplattformen in der Lehre grosses Potenzial. So könnten alle Beteiligten  E-Collaboration erleben und Chancen und Gefahren von Online Netzwerken verinnerlichen. Blogs sind hier nur ein kleiner Teil, aber ich finde die Erfahrungen der Studierenden von Hans-Dieter Zimmermann lesenswert. Wie die FHS in einem Lab Prozesse modellierte ist ebenfalls einen lehrreichen Blick wert. Chat war eins der beliebtesten Tools. Warum wohl in Firmen und Schulen immer noch so viel gemailt wird?

Wem empfiehlst du dein Buch?

Mein erstes Buch richtet sich vor allem an Lehrpersonen, ist aber auch für Eltern von schulpflichtigen Kindern interessant.

Was hältst du von Kinderbildern, die bereits zur Geburt von Eltern geteilt und mit Namen vertagt werden?

Kinder haben meiner Meinung nach das Recht, ihre Internet-Präsenz selbst zu bestimmen. Das Bedürfnis von Eltern, ihren Nachwuchs zu präsentieren, halte ich für weniger wichtig als die Rechte betroffener Kinder. Gegen wenige, gut ausgewählte Portraits von Kindern gibt es aber wenig einzuwenden. – Dankeschön, Philipp.

Tipps zum Vertiefen

Aber nochmals zu Elias‘ wichtigen Fragen. Wie sollen Kinder Social Media lernen? Ältere befragen ist schonmal ein guter Anfang. Was würdet ihr ihm antworten?

 

Social Intranet innen wie aussen

ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll. Social Kommunikation an Studenten zu vermitteln ist gar nicht so einfach. Gut, die externe kann man prima praktizieren. Aber schnell ist klar, die interne ist die wichtigste Säule für eine starke externe Kommunikation. Und hier wird die Praxis schnell wackelig. Mögliche Tools gibts wie Sand am Meer. Diese hat uns übrigens Dragiza letztens vorgestellt. Wikis, cloud drives, google sites + drive, Blogs, Podio

Aber was macht man, wenn die Intranets = Download-Bereich bedeuten. Also für die Studentierenden (ich bessere mich) reines Holen von Handouts (übrigens wertfrei und auch nicht aussergewöhnlich). Kein Austausch, kein Upload, keine webbasierte Zusammenarbeit, kein Chat für sie. Mail als Hauptinstrument. Logisch, dass sie sich andere Wege suchen und geschlossene Facebook Gruppen, Dropbox und google Drive und Skype oder FB Chat einfach einsetzen. Realität. Dazu lesenswert „guess what Mr. CIO one in fife of your employees uses dropbox)

Ihr wisst alle selbst, wie die Intranet Struktur in der Praxis aussieht und auch Hans-Dieter Zimmermann scheint dankbar um fortschrittliche Beispiele. Und dann bin ich unglaublich dankbar, wenn ich mich mit den jungen Leuten in eine Firma einladen darf, wo die Kultur und die Technologie auf dem Social Stand der Dinge ist. Ihr ahnt es, auch nach 2 Jahren, bleibt die social Kommunikation von Namics mein Favorit. So waren wir gestern mittendrin im wikibasierten Intrant. Die Studis wünschten sich zu Beginn wichtige Punkte, die sie von einem Intranet erwarten und Jürg Stuker konnte alle bieten. Ich glaube ein kleiner Punkt blieb offen (die Kalenderübersicht aller Events)

Meine Highlights:
– jeder kann von jedem Gerät (auch fremden) zugreifen
– alle haben die gleichen Berechtigungen
– wenn etwas nicht gesehen werden darf, gehört es nicht ins Intranet
– jeder kann alles editieren
– Bilder werden aus der Flickr Gruppe angezogen (197 freiwillige Accounts von 350 Mitarbeitern)
– die Suche ist übergreifend und findet auch Inhalte aus dem öffentlichen Blog
– der Mensch steht als Absender von Beiträgen im Mittelpunkt (mehr über die Person)
– Blog Kategorien für schnelllebiges
– regelmässiges Aufräumen ist nötig
– drei Pfeiler. Klassische Navigation, Menschen mit ihren Inhalten, Volltextsuche
– und die Bemerkung ganz nebenbei, das es „nun wirklich keine Flash-Anwendungen mehr braucht“

Mein Fazit zum Thema: ich wünsche mir, dass Unternehmen Vertrauen in ihre Mitarbeiter investieren, eine Kommunikationskultur die auf Augenhöhe ist und dann vielleicht noch ein paar technische Aspekte im Sinne der Mitarbeitenden anbieten. Damit wird eine der (in meinen Augen) wichtigsten Grundsteine der Social Media Kommunikation gelegt. Die Leute lernen die Mechanismen, tragen bei ! und die Kommunikatoren, wissen wer was beitragen kann und vorallem, welche Themen sich für die externe eignen. Social Media lässt sich schwer nach aussen praktizieren, ohne innen vorzuleben. Es ist mal wieder Zeit, dir, lieber Jürg zu sagen. Ich würde meinen Job heute nicht so leidenschaftlich und selbstverständlich machen, wenn ich nicht die „Lehrjahre“ bei euch gehabt hätte und dich als meinen Mentor in Online Fragen und Vorreiterrolle in Managementfragen. Danke und Happy birthday.

PS: eine Frage konnte nicht abschliessend geklärt werden. Ab welcher Firmengrösse macht so eine Plattform Sinn? Nach drüber Schlafen denke ich, die Frage sollte sein, ab welchem Kommunikationsbedürfnis macht es Sinn.

Und was mir noch einfällt, liebe Studis. Für einen Blog ist es lebenswichtig, Echtzeit-Beiträge vor den Redaktionsplan zu stellen (dieser ist mehr eine Art Guide). Sonst können wir gleich ein Magazin produzieren, welches dann selbstverständlich auch ohne Rechtschreibfehler ist (wirklich?) ^^