Digital Learning – ohne Konzept – spontan aufgesetzt

Hier geht es nicht um Konzept und Planung sondern Improvisation. Offline Kurs nicht möglich. Also online machen. Am 11.3. haben meine Lieben mich nachdrücklich gebeten, nicht zu unterrichten. Aus Gründen. (Der Bundesrat Entscheid, Schulen zu schliessen, war noch nicht gefällt.) Ich hatte aber einen Kurs bei Digicomp und Hochschule. Ich habe also im Chat an meine Studiengangsleitung geschrieben. (Natürlich etwas netter.) „Ich unterrichte online. Ich werde nicht kommen.“

Wir haben eine gratis Sprechstunde eingerichtet. Wir bieten Kurse für Dozierende, um besser online zu unterrichten. Nein, keine zoom Tipps, sondern online Didaktik 😉

Spontan und ohne Vorbereitung hab ich den Kurs online gemacht.
Vielleicht könnt ihr meine Learnings gebrauchen.

Kurse spontan online halten. In die Kamera schauen.

Tools für Schulen/Dozenten

  • Bis 4 Personen und für Workshops Whereby.com Vorteil, du musst nur 1 Raum anlegen in 30 sec. und diesen als Link teilen. Läuft im Browser. Wichtigste Funktionen sind da. Chat, Video, Screenshare. Gratis Account reicht. Bezahl-Account für 100 CHF kann noch recording.
  • Grosse Klassen zoom.us (FHNW hat pro Version für 40.– /p.M.) Vorteil: Mehr user, Bezahl Account kann mehrere Klassen-Räume einrichten, behält die Hohheit, alle inkl. Dozenten müssen nur beitreten. Studiengangsleiter können so jederzeit auch mal reinschleichen.
  • Achtung zoom gratis Account kann nur 40 Minuten, dann stellt es ab.
  • Ein Gerät reicht. Ein zweites Gerät ist von Vorteil für Workshops und Whiteboard (in der zoom App bietet sich ein iPad mit Zeichenfunktion an, hab ich nicht getestet, weil keine Zeit)
  • Handout Zusammenarbeit über google Slides, die Learnings von allen hier gleich notieren, statt am Whiteboard
  • Klassenchat via Whatsapp für schnelles Aufsetzen

Workshops 4 x 3 Leute

  • habe ich in separaten Geräten und Tools (whereby weil browserbasiert und so 2. Gerättauglich.
  • Klassenzimmer in Zoom. Workshop auf Whereby.
  • Jedes Team hat ein eigenes leeres google Slide mit Workshop Maske zum Ausfüllen
  • Verbindung in zoom (Klassenzimmer) stehen lassen, dort nur die Cam und Micro ausschalten
  • 2 Klassen-Chats: 1 in Zoom für Unterricht, wenn alle am Screen sind. 2. in Whatsapp für Abstimmung und Links für die Workshop-Räume. Damit die Links schon mobile nutzbar sind.

Tools für Studierende

  • zwei Geräte mit Mic und Cam (das zweite ist für Workshops)
  • Papier. Kein Witz. Neben den vielen offenen Tabs und Handout.

Zoom Start – 2 Tipps:

  1. Nutze den Link (Browser) und nicht die App (so hast du die App an einem anderen Gerät noch frei
  2. Der Start Screen sieht so aus, dann musst du nur unten links Cam und Mikro aktivieren.

Wenn alle da sind, sieht zoom so aus.

Zoom Klassenzimmer

Whereby Start Tipps

Am ersten Tag hab ich eine kleine Gruppe (3) in Whereby gemacht, weil ich das schlicht schon benutzt hab im Alltag.

  • Cam haben wir meistens ausgeschaltet, das spart Bandbreite. Vor und nach den Pausen immer anschalten wegen der Stimmung.
  • Die Mac Book Airs fangen ohne Cam nicht an zu kühlen (Stressfaktor).

Design:

  • Schriftgrösse bei Slides (28pt) weil Slides nicht am Beamer, sondern auf kleinem Bildschirm.
  • Handschriftliche Notizen via iPad oder physischer Flipchart im Hintergrund.
  • Zwischenslides reduziert, klar, um aufzuzeigen wo man gerade steht.
  • Seitenzahlen sind wichtiger denn je.
  • Ich habe mich entschiden mit meinem eigenen Layout zu arbeiten statt dem Hochschul Layout, weil meins „ruhiger“ ist, ohne Logos und Zeug.

Soziale Interaktion: Achtung, niemand schaut einen wirklich an!

  • Lächeln. Das braucht es mehr als offline. Auch mal in die Kamera lächeln, nicht zum Bildschirm. Das ist kein Witz. (Schau mal mein Bild an 😂)
  • Wesentlich mehr kleine Pausen einräumen, als offline. Jede Stunde, 10 Minuten.
  • Chat im Auge behalten in grossen Gruppen.
  • Vor und nach den Pausen die Cam anschalten, alle wieder abholen und integrieren.

Im Shot hier ist Screenshare in Whereby zu sehen.

Moderation:

  • Seitenzahlen ansagen (Die Ablenkung am Bildschirm ist gross).
  • Mehr Raum für Fragen lassen, denn man sieht die Gesichter nicht.
  • Kürzere Workshops, dafür mehr (Stille aushalten, wenn jeder auch mal vor sich hin arbeitet oder Notizen macht).
  • Einladen zum Diskutieren (Leute sind nicht gewöhnt am Bildschirm zu sprechen).
  • Auf Bewegung achten (wen die Cam an ist, Menschen bewegen sich, wenn sie sprechen möchten)
  • Workshops mit (App) mural (Danke Daniela für den Tipp) Ich habe mural aus Vorbereitungsgründen ersetzt mit Vorlage in google.slides. (Es war eine Nachtschicht)

Mural: Vorlagen für dezentrale Workshops

Was mir fehlt

  • Blackscreen im Präsentationsmodus
  • Zeit. Es dauert alles ein bisschen länger und man muss manche Side-Bemerkung oder Ergänzung weglassen. Dafür der Klasse noch mehr Raum geben für Fragen oder Beispiele
  • Gesichter und Körpersprache

Lernerfolge sichern:

  • Teilnehmenden wiederholen nach jeder Lektion, ob das Gesagte verstanden wird.
  • Notizen von Lern-Punkten direkt im Handout live (statt Flipchart).
  • Notizen im Handout durch Teilnehmende zulassen (find ich cool).
  • Zeit für Notizen lassen. Du siehst nicht, wenn jemand nachdenkt.

Dankeschön

Nachtrag 13.03. Die FHNW hat ebenso über Nacht alles aufgesetzt für die CAS Dig. Marketing Specialists. Obwohl es noch keine offizielle Order dafür gab. Ein riesen Danke an Studiengangsleiter Andre Niedermann und Digital Learning Spez. Dr. Torsten Wingenter. Kompliment an eure Professionalität und auch Agilität.

Ein paar Tricks:

  • Handout = google Slides, live update Notizen
  • Wer selbst Notizen machen will, bitte Copy erstellen.
  • Whereby in Chrome kann nur 1 Browser Tab teilen. Also ein Tab-Share zurückziehen und erneut Sharen. (im whereby Tab) Das verschafft auch den Teilnehmenden etwas Luft zum Verschnaufen.
  • Wenn der Ton nicht geht, Link neu eingeben, „Raum neu betreten“ Dann tut’s meistens.
  • Alle schalten Micro aus wenn sie nicht sprechen. Sonst entsteht Rückkopplung oder Störung wenn jemand tippt.
  • Cam an und aus, muss man sich etwas angewöhnen. Ist aber wichtig, immer wieder mal alle zu sehen.

Ach ja, es ist sehr anstrengend…. Sehr. Für alle. Ganz herzlichen Dank, dass ihr alle so toll mitgemacht habt.

Komm in die Community – und was bekomm ich?

Der wunderbare Ranga Yogeshwar brachte es ans Licht. „Es müssen immer mehrere sein, die andere Informationen haben als die anderen“. In einem Experiment wies er zusammen mit dem Wisschenschaftler Jens Krause nach, wieviele Leute es braucht, eine Gruppendynamik zu verändern. Bei 10% von der Menge funktionierte es ganz leicht.

Ein Auszug: „Leader“ heissen sie in der Versuchsanordnung. Doch nicht immer werden sie dem Begriff gerecht. Nichts passiert, als es nur fünf Teilnehmer sind, die ausscheren. Schnell vereinsamen sie, und der Schwarm zieht weiter seines Weges. Bei zehn anders Informierten funktioniert das Mitziehen leichter. Der Schwarm löst sich aus der Kreisform und schiebt sich in eine neue Richtung. Bei 20 Ausreissern ist es überhaupt kein Problem mehr. Sie reissen den Schwarm förmlich mit.“

Communities von Firmen

Nicht nur mit diesem Hintergrund, finde ich es lustig, dass wir in unserer Branche von DER Community ausgehen. DIE oder gar „unsere“ Community gibt es nicht und wir können sie auch nicht managen. Ich denke, wir haben ein paar gedankliche Hausaufgaben. In Social Media verbindet die Leute oft nur ein einziges Element, ein Thema. Die Community soll geführt werden (von jemandem der ein besonderes Interesse daran hat). Im Experiment oben ist es ein Auftrag. Wir stellen uns oft eine Gruppe von Leuten vor, die gemeinsam an einem Ort sind und die das Gleiche wollen. Das ist nicht so.

Wenn nur der Moderator gewinnt

Blogleser zum Beispiel sind in meinen Augen keine Community (Gruppe mit gleichem Interesse). Sie kommen ja nur in diesem einen Moment Lesen/Kommentieren/Teilen „zusammen“. Und das oft nicht mal nachhaltig. Danach sind sie oft wieder weg, bekommen weitere Kommentare nicht mit. Firmen, übernehmen in Social Media Präsenzen oft eher die Rolle vom Moderator. Natürlich von eigenen Themen. Man versucht, zielgenau die Bedürfnisse der Community und manchmal auch die der Algorithmen zu bedienen. Der vermeintliche Gewinner ist der Moderator, die Firma, die etwas über ihre Zielgruppe erfährt oder Reichweite bekommt. Dass es wesentlich komplexer ist, wisst ihr selber. Natürlich haben auch Kunden manchmal was davon, wenn sie Vergünstigungen bekommen, unterhalten werden etc. Aber darum geht es mir nicht.

In funktionierenden Communities
haben alle was davon

Bildschirmfoto 2015-01-06 um 13.15.08Wirklich Spass machen mir persönlich Communities, die von mehreren Leuten bereichert werden. Ich denke, die 20 Leute im Experiment hatten diese Rolle. Mit reinem Fragen stellen oder moderieren ist sowas kaum getan. Firmen sollten Formen finden und nutzen, wo mehrere Leute gleichberechtigt beitragen können und dies vorallem auch tun. Das ist wohl das Erfolgsgeheimnis von Medium.com, Facebook und google Gruppen. In einer funktionierenden Community gibt es nicht nur einen Gewinner. Leser ist nicht nur Leser, sondern auch Autor, Kommentator usw. Ich denke es sollten auch nicht nur die sog. Leader der Gruppe sein, sondern alle, auch die Nur-Zuhörer, wenn wir denn schon welche haben. Ja ja, die 1/9/90 Regel.. die besagt aber nicht, dass die 90% nichts bekommen und auch nicht, dass jeder einzlne ständig die Rollen wechselt. Wie im wahren Leben halt.

Intranets könnten ja auch eine Community Plattform sein. Aber lassen wir die traurige Realität mal kurz beiseite. Mitarbeiter, Studierende, Berufskollegen, Vereinsmitglieder organisieren sich längst in Gruppen anderswo. Warum wohl? Weil die Leute wissen, dass sie dort das bekommen, was sie aktuell brauchen.

Das zusätzliche verbindende Element

Oder mehrere verbindende Elemente

Ok, Gruppe gründen und los? Wie ihr natürlich wisst, sind manche Gruppen dynamischer als andere. Ich habe beobachtet: die rockenden Gruppen haben ein zweites oder drittes verbindendes Element haben. Zum Beispiel Social Media Women Schweiz. Diese Leute verbindet mehr: die Aufgaben im Job (unterschiedliche), das Frausein, das Land…

Gelernt aus verschiedenen Communities

mehrere verbindende Elemente

Hier herrscht eine völlig andere Mentalität als bspw. auf Fanpages oder Blogs. Vermutlich weil die Themen nicht von einer Instanz vorgegeben werden. Sondern wirkliche Bedürfnisse geteilt und vorallem beantwortet werden. Überraschenderweise immer wieder von anderen Mitgliedern. Ich habe mein eigenes Verhalten und den Mehrwert, den alle bekommen in verschiedenen Gruppen beobachtet und einiges gelernt dabei.

  1. Es braucht mindestens ein zweites verbindendes Element
  2. Es braucht mehrere Moderatoren / Heinzelmännchen, die ein bisschen aufräumen
  3. 1% Moderatoren reichen. Also bei 300 Leuten, 3 Moderatoren. Bei 20 wird die Abstimmung schwierig und man denkt schnell „der andere machts“.
  4. Die sogenannten Leader müssen nicht Moderatoren sein
  5. Es braucht einige Zeit, bis die Gruppe „von selbst läuft“. Es scheint nicht die Anzahl Mitglieder zu sein, sondern die Zeit. Durchschnittlich ging es ein Jahr, bis die Leute sich eingebracht haben.
  6. Es ist gut, wenn das Ziel der Gruppe klar beschrieben ist
  7. Es ist wertvoll, wenn neue Leute sich kurz vorstellen und beschreiben, was sie einbringen und nicht nur was sie gewinnen möchten.
  8. Jeder definiert Spam anders. Das kann man ruhig thematisieren. Das sprichwörtliche Wissen der Vielen hilft hier oft weiter.
  9. Ab einer bestimmten Grösse kommt die Frage über die (Nicht/)Auffindbarkeit. Je grösser die Gruppe, um so mehr Leute finden sie, treten bei, aber tragen oft nicht bei.
  10. Regelmässig Offline Events einplanen / anbieten.
  11. Vorsicht vor Gruppen mit Wettbewerbspotenzial. Wenn Mitglieder von anderen (wegen Positionierungszielen) gemassregelt werden, sinkt die Beitragsrate zusehends.

Haie und Trolle

Keine Haie im Rhine Bild: watson

Keine Haie im Rhine Bild: watson

Im Experiment gab es auch einen Hai, der die Menge aufgemischt hat. Das kennen wir im Web natürlich auch, nur nennen wir sie Trolle. Mir gefällt Hai ja fast besser. Denn er tut was er tun muss, weil es seine Natur ist. Oft ist sich ein Troll nicht bewusst, dass sein/ihr Verhalten von anderen als mut- oder böswillig aufgefasst wird. Das zeigt das aktuelle Beispiel in der „Twitter Community.“ (Mitglieder übrigens mit nur einem gemeinsamen Element – die Plattform) In einer funktionierenden Community aber, würde ich das persönliche Gespräch mit dem Hai suchen, ihn ggf. rauswerfen, aber sicher nicht füttern.

 

 

Was ist denn nun eine erfolgreiche Community?

Ich muss euch enttäuschen. Ich weiss es nicht. Das kann nur jeder einzelne für sich sagen, der Mitglied einer solchen Gruppe ist. Aber wenn ich was nicht weiss, frag ich halt. Vor vier Jahren haben Marie-Christine Schindler, Mona Sorcelli und ich die o.g. Gruppe Social Media Women (Schweiz) gegründet.  420 Leute tauschen sich in einer Facebook Gruppe, bei Kursen und offline Events aus. Sie tun es tatsächlich. Nicht nur ich empfinde diese Gruppe, als Lieblingsgruppe, weil sie einfach vor Mehrwert strotzt. Ich hab also dort mal gefragt und bekam interessante Antworten. Meine persönlichen Highlights

a) mehrere verbindende Elemente
b) echter Mehrwert (für alle)
c) der faire Umgang miteinander, keine Haie.

Was ist an der SoMeWo Community besonders cool?

Was ist an der SoMeWo Community besonders cool?

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Danke euch Ladies für diese tolle Gruppe und eure Antworten, die hoffentlich nicht nur mich inspirieren für weitere funktionierende Communities.

Community Management – Wie mans macht ..

macht mans verkehrt. Keinen Satz finde ich treffender, wenns um Community Manager geht und wie sie agieren. Besser trifft es noch „Wie mans macht, macht mans eben.“ Denn jeder der unzähligen Empfänger interpretiert eine Aussage anders. Das macht Kommunikation heute so herausfordernd. In einem Anflug von Übermut hab ich beschlossen, für einen Kunden eine Art Social Media Führerschein zu entwickeln und sammle seither Praxisbeispiele und frage bei Praktikern nach. Weiter lesen